Jan. 21, 2026 | Pressemitteilungen
Bild: Ein interdisziplinäres Team kümmert sich unter dem Dach des Centrums für seltenen Erkrankungen (CSE) um die komplexen Anforderungen in der Behandlung von Betroffenen. V.l.: Prof. Frank Rutsch (Patientenlotse), Prof. Heymut Omran (Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter des CSE), Dr. Judit Horvath (stellvertretende Direktorin der Klinik für Medizinische Genetik), Verena Koopmann (Koordinatorin), Prof. Frank Tüttelmann (Direktorin der Klinik für Medizinische Genetik), Nicole Dresen-Martinovic (Koordinatorin). (© Foto by UKM/Wibberg)
Seltene Erkrankungen besser verstehen
Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer seltenen Erkrankung – oft jahrelang ohne Diagnose. Das Modellvorhaben Genomsequenzierung soll das ändern. Das UKM beteiligt sich daran und ermöglicht Patientinnen und Patienten seit Anfang 2025 Zugang zur Genomsequenzierung. Die umfassende Analyse des Erbguts eröffnet neue Chancen für frühere Diagnosen und gezieltere Therapien.
Münster (ukm/lwi) – Etwa die Hälfte der Betroffenen sind Kinder, bei rund 80 Prozent gibt es eine genetische Ursache und (bisher) sind sie oft nicht heilbar – die Rede ist von seltenen Erkrankungen. Krankheiten also, die bei höchstens fünf von 10.000 Menschen vorkommen, in Deutschland aber insgesamt rund vier Millionen Menschen betreffen. Ihre je Erkrankung geringe Verbreitung macht die 8000 verschiedenen seltenen Erkrankungen zu einer großen Herausforderung, sowohl für die Gesundheitsversorgung als auch für die Forschung: Es gibt nur wenige Expertinnen und Experten und es fehlt an geeigneten diagnostischen Verfahren, klaren Therapieleitlinien und gut vernetzten Strukturen. Diese Probleme aufseiten der behandelnden Ärztinnen und Ärzten sorgen natürlich auch bei Betroffenen für Verunsicherung – im Schnitt warten sie fünf Jahre auf eine Diagnose.
Für eine Verbesserung soll das bundesweite Modellvorhaben Genomsequenzierung sorgen, an dem auch das UKM (Universitätsklinikum Münster) mitwirkt. Das Modellvorhaben wurde auf Bundesebene initiiert und wird unter Einbindung wissenschaftlicher Institutionen sowie weiterer Akteure des Gesundheitswesens umgesetzt. Mit der Initiative soll die Prävention, Diagnose und Behandlung von seltenen Erkrankungen durch die Nutzung von genetischen Daten verbessert werden. „Mittels einer Genomsequenzierung kann das gesamte Erbgut eines Menschen analysiert werden. Auf diesem Weg lassen sich genetische Veränderungen identifizieren, die potenziell eine seltene Erkrankung verursachen“, sagt Prof. Frank Tüttelmann, Direktor der Klinik für Medizinische Genetik am UKM.
Das Modellvorhaben Genomsequenzierung trägt entscheidend dazu bei, die Genommedizin in die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu integrieren und Patientinnen und Patienten den Zugang zur genetischen Diagnostik zu erleichtern. Das UKM ermöglicht Patientinnen und Patienten seit Anfang 2025 Zugang zu dem Verfahren – im ersten Jahr wurden mehr als 300 Fälle in Münster eingeschlossen. „Unser gemeinsames Ziel ist es, die Versorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen durch eine frühzeitige und präzise Diagnose und individualisierte Therapie maßgeblich zu verbessern“, sagt Dr. Judit Horvath, stellvertretende Direktorin und federführend verantwortlich für das Modellvorhaben im Bereich seltene Erkrankungen am UKM. Die Analyse des gesamten Erbgutes biete entsprechende Möglichkeiten, neuartige oder komplexe genetische Veränderungen zu erkennen, die mit herkömmlichen Methoden oft übersehen werden.
