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Organspende: Richtig. Wichtig. Lebenswichtig

Organspende: Richtig. Wichtig. Lebenswichtig

Bild: Dr. Judith Hoppe arbeitet als Oberärztin der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin im St. Marien-Hospital Lüdinghausen, Zudem ist sie Transplantationsbeauftragte der Klinik. (© Foto by St. Marien-Hospital Lüdinghausen)

Zum Tag der Organspende am 7. Juni: Wenn aus Verlust neues Leben wird

Lüdinghausen – „Der heutige Tag der Organspende ist eine wichtige Gelegenheit, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit und den Wert von Organspenden zu schärfen“, sagt Dr. Judith Hoppe, Oberärztin der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin im St. Marien-Hospital Lüdinghausen und Transplantationsbeauftragte der Klinik. „Es ist notwendig, dass die Menschen informiert sind und wissen, wie sie sich in einem solchen Fall verhalten sollen.“ Die Organspende ist ein lebenswichtiges Thema, das viele Menschen betrifft und eine bedeutende Rolle im Gesundheitswesen spielt.

„In Deutschland gilt die sogenannte Entscheidungslösung“, erklärt die Medizinerin, das bedeute, dass jeder Bürger seinen Entschluss für oder gegen eine Organspende zu Lebzeiten dokumentieren kann. Dies kann im Organspendeausweis, in einer Patientenverfügung oder seit März 2024 im zentralen Organspendenregister online geschehen. Das Register ist für Transplantationszentren zugänglich und hilft, die Entscheidung des Verstorbenen schnell und rechtssicher zu ermitteln. eine Änderung oder der Widerruf der Organspende sind übrigens jederzeit möglich. Liegt keine Entscheidung vor, müssen die Angehörigen im Todesfall eine Entscheidung im Sinne des Verstorbenen treffen. „Trotz intensiver Aufklärungskampagnen bleibt die Zahl der Organspender in Deutschland sehr niedrig“, so Dr. Hoppe. „2024 wurden postmortale 2.854 Organe in Deutschland gespendet, auf der Warteliste für eine Organtransplantation stehen jedoch rund 8.500 Menschen, was zeigt, dass deutlich weniger Organe zur Verfügung stehen als benötigt werden.“ Wichtig sei es, den Menschen mit Ängsten und Bedenken in Bezug auf eine Organspende durch eine entsprechende Aufklärung die Unsicherheit zu nehmen.

„Viele Menschen befürchten, dass medizinisches Personal bei einem Unfall oder einer schweren Krankheit nicht alles tun könnte, um ihr Leben zu retten. Eine weitere Ungewissheit herrscht über die Definition des Hirntods. Einige haben Angst, dass sie für tot erklärt werden könnten, obwohl dieser Zustand noch nicht eingetreten ist“, erklärt die Medizinerin aus dem St. Marien-Hospital. Die Feststellung des sogenannten „Hirntodes“ als Voraussetzung für eine potentielle Organspende in Deutschland ist deutlich komplexer und ausführlicher als jede andere Todesfeststellung und wird von mehreren Fachärzten durchgeführt. Ohne diese Voraussetzung sei eine Organentnahme gar nicht möglich.

Dr. Judith Hoppe engagiert sich als Transplantationsbeauftrage im Krankenhaus in Lüdinghausen für das Thema Organspende und möchte mit ihren Vorträgen und Informationsveranstaltungen den Menschen die Angst vor dem Unbekannten nehmen, damit leichter eine Entscheidung getroffen und diese dokumentiert werden kann. Zu den am häufigsten gespendeten Organen gehören die Nieren, auch Leber, Herz, Lunge, Darm und Bauchspeicheldrüse können gespendet werden, ebenso sind Gewebespenden von Hornhaut, Herzklappen, Haut, Blutgefäße und Knochengewebe möglich.

