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VR-Brille: Das Körperinnere sehen und verstehen

VR-Brille: Das Körperinnere sehen und verstehen

Bild: Alexander Ewen (l.) ist Glioblastom-Langzeitüberlebender. Er hat sich von Prof. Markus Holling, stellv. Direktor der Klinik für Neurochirurgie, anhand von MRT-Bildern und mit Hilfe der VR-Brille virtuelle Eindrücke seines Gehirns zeigen lassen. (© Foto by UKM)

Wie medizinisches Personal und Betroffene am UKM von VR-Brillen profitieren

Wie fühlt es sich an, das eigene Gehirn in 3D zu sehen? Am UKM ermöglichen Virtual-Reality-Brillen einen völlig neuen Blick ins Körperinnere – dreidimensional, beweglich und fast greifbar. Neurochirurg Prof. Markus Holling setzt die Brillen ein, um komplizierte Eingriffe besser zu erklären und gemeinsam zu planen – Hirntumor-Patienten Alexander Ewen ist als Betroffener beeindruckt: „Für Laien ist die virtuelle 3D-Sicht Gold wert.“

Münster (ukm/lwi) – Von außen betrachtet sieht es natürlich seltsam aus, wenn Prof. Markus Holling, mit einem Controller in jeder Hand und einer Virtual Reality (VR)-Brille auf dem Kopf seltsam gestikulierend im Raum steht. Für ihn, der in die Brille blickt, ergibt jede Bewegung aber durchaus Sinn. Er sieht, zoomt, dreht und bewegt, was bislang in dieser Form normalerweise nicht zu sehen ist: Dreidimensionale Bilder aus dem Körperinneren. Ob aus dem Ultraschall, MRT oder CT – sämtliche radiologische Aufnahmen werden in der Regel nur zweidimensional auf Bildschirmen dargestellt. Das Übersetzen in räumliche Maße obliegt der Vorstellungskraft und Erfahrung der Betrachtenden. „In der VR Brille wird ein 3D-Modell von diesen Bildern erstellt, das sich virtuell räumlich darstellen, drehen, vergrößern und schichten lässt“, sagt Holling, der stellvertretender Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster) ist.

Neben ihm sitzt ein Mann, den das auch interessiert. Alexander Ewen ist kein Mediziner, aber technikbegeistert und langzeitüberlebender Glioblastom-Patient. 2016 wurde der häufigste bösartige Hirntumor bei ihm entdeckt. Seitdem ist der 54-Jährige an der Uniklinik Bonn in Behandlung, hat den Tumor dort entfernen lassen und ist entgegen der Statistik seither frei von einem Rezidiv (also einem Wiederauftreten des Tumors). Er hat im Rahmen einer Krebs-Patienten-Messe von der Technik am UKM erfahren und ein Treffen mit Holling organisiert, um sich sein Gehirn durch die VR-Brille zeigen zu lassen. Nach über 30 MRT-Aufnahmen mit vielen Aufklärungsgesprächen ist der neue Blick auf seine Bilder für ihn etwas Besonderes. „Es ist krass“, sagt Ewen. „Es wird viel deutlicher als in zwei Dimensionen, bei denen man als Laie nicht viel erkennt und bei denen man durch die einzelnen Schichten durchwandern muss. Für Laien ist die virtuelle 3D-Sicht Gold wert“

Doch warum entsteht aus einer Aufnahme oder Diagnose überhaupt ein immersiver Eindruck für Patientinnen und Patienten? „Die Brillen ermöglichen es uns damit, dem Informationsbedürfnis von Betroffenen viel besser nachzukommen“, spricht Holling aus seiner alltäglichen Erfahrung. „Das ist natürlich nicht für alle etwas, aber den vielen Patientinnen und Patienten, die sich diese Art der Aufklärung wünschen, kann es helfen, Ängste abzubauen. Sie können ihre Erkrankung oder bevorstehende Eingriffe visuell nachvollziehen, dadurch besser verstehen und so ihr Verhalten und damit auch die Genesung positiv beeinflussen.“

