Podcast „Risiko und Nebenwirkung“

Podcast „Risiko und Nebenwirkung“

Bild: Machen den Podcast „Risiko und Nebenwirkung“: Felia Holtermann und Anja Wengenroth reden mit Expertinnen und Experten des UKM zu modernen Medizinthemen. (Foto © UKM/heine)

Podcast: Das UKM gibt es jetzt auch zum Hören

Reiseinfektionen und Klimawandel, geschlechtersensible Medizin oder die Pille für den Mann – das sind die ersten drei Themen des neuen UKM-Podcast, der seit dieser Woche auf allen dafür gängigen Plattformen zu finden ist. „Risiko und Nebenwirkung“: Das sind auf der einen Seite des Tisches Felia Holtermann und Anja Wengenroth aus der UKM-Unternehmenskommunikation, die frisch drauflos fragen. Rede und Antwort stehen am Mikrofon gegenüber die Expertinnen und Experten des UKM, die mit Fachwissen und Charme Zusammenhänge erklären. Ein Podcast für den es keinen medizinischen Hintergrund braucht. Und den jeder und jede Hörerin über die Kanäle des UKM selbst mitgestalten kann.

Münster (ukm/aw) – Egal wie alt: Der Podcast ist für alle, die sich für Gesundheitsthemen und medizinischen Fortschritt im Lichte aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen interessieren. Wie bleiben wir lange gesund? Was müssen wir dafür tun? Welche medizinische Entwicklung sollten wir keinesfalls verpassen? – es sind Themen wie diese, die quasi „im Vorbeihören“ geklärt werden und im Podcast-Format künftig zu jeder Tageszeit zur Verfügung stehen. Im Mittelpunkt stehen Themen der Gesunderhaltung und Prävention. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, dafür niederschwellig und unterhaltsam.

Felia Holtermann und Anja Wengenroth reden dabei nicht mit dem erhobenen Zeigefinger – sondern mit Expertinnen und Experten, die sich in ihren Themen wirklich auskennen. In Folge 3 „Von A(siatische Tigermücke) bis Z(ecke): Wie schütze ich mich vor Reiseinfektionen?“ erklärt beispielsweise Prof. Frieder Schaumburg, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Münster (UKM) und Wissenschaftler an der Universität Münster, welche Reiseimpfungen wirklich relevant sind und warum es sich bei Fieber in Zukunft sogar um Erkrankungen wie das Dengue- oder das West-Nil-Fieber handeln könnte. Und auch andere bis dato tropische Erkrankungen nicht unbedingt auszuschließen sind – sogar wenn Sie nicht auf Reisen waren.

„Risiko und Nebenwirkung“ wird in der UKM-Unternehmenskommunikation vollständig selbst produziert und versteht sich interaktiv, das heißt, alle Hörerinnen und Hörer können entweder per Mail (podcast@ukmuenster.de) oder über die Social Media-Kanäle des UKM Fragen zu kommenden Themen stellen und auch selbst Themen vorschlagen.

Die ersten drei Folgen des Podcast sind frisch hochgeladen und auf allen gängigen Plattformen sowie über die UKM-Website zu finden.

Risiko und Nebenwirkung:
Folge 1 : „Verhütung 2.0: Wann kommt die Pille für den Mann?“ – Prof. Michael Zitzmann, Zentrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) am UKM

Folge 2: „Weibliche Hysterie und schlimme Männergrippe? So wird Medizin geschlechtersensibel“ – Prof. Bettina Pfleiderer, ehemalige Präsidentin des Welt-Ärztinnenbundes und klinische Radiologin

Folge 3: „Von A(siatische Tigermücke) bis Z(ecke): Wie schütze ich mich vor Reise-infektionen?“ – Prof. Frieder Schaumburg, Institut für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Münster

Nach Nierenlebendspende: Der 9. Geburtstag kurz vor dem Ruhestand

Nach Nierenlebendspende: Der 9. Geburtstag kurz vor dem Ruhestand

Bild: Bernd Kampmann (l.) und seine Ehefrau Maren haben sich bewusst für eine Nierenlebendspende entschieden. Prof. Stefan Reuter weiß, dass es dafür auch medizinisch gesehen gute Gründe gibt. (Foto © UKM)