„Jede Organspende – und dabei gibt es keine obere Altersgrenze – kann Leben retten und die Lebensqualität von schwerkranken Menschen erheblich verbessern“, betont Dr. Hoppe. „Die Frage nach der eigenen Bereitschaft, postmortal Organe und Gewebe zur Verfügung zu stellen, ist eine persönliche und bedeutende Entscheidung. Aktuelle Umfragen zeigen, dass die Bereitschaft, nach dem Tod Organe zu spenden, deutlich höher liegt als es schriftliche Erklärungen dazu gibt. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns alle mit diesem Thema auseinandersetzen und unsere Entscheidungen klar kommunizieren und vor allem dokumentieren, damit unsere Angehörigen im Fall der Fälle nicht mit dieser Entscheidung alleine sind.“

Organspende: UKM schult Mitarbeitende bei eigenen Fortbildungen

Organspende: UKM schult Mitarbeitende bei eigenen Fortbildungen

Bild: Prof. Markus Holling, stellvertretender Direktor der Klinik für Neurochirurgie, erläutert den Ablauf der Hirntoddiagnostik.

Organspende ist kein Alltagsgeschäft – deshalb müssen alle, die auf einer Intensivstation arbeiten, wissen, wie sie abläuft und was zu tun ist. Um ärztliches und pflegerisches Personal für diese besonderen Anforderungen zu schulen, bietet das UKM (Universitätsklinikum Münster) regelmäßig interprofessionelle und interdisziplinäre Fortbildungen an, auf denen der Ablauf einer Hirntoddiagnostik und Organspende möglichst realitätsnah gezeigt werden soll – eigens engagierte Schauspieler inklusive.

Organspende-Fortbildungen: Realitätsnah simulierte Ausnahmesituation

Münster (ukm/lwi) – Es ist nur eine fiktive Situation, aber trotzdem wird der Ernst der Lage an diesem Morgen im UKM Trainingszentrum schnell deutlich: Ein Tandem aus Ärzteschaft und Pflege soll den Eltern einer Patientin vermitteln, dass ihre Tochter nach einem Unglück vermutlich hirntot ist, alle Hirnfunktionen also unumkehrbar ausgefallen sind, und ihr Herz-Kreislauf-System allein aufgrund intensivmedizinsicher Maßnahmen und durch die Unterstützung von Geräten weiterarbeitet. Um Gewissheit zu haben, dass alle Hirnfunktionen irreversibel erloschen sind, soll eine entsprechende diagnostische Untersuchung ihrer Tochter durchgeführt werden, wie sie in der Intensivmedizin in so einer Situation üblich ist. Wird dabei das sehr seltene Ereignis des „irreversiblen Hirnfunktionsausfalls“ (umgangssprachlich Hirntod) festgestellt, muss spätestens im Anschluss auch über das Thema Organspende gesprochen werden, so sieht es das Transplantationsgesetz vor.

Das ist kein einfaches Thema – auch nicht im Übungsszenario am UKM, denn die Eltern sind hier extra engagierte Schauspielerinnen und Schauspieler, die dem Behandlungsteam bei seiner schwierigen Aufgabe einiges abverlangen. Diese hingegen sind „echt“ und arbeiten auf verschiedenen Intensivstationen der Uniklinik. Sieben von ihnen haben Anfang Dezember an der Organspende-Simulation teilgenommen, die das UKM drei Mal jährlich in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) anbietet.

„Es ist wichtig, dass alle – sowohl von pflegerischer als auch ärztlicher Seite – sicher in dem Thema sind. Organspende ist ein seltenes Ereignis, aber wenn es stattfindet, muss jeder wissen, was er zu tun hat – und das kann man am besten lernen, in dem man es praktisch übt“, sagt Dorothee Lamann, Transplantations- und Organspende-beauftragte am UKM. Entsprechend umfangreich werden in der simulierten Organspende alle relevanten Bereiche betrachtet – von der Aufklärung und Spendererkennung, über die Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls und die intensivmedizinischen Maßnahmen und Pflege hirntoter Patienten bis hin zu eingangs erwähnten Angehörigengesprächen, um den Willen des Verstorbenen hinsichtlich einer potenziellen Organspende zu erkunden. Darüber hinaus wird auch die Verabschiedung vor der im Operationssaal durchgeführten Organentnahme simuliert. „Das Ganze soll realitätsnah nachgestellt werden. Da kann jeder erfahren: Was macht das mit mir, was kann ich gut, was kann nicht gut und welche Fragen stellen sich mir?“, sagt Lamann.

Organspende:  In einem simulierten Angehörigengespräch spielen Schauspieler die Eltern einer Intensiv-Patientin. Foto © UKM

Bild: In einem simulierten Angehörigengespräch spielen Schauspieler die Eltern einer Intensiv-Patientin.

