Mit der Babylotsen sicher ins Familienleben starten

Mit der Babylotsen sicher ins Familienleben starten

Bild: Machen sich gemeinsam stark für das Projekt Babylotsen (v.l.): Die Babylotsinnen des Clemenshospitals, Elke Alaze und Nicole Heidwinkel, Dr. Georg Hülskamp, Beate Riße, Dr. Michael Böswald, die Babylotsin des St. Franziskus-Hospitals, Mailin Böggemann, Dr. Mareike Möllers und die Babylotsin des UKM, Jessica Overhoff. © Foto: St. Franziskus-Hospital

Babylotsen: Geburtshilfe am UKM nach Clemenshospital und St. Franziskus-Hospital jetzt auch im Qualitätsverbund Babylotse

Münster – Die Geburt eines Kindes ist für Eltern fast immer einer der schönsten Moment im Leben. Leider mischen sich bei manchen jungen Familien unter die anfängliche Freude auch Ängste und Sorgen. So sehen sich 28 Prozent der Eltern, deren Kinder in Münster geboren werden, wirtschaftlichen oder sozialen Problemen gegenüber. Nicht selten führt dies bei den frischgebackenen Eltern zur Überforderung.

An dieser Stelle kommt das deutschlandweite Projekt „Babylotsen“ ins Spiel, das in Münster bereits seit 2015 im St. Franziskus-Hospital, seit vergangenem Jahr gefördert durch die Initiative „Kinderstark NRW“ im Clemenshospital, und neu ab diesem Jahr auch im Universitätsklinikum Münster (UKM) durch speziell geschulte Mitarbeitende angeboten wird. Die Aufgabe der Babylotsen ist hierbei das Erkennen von Hilfebedarfen nach der Geburt und die individuelle, passgenaue Vermittlung in die Angebote der frühen Hilfen im münsterischen Netzwerk.

„Laut einer Studie der Caritas liegt der Anteil der Mütter mit psychosozialen Belastungen, die für die gesunde Entwicklung ihrer Kinder relevant sind, durchschnittlich zwischen 15 und 23 Prozent. Dabei kann es sich um materielle Sorgen, Sprachbarrieren oder auch Konfliktsituationen handeln“, wie die Babylotsinnen des Clemenshospitals, Elke Alaze und Nicole Heidwinkel, berichten. Auch ihre Kollegin im UKM, Jessica Overhoff, verweist auf die Bedeutung des Angebots: „Wir sind für die Familien erste Anlaufstelle direkt nach der Geburt und können damit bei allem, was danach kommt, als Babylotsen unterstützen. Mit dem frühen Abfangen von möglichen wirtschaftlichen, finanziellen oder psychosozialen Problemen, können wir die Entwicklung maßgeblich beeinflussen.“
Beate Riße, Münsters erste Babylotsin, die das Projekt im St. Franziskus-Hospital mit aufgebaut hat, weiß aus langjähriger Erfahrung: „Es kommt darauf an, die Eltern niederschwellig anzusprechen und zu erreichen und dann mit der Familie gemeinsam zu überlegen, welche der zahlreichen Hilfsangebote zur Unterstützung sinnvoll sind. Wir sind also die Lotsinnen in einem sehr gut etablierten Netzwerk von Angeboten in Münster.“

Seit 2021 ist das St. Franziskus-Hospital einziges Fortbildungszentrum für Babylotsen in NRW und hat auch die Mitarbeitenden in den beiden anderen Geburtskliniken der Stadt ausgebildet sowie bei der alltäglichen Arbeit unterstützt. Alle drei Kliniken sind Mitglied im Qualitätsverbund Babylotse e.V., der 20 Prozent der Geburten in Deutschland im Blick hat. Ein Projekt, das auch finanziert werden muss: Im St. Franziskus-Hospital werden die Babylotsen neben einer Eigenbeteiligung seit 2019 entsprechend dem Anteil an betreuten münsterischen Familien durch die Stadt Münster und einige umliegende Kreisen finanziert. Eine bedeutende Finanzierung, die auch das Clemenshospital und das UKM für 2024 beantragt haben.