Patientinnen und Patienten, bei denen Behandlungen mit Bildern aufwändig erklärt werden müssen, werden am meisten profitieren. Da eignet sich die Neurochirurgie genauso, wie z.B. die Leberchirurgie. Dementsprechend befinden sich die zehn VR-Brillen, die derzeit am UKM im Einsatz sind, sowohl in der Neurochirurgie als auch in der Allgemeinchirurgie und stehen allen anderen Kliniken grundsätzlich zur Verfügung. Dort sind sie aber keineswegs nur für Patientinnen und Patienten gedacht, sondern eröffnen auch dem medizinischen Personal völlig neue Wege in der interdisziplinären Zusammenarbeit – datenschutzkonform und dank WLAN ortsunabhängig. Ärztinnen und Ärzte aus (örtlich) verschiedenen Bereichen, können sich so gemeinsam in eine „Session“ einklinken, Kommentare an die Aufnahme anfügen, Ausmessungen vornehmen oder Operationsschritte visualisieren, kurz: Hochkomplexe Eingriffe lassen sich künftig noch besser planen, erklären und im interdisziplinären Austausch bewerten. Die Bilder und Gespräche eines solchen virtuellen Treffens können die Brillen aufzeichnen. Diese Aufnahmen wiederum lassen sich anschließend nicht einfach nur anschauen, sondern es kann von dort aus auch nahtlos zur weiteren Bearbeitung auf das Originalmodell zugegriffen werden.

„Das die Brillen viele neue Möglichkeiten für schnelle und unkomplizierte Zusammenarbeit. Aber auch für die Aus- und Weiterbildung jüngerer Kolleginnen und Kollegen sind sie Brillen extrem hilfreich“, sagt Holling und gibt einen Ausblick auf die Zukunft. „Perspektivisch werden die Brillen wahrscheinlich den Bogen von der Aufklärung über die operative Vorbereitung und Therapie bis zu den Kontrolluntersuchungen schlagen und damit allen Beteiligten nützlich sein.“

„Uni-Medizin on the Road“ macht Halt in Berg Fidel

„Uni-Medizin on the Road“ macht Halt in Berg Fidel

Bild: Ein buntes Programm für Familien wartet am Freitagnachmittag beim Sommerfest Berg Fidel, das gemeinsam mit der Veranstaltungsreihe „Uni-Medizin on the Road“ stattfindet. Auch das SC-Preußen-Maskottchen Fiffi ist vor Ort, ebenso Spitzensportler von SCP, USC und den Uni Baskets. (© Foto by UKM)

Spitzensport trifft auf Spitzenmedizin

Eine bunte Fitness- und Festmeile auf dem Platz vor dem Stadtteilhaus Lorenz-Süd: Am kommenden Freitag, dem 4. Juli, macht die Open-Air-Veranstaltungsreihe „Uni-Medizin on the Road“ in Kooperation mit Antenne Münster von 15 bis 18 Uhr mit ihrem Bühnentruck Halt in Berg Fidel. Zeitgleich wird das dortige Sommerfest mit Hüpfburg und Skate-Workshops gefeiert. Unter dem Motto „Fitness und Gesundheit“ laden die Veranstalter zu spannenden Talkrunden, weiteren Mitmachaktionen und Live-Erlebnissen ein – für Jung und Alt und bei freiem Eintritt. Zu den Talkrunden und Gesprächen vor der Bühne werden USC-Spielerin Esther Spöler aus der Volleyball-Bundesliga, Überraschungsgäste sowie Maskottchen Fiffi vom Team des SC Preußen Münster, Mannschaftsarzt Prof. Kristian Schneider vom UKM sowie Spitzensportler der Uni Baskets erwartet.

Münster (ukm) – Im Mittelpunkt der Roadshow steht der markante Bühnen-Truck von Antenne Münster. Von dort aus führt Moderator Sven Sandbothe, bekannt aus dem NRW-Lokalradio, durch das Programm. Gesundheit und Fitness – anschaulich erklärt von der Expertenrunde aus der Universitätsmedizin und dem Sport. Mit dabei sind unter anderem Prof. Kristian Schneider (Sportorthopädie), Prof. Tanja Grammer (Allgemeinmedizin), Prof. Rupert Conrad (Psychotherapie und -somatik), Dr. Gunther S. Joos (Notfallmedizin) sowie das Team der Diätassistenz und Physiotherapie des UKM und die operationstechnische Assistentin Sophia Gehring, die in verschiedenen Talkrunden Einblicke in Spitzensport, Verletzungsprävention, Stressbewältigung, Ernährung und Teamarbeit im OP geben. Darüber hinaus können Besucherinnen und Besucher ihren Blutdruck oder ihr Herz-Kreislauf-Risiko checken lassen, sich Tipps zur gesunden Ernährung holen, Wiederbelebung üben oder ihre Sprungkraft testen. Das SC-Preußen-Maskottchen Fiffi ist ebenso dabei wie die Clinic-Clowns des UKM, außerdem wird Star-Wars-Besuch am Bühnen-Truck erwartet.