Da der festgestellte Hirntod die Voraussetzung für eine postmortale Organspende ist, ist auch die konkrete Hirntoddiagnostik Thema der interprofessionellen und interdisziplinären Fortbildung. Prof. Markus Holling, stellvertretender Direktor der Klinik für Neurochirurgie, zeigt den Teilnehmenden den Ablauf der Untersuchung, die nur Fachärztinnen und -ärzte mit viel Erfahrung in der Behandlung von schwerst Schädel-Hirn-Verletzten nach einer exakt definierten Richtlinie vornehmen dürfen. Diese ist bindend – ein Abweichen von den vorgegebenen Untersuchungen ist also nicht erlaubt. Auch die Pflegenden sollen mit dem Verfahren vertraut sein, damit sie Angehörige gut betreuen und auf die mögliche Diagnose Hirntod vorbereiten können.

„Die Hirntoddiagnostik besteht aus drei großen Blöcken“, sagt Holling. „Im ersten Schritt wird die Voraussetzung geprüft, also u.a. ausgeschlossen, dass es aufgrund einer Intoxikation mit Giften oder durch Medikamente zu dem Bewusstseinsverlust gekommen ist. In einem zweiten Schritt wird das klinische Syndrom getestet: Werden Kontaktversuche oder Schmerzen wahrgenommen, etwa durch erhöhten Herzschlag oder erhöhten Blutdruck? Dann werden penibel die Hirnstammreflexe getestet: Gibt es Augenbewegungen? Ist der Gleichgewichtssinn aktiv? Besteht bei einem Apnoe-Test ein Atemreflex? Die Irrevisibilität als dritter Schritt wird schließlich durch eine erneute Untersuchung oder apparative Zusatzdiagnostik erbracht. Mit bildgebenden Verfahren wird dann entweder gezeigt, dass es keine Durchblutung des Gehirns mehr gibt, oder dass die Zellen keine gesteuerten elektrischen Signale mehr senden.“

Ein hochkomplexes und mitunter auch hochemotionales Thema also. Die Einblicke in die Diagnostik, die Situation der Angehörigen, die Pflege hirntoter Patientinnen und Patienten – all das ist tatsächlich kein Alltagsgeschäft, wie die Veranstaltung am UKM den Teilnehmenden zeigt. Umso wichtiger, dass sie sich mit dem Thema vertraut machen und wissen, wie eine Organspende im Fall der Fälle abläuft.

Hier können Sie sich das Video: »Im Rahmen der Fortbildung erfahren die Teilnehmenden, wie eine Organspende abläuft« ansehen. Und hier ein weiterer passende Beitrag zum Thema Organspende: »Organspendeausweis: Bekannter Wille fördert Zustimmung von Angehörigen erheblich«
Organspende: Bekannter Wille fördert Zustimmung von Angehörigen erheblich

Organspende: Bekannter Wille fördert Zustimmung von Angehörigen erheblich

Bild: Laut Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2020 würden 71 Prozent der Befragten, die bereits eine Entscheidung getroffen haben, einer Organspende zustimmen.

Die deutschen Organspenderzahlen sind im internationalen Vergleich gering. Der Frage, welchen Einfluss ein Entschluss zu Lebzeiten auf die Entscheidung für eine Organspende hat, gingen die Transplantationsbeauftragen der sieben NRW-Universitätskliniken Münster, Düsseldorf, Essen, Aachen, Köln, Bielefeld und Bonn nach. Bei einer schriftlichen Willensbekundung lag die Zustimmungsrate mit 70 Prozent deutlich höher, als wenn Angehörige allein nach eigener Wertvorstellung entscheiden mussten. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.

Münster/NRW (ukm) – Laut Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2020 würden 71 Prozent der Befragten, die bereits eine Entscheidung getroffen haben, einer Organspende zustimmen. „Eine derart hohe Zustimmungsrate fanden wir bei den von uns analysierten Patienten nur dann, wenn sie sich schriftlich zum Thema Organspende, zum Beispiel mittels eines Organspendeausweises, geäußert hatten“, berichtet Prof. Dr. Martin Söhle, Transplantationsbeauftragter am Universitätsklinikum Bonn (UKB). „Insgesamt war die Zustimmungsrate zu einer Organspende an den NRW-Uniklinika mit 38 Prozent nur etwa halb so hoch wie in den Umfragen berichtet.“