Bernd Kampmann konnte gerade erst seinen neunten Geburtstag feiern. Denn für den laut Ausweis 65-Jährigen begann am 27. Mai 2015 eine neue Zeitrechnung, als seine Ehefrau Maren entschied, ihm durch eine sogenannte Lebendspende eine ihrer Nieren zu schenken. „Jedes Jahr feiern wir diesen zweiten Geburtstag“, verraten die Kampmanns. Damit in Zukunft mehr Menschen von der Möglichkeit einer Nierenlebendspende profitieren können, will der Gesetzgeber im kommenden Jahr vorhandene Hürden abbauen. Ein wichtiger Schritt, findet Prof. Stefan Reuter, leitender Oberarzt der Transplantationsnephrologie am UKM (Universitätsklinikum Münster).

Münster (ukm/aw) – Auf den Transplantationswartelisten warten derzeit deutschlandweit mehr als 8.400 Menschen darauf, ein für sie lebensrettendes Organ zu erhalten. Allein für eine Niere waren im Jahr 2022 laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) 6.683 Menschen gelistet. „Leider ist es aber so, dass rund 18 Prozent der Patientinnen und Patienten versterben, noch während sie auf der Warteliste stehen“, so Reuter. Die geplante Änderung des Transplantationsgesetzes im Sinne einer Neuregelung der Nierenlebendspende (siehe Infokasten) solle ab dem kommenden Jahr den Mangel an Organen abmildern, erklärt er.

Medizinisch gesehen bietet die Nierenlebendspende gegenüber der Transplantation eines postmortalen Spenderorgans viele Vorteile. „Die Organe aus Lebendspenden sind meist in besserem Zustand. Und weil Spender und Empfänger meist in derselben Klinik operiert werden, fallen auch Transportzeiten weg: Das Spende-Organ bleibt vitaler“, so Nierenexperte Reuter. Und er fügt hinzu: „Bis zu einem Drittel der transplantierten Nieren in Deutschland stammen aus einer Nierenlebendspende. Spender und Empfänger werden im Vorfeld eingehend untersucht, um für beide Seiten Risiken zu minimieren. Das langfristige Überleben der Transplantierten ist aber in fast allen Fällen besser als im Vergleich zur postmortalen Spende.“

Dafür ist Bernd Kampmann ein gutes Beispiel. Trotz einiger zwischenzeitlich eingetretener Komplikationen, wie zum Beispiel einer schweren Gürtelrose aufgrund der immunsuppressiven Medikamente, die er täglich nehmen muss, hat er viel Lebensqualität gewonnen. „Die Einschränkung, dass ich alle 28 Tage zur Kontrolle in die nephrologische Ambulanz des UKM kommen muss, ist nicht zu vergleichen mit den Belastungen einer andauernden Dialyse“, stellt er klar. Vor dieser Situation stand er vor der Transplantation. Damals hatte sich seine Gesundheit aufgrund von Zysten-Nieren so akut verschlechtert, dass er drei Monate lang alle drei Tage zur Dialyse musste. „Eine Strapaze für uns beide“, erinnert sich Maren Kampmann. Dann kam ihre Entscheidung zur Nierenlebendspende. Ein Geschenk und ein „Ja!“ zum Leben. Bernd Kampmann hat in seiner Frau Maren „privat wie genetisch ein kompatibles Cross-Match“ gefunden, sagt er rückblickend. Im August wird der Jurist pensioniert. An Plänen für die Zukunft mangelt es nicht.