Die ärztlichen Projektleiter, Dr. Mareike Möllers als leitende Oberärztin der Geburtshilfe im UKM, Chefarzt Dr. Michael Böswald vom St. Franziskus-Hospital und Chefarzt Dr. Georg Hülskamp vom Clemenshospital, sind fest überzeugt: „Das Babylotsenprojekt ermöglicht vorsorglichen Kinderschutz und ist eine nachhaltige und gute Investition in unser aller Zukunft.“

Gemeinsam mit einigen münsterischen Ratsherren und Ratsfrauen machen sich die drei Kliniken aktuell dafür stark, dass die Finanzierung dieses wichtigen Angebots für junge Familien auch in Zukunft nachhaltig gesichert wird. „Wir wünschen uns, dass die Förderung durch die Stadt im Jahr 2024 fortgesetzt wird, damit den betroffenen Eltern dieses sehr wertvolle Angebot auch in Zukunft in allen drei Kliniken bereitgestellt werden kann“, wie die Verantwortlichen des Clemenshospitals, des St. Franziskus-Hospitals und des UKM übereinstimmend betonen.

Augenklinik des UKM lädt zum Infoabend

Augenklinik des UKM lädt zum Infoabend

Bild: Das UKM beteiligt sich in diesem Jahr wieder an der „Woche des Sehens“. In der Klinik für Augenheilkunde gibt es am 12. Oktober Vorträge zum Thema Diagnostik und Therapie von Augenerkrankungen. (© Foto UKM)

Bereits zum 42. Mal läuft in diesem Jahr vom 8. bis 15. Oktober die bundesweite „Woche des Sehens“. Die Augenklinik des UKM nimmt die Woche zum Anlass, am Donnerstag, 12. Oktober, im Rahmen eines Infoabends über Behandlungsmöglichkeiten von Augenerkrankungen aufzuklären. Sehen ohne Brille oder das selbstständige Messen des Augeninnendrucks sind einige der Themen.

Münster (ukm/lwi) – Die bundesweite Aktionskampagne „Woche des Sehens“ hat es sich auch in diesem Jahr zum Ziel gesetzt, auf die Bedeutung eines guten Sehvermögens hinzuweisen, über Ursachen vermeidbarer Erblindung aufzuklären und die oft schwierige Situation für sehbehinderte und blinde Menschen in den Fokus zu nehmen.

Das UKM (Universitätsklinikum Münster) beteiligt sich an der Aktionswoche und greift dabei das diesjährige Motto „Augen als Fenster zur Welt“ auf. In der Klinik für Augenheilkunde wird es am Donnerstag, 12. Oktober, ab 17 Uhr insgesamt fünf Vorträge zu unterschiedlichen Themen rund um das Sehen geben. Im Fokus stehen dabei Diagnostik und Therapie von Augenerkrankungen. Die Expertinnen und Experten gehen etwa der Frage nach, welche Möglichkeiten es für ein Sehen ohne Brille gibt, wie gut sich der Augeninnendruck selbst messen lässt, oder sie besprechen die AMD, die altersbedingte Makuladegeneration, bei der die Makula, also der zentrale Bereich der Netzhaut, erkrankt – in Deutschland die häufigste Ursache für ein Erblinden.

In einem anderen Vortrag wird es um Operationsmöglichkeiten beim Katarakt gehen, dem Grauen Star also, der jeden Menschen irgendwann in seinem Leben betrifft. „Genauso, wie die Haare grau werden, wird auch irgendwann die Linse im Auge grau und trübt ein“, sagt Dr. Jens Storp von der Klinik für Augenheilkunde am UKM. Für wen in einem solchen Fall eine ambulante, und für wen eine stationäre Operation sinnvoll ist, auch das wird am 12. Oktober Thema sein.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Nähere Informationen zur UKM-Augenklinik finden Sie auch »hier«.

Thema: „Augen als Fenster zur Welt – Vorträge zu Diagnostik und Therapie von Augenerkrankungen“
Datum: Donnerstag, 12. Oktober, 17 Uhr
Ort: Hörsaal der Klinik für Augenheilkunde am UKM, Gebäude D15, Domagkstraße 15, 48149 Münster
Corona-Impfung: Wer und wann?

Corona-Impfung: Wer und wann?