Die so gesammelten klinischen wie genomischen Daten werden dabei verschlüsselt (pseudonymisiert) gespeichert und ausschließlich zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken genutzt – wobei die Patientinnen und Patienten den genauen Umfang stets selbst definieren. Auf diesem Weg wird eine bundesweite Dateninfrastruktur aufgebaut, die zusammen mit interdisziplinären Fallkonferenz helfen soll, neue Krankheitsmechanismen zu entdecken und Therapien zu verbessern. In der interdisziplinäre Fallkonferenz beraten Fachexpertinnen und Fachexperten aus verschiedenen Disziplinen gemeinsam über jeden einzelnen Fall. Hierbei werden nicht nur die Indikation, die bisherigen Befunde und die Ergebnisse der Genomsequenzierung besprochen, sondern auch die Ergebnisse eingeordnet und ggf. weitere diagnostische Schritte empfohlen. Diese umfassende Betrachtung ermöglicht es, komplexe Fälle besser zu verstehen und individuell auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten einzugehen. Anfallende Kosten übernehmen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen.
„Das Modellvorhaben Genomsequenzierung unterstreicht die Bedeutung des Centrums für seltene Erkrankungen (CSE) am Standort. Ein solches Zentrum bietet die ideale Voraussetzung, um Patientinnen und Patienten mit seltenen Erkrankungen umfassend zu unterstützen und ihre Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern“, sagt Prof. Heymut Omran, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter des CSE.
Durch die enge Zusammenarbeit zwischen der Klinik für Medizinische Genetik und den weiteren am Centrum für seltene Erkrankungen beteiligten Kliniken können die Expertinnen und Experten die komplexen Anforderungen seltener Erkrankungen optimal bewältigen und Patientinnen und Patienten sowie deren Familien umfassend unterstützen. Die Kombination aus moderner Genomdiagnostik und interdisziplinärer Zusammenarbeit schafft am Universitätsklinikum Münster einen wichtigen neuen Pfeiler für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit seltenen Erkrankungen.
Jan. 8, 2026 | Pressemitteilungen
Bild: Der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKM, Prof. Alex W. Friedrich, begrüßte gestern den neuen Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, und Wiederherstellungschirurgie, Prof. Klemens Horst, an seinem neuen Arbeitsplatz. (© Foto by UKM/Ibrahim)
Prof. Dr. Klemens Horst ist seit Jahresbeginn neuer Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM. Der ausgewiesene Traumatologe wechselt von der Uniklinik RWTH Aachen nach Münster und löst damit Prof. Michael J. Raschke ab, der nach 22 Jahren am UKM Ende 2025 in Ruhestand gegangen ist. Schwerpunkte des neuen Klinikdirektors sind die Versorgung mehrfach Schwerverletzter (Polytrauma) und hochkomplexer Fälle. „Wir werden als starke Universitätsmedizin lokal, überregional und auch grenzübergreifend Kooperationen suchen, Ansprechpartner und Impulsgeber sein“, ist dabei Horsts zentrale Aussage.
Münster (ukm/aw) – An seinem ersten Arbeitstag lobte der neue Klinikdirektor die gute Atmosphäre am UKM (Universitätsklinikum Münster): „Große Teile des Teams habe ich schon im Vorfeld kennengelernt oder kannte ich bereits aufgrund wissenschaftlicher Zusammenarbeit. Ich spüre hier große Offenheit, Sympathie und Vorfreude. Organisatorisch ist alles bestens aufgestellt – ich fühle mich sehr willkommen.“
Horsts zentrales Anliegen ist der Ausbau von Kooperationen, wie er sie aus Aachen kennt, wo die Universitätsklinik als Maximalversorger grenzübergreifend im TraumaNetzwerk EUREGIO agiert. In Münster ist das UKM als Maximalversorger überregionales Traumazentrum im TraumaNetzwerk Nordwest, welches sich vom südlichen Niedersachsen, über das nördliche Westfalen bis ins Ruhrgebiet erstreckt. „Landes‑ oder Staatsgrenzen dürfen in der Notfall‑ und Traumaversorgung keine Rolle spielen“, betont Horst.