Info:
Das Bundesgesundheitsministerium will die sogenannte Überkreuz-Nierenlebendspende ab 2025 erleichtern. Überkreuz-Spenden sind dann notwendig, wenn ein Paar nicht immunologisch miteinander kompatibel und die Gefahr einer Abstoßung des Organs gegeben ist. In solchen Fällen, in denen Nieren-Spender und -Empfänger nicht „matchen“, besteht auch jetzt schon die Möglichkeit, mit einem immunologisch „passenden“ Paar überkreuz zu spenden. Das allerdings bisher nur, wenn ein persönliches Näheverhältnis besteht. Der aktuelle Referentenentwurf des Transplantationsgesetzes plant nun eine Anonymität in der Überkreuzspende einzuführen, d.h. Spender und Empfänger sollen sich nicht kennen. Die anonyme Überkreuzspende soll etwaigem Organhandel vorbeugen. Auch das sogenannte Subsidaritätsprinzip, also der Umstand, dass eine Nierenlebendspende nur dann in Betracht kommt, wenn kein passendes postmortal gespendetes Organ zur Verfügung steht, soll nach den Plänen der Bundesregierung wegfallen. Empfänger könnten sich dann also frei zwischen einem postmortalen Organangebot und, wenn ein Lebendnierenspender zur Verfügung steht, einer Lebendspende entscheiden. Darüber hinaus sieht der Entwurf auch die Möglichkeit altruistischer Nierenspenden vor. So könnten Menschen aus selbstlosen Motiven eine Niere spenden, ohne dass sie wissen, an wen sie geht.
Tanorexie – wenn die Sonne zum Suchtmittel wird

Tanorexie – wenn die Sonne zum Suchtmittel wird

Bild: Der Wunsch nach einer möglichst gebräunten Haut kann zu einer Sucht werden – Expertinnen und Experten für psychische Erkrankungen sprechen dann von der Tanorexie. (Foto © UKM/Envato)

Gut gebräunt aus dem Urlaub zurückzukehren ist das eine, doch wenn eine immer braunere Haut das Ziel ist, und es nicht mehr ohne Sonne oder Solarium geht, kann das Bräunen zur Sucht und einer eigenständigen psychischen Erkrankung werden: der Tanorexie.

Münster (ukm/lwi) – Viele Menschen halten sich gerne in der Sonne auf. Aus gutem Grund, denn das Licht hellt nachweislich unsere Stimmung auf und regt wichtige Stoffwechselprozesse im Körper an. Wenn die Sonne aber immer wichtiger wird, sich also nicht nur die Erde um sie dreht, sondern auch das eigenen Leben, dann gerät etwas aus der Bahn – so wie bei Menschen, die unter Tanorexie leiden: Sie sind süchtig nach möglichst stark gebräunter Haut.

Das Phänomen dieser psychischen Erkrankung ist schon in den 1950er-Jahren erstmalig beschrieben worden, weiß Prof. Bernhard Baune, Direktor der Klinik für Medizinische Gesundheit am UKM (Universitätsklinikum Münster). „Das hat auch viel mit dem Schönheitsideal zu tun, das in unserer Kultur immer noch häufig mit gebräunter Haut in Zusammenhang gebracht wird.“

Beim Sonnenbad im natürlichen UV-A-Licht wird durch die Ausschüttung von Endorphinen und Serotonin immer auch ein Glücksgefühl ausgelöst. Im Extremfall folgt die Tanorexie damit laut Baune auch den typischen Merkmalen anderer Suchterkrankungen: „Die Gedanken fokussieren sich auf die Möglichkeit, sich zu sonnen – und das immer häufiger, länger und intensiver; ist das nicht möglich, erleben die Betroffenen das als stressvolle Entzugssymptomatik. Sozialer Rückzug, das Verlieren von Freunden, Unruhe, Angsterkrankungen und eine Depression können die Folge sein, wenn man täglich vielen Stunden in der Sonne verbringt – ganz zu schweigen von körperlichen Folgeerkrankungen wie etwa Schwarzem oder Weißem Hautkrebs.“

Wie bei anderen Suchterkrankungen kommt es bei auch bei Tanorexie-Betroffenen häufig zu einer großen Diskrepanz in der Selbsteinschätzung und der Einschätzung durch andere. Während die Erkrankten ihre Haut also etwa weiterhin als zu hell oder nicht braun genug wahrnehmen, weist ihr soziales Umfeld sie häufig auf das genaue Gegenteil hin. „Bei einer Behandlung würde man sich im Rahmen einer Therapie daher auch auf die Suchtentwicklung beziehen,“ sagt Baune, „also eine Entwöhnung und Verhaltensänderung durchführen, aber gleichzeitig auch die dahinterliegende Problematik in Bezug auf das Schönheitsideal angehen, das häufig mit einem verminderten Selbstwertgefühl vergesellschaftet ist.“