Bild: Prof. Stephan Ludwig, Leiter des Instituts für Molekulare Virologie am UKM zum Thema: »Corona-Impfung«. © Foto: UKM/Deiters

Corona-Impfung: Warum es nicht mehr wichtig ist, welche Variante gerade vorherrscht

Münster (ukm/aw) – Eigentlich möchte man ja lieber nichts mehr von diesem Virus hören. Dennoch steht die Infektsaison vor der Tür und zumindest die Frage nach der Impfung taucht erneut auf. Prof. Stephan Ludwig, Direktor des Instituts für Molekulare Virologie am UKM, fasst im Sinne eines FAQ zusammen, für wen eine Impfung mit den neuen angepassten Corona-Impfstoffen wichtig ist, und er erklärt auch, warum wir eigentlich gar nicht mehr wissen, welche Corona-Variante gerade aktuell ist.

Herr Prof. Ludwig, muss ich mich – dreieinhalb Jahre nach dem Auftauchen von SARS-CoV-2 – auch in diesem Herbst wieder impfen lassen?
Die STIKO empfiehlt das Impfen nicht mehr für die gesamte Bevölkerung, sondern erst für Menschen ab 60 Jahren. Außerdem natürlich für Menschen mit Vorerkrankungen oder Immunsupprimierte. Auch für Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten oder in Altenheimen ist eine Auffrischung der Impfung sinnvoll. Ebenso für Schwangere oder für Frauen, die sich mit einem Kinderwunsch tragen, weil das Risiko einer Corona-Infektion in der Schwangerschaft größer ist.

Wenn ich jetzt geimpft bin oder die Infektion mit SARS-CoV-2 gerade erst durchgemacht habe, wie lange bin ich danach noch geschützt?
Hier geht man davon aus, dass ein dreimaliger Kontakt mit dem Antigen – also entweder geimpft oder infiziert – ausreicht, um auch gegen neue Varianten einen relativ guten Schutz zu haben. Falls der letzte Kontakt mit dem Antigen schon ein Jahr oder noch länger zurückliegt, sollte man aber in jedem Fall über eine Auffrischung nachdenken.

Wie früh oder spät im Jahr soll ich mich impfen lassen?
Es ist sinnvoll, wenn man für die Corona-Auffrischungsimpfungen in einen Zyklus kommt ähnlich wie bei der Grippeimpfung. Da ist es ja auch so, dass man sich im Herbst impfen lässt und die Wirkung über den ganzen Winter hält. Es braucht ja auch eine Zeit, bis der Impfschutz nach der Impfung aufgebaut ist, sodass er eigentlich bis ins späte Frühjahr halten sollte.

Wie sinnvoll ist eine Doppel-Impfung gegen SARS-CoV-2 und Grippe?
Die Doppel-Impfung ist alleine schon deshalb sinnvoll, weil sie nur einen Arztbesuch erfordert. Außerdem hat es den Vorteil, dass man nur einmal mit möglichen Impfreaktionen zu tun hat, wie Schmerzen an der Einstichstelle oder erhöhter Temperatur, was bei empfindlichen Menschen nie ganz auszuschließen ist. Es ist auf keinen Fall so, dass sich – gleichzeitig verabreicht – beide Impfungen in irgendeiner Weise stören.

An welche Varianten sind die aktuellen Impfstoffe angepasst und welche Varianten herrschen eigentlich gerade vor?
Die aktuellen Impfstoffe sind an die XBB-Variante angepasst, die seit März/April in Deutschland quasi die Kontrolle übernommen hat. Dabei handelt es sich aber immer noch um eine Omikron-Variante. Wir wissen tatsächlich nicht, welche Variante gerade vorherrschend ist. Das ist aber auch nicht schlimm. Es handelt sich bei den jetzigen Subvarianten im Umlauf immer um solche, die sich im genetische Korsett von Omikron bewegen. Das sind also nicht mehr grundlegend neue Varianten, die starke Krankheitssymptome verursachen. Wir gehen daher davon aus, dass die angepassten Impfstoffe gegen alle weiteren Subtypen von Omikron wirksam sind.

Cerberus, Eris, Pirola: Wer legt eigentlich die Namen für die Corona-Varianten fest?
Die eigentliche Nomenklatur der SARS-CoV-Viren, die auch die WHO offiziell nutzt, ist das was wir in Abkürzungen kennen, also XBB.1.5, eg.5, BQ.1.1. Tatsächlich sind diese Namen, die man sonst so hört, also beispielsweise Cerberus, der Höllenhund oder aktuell Eris, von Wissenschaftlern ausgedacht und sie finden dann, weil sie so griffig sind, Eingang in die Umgangssprache. Das sind aber keine offiziellen Bezeichnungen für die Varianten.

