Dez. 3, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Prof. Hans Theodor Eich, Direktor der „Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie“ am UKM präsentiert das neue Bestrahlungssystem. (© Foto by UKM/Ibrahim)
UKM startet mit LUNA-3D für die atemgesteuerte Bestrahlung
Das UKM setzt in der Strahlentherapie auf modernste Technik: Mit dem neuen LUNA-3D-System wird die Behandlung von Tumoren noch präziser und schonender. Durch die exakte Überwachung der Atmung in Echtzeit können gesunde Organe besser geschützt werden – für eine Krebsbehandlung auf höchstem Niveau.
Münster (ukm) – Die Strahlentherapie ist eine der wichtigen Säulen in der modernen Krebsbehandlung. Damit Tumore möglichst wirksam bestrahlt werden können, ohne gesundes Gewebe unnötig zu belasten, setzen das UKM (Universitätsklinikum Münster) in der „Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie“ seit dem 1. Oktober auf modernste Technik: das LUNA-3D-System.
Viele Organe im Brustkorb oder Bauchraum bewegen sich mit jedem Atemzug. Für die Behandlung ist es jedoch wichtig, dass die Patientinnen und Patienten genauso liegen wie bei der Bestrahlungsplanung. Nur so können Herz, Lunge oder andere empfindliche Organe geschützt werden. Genau hier entfaltet das LUNA-3D-System seine Stärke: Mit hochsensiblen Kameras wird die Oberfläche der Patientinnen und Patienten in Echtzeit überwacht und die Bestrahlung nur dann durchgeführt, wenn die aktuelle Lagerung mit der Lagerung der Bestrahlungsplanung übereinstimmt. Auf diese Weise kann zukünftig auf Markierungen auf der Haut zur Lagerungseinstellung verzichtet werden.
Besonders profitieren Patientinnen und Patienten mit Brust- oder Lungenkrebs sowie mit Tumoren im Bauchraum. Bei der Bestrahlung in tiefer Einatmung kann die Patientin oder der Patient die eigene Atmung auf einem Display selbst überwachen und dadurch aktiv mitarbeiten. Die Bestrahlung erfolgt dann nur in der richtigen Atemphase.
„Mit dem LUNA -3D-System setzen wir auf modernste Technik, die unseren Patientinnen und Patienten mit Tumoren im Thorax- und Abdomenbereich eine besonders präzise und schonende Strahlentherapie ermöglicht. Damit stärken wir unsere Spitzenposition in der onkologischen Versorgung und bieten eine Behandlung auf höchstem internationalen Niveau“, erklärt Prof. Hans Theodor Eich, Direktor der „Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie“ am UKM.
Die Bedeutung der Neuerung zeigt sich auch aus Sicht der Medizinphysik. Isabel Vogt, Medizinphysikerin der Klinik, betont: „Das Besondere am LUNA-3D-System ist, dass durch die verbesserte Lagerungsüberwachung nun auch komplexere Bestrahlungstechniken bei unseren Patientinnen und Patienten durchgeführt werden können. Der Tumor kann exakter bestrahlt werden, bei gleichzeitig besserer Schonung von Herz, Lunge oder anderen wichtigen Organen. Das macht die Therapie nicht nur genauer, sondern auch spürbar schonender.“
Für die Betroffenen bedeutet das: Die Strahlentherapie am UKM wird mit dem LUNA-3D-System noch präziser, sicherer und angenehmer. Damit geht das UKM einen weiteren Schritt in die Zukunft der Strahlentherapie – mit aktueller Technik und dem klaren Ziel einer bestmöglichen Versorgung.
Nov. 19, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Die Leitungen der vom Magazin Focus ausgezeichneten Kliniken und Sektionen des UKM freuen sich mit dem Ärztlichen Direktor und Vorstandsvorsitzenden, Prof. Alex. W, Friedrich (vorne Mitte) und Pflegedirektor Thomas van den Hooven (hinten Mitte) über die guten Bewertungen im Ranking. (© Foto by UKM/Wibberg)
38 Top-Bewertungen für breite und exzellente medizinische Expertise
Mit insgesamt 38 Fachdisziplinen ist das UKM (Universitätsklinikum Münster) in der Ende Oktober erschienenen „Klinik-Liste“ des Magazins Focus für hervorragende medizinische Leistungen aufgeführt. Im bundesweiten Vergleich der 100 TOP-Kliniken rangiert das UKM demzufolge auf Platz 15, im NRW-Vergleich auf Platz drei der ausgezeichneten Krankenhäuser.