Um der Ursache dafür auf den Grund zu gehen, wurden in der Studie 289 Todesfälle mit Hirnschädigung genauer angeschaut, die zwischen dem 1. Juni 2020 und 30. Juni 2021 in den Universitätskliniken Aachen, Bielefeld, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster identifiziert wurden. Dabei interessierten sich die sieben Transplantationsbeauftragten für die Zustimmungsrate zur Organspende und den Einfluss der Entscheidungsgrundlage darauf. Dazu erfragten sie Willensbekundungen der potentiellen Organspender bei Angehörigen, Betreuenden und Hausärzten und sichteten alle verfügbaren Dokumente. Eine Zustimmung zur Organspende gab es in 110 Fällen, davon 30 in schriftlicher Form.

Auch die Zahlen an der Uniklinik Münster belegen: Organspendeausweis fördert Umsetzung des eigenen Willens und hilft Angehörigen

Bei einer vorhandenen schriftlichen Willensbekundung ergab die NRW-Studie eine hohe Zustimmungsrate von 70 Prozent, ähnlich wie in Umfragen der BZgA. Die Zustimmungsrate sank auf 49 Prozent, wenn alle Personen mit schriftlicher oder mündlicher Willensbekundung berücksichtigt wurden. Ist der Willen eines möglichen Organspenders aber unbekannt, so müssen die Angehörigen allein entscheiden. Eine Situation, die auch der Transplantationsbeauftragte des Universitätsklinikums Münster (UKM), Dr. Jan Englbrecht, aus seiner täglichen Arbeit kennt. „Die wenigsten potenziellen Spender haben ihren Willen in Form eines Organspendeausweises zuvor festgelegt und wenn den Angehörigen der Wille unklar ist, lehnen diese eine Spende dann zumeist ab“, erklärt der Mediziner und plädiert gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen dafür: „Den Entschluss für oder gegen eine Organspende sollte ein jeder für sich selbst treffen und dokumentieren, um dadurch seine Angehörigen, die ansonsten in dieser schweren Zeit des Abschiednehmens und Trauerns die Entscheidung für oder gegen eine Organspende treffen müssen, zu entlasten.“ In der NRW-Studie hatten jedoch nur 14 Prozent der potenziellen Spender einen Organspendeausweis. Gemäß der BZgA-Umfrage wäre dies jedoch bei 44 Prozent der Bevölkerung zu erwarten gewesen.

Für Englbrecht steht mit Blick auf die Studienergebnisse außer Frage, dass in Deutschland nochmals über die gesetzlichen Grundlagen und Anforderungen der Organspende diskutiert werden muss. „Die Maßnahmen aus dem Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft haben offensichtlich bisher keinen positiven Effekt auf die Organspendezahlen und die Dokumentation einer Entscheidung zur Spende. Deshalb sehen auch wir es als notwendig an, die Einführung einer Widerspruchslösung erneut zu diskutieren.“

Publikation:
Englbrecht, Jan Sönke; Schrader, Daniel; Kraus, Holger; Schäfer, Melanie; Schedler, Dirk; Bach, Friedhelm; Söhle, Martin: Willensbekundungen und Zustimmungen zur Organspende in sieben NRW-Universitätskliniken; Dtsch Arztebl Int 2023; DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0367 [Link]

Ergänzende Informationen:
Interview mit Dr. Jan Englbrecht vom 17.01.2023: Einbruch bei der Zahl der Organspenden in 2022: Pandemie sorgt für rückläufige Spendezahlen

Organspende ist wichtig

Organspende ist wichtig

Bild: Für eine gute Kommunikation ist fachliche und persönliche Sicherheit im Umgang mit dem Thema Organspende äußerst wichtig: Dorothee Lamann (l., Transplantationsbeauftragte UKM) und Margret Köster (4.v.l., Pädagogin an der Schule für Pflegeberufe) mit Flor de María Mata Acero (2.v.l.) und Abigail Cristina Lara Rosales (2.v.r.) sowie weiteren neuen Kolleginnen und Kollegen aus Albanien, Mexiko und Tunesien.