Infektionen mit Omikron verlaufen in der Regel weit weniger schwer als solche mit früheren Varianten. Warum hat sich das Virus so entwickelt, dass es weniger gefährlich ist?
Die ersten Varianten von SARS-CoV-2 haben sich noch sehr tief in der Lunge vermehrt. Das macht die Menschen sehr schnell sehr krank. Mit der Folge, dass die Betroffenen im Bett liegen müssen, sich das Virus so aber auch nicht gut weiterverbreiten kann. Die neueren Varianten haben sich deswegen so selektioniert, dass sie sich meist im oberen Bereich der Lunge vermehren. Wenn ein Virus weit oben ist, wird es leichter ausgehustet. Außerdem sind die Patientinnen und Patienten weniger krank, können unter Leute gehen und so kann sich das Virus besser verbreiten. Der bessere Übertragungsweg ist von Vorteil für das Virus und deshalb haben sich Omikron-Varianten durchgesetzt.

Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am UKM erweitert

Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am UKM erweitert

Bild: Freuen sich über das neue Bettenangebot, von dem Menschen mit psychosomatischen Symptomen künftig profitieren: Klinikdirektor Prof. Rupert Conrad und der Kaufmännische Direktor des UKM, Dr. Christoph Hoppenheit. © Foto: UKM/Wibberg

Neue moderne Räume und zusätzliche Betten: Die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist von bisher 14 auf nun 22 Betten erweitert worden. Ein neuer Schwerpunkt liegt auf der Behandlung junger Erwachsener. Neu hinzugekommen ist ein Wahlleistungstrakt. Modernisierte Räumlichkeiten tragen zu einer komfortablen Aufenthaltsqualität für Patientinnen und Patienten bei.

Münster (ukm/aw) – Mit dem neuen und erweiterten stationären Angebot reagiert die Klinik auf den wachsenden Bedarf an psychosomatischer Therapie. Prof. Rupert Conrad, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am UKM, unterstreicht die Bedeutung der Umgebung für die Therapie. „Wir wollen denjenigen, die unsere therapeutische Unterstützung benötigen, einen Schutzraum bieten, in dem sie sich vollkommen wohlfühlen können und der ihnen hilft, sich auf sich und ihre Bedürfnisse zu konzentrieren“, sagt Conrad. Und auch der Kaufmännische Direktor, Dr. Christoph Hoppenheit, freut sich über die Erweiterung und die Modernisierung der Klinik. „Ich bin sehr zufrieden, dass wir nun auch unsere Räumlichkeiten entsprechend der ausgezeichneten medizinischen Standards, die Patientinnen und Patienten in dieser Klinik vorfinden, anpassen konnten. Die Aufenthaltsdauer von Menschen mit einer behandlungsbedürftigen psychosomatischen Symptomatik ist im Durchschnitt sehr viel länger als in anderen medizinischen Disziplinen“, so Hoppenheit.

An den Wänden der hellen und freundlichen Zimmer hängen gerahmte unterschiedliche „Münster-Motive“. Die stimmungsvollen Fotos von Aasee, Schloss, Promenade und Hafen haben gemeinsam, dass auf ihnen ein Weg im Bildmittelpunkt steht: „Wir haben uns bewusst für dieses symbolische Leitmotiv entschieden. Kernelement unserer Behandlung ist die Unterstützung bei der Bewältigung von Entwicklungsschritten, die bisher aufgrund der psychischen Erkrankung nicht gegangen werden konnten.“ Die Klinik hat die Schwerpunkte Essstörungen, stressassoziierte körperliche Beschwerden und Traumafolgestörungen sowie die Behandlung junger Erwachsener mit Problemen an der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsenenalter. Die sogenannte Transitionspsychosomatik wendet sich an Betroffene im Alter zwischen 18 und 29 Jahren und unterstützt sie darin, ihren Weg zu beschreiten.