Die Roadshow ist Teil des Sommerfests Berg Fidel, das ein buntes Programm für die ganze Familie bietet. Ob Skate-Workshop für Kinder, Fahrradparcours, XXL-Dart, Hüpfburg oder Torwand – Bewegungs- und Mitmachangebote für Groß und Klein stehen an diesem Tag im Fokus der Veranstaltung. Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung des SchlauRaums in Münster passt das Sommerfest in Berg Fidel zusammen mit der „Uni-Medizin on the Road“ somit perfekt zum Wissenschaftsfestival rund um das Thema Gesundheit. Darüber hinaus wird es Gesangs- und Tanzauftritte geben, unter anderem vom Chor der PRIMUS-Schule Berg Fidel und des Familienzentrums St. Maximilian-Kolbe. Kinderschminken, ein Glücksrad, eine Carrera-Bahn, leckeres Essen und erfrischende Getränke runden das Angebot ab. Das Sommerfest wird vom Arbeitskreis Berg Fidel organisiert, an dem viele Institutionen und soziale Einrichtungen aus dem Stadtteil beteiligt sind. Es findet rund um das Stadtteilhaus Lorenz-Süd (Am Berg Fidel 53, 48153 Münster) statt. Der Eintritt ist frei.

Besucherinnen und Besucher können in Berg Fidel am Stand der Uni-Medizin ihren Blutdruck (wie hier auf dem Bild der Roadshow in Gronau) oder ihr Herz-Kreislauf-Risiko checken lassen, sich Tipps zur gesunden Ernährung holen und Wiederbelebung üben. Mit dabei sind auch die Clinic-Clowns des UKM.

Bild: Besucherinnen und Besucher können in Berg Fidel am Stand der Uni-Medizin ihren Blutdruck (wie hier auf dem Bild der Roadshow in Gronau) oder ihr Herz-Kreislauf-Risiko checken lassen, sich Tipps zur gesunden Ernährung holen und Wiederbelebung üben. Mit dabei sind auch die Clinic-Clowns des UKM. (© Foto by UKM)

Die Reihe „Uni-Medizin on the Road“ ist Teil des Jubiläumsjahres der Universitätsmedizin Münster, das unter dem Motto „Ein Jahrhundert Spitzenmedizin, innovative Forschung, engagierte Lehre und gesellschaftliche Verantwortung“ steht. An insgesamt sechs Standorten in Münster und der Region sind die Medizinische Fakultät der Universität Münster und das UKM (Universitätsklinikum Münster) bis September anlässlich des 100-jährigen Bestehens unterwegs. Ziel der Roadshow ist es, direkt bei den Menschen in Münster und in der Region, medizinische Themen greifbar zu machen, über regionale Gesundheitsnetzwerke zu informieren und den direkten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern zu intensivieren.

Weitere Informationen: www.unimedizin100.de

Bei Scharlachinfektion des Säuglings ist Vorsicht geboten

Bei Scharlachinfektion des Säuglings ist Vorsicht geboten

Bild: Haben zusammen erstmals den Zusammenhang von Scharlach beim Säugling und der Gefahr einer Brustinfektion bei der stillenden Mutter dadurch dargestellt: (v.l.) Dr. Alexander F. Dermietzel, Prof. Tobias Hirsch, Erstautorin Dr. Sonja Dahmann (alle Plastische Chirurgie) sowie Dr Carl Opitz und Dr. Joke Tio aus dem UKM-Brustzentrum. (© Foto by UKM/Wibberg)

Stillen ist das Beste fürs Kind – darüber ist sich die Wissenschaft einig. Eine Scharlach-Erkrankung des Säuglings kann dann allerdings ein Infektionsrisiko für die Mutter darstellen. Die auslösenden Bakterien, Streptokokken, können vom Mund des Babys in die mütterliche Brust gelangen. „Durch Aufklärungsarbeit möchten wir die Aufmerksamkeit für dieses seltene, aber potentiell gefährliche Krankheitsbild erhöhen, und Verunsicherungen beim Stillen durch ein einfaches Vorgehensschema vermeiden“, erklärt die plastische Chirurgin Dr. Sonja Dahmann – und hat als Erstautorin das Thema erstmals wissenschaftlich aufgearbeitet.