Münster (ukm/aw) – Die Daten, die dem Ranking zugrunde liegen, wurden im Auftrag des Magazins Focus vom unabhängigen Rechercheinstitut FactField ausgewertet. Dazu erstellte das Institut eine Datenanalyse aus über 50 verschiedenen Datenquellen. So wurden unter anderem ärztliche Kolleginnen und Kollegen nach deren Klinik-Empfehlungen befragt, auch die Patientenzufriedenheit und das Urteil medizinischer Fachgesellschaften sowie Forschungsaktivitäten der Kliniken flossen beispielsweise in die Bewertung mit ein. Über die 38 medizinischen Top-Empfehlungen hinaus erhält die Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie ein weiteres Prädikat: In der Kategorie „International“, in der der Umgang mit internationalen Patientenkontakten und die Mehrsprachigkeit bewertet wurden, wird sie empfohlen.
Der UKM-Vorstand sieht die Bewertungen in der Leistung der Mitarbeitenden aller Kliniken und Zentren, auch derer, die hier nicht erwähnt sind, begründet: „Unsere Mitarbeitenden in allen Berufsgruppen tragen jeden Tag zu einer Universitätsmedizin bei, die auf höchstem Niveau arbeitet und die aus gutem Grund für ihre medizinische Expertise in der Region und weit darüber hinaus anerkannt und empfohlen wird. Darauf können wir stolz sein und wir sind allen, die sich hier täglich für das Gelingen unseres Auftrags einsetzen, sehr dankbar“, so der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende, Prof. Alex W. Friedrich.
Das UKM ist „TOP Nationale Fachklinik“ in folgenden 38 medizinischen Bereichen:
Augenheilkunde:
Hornhauterkrankungen, Refraktive Chirurgie & Katarakt
Klinik für Augenheilkunde, Direktorin Prof. Dr. Nicole Eter
Gynäkologie und Geburt:
Gynäkologische Chirurgie
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Direktor Prof. Dr. Lars Hanker
Kinderwunsch
UKM Kinderwunschzentrum, Komm. Leiter Prof. Dr. Hermann M. Behre
Risikogeburt & Pränataldiagnostik
UKM Geburtshilfe, Leiterin Priv.-Doz. Dr. Mareike Möllers
Haut, Gesicht und Körper:
Hautkrankheiten
Klinik für Hautkrankheiten, Direktorin Prof. Dr. Kerstin Steinbrink
Herz und Gefäße:
Gefäßchirurgie
Klinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie, Direktor Prof. Dr. Alexander Oberhuber
Herzchirurgie
Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie, Direktor Prof. Dr. Sven Martens
Kardiologische Einrichtungen
Klinik für Kardiologie I (Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Angiologie), Direktor Prof. Dr. Holger Reinecke
Klinik für Kardiologie II (Rhythmologie), Direktor Prof. Dr. Lars Eckardt
Klinik für Kardiologie III (Angeborene Herzfehler (EMAH) und Klappenerkrankungen), Direktor Prof. Dr. Gerhard-Paul Diller
Institut für Genetik von Herzerkrankungen, Direktor Prof. Dr. Eric Schulze-Bahr
Krebs:
Nierenkrebs, Prostatakrebs
Klinik für Urologie und Kinderurologie, Direktor Prof. Dr. Andres Jan Schrader
UKM Prostatazentrum, Zentrumsleiter Dr. Philipp Papavassilis
Darmkrebs
UKM Darmzentrum, Zentrumsleiter Priv.-Doz.Dr. Philipp Houben/Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Direktor Prof. Dr. Andreas Pascher
Hautkrebs
Hauttumorzentrum UKM, Zentrumsleiter Prof. Dr. Carsten Weishaupt/Klinik für Hautkrankheiten, Direktorin Prof. Dr. Kerstin Steinbrink
Hirntumoren
Klinik für Neurochirurgie, Direktor Prof. Dr. Walter Stummer
Hodenkrebs
Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie, Chefärztin Prof. Dr. Sabine Kliesch
Kopf-Hals-Tumoren
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Direktorin Prof. Dr. Claudia Rudack
Knochenkrebs, Leukämie, Lymphome,
Medizinische Klinik A (Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Pneumologie), Direktor Prof. Dr. Georg Lenz
Magen, Darm und Bauch:
Gallenchirurgie
Klinik für Allgemein-, Viszeral-und Transplantationschirurgie, Direktor Prof. Dr. Andreas Pascher