Verlässliche Zahlen zur Tanorexie gibt es laut Baune übrigens nicht, da sie als eigenständige Erkrankungen aber relativ unbekannt ist, dürfte die Dunkelziffer an Betroffenen relativ hoch sein. Gleichzeitig ändere sich aber das gesellschaftliche Bewusstsein dahingehend, dass eine hohe UV-Strahlung schädlich ist. Zudem sinkt zumindest in Deutschland auch die Zahl der Sonnenstudios, so dass Baune davon ausgeht, dass in Zukunft weniger Menschen von der Sucht nach der Sonne und einer möglichst braunen Haut betroffen sind.

Das Theater Münster besucht Kinderstationen im UKM

Das Theater Münster besucht Kinderstationen im UKM

Bild: Die Tänzerin Hera Norin und der Tänzer Lukas Bisculm vom Theater Münster besuchten am Donnerstag einige Kinderstationen und überraschten die jungen Patientinnen und Patienten mit gefühlvollen Tanzeinlagen. (Foto © UKM/Wibberg)

Tanz als Teil der Therapie

Im Rahmen einer Kultur-Kooperation von UKM und Theater Münster gab es am Donnerstag eine Premiere für junge Patientinnen und Patienten auf verschiedenen Kinderstationen zu erleben: Über ein interaktives Tanz-Angebot traten eine Tänzerin und ein Tänzer dort behutsam mit den Kindern in Kontakt, um sie mit einem besonderen Erlebnis für eine kurze Zeit aus ihrem Klinik-Alltag zu entführen.

Münster (ukm/lwi) – Für viele kranke Kinder dürfte es am Donnerstag eine gänzlich neue Erfahrung gewesen sein, als sie auf ihren Stationen mit einem mobilen Tanz-Projekt am UKM (Universitätsklinikum Münster) in Berührung gekommen sind – und vielleicht sogar zum ersten Mal mit Tanz als künstlerischer Kommunikationsform überhaupt.

Auf insgesamt drei Stationen (Kinderkardiologie, Kinderorthopädie und Kinderneurologie) waren die Tänzerin Hera Norin und der Tänzer Lukas Bisculm vom Theater Münster zu Gast in der Klinik und sorgten mit einem offenen, interaktiven Tanz-Format für ganz besondere Momente der Begegnung. Dass die Kinder dabei ihren gewohnten Klinik-Alltag kurzzeitig hinter sich ließen, war das Ziel des Projektes, doch auch für die Tanzenden galt es Neuland zu betreten: Anders als in ihrem gewohnten Terrain boten Norin und Bisculm nämlich keine in sich geschlossene Aufführung auf einer Bühne, sondern holten ihr junges Publikum teils unter Einsatz von Requisiten und kleinen Geschenken ab, um ihnen Tanz als Ausdrucks- und Kulturform behutsam näherzubringen – ganz individuell, spontan und emphatisch auf die Situation angepasst. Unterstützung erhielten sie dabei von Barbara Westenberger, die als Clinic-Clownin Flora langjährige Erfahrung und wichtiges Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Begleitung kranker Kinder hat. Zur feinfühligen Annährungen passten dann auch zwei der drei Themen, die das kleine Ensemble im Gepäck hatte: Luft und Federn sowie Wasser und Meer boten Raum für einen ruhigeren Tanz, während es bei Thema Garten lebhafter zugehen durfte.

Auf Seiten des Theaters Münster stellt die Kooperation mit dem UKM eine Facette des Projektes TanzNAH dar, das Tänzerinnen und Tänzer aus dem Theater holt und sie – kostenlos, und teils digital – im öffentlichen Raum auftreten lässt, um ein breitgefächertes Publikum zu erreichen. „Bei den TanzNAH-Episoden am UKM stehen die vitalisierenden, heilenden und kathartischen Aspekte des Tanzes im Zentrum“, sagt Lillian Stillwell, Tanzdirektorin und Chefchoreografin am Theater Münster. „Es geht um Themen, die sowohl das Theater als auch die Medizin beschäftigen: Das Wohlergehen unseres Gegenübers, der energetische Puls zwischen Menschen und Bewegung, Zeichen der Lebenskraft.“

Im UKM bettet sich das Format in die „Kultur imPulse“ ein und erweitert dort im Speziellen die Reihe der schon bestehenden mobilen Angebote: „Wir haben gute Erfahrungen mit der mobilen Musik, den Lesungen am Bett und natürlich unseren Clinic-Clowns gemacht. Jetzt sind wir sehr gespannt wie der Tanz, als ganz neues Kulturfeld in unserem Programm, ankommt“, sagt UKM-Kulturreferent Christian Heeck. Denn schon heute ist klar, dass beide Kooperationspartner das Projekt fortführend denken, und in weiteren Touren über die Stationen ausweiten und auch erwachsenen Patientinnen und Patienten zugänglich machen möchten.

Die Kooperation der beiden Einrichtungen feierte ihre Premiere beim Kinder- und Familiensommerfest. Es folgten Tanz-Auftritte bei der Feier „30 Jahre Kultur im Krankenhaus“, Aufführungen für Patientinnen und Patienten und interessierte Besuchende im Zentralklinikum sowie eine Kooperation im Rahmen eines interkulturellen Tanz-Workshops für UKM-Mitarbeitende – und jetzt erstmalig auch der Besuch auf verschiedenen Stationen.

Video: Besondere Momente erlebten junge Patientinnen und Patienten am Donnerstag bei der Premiere des Projektes TanzNAH am UKM.
H5N1 massenhaft bei Milchkühen in den USA entdeckt

H5N1 massenhaft bei Milchkühen in den USA entdeckt

Bild: Im Interview: Prof. Stephan Ludwig, Leiter des Instituts für molekulare Virologie am UKM und Koordinator der One Health Platform, im Interview. (Foto © UKM)

Wirtswechsel des Vogelgrippevirus H5N1 birgt Risiken

Münster (ukm/aw) – Eine zuerst in 2019 aufgetretene Variante des Vogelgrippe-Virus H5N1 ist erstmals in mindestens 36 Rinderherden in den USA entdeckt worden. Die Tiere haben sich untereinander angesteckt, wie genau, ist noch nicht bekannt. Ein Mensch, der mit den Tieren in engem Kontakt stand, wurde ebenfalls infiziert, erkrankte aber nur relativ leicht. Wissenschaftler sind überrascht, denn jede fünfte Milchprobe, die wegen der vielen Infektionsfälle untersucht wurde, weist Bestandteile des Virus auf. Warum das Grund zur Besorgnis ist und mit welchen Maßnahmen eine weitere Ausbreitung des Virus nun verhindert werden muss, dazu der Direktor des Instituts für molekulare Virologie am UKM und Koordinator der One Health Platform, Prof. Stephan Ludwig.

Herr Prof. Ludwig, wie der Name schon sagt, ist das H5N1-Virus erstmals bei Vögeln aufgetaucht. Zwischenzeitlich ist das Virus auch auf andere Wirte übergesprungen, jetzt ist es erstmals bei Milchkühen massenhaft aufgetaucht. Warum ist das ein Risiko?

Das Virus hat sich seit seinem erstmaligen Erscheinen 1996 in Asien inzwischen weltweit verbreitet. Die jetzt vorherrschende Variante, die sogenannte Klade (Art) mit dem Namen H5N1 2.3.4.4b, ist seit 2019 bekannt und was wir zunehmend sehen ist, dass das Virus auf andere Spezies und auch Säugetiere überspringen kann. Nun ist sie erstmals in Nutztieren gefunden worden, die in enger Vergemeinschaftung mit dem Menschen leben. Die Gefahr liegt darin, dass die Massentierhaltung der Verbreitung des Virus natürlich Vorschub leistet. Je höher die Ansteckungszahlen aber sind, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus mutiert und eine gefährliche Variante entsteht, die auch auf den Menschen übertritt.