Diese Haltung passe sich nahtlos in die Gesamtstrategie des UKM ein, erklärt der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende, Prof. Dr. Alex W. Friedrich:
„Grenz- und Einrichtungsübergreifendes Denken und Arbeiten in der Versorgungsregion ist entscheidend für die optimale Versorgung von Patienten, insbesondere im Rahmen der Krankenhausreformen. Nicht jeder Standort muss alles vorhalten. Stattdessen bieten wir die gesamte Versorgung in der Region an und können einander unterstützen, um in Kooperationen die bestmögliche Versorgungsqualität für unsere Patientinnen und Patienten zu erzielen. Auf diesem Wege stärken wir gleichzeitig die Resilienz unserer Versorgungsregion.“
Die führende Rolle von Universitätskliniken zeige sich auch an den beiden einzigen G‑BA‑Traumazentren in NRW: Aachen und Münster. Die Vergabe dieses Auftrags sei durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) an klare Kriterien geknüpft. „Das ist eine wichtige Gemeinsamkeit zwischen beiden Kliniken“, sagt Horst. „Ich kenne die Anforderungen, Strukturen und Abläufe dieses besonderen Versorgungsauftrags von meinem bisherigen Arbeitgeber sehr gut.“
Mit Blick auf die Krankenhausreform sieht Horst große Herausforderungen, aber auch notwendige Entwicklungsschritte. Richtig gemacht bedeute Ambulantisierung für Patientinnen und Patienten keinen Qualitätsverlust. Wichtig sei jedoch die ärztliche Weiterbildung vor diesem Hintergrund neu und sektorenübergreifend zu denken: „Unser Ziel ist, die volle Weiterbildung am UKM zu erhalten. Dafür werden wir gezielt Kooperationen auf‑ und ausbauen, etwa im Rahmen ärztlicher Rotationsmodelle.“ Besonders beeindruckt ist Horst von der studentischen Lehre am Standort Münster: „Die LIMETTE und das Studienhospital sind in der studentischen Ausbildung wirklich einzigartig. Ich freue mich darauf, diese Konzepte aktiv mitzugestalten.“
In der Unfallchirurgie sei Vorbereitung ohnehin entscheidend: „Ein wichtiges Motto ist: ‚be prepared – sei vorbereitet‘“, so Horst. Vor dem Hintergrund aktueller sicherheitspolitischer Entwicklungen soll unter seiner Leitung daher auch die zivil‑militärische Zusammenarbeit weiter intensiviert werden. Neben dem Austausch mit der Bundeswehr, den großen BG‑Kliniken und weiteren Maximalversorgern müssen alle in der Traumaversorgung aktiven Akteure eingebunden werden. Auch müsse auf gehäuft auftretende Verletzungsmuster reagiert werden: „Penetrierende Verletzungen wie Stich‑ oder Schussverletzungen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Das ist ein Thema, das auch in der ärztlichen Ausbildung stärker Berücksichtigung finden muss.“
Wissenschaftlich setzt Horst künftig Schwerpunkte bei der Versorgung mehrfach schwerverletzter Patientinnen und Patienten, bei Thoraxverletzungen, Knochenbruchheilung und der Versorgungsforschung. Sein besonderer Fokus liegt im Bereich der Grundlagenforschung zur posttraumatischen Inflammation und deren wechselseitigen lokalen und systemischen Auswirkungen. „Organe kommunizieren miteinander. Gerade bei mehrfach Schwerverletzten sehen wir häufig ausbleibende Knochenheilungen, was insbesondere bei jungen Menschen zu langen Ausfallzeiten führen kann“, erläutert Horst. In Aachen leitete er eine DFG‑Forschergruppe und möchte diese Arbeit in Münster komplementär zu bereits etablierten Schwerpunkten der Fakultät fortführen. Aber auch die Versorgung der älter werdenden Bevölkerung sei wichtig: Alterstraumatologie und die Förderung der frühzeitigen Mobilisation Älterer bleibe ein Schwerpunkt der Unfallchirurgie am UKM. Projekte wie die Zertifizierung zum Alterstraumazentrum der DGU und das vom G-BA geförderte EXPERT würden weiter fortgeführt und wenn möglich kooperativ noch ausgebaut – „Da können sich unsere Projektpartner auf uns verlassen: Wir bleiben im Extremitätenboard als Ansprechpartner in der Verantwortung für Patientinnen und Patienten mit post-operativen Komplikationen der unteren Extremitäten.“
Privat ist Prof. Horst mit einer Internistin verheiratet und hat drei Kinder; die Familie möchte im Sommer nach Münster umziehen. „Münster passt gut zu uns. Wir sind sehr naturverbunden und freuen uns darauf, im Münsterland heimisch zu werden.“
Dez. 30, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Conrad (l.) singt mit einer Patientin ein Lied, während Professor Spaghetti (r.) es auf seiner Clownsorgel spielt. (© Foto by UKM)
Amyloid-Antikörper können Fortschreiten der Erkrankung verzögern
Zum Jahreswechsel gibt es ermutigende Nachrichten aus der Alzheimer-Forschung: Mit Lecanemab und Donanemab stehen erstmals zwei Wirkstoffe zur Verfügung, die gezielt an einer der Hauptursachen der Erkrankung ansetzen. Als Amyloid-Antikörpertherapien entfernen sie krankhafte Eiweißablagerungen im Gehirn, die sich bei der Alzheimer-Krankheit anreichern und dort im Verlauf Nervenzellen schädigen. Für Betroffene im Frühstadium der Krankheit markieren die neuen Therapien einen medizinischen Meilenstein – wie die Geschichte des ersten am UKM behandelten Patienten zeigt.