Der erste Samstag im Juni ist seit 37 Jahren der Tag der Organspende. Dass es aktueller denn je ist, sich mit dem Thema zu befassen, zeigen die neuesten Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation: Um 29 Prozent sind die Spenderzahlen noch einmal im Vergleich zum ersten Quartal 2021 eingebrochen. Dabei stellen die Kliniken alle Weichen, um Angehörige im Ernstfall bestmöglich zu beraten und zu begleiten. Am UKM gibt es neben Schulungen für Studierende und Auszubildende mittlerweile eigene Fortbildungen für internationale Pflegekräfte – denn Organspenderegelungen unterscheiden sich teils deutlich je nach Herkunftsland.

Münster (ukm/maz) – Das Fazit von Abigail Cristina Lara Rosales zur Organspende in ihrer Heimat fällt nüchtern aus: „Bei uns in Mexiko hat man leider zu wenig Interesse an dem Thema. Nicht jeder ist bereit zu spenden“, erzählt die Pflegekraft aus Nordamerika, die seit sieben Monaten in Deutschland ist. Gemeinsam mit elf weiteren Kolleginnen und Kollegen aus Albanien, Mexiko und Tunesien, die seit einigen Monaten am UKM (Universitätsklinikum Münster) eingearbeitet werden, nimmt sie heute an einer Fortbildung zum Thema Organspende teil. Denn die Unterschiede sind nicht nur europaweit vorhanden, wo es neben der Entscheidungslösung in Deutschland auch die erweiterte Zustimmungslösung (bspw. in Dänemark) und die Widerspruchslösung (bspw. in Spanien) gibt. Die Kolleginnen aus Albanien erzählen, „in unserem Heimatland kann man nur Familienmitgliedern Organe spenden“, außerdem seien dort lediglich Nierentransplantationen möglich.

Um eine gute Kommunikation bei diesem sehr emotional besetzten Thema sicherzustellen, stehen genau deshalb bei den Fort- und Weiterbildungen am UKM längst nicht mehr nur pflegerische und ärztliche Mitarbeitende der Intensivstationen im Fokus, sondern alle Auszubildenden der Pflege sowie Trainees und Medizinstudierende – und darunter eben auch Fachkräfte aus anderen Ländern, die zum Beispiel im Rahmen der Pflegerekrutierung ans UKM gekommen sind. „Auch, wenn jeder Einzelne in der Gesellschaft sich grundsätzlich und im Privaten über eine mögliche Organspende Gedanken machen sollte, sehen wir uns als Klinikum als wichtiges Bindeglied, um durch korrekte Information eine Entscheidung zur Organspende zu fördern“, erklärt Dorothee Lamann, seit vielen Jahren Transplantationsbeauftragte am UKM. „Dafür benötigt medizinisches Personal Fachwissen – auch, um Fragen von Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen adäquat beantworten zu können und für die Organspende zu sensibilisieren.“ Bei den ausländischen Pflegekräften geht es neben den medizinischen und rechtlichen Vorrausetzungen in Deutschland beispielsweise um das Wissen über den Organspendeausweis und den gesellschaftlichen Umgang hierzulande.

Denn auch wenn die positive Einstellung der Menschen in Deutschland gegenüber einer Organspende seit Jahren konstant hoch ist, trügt der Schein: Die Spenderzahlen sind hierzulande viel zu niedrig. Mit 11,2 Organspendern pro eine Million Einwohner bildet Deutschland eines der Schlusslichter im europaweiten Vergleich, Spitzenreiter Spanien verzeichnet mehr als vier Mal so viele Spenden. In absoluten Zahlen heißt das: Bundesweit gab es im Jahr 2020 insgesamt 913 Organspenderinnen und Organspender. Dem gegenüber stehen mehr als 9.100 Menschen, die in Deutschland auf ein lebensrettendes Organ warten. Am UKM selbst waren es im vergangenen Jahr zehn Organspenden, im laufenden Jahr ist es bisher eine.

Die neuen Kolleginnen und Kollegen aus Albanien, Mexiko und Tunesien, die diese Woche ihre erste Schulung zum Thema am UKM erhalten, stehen wie Abigail Cristina Lara Rosales alle hinter der Organspende. Das zeigen nicht nur die persönlichen Gespräche, sondern auch die Fragebögen, die Dorothee Lamann immer zur Vorbereitung an alle Teilnehmer schickt. Die gebürtige Mexikanerin Flor de María Mata Acero bringt es darin auf den Punkt, wieso das Thema für sie persönlich „sehr wichtig“ ist: „Organspende rettet Leben!“

Organspende: Aktionstag plus Fotoausstellung: „Leben schenken – Organspende in NRW“