Münster (ukm/aw) – Zusammen mit anderen Forschenden, darunter aus dem UKM-Brustzentrum, hat Dr. Sonja Dahmann, Funktionsoberärztin der Klinik für Plastische Chirurgie am UKM (Leitung Univ.-Prof. Dr. Tobias Hirsch), einen klinikeigenen Fall beschrieben, bei dem der kindliche Scharlach zu einer lebensbedrohenden Brustentzündung der Mutter geführt hat. Ihre erstmalige intensive wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Themas basierte auf einer vollständigen Literaturanalyse – bei der weltweit sechs weitere Fälle gefunden wurden – und auf dem intensiven Austausch Dr. Joke Tio und Dr. Carl Opitz aus dem Brustzentrum des UKM sowie dem Referenzzentrum für Streptokokken der Universität Aachen. Die Arbeit ist für die Gesundheit von stillenden Müttern so relevant, dass die weltweit renommierte Wissenschaftszeitschrift „The Lancet – Infectious diseases“ die Ergebnisse jetzt publiziert hat. „Wir wollten mit unserer Forschung vor allem einen Beitrag zur Frauengesundheit leisten, einem Medizinbereich, der auch heute noch wissenschaftlich unterrepräsentiert ist. Durch das Beleuchten der Erregerübertragung beim Stillen möchten wir aber keinesfalls vom Stillen entmutigen. Durch die Öffentlichkeitsarbeit erhoffen wir aber, auch niedergelassene Kinder-, Haus- und Frauenärztinnen und -ärzte auf einen Zusammenhang aufmerksam machen, der bisher so nicht bekannt war“, so Dr. Sonja Dahmann.

Zusammen mit anderen Forschenden unter anderem aus der Klinik für Plastische Chirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster) und aus dem UKM-Brustzentrum, hat das Team der Plastischen Chirurgie am UKM im Frühling 2023 eine stillende Mutter behandelt, die mit einer lebensbedrohlichen Streptokokken-Infektion der Brust mit Blutvergiftung und Multi-Organversagen notfallmäßig ans UKM überwiesen wurde. „Medizinisch sprechen wir von einem Streptokokken-induzierten toxischen Schock-Syndrom, kurz STSS“, so Dahmann. „Ungefähr die Hälfte der Erkrankten überleben eine solche Infektion nicht“, erläutert Dahmann den ernsten Zustand der damals 35-jährigen, ansonsten gesunden Frau: „Die Frau wurde in kritischem Zustand aus einem anderen Krankenhaus übernommen, das unsere Expertise angefragt hatte. Streptococcus pyogenes, der Erreger von Scharlach, fand sich in der zu großen Teilen abgestorbenen Brust. Aufgrund der schweren Infektion musste insgesamt viermal operiert werden. Die intensivmedizinische Behandlung, Antibiotikatherapie und operative Versorgung retteten schließlich das Leben der Patientin. Im letzten Eingriff haben wir die Brust wiederhergestellt.“

Der Umgang mit dem Erreger Streptokokkus pyogenes ist in den Hygiene-Leitlinien für medizinische Personal mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen gekennzeichnet. Diese Vorgaben beruhen auf der hohen Ansteckbarkeit und den bakterienspezifischen Eigenschaften schnell und zerstörend in Gewebe eindringen zu können. Bei scharlachkranken Säuglingen sei aber bisher offenbar niemandem bewusst gewesen, dass durch den Stillvorgang die Erreger vom Kind auf die Mutter übertragen werden können – mit den oben beschriebenen Folgen.

Die Forscher geben den behandelnden Ärzten in ihrer Veröffentlichung einen Leitfaden an die Hand, der bislang international gefehlt hat. „Wir haben gemeinsam mit allen beteiligten Experten ein einfaches Schema vorgeschlagen, wie man im Falle einer Scharlacherkrankung des Säuglings vorgehen kann. Bei typischen Anzeichen für Scharlach – Erdbeer-rote Zunge und Rachen, Fieber und Abgeschlagenheit – ist ein Schnelltest beim Kinderarzt sinnvoll. Wenn Scharlach bestätigt wird, erhält der Säugling umgehend eine antibiotische Behandlung. In den ersten 24 Stunden der Antibiotikatherapie wird das Stillen unterbrochen und das Kind z.B. mit abgepumpter Muttermilch gefüttert. Danach kann mit minimiertem Risiko das Stillen fortgesetzt werden. Natürlich bedarf es klinischer Studien, um das Schema zu bewerten. Wir hoffen durch unsere Veröffentlichung ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen und Folgestudien anzuregen“, schließt Dahmann.