Münster (ukm/aw) – Nikolaus Fuhrmann heißt der erste Patient, der im November am UKM (Universitätsklinikum Münster) die Infusionstherapie mit dem Wirkstoff Lecanemab beginnen konnte. Der 75 Jahre alte Münsterländer bekam die Diagnose Alzheimer eher zufällig, als bei ihm mit Verdacht auf Schlaganfall eine Liqourdiagnostik angeordnet wurde angeordnet wurde. Diese Analytik ergab, dass die Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung gestellt wurde. Nur kurze Zeit später zeigten sich bei Fuhrmann die ersten Symptome: „Ich entwickelte Wortfindungsstörungen. Mein Neurologe hat mir dann den Tipp gegeben, mich hierher zu wenden“, erinnert sich Nikolaus Fuhrmann.
Ob eine Gabe von Lecanemab oder Donanemab in Frage kommt, muss in zeitaufwendigen Untersuchungen geklärt werden. Unter anderem wird vor Therapiebeginn eine genetische Untersuchung des sogenannten ApoE-Gens durchgeführt – eine Variante dieses Gens, die etwa fünfzehn Prozent der Menschen mit Alzheimer-Krankheit tragen, ist mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert. Patient Fuhrmann trägt die Gen-Variante nicht und ist bei seinen nun regelmäßigen Besuchen dankbar für die umfassende Aufklärung und die Fürsorge am UKM.
Privat-Dozent Dr. Matthias Pawlowski ist Leiter des demenzsensiblen Krankenhauses und Oberarzt der Neurologie am UKM. Er sagt: „Die erstmals in diesem Jahr von der Europäischen Arzneimittelkommission zugelassenen Therapien mit Lecanemab und Donanemab sind vor allem ein Schritt in die richtige Richtung. Leider ist die Wirkung noch nicht so groß wie wir uns das wünschen würden. Die Therapie mit den sogenannten Amyloid-Antikörpern verspricht im Moment noch keine Heilung, lediglich eine Verlangsamung des Fortschreitens der Demenz.“
Nikolaus Fuhrmann kommt im Moment alle vierzehn Tage für die Lecanemab-Gabe in die Infusionsambulanz des UKM. In engmaschigen MRTs wird er überwacht, um eventuelle Nebenwirkungen wie fokale Hirnödeme und -blutungen frühzeitig zu entdecken. Er verträgt die Behandlung bisher gut und hofft, durch die neue Therapie wertvolle Zeit zu gewinnen: „Ich weiß, dass die Infusionen mich nicht heilen werden. Aber ich erhoffe mir eine Erleichterung meiner weiteren Lebensperspektive, indem sich vielleicht der Verlauf bei mir verlangsamt“, sagt der 75-Jährige.
Interview mit Priv.-Doz. Dr. Matthias Pawlowski zu den Chancen und Risiken der Amyloid-Antikörper-Therapien bei Alzheimer
Was passiert bei Alzheimer im Gehirn?
Pawlowski: Die Alzheimer-Krankheit ist eine Erkrankung, die sich über einen extrem langen Zeitraum des Lebens zieht. Wir sprechen da von bis zu dreißig Jahren, in denen sich langsam Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn anreichern. Hauptbestandteile der Eiweißaggregate ist das Amyloid-beta, das im Gehirn verklumpt. Das führt irgendwann zu Nervenzellschädigungen und -untergang. Das Tückische ist, dass es erst dann zu klinischen Symptomen kommt, wenn dieser Prozess weit fortgeschritten ist.