Es hat sich schon ein Mensch angesteckt…

Glücklicherweise waren die Krankheitsfolgen bei ihm nur leicht, er erkrankte lediglich an einer Konjunktivitis (Bindehautentzündung), die nach einigen Tagen wieder abgeklungen war. Im Moment würde ich diese Ansteckung noch als eine Art Unfall sehen. Wir müssen davon ausgehen, dass der Mann sich aufgrund einer sehr hohen Virusexposition auf einem Milchviehbetrieb angesteckt hat. Allerdings ist die Datenlage zum Infektionsweg noch unklar. Ebenso haben wir noch keinen wissenschaftlichen Nachweis, wie die Übertragung von Kuh zu Kuh geschieht. Fakt ist, dass das Euter bei der Ansteckung eine Rolle spielen könnte, denn dort findet sich eine hohe Viruslast. Das könnte auch zu einem Problem für die Eindämmung werden, denn wenn die Euter infektiös sind, dann ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das Melkgeschirr.

Wissenschaftler zeigen sich beunruhigt, dass in jeder fünften untersuchten Milchprobe aus dem Supermarkt Bauteile des Virus nachgewiesen werden konnten, wenn auch in denaturierter Form. Ist eine Ansteckung über Nahrungsmittel möglich?

Im Moment gilt die Ansteckungsgefahr nur für Rohmilch und auch nur für die USA. Wir haben in Deutschland ein ganz anderes Überwachungssystem, sozusagen „die gläserne Kuh“. Nach jetzigem Stand lässt sich aber nicht ausschließen, dass eine Ansteckung über Milch, Fleisch oder auch Eier potentiell irgendwann irgendwo auf der Welt erstmals erfolgt. Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir das sehr genau beobachten. Bei dieser riesigen Menge an H5N1-Viren, wie sie sich derzeit auf der Welt befinden kann es sehr gut sein, dass dem Virus durch Variantenbildung gelingt, die Vermehrung von Kuh zu Kuh noch zu verbessern oder sogar, dass sich eine Variante auf den Menschen anpassen kann.

Wie lässt sich eine weitere Verbreitung jetzt noch verhindern?

Es ist auf jeden Fall wichtig, dass man Tiertransporte mit infizierten Kühen unterbindet. Dass man Betriebe, in denen das Virus auftaucht abschottet und schaut, dass man das Virus dort wieder herauskriegt. Dazu müssen wir aber auch wissen, wie der genaue Infektionsweg von Kuh zu Kuh funktioniert.

Wäre es nicht wichtig, einen Impfstoff zu entwickeln? Entweder für Kühe oder vorsorglich auch für den Fall, dass das Virus sich auf den Menschen anpasst?

Es ist sehr sinnvoll, zum jetzigen Zeitpunkt über einen Impfstoff gegen H5N1 nachzudenken, das hat man sogar in der Vergangenheit schon einmal getan, als Anfang der 2000er Jahre in Asien bei Menschen Infektionsfälle (mit einer anderen Klade) aufgetreten sind. Problem: Herkömmliche Impfstoffe werden im befruchteten Hühnerei hergestellt. Das müssten dann große Anlagen sein und es gäbe eine hohe Infektionsgefahr für Menschen, die dort arbeiten. Alternativ kann man Impfstoffviren aber auch in Zellkulturen heranziehen, um diese Gefahr zu vermeiden. Zwei so hergestellte H5N1-Impfstoffkandidaten wurden bereits von der europäischen Arzneimittelbehörde (EMAH) geprüft. Ersten genetische Untersuchungen der Erreger aus den Kühen zufolge zeigt das für die Impfung wichtige HA-Protein eine große Übereinstimmung mit den Impfstoffkandidaten.