100 Jahre Universitätsmedizin Münster

100 Jahre Universitätsmedizin Münster

Bild: Freuen sich, dass die Feierlichkeiten zum Jubiläum 100 Jahre Universitätsmedizin Münster starten (v.l.): Dekan Prof. Frank Ulrich Müller Prof. Alex W. Friedrich (Ärztlicher Direktor UKM) und Projektmanagerin Christa Farwick, die stellvertretend für das Projekt- Team steht. (© Foto by UKM/MFM/M. Ibrahim)

Ein Jubiläum zum Entdecken, Staunen und Mitmachen

Als 1925 die ersten Kliniken der neu gegründeten Medizinischen Fakultät in Münster bezogen wurden, war das ein Meilenstein für Stadt, Region und Wissenschaft. Hundert Jahre später feiern Fakultät und UKM (Universitätsklinikum Münster) dieses Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen – von Mitmachaktionen über medizinische Talks bis hin zur „Langen Nacht der Universitätsmedizin“ wird die Geschichte, Gegenwart und Zukunft des bedeutenden Gesundheitsstandorts erlebbar gemacht.

Münster (tb/maz) – Mit dem Einzug in die bis heute erhaltenen Backsteinbauten entlang der Domagkstraße nahm eine Erfolgsgeschichte ihren Anfang: Heute zählt die Universitätsmedizin Münster mit rund 12.000 Mitarbeitenden zu den größten Arbeitgebern der Region. Jährlich werden ambulant und stationär mehrere Hunderttausend Patientinnen und Patienten versorgt, rund 2.200 Forschende treiben medizinische Innovationen voran. Etwa 3.000 Studierende absolvieren in Münster ihre Ausbildung – die Fakultät gehört bundesweit zu den gefragtesten Standorten. „Wir können sehr stolz sein, was an diesem Standort in 100 Jahren geschaffen wurde“, sagt Prof. Frank Ulrich Müller, Dekan der Medizinischen Fakultät. „Die runde Zahl nehmen wir zum Anlass, mit der Öffentlichkeit, mit Stadt und Region zu feiern – in Form von rund 20 Veranstaltungen. Das Publikum ist eingeladen, bei diesen die Vielfalt der Uni-Medizin zu entdecken.“

Der Veranstaltungsreigen dauert von Mai bis September und beginnt offiziell am 16. Mai mit einem Festakt im Schloss der Universität Münster, bei dem als Ehrengäste unter anderem NRW-Forschungsministerin Ina Brandes und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erwartet werden. Ab dem 24. Mai geht die Uni-Medizin dann „on the Road“: Sechs Stopps in Münster und der Region (Warendorf, Coesfeld, Gronau und Borghorst) laden ein zum „Entdecken, Staunen und Mitmachen“. Immer mit dabei: der Bühnen-Truck von Antenne Münster. Medizin-Talks, Infostände, Live-Programm und Mitmachangebote widmen sich an jedem Ort einem Schwerpunktthema – moderiert von Sven Sandbothe, Moderator-Urgestein bei Antenne Münster. Zum Auftakt geht es um die psychische Gesundheit. Auf dem Lamberti-Kirchplatz in Münsters Innenstadt geben Fachleute von 11 bis 14 Uhr Impulse zu Resilienz, Stressbewältigung oder Suchterkrankungen. Auch Pflegekräfte und Mentale Ersthelfer kommen zu Wort – ein multiprofessioneller Blick auf ein gesellschaftlich hochrelevantes Thema.

Kooperationspartner sind Teil der Roadshows

An allen externen Standorten sind auch Fachleute von örtlichen Krankenhäusern im Programm vertreten, denn die Orte von „Uni-Medizin on the Road“ wurden nicht zufällig gewählt: „Die Kooperation mit den vorhandenen regionalen Strukturen gehört zur DNA der Universitätsmedizin und ist eine Daueraufgabe“, erläutert Prof. Alex W. Friedrich, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM. „Wir wollen zeigen, was die Universitätsmedizin Münster heute leistet – für die Region, für die Wissenschaft und für die Patientinnen und Patienten. Und das mit einigen unserer vielen regionalen Kooperationspartner im Nordwesten Deutschlands.“ So veranschaulicht die Veranstaltung in Warendorf, auf welchen Gebieten das UKM mit dem Josephs-Hospital fachlich zusammenarbeitet und in Gronau geht es auch um grenzüberschreitende Kooperationen. Die beteiligten Kliniken gehören zu den 34 Akademischen Lehrkrankenhäusern der Medizinischen Fakultät.