Drei Fragen an Prof. Rupert Conrad, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Herr Prof. Conrad, warum haben gerade junge Erwachsene scheinbar immer öfter Schwierigkeiten, ihren Weg zu finden?
Das junge Erwachsenenalter zeigt die größte Häufigkeit psychischer Störungen. Studien zufolge erfüllt jeder dritte junge Erwachsene die Kriterien für psychische Erkrankungen, auf der anderen Seite werden Hilfsangebote gerade von dieser Altersgruppe am wenigsten in Anspruch genommen. Das Phänomen des verlängerten Erwachsenwerdens hat etwas mit den komplexer werdenden Anforderungen in dieser Altersphase zu tun. Also Identitätsbildung, Sicherstellung einer beruflichen Perspektive und auch die Ablösung vom Elternhaus – das alles bei gleichzeitig unsicheren Rahmenbedingungen mit finanzieller Unsicherheit und wenig Stabilität in Partnerschaften. Gleichzeitig ist durch die sozialen Medien der Druck zur Selbstoptimierung gestiegen. Der ständige Vergleich mit Gleichaltrigen macht es notwendig, sich möglichst gut und attraktiv darzustellen. Das ist kaum vereinbar mit eigenen Zweifeln und Ängsten.

Ist das auch eine Frage der Erziehung?
Das hat sicher auch etwas mit der Erziehung zu tun, aber vor allem mit dem gesamten sozio-kulturellen Umfeld. In einer wirtschaftlich hoch entwickelten Gesellschaft versuchen Eltern ihren Kindern bis weit ins junge Erwachsenenalter alle Möglichkeiten zur Bildung zu geben, was ja grundsätzlich eine positive Entwicklung ist. Der Anspruch, die bestmögliche Auswahl aus diesem Angebot zu treffen, insbesondere bei elterlicher Überbehütung – Stichwort „Helikopter-Eltern“ – stellt für viele junge Erwachsene eine Überforderung dar.

Welches sind die typischen Störungen von jungen Erwachsenen und wie behandeln Sie diese?
Der Fokus liegt auf der Behandlung von Essstörungen, stressassoziierten körperlichen Beschwerden sowie der Bewältigung chronischer körperlicher Erkrankungen, Traumafolgestörungen und Angsterkrankungen. Viele Betroffene zeigen als Begleiterkrankung Depressionen, sodass Betroffene regelmäßig mehr als eine Diagnose haben. Es ist vor allem wichtig, zum Beispiel eine sich entwickelnde Angststörung oder Essstörung möglichst früh zu erkennen und zu behandeln, bevor sie chronisch wird. Unser integratives Therapiesetting mit psychodynamischem Schwerpunkt bietet Einzel- und Gruppentherapiesitzungen, Bewegungs- und Gestaltungstherapie, soziales Kompetenz- oder auch Entspannungs- und Achtsamkeitstraining. Daneben auch medikamentöse Behandlung und systemische Interventionen. Die Dauer der Behandlung liegt in den meisten Fällen zwischen sechs und zwölf Wochen. Junge Erwachsene sollen die Klinik in dieser Zeit als geschützten Raum erleben, wo sie sich nicht verstecken oder verstellen müssen und offen mit Gleichaltrigen reden können.

UKM-Ambulanz hilft Betroffenen und Angehörigen nach langem Aufenthalt auf der Intensivstation

UKM-Ambulanz hilft Betroffenen und Angehörigen nach langem Aufenthalt auf der Intensivstation

Bild: Nach einem längeren Aufenthalt auf einer Intensivstation brauchen Patientinnen und Patienten eine Anlaufstelle: Darum kümmern sich Prof. Melanie Meersch-Dini und Dr. Mahan Sadjadi in der UKM-Ambulanz für intensivmedizinische Nachsorge. (Foto: UKM)

Deutschlandweit gibt es bisher lediglich zwei Anlaufstellen dieser Art: Die Ambulanz für Intensivmedizinische Nachsorge am UKM ist auf die Behandlung von gesundheitlichen Langzeitfolgen nach einem längeren Aufenthalt auf einer Intensivstation spezialisiert. Denn ehemalige Dauer-Intensivpatientinnen und -patienten haben häufig nicht nur mit den psychischen Folgen einer Zeit zu kämpfen, in der sie selbst handlungsunfähig waren und ihr Überleben auf der Kippe stand, sondern auch mit organischen Langzeitfolgen. Viele Betroffene unterschätzen mögliche gesundheitliche Konsequenzen und verzichten auf weitere medizinische Behandlung.