Prostata-Syndrom
Klinik für Urologie und Kinderurologie, Direktor Prof. Dr. Andres Jan Schrader
Neurologie:
Multiple Sklerose, Parkinson, Schlaganfall
Klinik für Neurologie mit Institut für Translationale Neurologie, komm. Leiter Prof. Dr. Matthias Schilling
Leitung des Bereichs Parkinson-Syndrome, Priv.-Doz. Dr. Inga Claus
Leiter des Neurovaskulären Bereichs, Priv.-Doz. Dr. Antje Schmidt-Pogoda
Orthopädie:
Fußchirurgie, Handchirurgie, Unfallchirurgie, Wirbelsäulenchirurgie
Klinik für Unfall-, Hand und Wiederherstellungschirurgie, Direktor Prof. Dr. Michael J. Raschke
Sektionsleiterin Fußchirurgie, Prof. Dr. Sabine Ochmann
Sektionsleiter Handchirurgie, Prof. Dr. Martin Langer
Hüftchirurgie
Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie, Direktor Prof. Georg Gosheger
Psyche:
Angst- & Zwangsstörungen, Depressionen
Klinik für Psychische Gesundheit, Direktor Prof. Dr. Bernhard Baune
Essstörungen, Schmerzstörungen
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Direktor Prof. Dr. Rupert Conrad
Strahlentherapie und Nuklearmedizin:
Nuklearmedizin
Klinik für Nuklearmedizin, Direktor Prof. Dr. Michael Schäfers
Strahlentherapie
Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie, Direktor Prof. Dr. Hans Th. Eich
Zahnmedizin:
Zahnkliniken
Klinik für Parodontologie und Zahnerhaltung, Direktor Prof. Dr. Benjamin Ehmke
Zahnkliniken
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Leiter Prof. Dr. Edgar Schäfer
Nov. 7, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Prof. Heymut Omran bei der Verleihung des KFJ-Preises im Rigshospitalet in Kopenhagen (Foto: S. M. Ulriksen/Rigshospitalet)
Internationale Auszeichnung für Pionier bei seltenen Erkrankungen: Heymut Omran erhält hoch dotierten KFJ-Preis
Kopenhagen/Münster – Der Internationale KFJ-Preis des Rigshospitalet – Universitätskrankenhaus der Universität Kopenhagen – geht in diesem Jahr erstmalig an einen deutschen Wissenschaftler: Prof. Heymut Omran von der Universität Münster. Mit seiner renommierten Auszeichnung würdigt das Rigshospitalet (deutsch: Reichshospital) die bahnbrechenden Beiträge des Mediziners auf dem Gebiet der seltenen Erkrankungen. Insbesondere die chronische Atemwegserkrankung Primäre ziliäre Dyskinesie (PCD) steht im Fokus von Omrans Arbeit. Verbunden mit dem Forschungspreis, den der Kinderarzt und Wissenschaftler am Mittwoch [05.11.] in der dänischen Hauptstadt entgegennehmen konnte, ist ein Preisgeld von umgerechnet rund 234.000 Euro.
Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die molekularen und zellulären Mechanismen, die der PCD zugrunde liegen, nur unzureichend verstanden und die therapeutischen Möglichkeiten äußerst begrenzt. Heute sieht die Situation ganz anders aus. Eine der treibenden Kräfte hinter dieser Entwicklung ist der diesjährige KFJ-Preisträger, Prof. Heymut Omran, Direktor der Klinik für Allgemeinen Pädiatrie am Universitätsklinikum Münster. Seit fast 20 Jahren arbeitet Heymut Omran eng zusammen mit Prof. Kim Gjerum Nielsen, Leiter des dänischen PCD-Zentrums am Rigshospitalet, der seinen deutschen Kollegen auch für den KFJ-Preis nominiert hat. Der ist benannt nach der Kirsten- und Freddy-Johansen-Stiftung, die die Auszeichnung finanziert, und geht in jährlichem Turnus an eine international hochrangige Forscherin oder einen Forscher, die beziehungsweise der mit dem Rigshospitalet zusammenarbeitet. ”Seit Beginn seiner Forschung hat Heymut Omran Pionierarbeit auf dem Gebiet der seltenen Krankheiten geleistet, insbesondere bei den Ziliopathien. Seine Beiträge haben unser Verständnis von chronischen Atemwegserkrankungen wie der Primären Ciliären Dyskinesie verbessert”, begründet Prof. Nielsen seinen Vorschlag.