Nur wenige Tage nach der letzten Roadshow folgt am 12. September der Höhepunkt des Jubiläumsjahres: die zweite „Lange Nacht der Universitätsmedizin Münster“. Die Premiere 2018 zog über 10.000 Besucherinnen und Besucher auf den Campus. Schon jetzt (die interne Anmeldung läuft noch) haben über 60 Einrichtungen – Kliniken, Institute, weitere Abteilungen – angekündigt, ihre Türen zu öffnen, mit bisher rund 100 Programmpunkten für alle Altersgruppen: Getestet werden können nicht nur hochtechnisierte OP-Roboter, auch Mitmach-Labore, Führungen, Großmodelle wie ein begehbarer – 20 Meter langer – Darm, Bühnen mit Kulturprogramm und viele interaktive Stationen im Außenbereich rund um die Domagkstraße machen die Uni-Medizin an diesem Tag erlebbar. „Nach dem großen Erfolg vor sieben Jahren wurden wir immer wieder gefragt, wann es eine Neuauflage der Langen Nacht geben wird“, berichtet Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor des UKM. „Ich bin sicher, für viele Mitarbeitende zu sprechen, wenn ich sage: Wir freuen uns sehr!“ Pflegedirektor Thomas van den Hooven ergänzt: „Wir sind sehr stolz, erneut zeigen zu können, wer wir sind und was unsere Teams hier jeden Tag leisten.“

Architektour Universitätsmedizin 100

Neben Gegenwart und Zukunft bekommt auch die Geschichte des Standorts ihren Raum: Eine besondere Führung unter dem Titel „Architektour Universitätsmedizin 100“ mit dem Architekten und Journalisten Stefan Rethfeld lädt an fünf Terminen dazu ein, bauliche Zeitschichten zu erkunden – von den Gründerbauten von 1925 über das Zentralklinikum von 1983 bis zum aktuellen Masterplan 2028.

Auch medizinhistorisch wird das Jubiläum begleitet: Prof. Hans-Georg Hofer vom Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin bereitet das Jubiläum seit zwei Jahren vor. Über eine Lehrveranstaltung zur Standortgeschichte und mehrere daraus entstehende Dissertationen hinaus organisiert sein Team einen Kongress am 16. Mai sowie eine Ringvorlesung mit sechs Vorträgen – etwa zur Rolle von Frauen in der Uni-Medizin oder zum Nobelpreisträger Gerhard Domagk. Mit einem ebenfalls in Hofers Regie erstellten Sammelband mit 40 Beiträgen zur Geschichte der Universitätsmedizin Münster, der im Aschendorff-Verlag erscheinen wird, findet das Jubiläumsjahr im Oktober seinen Abschluss.

Unabhängig von Zeit und Ort stehen neben dieser Publikation weitere Medien zur Verfügung, die all die vielfältigen historischen wie aktuellen Themen rund um das Jubiläum vereinen: Ein über 80-seitiges Festmagazin lädt ebenso zu einer Reise durch 100 Jahre Universitätsmedizin Münster ein wie eine eigene Videoreihe, die sowohl auf Social-Media-Kanälen als auch auf der offiziellen Jubiläumswebsite zu finden sein werden. Hineinschauen lohnt sich – dessen sind sich mit Prof. Alex W. Friedrich und Prof. Frank Ulrich Müller der gesamte UKM-Vorstand und das Fakultäts-Dekanat einig.

Alle Termine, Inhalte und Hintergrundgeschichten zum Jubiläumsjahr gibt es unter: www.100-jahre-universitaetsmedizin-muenster.de

Als Alterstraumazentrum zertifiziert: Unfallchirurgie am UKM

Als Alterstraumazentrum zertifiziert: Unfallchirurgie am UKM

Bild: Als frisch zertifiziertes Alterstraumazentrum treten sie in der Unfallchirurgie interdisziplinär für eine bessere Behandlung von älteren Patientinnen und Patienten ein (v.l.): Ute Haking, Dr. Kathrin Kothe, Monika Denno, Prof. Dr. Michael Raschke, Dorothee Deinken, Esmira Aslan, Claudia Bamming, Hildegard Muhmann, Janina Borkert, Barbara Ahrens und Dr. Josef Stolberg-Stolberg. (© Foto by UKM/Heine)

Bessere interdisziplinäre Behandlung für ältere Patienten

Wenn ältere Menschen stürzen und sich verletzen wird häufig eine Operation nötig – gleichzeitig steigt mit höherem Lebensalter das Risiko für Komplikationen während oder nach einer OP. Um dem durch bestmögliche interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit entgegenzuwirken und dem wachsenden gesellschaftlichen Bedarf gerecht zu werden, hat sich die Unfallchirurgie jetzt zum Alterstraumazentrum der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zertifizieren lassen.

Münster (ukm/lwi) – Wie kaum einen anderen Gesellschaftsbereich fordert der demografische Wandel das Gesundheitssystem. Eine immer älter werdende Gesellschaft schafft immer größere Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung – nicht nur in der Pflege, der Inneren Medizin oder der Kardiologie, sondern auch in der Unfallchirurgie. Je älter ein Mensch, desto wahrscheinlicher werden Stürze und damit Verletzungen wie Knochenbrüche. „Zu den häufigsten alterstypischen Frakturen zählen die des Oberschenkels, der Wirbelkörper, des Beckens und des Handgelenks, aber auch Frakturen der Oberarme“, sagt Privatdozent Dr. Josef Stolberg-Stolberg, Oberarzt in der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM.

Ältere Patienten, die mit einem solchen Trauma vorstellig werden, bringen häufig viele weitere Erkrankungen mit, die spätestens im Hinblick auf eine sichere Operation und bestmögliche Rehabilitation berücksichtigt werden müssen. Um die älteren Menschen ab 70 Jahren noch individueller und besser zu behandeln, hat sich die Unfallchirurgie am UKM zu Beginn dieses Jahres von der Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) als Alterstraumazentrum zertifizieren lassen.

Dr. Kathrin Kothe, Oberärztin aus der „Medizinischen Klinik D“ des UKM, hat den Zertifizierungsprozess als Geriaterin begleitet. „Als Alterstraumazentrum rücken wir die interprofessionelle und interdisziplinäre Behandlung älterer Menschen weiter in den Fokus. Neben der Unfallchirurgie ist die Geriatrie dabei genauso Teil des Teams wie die Pflege, Physio- und Ergotherapie sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Bei der Identifikation der infrage kommenden Patientinnen und Patienten schauen wir aber nicht allein auf das Alter, sondern natürlich auf den Gesamtzustand und individuelle geriatrische Risikofaktoren, um zu beurteilen, wie groß die Wahrscheinlichkeit für einen komplikativen Verlauf ist“, sagt Kothe. „Ist eine bestimmte Risikokonstellation gegeben, besprechen wir gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten die weiteren Optionen.“

Aus ärztlicher Sicht bedeutet dies für Patientinnen und Patienten etwa, dass rund um ihre Operation ein besonderes Augenmerk auf Vorerkrankungen und die Wechselwirkungen von Medikamenten gelegt wird. Neben der üblichen Versorgung erhalten sie außerdem zwei geriatrische Visiten pro Woche. Ergo- und physiotherapeutisch sowie pflegerisch wird ein Schwerpunkt auf aktivierende Pflege, also eine frühe Mobilisation und Krankengymnastik gelegt, um eine möglichst gute Rehabilitation zu ermöglichen. Dort knüpft dann der Sozialdienst an, der die Patientinnen und Patienten im Rahmen des Entlassmanagements bei ganz praktischen Fragen rund um die Reha, den neuen Alltag oder auch zu finanziellen Aspekten berät.

„Insgesamt können wir als Alterstraumazentrum eine individuellere und engmaschigere Begleitung rund um die Operation anbieten. Damit optimieren wir den Heilungsprozess und reduzieren Probleme wie postoperative Verwirrungszustände, Pneumonie oder thromboembolische Komplikationen. Durch den demografischen Wandel steigt der Bedarf für altersgerechte Behandlungen. Diese sind interdisziplinär und müssen immer weiter verbessert werden“, gibt Klinikdirektor Prof. Michael Raschke einen Ausblick auf die kommenden Jahre.