Wie wirken die beiden Amyloid-Antikörper?
Pawlowski: Lecanemab und Donanemab wurden in diesem Jahr erstmals von der Europäischen Arzneimittelkommission zugelassen. Beide Antikörper binden an die pathologischen Eiweißablagerungen im Gehirn. Dadurch wird das Immunsystem des Körpers aktiviert und räumt die Eiweißablagerungen ab.
Für wen ist das Medikament zugelassen?
Pawlowski: Diese Antikörper sind für Menschen mit einer frühen Alzheimer-Krankheit zugelassen, also in einem Stadium, in dem Betroffene bereits kognitive Einschränkungen haben, die man auch objektivieren kann, die sich aber noch nicht einschränkend im Alltag auswirken. Nicht zugelassen sind die Medikamente für das präklinische Stadium, also wenn es noch gar keine Symptome gibt. Und auch bei fortgeschrittener Demenz sind die Wirkstoffe nicht zugelassen.
Welche Wirkungen, aber auch Nebenwirkungen sind bei einer Therapie zu erwarten?
Pawlowski: Ganz klar: Die Medikamente bedeuten keine Heilung. Aber ein großer Fortschritt ist, dass wir zum ersten Mal überhaupt Wirkstoffe zur Verfügung haben, die die Ursache der Alzheimer-Demenz angreifen. Alzheimer-Demenz ist multikausal und es gibt noch weitere Prozesse im Körper, die nicht mit den Eiweiß-Antikörpern außer Kraft gesetzt werden können. Ziel ist im Moment also nur die Verlangsamung des Fortschreitens der kognitiven Einschränkungen. Zu den Nebenwirkungen: Unter der Antikörper-Therapie kann es punktuell zu Hirnödemen oder -einblutungen kommen. Diese Nebenwirkung, die üblicherweise im ersten Halbjahr der Behandlung auftritt, gibt es bei etwa zehn Prozent der Patientinnen und Patienten, deswegen ist ein engmaschiges Monitoring vor allem im MRT notwendig.
Welchen Nutzen haben die neuen Medikamente?
Pawlowski: Den Nutzen für die gesamte medizinische Alzheimer-Forschung sehe ich als unglaublich hoch an. Erstmals haben wir Therapeutika in der Hand, die ursächlich ansetzen. Es gibt weitere Amyloid-Antikörper, die sich im Moment in der klinischen Überprüfung befinden. Die Entwicklung geht also weiter. Künftig sind auch Kombinationstherapien denkbar aus mehreren Wirkstoffen, die zusammen mit der Amyloid-Antikörpertherapie vielleicht noch besser wirken. Dazu wird an Biomarker-Tests gearbeitet, die helfen sollen, die Erkrankung vor Ausbruch zu entdecken. Insgesamt ist die Wirkung individuell und nicht prognostizierbar. Einige Patientinnen und Patienten profitieren kaum, andere haben unter der Therapie jahrelang einen stabilen Verlauf. Für die letzte Gruppe kann man mit den neuen Therapien einen Effekt erreichen, der dann wirklich einen Unterschied macht.
Dez. 19, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Mediziner und Chirurg mit Leidenschaft: Zum Jahreswechsel scheidet Prof. Michael J. Raschke (66) nach 23 Jahren aus dem Amt des Direktors der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM aus. (© Foto by UKM)
Prof. Michael J. Raschke: Ein prägender Gestalter der Unfallchirurgie verlässt die Bühne des UKM
Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie beendet Prof. Michael J. Raschke zum Jahresende seine Tätigkeit als Klinikdirektor am UKM (Universitätsklinikum Münster). Mit ihm tritt ein Mediziner ab, der die unfallchirurgische Versorgung in Münster und der Region geprägt hat wie kaum ein anderer.