Münster (ukm/aw) – Ein Herzinfarkt, ein Unfall mit Hirnblutung, eine Sepsis: Gründe dafür lange Zeit auf einer Intensivstation zu liegen, gibt es viele. Doch so sehr die individuell ursächlichen Diagnosen sich auch unterscheiden mögen – was Patientinnen und Patienten im Schnitt nach bereits einer Woche intensivmedizinischer Behandlung gemeinsam haben, ist die Gefahr, weiter abzubauen und danach nie wieder an den gewohnten gesundheitlichen Zustand anknüpfen zu können. „Die sozialen Kosten sind für diese Patientinnen und Patienten sehr hoch. Viele wollen einfach nur wieder nach Hause, können sich aber nur schwer oder gar nicht wieder in ihr gewohntes Leben integrieren. Oft bleiben sie erwerbsunfähig und erreichen das alte Leistungsniveau nicht auch nur annähernd“, sagt Prof. Melanie Meersch-Dini, Leiterin der Ambulanz für intensivmedizinische Nachsorge und Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am UKM (Universitätsklinikum Münster). „Unsere Patientinnen und Patienten liegen meist beatmet und sediert bei uns. Doch schon nach vier Tagen Aufenthaltsdauer zeigen sich alleine die körperlichen Auswirkungen, die unter anderem mit einem Abbau der Muskulatur verbunden sind“, sagt die Intensivmedizinerin.

Fast alle der Betroffenen klagten nach Abschluss der Behandlung aber auch über mittlere bis starke kognitive Einschränkungen, beispielsweise verbunden mit dauerhaften Konzentrationsstörungen oder dem gefürchteten Chronischen Fatigue-Syndrom (CFS). „Eine große Operation oder ein intensivpflichtiges Ereignis ist immer mit dem Risiko eines Delirs behaftet, vor allem bei Älteren. Das kann sich noch einige Wochen oder sogar Monate nach Abschluss der Behandlung in abgeschwächter Form fortsetzen“, sagt Meersch-Dini.

In der Folge kann einer schleichenden Demenzentwicklung Vorschub geleistet werden. Weitere körperliche Folgen eines langen Intensiv-Aufenthalts sind beispielsweise sich einstellendes chronisches Organversagen bei Niere oder Leber oder auch eine bleibende Herzinsuffizienz, entstehen kann ein sogenanntes Post Intensive Care Syndrom (PICS). Es fasst körperliche wie psychische Langzeitfolgen eines Aufenthalts auf einer Intensivstation zusammen und kann die Lebensqualität direkt beeinflussen.

Betroffene werden in der UKM-Ambulanz vollständig durchgecheckt und erhalten einen Fahrplan für die sich anschließende Behandlung. Dabei wird gegebenenfalls dann auch das familiäre Umfeld mitbehandelt: Die psychischen Folgen des Bangens um den geliebten Menschen haben nämlich auch Auswirkungen auf die Angehörigen.

Während in Deutschland PICS als komplexe Diagnose kaum hinterlegt ist, ist das Syndrom in Großbritannien anerkannt. Dort ist es etabliertes Konzept, die Patientinnen und Patienten nach einem Intensivaufenthalt von vier Tagen einer sich anschließenden ambulanten Weiterbehandlung zuzuführen. Dieses erfolgreiche Konzept greife man mit der Ambulanz für Intensivmedizinische Nachsorge auf. „Wir sind deutschlandweit neben der Charité das zweite Universitätsklinikum mit einer solchen Ambulanz“, sagt Assistenzarzt Dr. Mahan Sadjadi, der Meersch-Dini in der UKM-Ambulanz unterstützt. Beide Intensivmediziner glauben, dass der Behandlungsstandard von PICS sich langfristig durchsetzen wird, auch wenn PICS als Komplikation post-intensivmedizinische Behandlung derzeit noch gar nicht im deutschen Gesundheitssystem abgebildet ist. „Wir nehmen wahr, dass immer mehr Intensivmediziner unseren Ansatz teilen und auch selbst verwenden wollen. Nötig ist dazu eine breit aufgestellte medizinische Kompetenz, wie sie am UKM natürlich mit Fachabteilungen aller Art vertreten ist“, so Meersch-Dini.

Interessierte wenden sich unter der Telefonnummer 0251 – 83 44088 (Fr. Wessels) an die Ambulanz für Intensivmedizinische Nachsorge. Alternativ unter der Mailadresse: afin@ukmuenster.de