Video: Prof. Stephan Ludwig schätzt den Übersprung des Vogelgrippe-Virus auf Milchkühe aus virologischer Sicht ein.
Neugeborenen-Simulator für das St. Franziskus-Hospital

Neugeborenen-Simulator für das St. Franziskus-Hospital

Bild: Freuen sich über die Anschaffung eines Neugeborenen-Simulators im St. Franziskus-Hospital (v.r.n.l.) Kira Bendel (Frühchenverein), Ute Wiengarten, Wera Röttgering und Helmut Foppe (Herzenswünsche e.V.) sowie Dr. Christian Albiker, Dr. David Lewers und Dr. Meike Franssen (Franziskus Hospital).

Spenden ermöglichen Anschaffung einer Baby-Simulationspuppe (= Neugeborenen-Simulator) am FranziskusSIM

Münster – Ein Herzenswunsch, der Leben rettet: Mit einer Spende in Höhe von 25.000 Euro ermöglicht der Verein Herzenswünsche e.V. dem St. Franziskus-Hospital die Anschaffung eines lebensechten Neugeborenen-Simulators. Damit können zukünftig im hospitaleigenen Simulationszentrum FranziskusSIM medizinische Baby-Notfälle trainiert werden.

Nachdem bereits über 30.000 Euro an Spendengeldern von privaten Spendern für das Projekt eingegangen waren und sich der Verein „Das frühgeborene Kind Münster e.V.“ mit 2.500 Euro beteiligte, erklärte Herzenswünsche e.V. die Übernahme des noch fehlenden Betrags für die 60.000 Euro teure Hightech-Simulationspuppe. „Wir sind überglücklich, dass wir unser FranziskusSIM nun um diesen besonderen Neugeborenen-Simulator erweitern können,“ sagt Dr. Christian Albiker, Ärztlicher Leiter des FranziskusSIM. „Es ist uns ein großes Anliegen, unsere Teams optimal auf medizinische Notfälle bei Frühgeborenen, Neugeborenen und Babys vorbereiten zu können“. „Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herzenswünsche e.V., beim Frühchenverein Münster und bei den vielen privaten Spendern für die großartige Unterstützung“, ergänzt Dr. David Lewers, Kaufmännischer Direktor des St. Franziskus-Hospitals.

Neugeborene und kleine Kinder haben oft noch ein fragiles Herz-Kreislaufsystem oder ein unreifes Atemzentrum. Kommt es bei ihnen zu medizinischen Notfällen, zählt jede Sekunde. Deshalb ist es wichtig, dass im Ernstfall das ganze Team dafür trainiert ist. Der lebensecht aussehende Neugeborenen-Simulator bringt dafür viele Hightech-Funktionen mit: Das Trainingsmodell kann sich bewegen, atmen, Geräusche machen und fühlt sich an wie ein echtes Neugeborenes. Es kann beatmet und mit Zugängen versorgt werden. Kritische Zustände wie Atemstillstand und Herz-Kreislauf-Probleme können ebenso simuliert werden wie Bewusstseinsverlust. Verschiedene Sensoren überwachen die Behandlung – der Erfolg kann später genau ausgewertet werden. Da der ausgewählte Neugeborenen-Simulator namens EMILY derzeit noch nicht lieferbar ist, trainiert das Team des FranziskusSIM in den kommenden Monaten zunächst mit dem Frühgeborenen-Simulator PAUL, der für den Übergang kostenfrei von der Herstellerfirma zur Verfügung gestellt wird.

„Wir freuen uns sehr, mit unserer Spende für realistischere Übungsmöglichkeiten für Notfälle bei Babys beitragen zu können,“ sagt Ute Wiengarten, Vorstand des Vereins Herzenswünsche e.V., „und damit ganz konkret die lebensrettende Versorgung der Allerkleinsten weiter zu verbessern.“ Kira Bendel, erste Vorsitzende des Frühchenvereins, hatte den Kontakt zu Herzenswünsche e.V. hergestellt und berichtet: „Eine bestmögliche Versorgung von Neugeborenen ist uns eine Herzensangelegenheit. Wir arbeiten eng mit dem Franziskus Hospital zusammen und haben bei der Anschaffung von EMILY gerne unterstützt“.