Münster (ukm/maz) – Sein Name ist vielen Menschen aus der Berichterstattung über das Kiepenkerl-Attentat, der Wichtigkeit von Helmen bei Fahrradunfällen oder zuletzt durch die Behandlung von Kriegsverletzten aus der Ukraine vertraut: Prof. Michael J. Raschke ist mit seinem Team der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie immer dann zur Stelle, wenn durch einen Schicksalsschlag ein vermeintlich gesunder Mensch plötzlich zu einem Verletzten oder gar Schwerstverletzten wird. „Das ist die Besonderheit an unserem Job, der sich völlig von der Behandlung innerer Erkrankungen oder Krebsleiden unterscheidet. Ich kann einen schwerverletzten Menschen nahezu wiederherstellen, das ist ein absolutes Privileg“, sagt Michael Raschke. Auch wenn es nur noch wenige Tage bis zum Eintritt in den Ruhestand sind, ist dem Mediziner anzumerken, wie sehr er auch nach vier Jahrzehnten noch für sein Fach brennt. „Ich finde die Unfallchirurgie faszinierend!“
Besonders früh erkannte Raschke die Bedeutung der Alterstraumatologie. Schließlich ist allgemein bekannt, dass alte, gestürzte Menschen, wenn sie nicht zügig wieder auf die Beine kommen, mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht mehr dazu in der Lage sind. Seit seinem Wechsel von der Berliner Charité ans UKM im Jahr 2003 setzte er sich mit Nachdruck für Strukturen ein, die der Versorgung älterer Patientinnen und Patienten gerecht werden. „Mit sehr differenzierten Verfahren können wir mittlerweile Knochenzement direkt in die Wirbelsäule einbringen und diese so stabilisieren, dass die Patienten direkt aufstehen können“, erklärt Michael Raschke. Mit der Zertifizierung des UKM als Alterstraumazentrum wurde in diesem Jahr ein zentrales Element dieses langjährigen Engagements erreicht. Ein weiteres Beispiel für die Alterstraumatologie ist eine von ihm und seinem Team entwickelte Hohlschraube für Beckenfrakturen, über die Zement direkt an die notwendige Stelle appliziert wird – ein Vorzeigeprojekt für gelebte Universitätsmedizin und translationale Forschung, bei der ein klinisches Problem in die Forschung gegeben wird und anschließend den Patientinnen und Patienten in der Klinik zugutekommt.
Ebenso wirkt der heute 66-Jährige bis heute weit über Münster hinaus. Als Begründer des im Jahr 2007 entstandenen Traumanetzwerks NordWest etablierte er ein regionales Versorgungsgefüge, das die Behandlung Schwerverletzter deutlich strukturierter und verlässlicher macht und deren Transport in ein geeignetes Krankenhaus binnen 30 Minuten gewährleistet. Dem Netzwerk gehören 42 Krankenhäuser und Reha-Kliniken der Region südliches Niedersachsen und nördliches Nordrhein-Westfalen unter Federführung des UKM an. An diesen Gedanken knüpft auch das Expert-Projekt an, das die adäquate Behandlung von Frakturen mit Weichteilschäden und postoperativen Komplikationen in den Fokus rückt. Die Medizinische Fakultät der Universität Münster erhielt dafür im Jahr 2022 vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine Förderung von rund 6,9 Millionen Euro. 33 Krankenhäuser unterschiedlicher Versorgungsstufen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen gehören dem Projekt mittlerweile an.
Engagement für die Universitätsmedizin Münster – und darüber hinaus
Die Ämter, die Prof. Michael Raschke neben der Klinikdirektion bekleidete, füllen allein mehrere Din-A4-Seiten. Neben seinem Vorsitz in zahlreichen Entwicklungs- und Berufungskommissionen der Medizinischen Fakultät, seien stellvertretend seine zweimalige Amtszeit als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) genannt sowie seine Tätigkeit als stellvertretender Ärztlicher Direktor des UKM (2012-2018) und als Mitglied des Aufsichtsrates (2020-2024). „Michael Raschke hat die Unfallchirurgie und das UKM mit Klarheit und fachlicher Exzellenz geprägt. Er hat nie gescheut, Dinge kritisch zu hinterfragen, und hat damit Innovationen und Weiterentwicklung gefördert“, dankt Prof. Alex W. Friedrich, Ärztlicher Direktor des UKM. Durch sein Engagement ist Raschkes Klinik auch ein Ort geworden, an dem Karrieren begannen. Zahlreiche in Münster ausgebildete Ärztinnen und Ärzte leiten heute große unfallchirurgische Kliniken in Deutschland. Insgesamt hat der Mediziner 120 Promotionen und 29 Habilitationen betreut. „Bei aller Exzellenz war mir wichtig, den Menschen zu vermitteln, dass sie im Team stärker sind. Die Traumatologie lebt von Interdisziplinarität“, sagt Raschke.