Organspende: Aktionstag plus Fotoausstellung: „Leben schenken – Organspende in NRW“

Bild: Laden vom 04. bis zum 13. Mai zur Fotoausstellung „Leben schenken – Organspende in NRW“ in das Foyer der Zahnklinik am UKM ein (v.l.): Ausstellungsfotograf Benedikt Ziegler, Dorothee Lamann und Dr. Jan Englbrecht (Transplantationsbeauftragte des UKM) sowie Prof. Andreas Pascher, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. (Foto © UKM/Leßmann)

Mit einem Aktionstag rund um die Eröffnung der Fotoausstellung „Leben schenken – Organspende in NRW“ des Netzwerks Organspende Nordrhein-Westfalen e.V. will das UKM (Universitätsklinikum Münster) am kommenden Mittwoch, 04. Mai 2022, auf das Thema Organspende aufmerksam machen. Der Aktionstag beginnt um 14.00 Uhr mit der Eröffnung der Ausstellung, die vom Netzwerk Organspende Nordrhein-Westfalen e.V. konzipiert und vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW gefördert wurde. Eine Stunde später folgen auf der Freiluft-Bühne eines Aktionstrucks Talkrunden und Musik. Zu dieser Roadshow ist auch die Öffentlichkeit eingeladen.

Münster (ukm/aw) – Ein Foto sagt mehr als 1000 Worte: Die emotional nahen Momentaufnahmen des Dortmunder Fotografen Benedikt Ziegler berühren mit ihren persönlichen Botschaften. Eine Woche lang – vom 4. bis zum 13. Mai – sind die Kunstwerke im Foyer des Gebäudes der Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferchirurgie an der Waldeyerstr. 1 ausgestellt.

Univ.-Prof. Dr. Claudia Rössig, Stellvertretende Ärztliche Direktorin des UKM und Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, schildert ihre persönlichen Eindrücke: „Die Bilder zeigen die ganze Spannbreite des Themas Organspende. Menschen, die auf ein lebensrettendes Organ warten. Aber auch Menschen, die schon eine Spende erhalten haben. Gerade im Bereich Organspende liegen Freude und Leid so nah beieinander wie bei kaum einem anderen medizinischen Thema. Es ist weiter dringend notwendig, die Öffentlichkeit für das Thema Organspende zu sensibilisieren, damit sich noch mehr Menschen dafür entscheiden, für eine Organspende zur Verfügung zu stehen.“

Rössig eröffnet zu Beginn des Aktionstages um 14.00 Uhr die Fotoausstellung in Anwesenheit von Münsters Bürgermeisterin Angela Stähler. Ab 15.00 Uhr schließen sich im Garten des Gebäudes an der Waldeyerstr. 1 Podiumsdiskussionen rund um das Thema Organspende an. Unter den Talkgästen ist auch Univ.-Prof. Andreas Pascher, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am UKM. Er führt mit seinem Team Transplantationen durch, wenn ein Patient auf der Warteliste die erlösende Nachricht erhält, dass endlich ein passendes Organ gefunden wurde. „Mich berührt dieses Thema sehr, denn jeden Tag sterben in Deutschland wegen des Mangels an Organen zwei bis drei Menschen“, so Pascher. „Wir betreuen täglich Patienten beim Warten auf die lebensrettende Spende. Wenn alles gut geht, dürfen wir sie hoffentlich auf dem OP-Tisch beim Neustart ins Leben begleiten.“

Moderiert werden die Talkrunden von den Transplantationsbeauftragten des UKM, Dorothee Lamann und Dr. Jan Englbrecht. Für musikalische Begleitung sorgen die „Dandys“ um Bassist Dieter Kemmerling, der selbst lebertransplantiert ist und sich mit seinem Verein „No panic for organic“ unermüdlich für das Thema einsetzt.

Wir bitten um Verständnis, dass die Zahl der Besucher*innen der Fotoausstellung bei größerem Andrang unter Umständen begrenzt werden muss. Darüber hinaus gelten die aktuellen Zugangs‐ und Hygienebestimmungen des UKM. Besucher*innen müssen einen negativen Testnachweis vorweisen können (Bürgertest nicht älter als 24 h oder PCR‐Test nicht älter als 48 h) und außerdem eine Maske tragen. Weitere Informationen zu Ausstellung und zum Künstler gibt es hier.

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