Bei der Entgegennahme des Preises zeigte sich Prof. Omran tief bewegt: ”Die Verleihung des KFJ-Awards ist sehr bedeutsame Anerkennung – nicht nur für mich persönlich, sondern vor allem auch für meine Kolleginnen und Kollegen in Kopenhagen.” Der Kinderarzt koordiniert derzeit den PCD-Bereich innerhalb des Europäischen Referenznetzwerks für seltene Atemwegserkrankungen (ERN-LUNG), das mittlerweile 40 Expertenzentren umfasst. Er leitet auch das Internationale PCD-Register, das Daten von über 3.500 Patienten in 50 Zentren aus 26 Ländern enthält.
Wenn aus einem Meilenstein eine neue Behandlung wird
Die langjährige dänisch-deutsche Zusammenarbeit ist eine tragende Säule der internationalen PCD-Forschung. Durch die Kombination von klinischer Expertise mit genetischer und molekularer Forschung hat sie zur Identifizierung zahlreicher krankheitsverursachender Gene, neuer diagnostischer Standards und zur Entwicklung gezielterer Behandlungsstrategien für PCD-Patienten geführt. Die gemeinsamen Anstrengungen mündeten zudem in ein starkes internationales Forschungsnetzwerk: Im Jahr 2022 wurde für die Durchführung von klinischen Studien unter Federführung von Prof. Omran und Prof. Nielsen das PCD Clinical Trial Network (PCD-CTN) gegründet. Das vom dänischen PCD-Zentrum am Rigshospitalet koordinierte internationale Netzwerk hat das Ziel, die translationale Forschung sowie patientenzentrierte klinische Studien im Bereich der PCD zu fördern.
Jüngster Meilenstein ist die Entwicklung einer innovativen, auf Boten-RNA (mRNA) basierenden Therapie, die das fehlende oder defekte Protein bei PCD-Patienten ersetzen soll. Die Behandlung erfolgt durch Inhalation, wobei die mRNA es den Atemwegszellen ermöglicht, das Protein zu produzieren, das für eine normale Ziliarbewegung notwendig ist. Die erste klinische Studie am Menschen (Phase-1-Studie) wurde gerade abgeschlossen, was auf völlig neue Therapieoptionen für diese seltene Atemwegserkrankung hoffen lässt. ”Von Anfang an hat unsere Partnerschaft komplementäre Stärken kombiniert – die erstklassige klinische Expertise in Kopenhagen und unsere Expertise bei Genetik und molekularen Mechanismen”, beschreibt Omran den zentralen Erfolgsfaktor.
Abgestimmt auf den molekularen Defekt
Ein roter Faden in der Arbeit des Medizinprofessors und seiner Arbeitsgruppe ist die Umsetzung wissenschaftlicher Entdeckungen in klinischen Nutzen für Patienten. Mit dem KFJ-Preis möchte Omran seine Forschung weiter vorantreiben – mit besonderen Schwerpunkten auf der Identifizierung bislang unbekannter Krankheitsgene, der Stärkung molekularer Diagnostik und der Entwicklung personalisierter Therapien. Der Anspruch des Preisträgers: ”Durch die Kombination von Genetik, Molekularbiologie und klinischer Forschung wollen wir einer Zukunft näherkommen, in der jeder Patient von einer Therapie profitieren kann, die auf den zugrunde liegenden molekularen Defekt zugeschnitten ist.”
Sep. 25, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Blick in einen OP-Saal mit Da-Vinci-Operationsroboter. (© Foto by UKM/Wibberg)
„Robotik ist für uns mehr als eine Technologie. Es ist ein Ökosystem, in dem wir interprofessionell und interdisziplinär zusammenarbeiten – für den Fortschritt der Medizin, der Chirurgie und eine bessere Behandlungsqualität“, so beschreiben und definieren sich die Spezialisten des 2018 gegründeten Zentrums für robotische Chirurgie am UKM. Das Team aus derzeit vier beteiligten Kliniken blickt mit Freude auf die kürzlich erreichten 5000 roboter-assistierten Operationen am UKM, von denen vor allem Krebspatientinnen und -patienten profitieren.
Münster (ukm/lwi) – Mit der 5000. roboter-assistierten Operation hat das UKM (Universitätsklinikum Münster) einen bedeutenden Meilenstein in der Weiterentwicklung innovativer chirurgischer Verfahren erreicht. „Diese Zahl steht nicht nur für eine technische Errungenschaft, sondern auch für ein kontinuierliches Engagement in Innovation, Patientensicherheit und interdisziplinäre Spitzenmedizin“, freut sich auch Prof. Andreas Pascher, Sprecher des UKM Robotikzentrums und Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Seine Klinik ist Teil des 2018 gegründeten Zentrums, dem auch die Kliniken für Urologie, Gynäkologie und Plastische Chirurgie angehören.
Nur wenige Standorte in Deutschland betreiben mehr als drei Robotik-Systeme unter Vollauslastung – am UKM sind es fünf, darunter mehrere Da-Vinci-Roboter und mikrochirurgische Einheiten. An den Da-Vincis arbeiten die operierenden Chirurginnen und Chirurgen an einer Konsole, sie steuern also die insgesamt vier Arme des Roboters, der ihre Handgriffe wiederum auf die kleinen OP-Werkzeuge am Ende der Arme übersetzt und auf diesem Weg präzise Bewegungen ermöglicht, die direkt mit der menschlichen Hand in diesem Maßstab nicht möglich wären. Dabei ist auch der Blick der Operierenden besser, denn einer der vier Robotorarme trägt eine Kamera. Die Ärztinnen und Ärzte sehen also ein hochauflösendes, dreidimensionales und stark vergrößertes Bild des Operationsfeldes im Körper, das sich auch live mit Bildgebungsverfahren wie beispielsweise Ultraschall kombinieren lässt. Dank der minimalinvasiven Technik ist kein großer Bauchschnitt nötig – die Eingriffe sind für Patientinnen und Patienten also insgesamt schonender, insbesondere für Krebserkrankte.
Krebspatientinnen und -patienten profitieren am meisten
Etwa 95 Prozent der Robotik-Operationen am UKM betreffen komplexe onkologische Eingriffe. „Im Vordergrund steht die deutlich höhere Präzision: Für Krebserkrankte werden dadurch bessere R0-Resektionsraten, also eine vollständige Entfernung eines Tumors, und somit optimale langfristige Heilungschancen erreicht“, erklärt Privatdozent Dr. Jens Peter Hölzen, Bereichsleiter der roboterassistierten Viszeralchirurgie. Dank der geringeren Belastung kann schneller mit Anschlussbehandlungen wie Chemo- oder Strahlentherapie begonnen werden – ein wichtiger Faktor für den Behandlungserfolg in der Onkologie. Die kürzere Verweildauer schafft so nebenbei auch freie Plätze auf den Intensivstationen.
In der Viszeralchirurgie haben sich vor allem die roboter-assistierten Ösophagusresektionen (Entfernung der Speiseröhre, über 400 Eingriffe) und Leberresektionen (über 250 Eingriffe) etabliert – das UKM zählt damit europaweit zu den Top 5 Zentren. Die Urologie, die bereits seit 2014 roboter-unterstützt operiert, vereint laut Klinikdirektor Prof. Andres Jan Schrader mit 3688 Operationen einen großen Anteil auf sich. Dazu zählen vor allem die Prostatektomien (Entfernung der Prostata), Niereneingriffe und komplexe Harnblasenoperationen. „Auch in der Frauenheilkunde machen wir uns die robotische Technik bei onkologischen Eingriffen wie etwa Hysterektomien (Entfernung der Gebärmutter), aber auch bei komplexen Fällen der gutartigen Erkrankung Endometriose, zu Nutze“, sagt der Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Prof. Lars Hanker, der das robotische Operieren mit seinem Amtsantritt 2024 in der Gynäkologie eingeführt hat. In der Klinik für Plastische Chirurgie von Prof. Tobias Hirsch kommt ein weltweit einzigartiges Zusammenspiel zweier robotischer Systeme zum Einsatz: Das Symani-System wird dabei mit einem robotischen Mikroskop RoboticScope kombiniert, um ultrafeine Techniken bei Brustrekonstruktionen mit Eigengewebe oder supermikrochirurgische Lymphchirurgie zu ermöglichen, hebt Prof. Dr. Maximilian Kückelhaus, stellvertretender Klinikdirektor und Leiter des Robotikprogramms, hervor.
Speziell geschulte Pflegekräfte und internationale Gäste
Neben den spezialisierten Chirurginnen und Chirurgen sind auch besonders geschulte Pflegekräfte ein integraler Bestandteil des Robotik-Konzepts. „Die am Da Vinci geschulte Pflege kann flexibel in verschiedenen Kliniken eingesetzt werden“, erklärt PD Dr. Martin Janssen, Leiter des Bereichs für robotische Chirurgie der Klinik für Urologie und Kinderurologie. „Das verbessert die Flexibilität, erhöht die Sicherheit im OP-Saal und stärkt die interdisziplinäre Zusammenarbeit.“
Als international anerkanntes Hospitationszentrum für roboter-assistierte Speiseröhren- und Leberchirurgie nimmt das UKM auch in der Aus- und Weiterbildung eine Vorreiterrolle ein. Monatlich besuchen zwei bis drei Delegationen aus dem In- und Ausland das Zentrum, um zu lernen und Erfahrungen zu teilen. So fördern alle Beteiligten gemeinsam die „Demokratisierung einer Technologie, die bisher als Königswissen behandelt wurde“, wie Pascher betont. Stetiges Lernen und Weiterentwicklung enden eben auch nach 5000 Operationen nicht.
Sep. 12, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Dr. Katja Masjosthusmann (r.), Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugend-medizin – Allgemeine Pädiatrie, und Dr. Daniela Kiski, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Kardiologie, sensibilisieren für die Gefahren einer Grippe bei Kindern (Foto © by UKM).
Münster (ukm/lwi) – Eine Grippe kann nicht nur älteren Menschen oder Frühgeborenen gefährlich werden. Auch gesunde Kinder können schwer erkranken und plötzlich auf intensiv-medizinische Versorgung angewiesen sein. Dr. Katja Masjosthusmann, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Allgemeine Pädiatrie am UKM, und Dr. Daniela Kiski, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Kardiologie, sehen diese Fälle Jahr für Jahr auf ihren Stationen. Anlässlich des Welttages für Patientensicherheit (17. September), der dieses Jahr Kinder im Fokus hat, möchten die Ärztinnen im Interview für das Thema sensibilisieren.
Frau Dr. Masjosthusmann, eine Grippe – so wird oft angenommen – ist doch nur für wenige vulnerable Menschen gefährlich. Teilen Sie diese Ansicht?
Dr. Katja Masjosthusmann: Es gibt gute Daten dazu, und auch aufgrund unserer Erfahrungen hier auf der pädiatrischen Intensivstation sehe ich das anders. Die Wahrscheinlichkeit, schwer an einer Influenza zu erkranken ist bei gesunden Kindern genauso groß wie bei Frühgeborenen, bei älteren oder transplantierten Menschen oder solchen, die an einer chronischen Lungen- oder Herzerkrankung leiden. Laut RKI ist „die Inzidenz Influenza-assoziierter Krankenhauseinweisungen bei Kleinkindern und in der älteren Bevölkerung am höchsten, Todesfälle beschränken sich hauptsächlich auf die hohen Altersgruppen“. Von den Kindern die ins Krankenhaus eingewiesen werden kommen ca. 10 bis 20 Prozent auf eine Kinderintensivstation.
Welche Symptome gibt es, und bei welchen sollten Eltern besonders aufmerksam werden?
Masjosthusmann: Die Symptome sind die einer schweren Erkältungserkrankung. Die Kinder sind schlapp und teilnahmslos, haben mitunter hohes Fieber und Erbrechen, Durchfall oder Gelenkbeschwerden. Ein Alarmzeichen ist es, wenn sie nicht mehr gut ansprechbar sind.
Welche konkreten Probleme oder Verläufe gibt es bei einer Grippe?
Dr. Daniela Kiski: Das Spektrum reicht von milden Verläufen, die mit ausreichender Schonung überstanden werden, bis hin zu Patientinnen und Patienten auf unserer pädiatrischen Intensivstation, die medikamentöse oder maschinelle Unterstützung des Herzens und/oder der Lunge benötigen. Es kann in der Folge einer Influenzainfektion eine Herzmuskelentzündung entstehen, die in ihrer Schwere wiederum ein sehr breites Spektrum aufweisen kann. Problematisch ist es immer, wenn sich eine weitere Infektion auf eine durch Influenza geschädigte Lunge setzt.
Masjosthusmann: Genau, in den vergangenen Wintern haben wir oft gesehen, dass die oberflächlichen Zellen der Schleimhäute in der Lunge von der Infektion angegriffen werden und in eine zweite Infektion resultieren. Wir haben viele Kinder gesehen, die zwei Wochen nach einer Grippe-Infektion mit teilweise schweren Verläufen zu uns kommen.
In Ihrem klinischen Alltag tritt die Grippe bei Kindern also nicht immer als akutes Problem auf?
Masjosthusmann: Richtig, bei einer Hälfte verläuft es sehr schnell und schwer – diese Kinder kommen mit erkannten und schweren Grippesymptomen zu uns. Bei der anderen Hälfte ist die Ursache der akuten Erkrankung zunächst unklar, bis sich herausstellt, dass im Vorfeld eine Influenza vorgelegen hat.
Kiski: Wenn Kinder mit Atemproblemen kommen, gibt es die Möglichkeit von Schnell- und Bestätigungstests, um eine Influenza zügig abzuklären. Bei überschneidenden Krankheitsbildern kann es aber dauern, bis die Influenza sicher als Ursache erkannt wird – vor allem, wenn sie bereits zurückliegt und die Kinder eigentlich wegen beispielsweise einer eingeschränkten Pumpfunktion des Herzens aufgrund einer Herzmuskelentzündung ganz plötzlich zu uns kommen.
Wie werden die Kinder intensivmedizinisch versorgt, was ist das Besondere am UKM (Universitätsklinikum Münster)?
Masjosthusmann: Als großer Maximalversorger können wir hier glücklicherweise das ganze Spektrum anbieten. Wir haben also die Möglichkeit, die Kinder umfassend mit vielen verschiedenen Behandlungsoptionen zu unterstützen – in der Hoffnung, dass sie schnellstmöglich wieder gesund werden. Bei einer Herzmuskelentzündung ist das in über 90 Prozent der Fälle so, aber es braucht Zeit, teilweise viel Zeit. Dank unseres interdisziplinären Teams sind dann auch keine weiteren Transporte nötig.
Kiski: Genau, manche Verläufe erfordern eine enge Zusammenarbeit weiterer Fachdisziplinen – etwa mit Kinderkardiologen oder den Kolleginnen und Kollegen der Nephrologie für beispielsweise eine Dialyse. Auch das können wir hier alles abdecken. Solche schweren Fälle werden in der breiten Bevölkerung häufig noch unterschätzt, wir sehen sie aber jeden Winter.
Wie können Kinder vor einer Grippe und einem schweren Verlauf geschützt werden?
Masjosthusmann: Wir empfehlen, Kinder ab dem sechsten Lebensmonat – und unabhängig von Vorerkrankungen – impfen zu lassen oder mit der Kinderärztin bzw. dem Kinderarzt darüber zu sprechen. Die Impfung schützt zwar nicht zwingend vor einer Infektion, aber vor einem schweren Verlauf! Ansonsten gelten die üblichen Hygienemaßnahmen: Händewaschen bzw. desinfizieren, lüften etc. Und wenn Kinder krank sind, sollten sie natürlich nicht in die Kita oder zur Schule gehen und nach einer Infektion auch den Sport kurzzeitig pausieren.
Rund um den Tag der Patientensicherheit, der in diesem Jahr Kinder in den Fokus rückt, veröffentlicht das UKM auch auf seinen Social-Media-Kanälen viele Beiträge zu dem Thema. Auch der kommende UKM-OnlineTalk (live auf Youtube) befasst sich mit dem Thema, wenn es am 16. September um 18 Uhr heißt „Von Fiebersaft bis Rettungswagen – was Eltern wissen sollten“. Im UKM finden zudem einzelne Aktionen statt, die auf den Tag aufmerksam machen.