Es gibt jedoch auch Dinge, die er nicht verwirklichen konnte. So hat er sich stark für eine vollstationäre Reha-Klinik in Münster eingesetzt, die am Ende politisch nicht gewollt war. „Auch die Stationierung des ADAC-Rettungshubschraubers hätte ich gerne bei uns gesehen, um die umgehende Versorgung und Verlegung von Patientinnen und Patienten noch weiter zu verbessern“, blickt Michael Raschke zurück. Langweilig wird ihm ab Januar übrigens nicht werden: Seine Ämter in den Fachgesellschaften behält er, wie zum Beispiel in der AO Trauma, weiter inne.
Dez. 16, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Dr. Christoph Hoppenheit (3.v.l.), Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des UKM, überreicht im Beisein von weiteren UKM-Mitarbeitenden die Spenden der Wünschebaum-Aktion an die Vertreterinnen und Vertreter der „Johanniter“, der „Lebenshilfe Münster“ sowie der „LichtBlick Seniorenhilfe“. (© Foto by UKM/Wibberg)
Sie ist schnell zu einer liebgewonnenen Weihnachtstradition am UKM geworden: die Wünschebaum-Aktion zugunsten hilfsbedürftiger Menschen. Auch in diesem Jahr sind wieder zahlreiche Geld- und Sachspenden zusammengekommen, mit denen Einzelpersonen und sozialen Einrichtungen in der Weihnachtszeit eine Freude bereitet wird. Am Montag haben Vertreterinnen und Vertreter der teilnehmenden Institutionen die mehrere Postwagen füllenden Geschenke am UKM entgegengenommen.
Münster (ukm/lw) – „Es ist schön zu sehen, dass wir mit gemeinsamem Engagement auch im dritten Jahr unserer Wünschebaum-Aktion wieder hilfsbedürftige Menschen unterstützen und ihnen eine Freude bereiten können“, freut sich Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des UKM. Nach der überwältigenden Resonanz in den vergangenen Jahren knüpft das UKM (Universitätsklinikum Münster) auch in diesem Jahr an den bisherigen Spendenerfolg an, um in der Weihnachtszeit wieder möglichst viele Wünsche zu erfüllen.
Drei geschmückte Wünschebäume waren dafür an verschiedenen Standorten im UKM zu finden und luden Patientinnen und Patienten, Mitarbeitende sowie Besucherinnen und Besucher ein, sich an der Aktion zu beteiligen. Die vielen Zettel an den Bäumen beinhalteten die verschiedensten Wünsche – von Überraschungspäckchen über Gutscheinwünsche bis hin zu Spielsachen. Interessierte konnten sich Wünsche aussuchen und die verpackten Geschenke anschließend zurück zum Baum bringen, um in den kommenden Tagen für eine besondere Weihnachtsfreude zu sorgen. Darüber hinaus bot die Wünschebaum-Aktion auch die Möglichkeit, sich mit kleinen und großen Geldspenden zu engagieren. Die über zwei Wochen gesammelten Geschenke kommen wie immer der „Wohnungslosen-Winterhilfe“ der Johanniter, der „LichtBlick Seniorenhilfe“ und der „Lebenshilfe Münster“ zugute.
Die „Johanniter“ nutzen die Geldspenden für ihre mobile Hilfe, mit der sie in Münster Menschen ohne festen Wohnsitz mit Heißgetränken, Suppen oder Schlafsäcken unterstützen. Der Verein „LichtBlick Seniorenhilfe“ freut sich über kleine Präsente für von Altersarmut betroffene Seniorinnen und Senioren. Ganz konkrete Weihnachtswünsche gab es auch von der „Lebenshilfe Münster“. Sie begleiten Menschen mit Behinderung in betreuten Wohnprojekten oder im eigenen Zuhause, die im Rahmen der Wünschebaum-Aktion kleine persönliche Herzenswünsche äußerten.
Zum Abschluss der Aktion, die vom 24. November bis zum 12. Dezember stattfand, kamen Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Institutionen am Montag ins UKM, um sich bei Hoppenheit und allen Unterstützenden für das wiederholte Engagement zu bedanken und die gespendeten Geschenke entgegenzunehmen.
Die Wünschebaum-Aktion am UKM soll auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden.