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Lipödem: Neue Hoffnung für Patienten

Lipödem: Neue Hoffnung für Patienten

Bild: Dr. Jan Esters arbeitet als Chefarzt in der Abteilung für Plastischen und Ästhetische Chirurgie in Lüdinghausen. (© Foto by St. Marien-Hospital Lüdinghausen)

Frühe Behandlung durch Erstattung über die Krankenkasse ab Stadium 1

Lüdinghausen – „Ab dem kommenden Jahr gibt es für Betroffene des Lipödems eine entscheidende Verbesserung in der medizinischen Versorgung“, sagt der Chefarzt der Abteilung für Plastischen und Ästhetische Chirurgie, Dr. Jan Esters, „denn die Krankenkassen übernehmen künftig auch bei Patientinnen und Patienten im Stadium 1 und 2 die Kosten für eine Liposuktion. Bislang war dieser Eingriff nur in fortgeschrittenen Stadien erstattungsfähig – ein Umstand, der viele Menschen über Jahre hinweg belastet hat.“ Mit dieser frühzeitigen Behandlungsmöglichkeit des Lipödems – also dem operativen Entfernen von krankhaft vermehrtem Fettgewebe – wird ein entscheidender Schritt zur Verbesserung der Versorgung von Patienten und Patientinnen eingeleitet. Mit der neuen Regelung – der Abrechnung über die Krankenkasse auch im frühen Stadium der Krankheit – wird ein wichtiger Schritt hin zu mehr Früherkennung und einer rechtzeitigen Behandlung und für mehr Lebensqualität getan. „Denn früh erkannt und behandelt, kann die Liposuktion nicht nur Schmerzen und Bewegungseinschränkungen deutlich reduzieren, sondern auch das Fortschreiten der Erkrankung verhindern“, erklärt der Chirurg aus dem St. Marien-Hospital in Lüdinghausen. Für die Betroffenen bedeute dies: weniger Leidensdruck, mehr Teilhabe am Alltag und eine spürbare Entlastung im Gesundheitssystem. Diese Eingriffe dürfen die Kliniken nur dann abrechnen, wenn sie mindestens 50 dokumentierte Operationen pro Jahr nachweisen können. Das chirurgische Team im St. Marien-Hospital Lüdinghausen erfüllt diese Vorgabe – und geht sogar darüber hinaus.

„Für uns ist die Liposuktion bei Lipödem nicht nur ein medizinischer Eingriff, sondern ein Weg zurück zu Lebensqualität und Selbstbestimmung“, erklärt Dr. Jan Esters, der in einer Doppelspitze mit Chefärztin Dr. Irina Herren die Abteilung für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Lüdinghausen führt. „Dass wir die geforderte Mindestanzahl von 50 Eingriffen pro Jahr übertreffen, zeigt, wie etabliert und erfolgreich unsere Versorgung in diesem Bereich ist“. Die Klinik zählt zu den spezialisierten Versorgungseinrichtungen in Deutschland, die Patientinnen mit Lipödem auf höchstem medizinischem Niveau behandelt und begleitet.

Die Liposuktion in der Abteilung in Lüdinghausen wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern eingebettet in ein interdisziplinäres Konzept aus Diagnostik, konservativer Therapie und kompetenter Nachsorge. „Unser Ziel ist es, Patientinnen mit Lipödem nicht nur leitliniengerecht, sondern mit größter Sorgfalt, medizinischer Präzision und menschlicher Zuwendung zu behandeln“, so Dr. Esters. Die hohe Fallzahl sei nicht nur ein Zeichen der medizinischen Expertise der Ärzte im St. Marien-Hospital, sondern auch Ausdruck des Vertrauens, das die Patientinnen aus der Region und auch weit darüber hinaus in die Kompetenz der Fachkräfte setzen. „Unser Ziel ist es mit dem Eingriff, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen deutlich zu steigern“, sagt der Mediziner. „Die von uns angewandte operative Methode gilt als äußerst wirksam, wenn konservative Therapien wie Kompression und Bewegung nicht mehr ausreichen.“

Mit der Kostenübernahme der Liposuktion bereits im Stadium 1 ab Januar 2026 setzt das Gesundheitssystem ein klares Signal – ein Fortschritt, der die Behandlung dieser chronischen Erkrankung nachhaltig verändert und der als ein Meilenstein in der Versorgung des Lipödems verstanden werden kann.

Schätzungen zufolge leiden etwa 3,8 bis 4 Millionen Frauen in Deutschland an einem Lipödem. Die Erkrankung wird leider oft spät erkannt oder falsch diagnostiziert – die tatsächliche Zahl könnte also deutlich höher liegen.

Das Lipödem ist eine chronische, schmerzhaft verlaufende Fettverteilungsstörung, die die Lebensqualität der betroffenen Patientinnen oft erheblich einschränkt. Schmerzen, Druckempfindlichkeit und disproportionale Fettverteilung an Beinen und Armen sind typisch. Die operative Fettabsaugung (Liposuktion) spielt insbesondere in den späteren Erkrankungsstadien eine zentrale therapeutische Rolle. Um die Sicherheit der Patientinnen zu gewährleisten und eine wirksame Behandlung zu sichern, legt der GBA klare Vorgaben für diagnostische, strukturelle und operative Standards fest. GBA ist eine Abkürzung für den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), das oberste Beschlussgremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, das entscheidet, welche medizinischen Leistungen gesetzlich Versicherte erhalten.

Lipödem: Operation für alle Betroffenen bald Kassenleistung

Lipödem: Operation für alle Betroffenen bald Kassenleistung

Bild: Prof. Tobias Hirsch freut sich über die Entscheidung des G-BA, die Kosten für die Operation bei Lipödem für Patientinnen aller Schweregrade durch die Krankenkassen finanzieren zu lassen. (© Foto by UKM)

Durchbruch bei der Behandlung von Lipödem

Es ist für Patientinnen mit einem Lipödem eine erleichternde Nachricht: Der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat den Weg dafür freigemacht, dass die sogenannte Lipsuktion, also das operative Absaugen der bei dieser Erkrankung veränderten Fettzellen, für alle Patientinnen eine Regelleistung der Krankenkassen werden soll. Bisher mussten die meisten die Kosten der Operation selbst tragen. Für Prof. Tobias Hirsch, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie am UKM und im Vorstand der LipödemGesellschaft e.V., ist die Entscheidung ein Meilenstein auf dem Weg zu einer besseren Gesundheitsversorgung von Frauen.

Münster (ukm/aw) – Die Entscheidung des G-BA fiel am Donnerstag (17.07.2025), nachdem der Ausschuss eine positive Nutzenbewertung der Lipsuktion für alle betroffenen Frauen veröffentlicht hatte und somit die künftige Aufnahme in den Regelleistungskatalog der Kassen initiiert hat. Zugrunde liegt der Empfehlung die vom G-BA in Auftrag gegebene, multi-zentrische LIPLEG-Studie, deren Ergebnisse nun zu der Entscheidung geführt haben.
Prof. Tobias Hirsch, Direktor der Plastischen Chirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster), Chefarzt für Plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie an der Fachklinik Hornheide und Vorstand der LipödemGesellschaft e.V., sieht den jahrelangen Einsatz seiner Kolleginnen und Kollegen zum Wohle ihrer Patientinnen endlich am Ziel: „Wir kämpfen seit zehn Jahren dafür, dass die Kosten übernommen werden. Damals war die wissenschaftliche Evidenzlage, also der Nachweis, dass diese Operationen erfolgreich sind, nicht groß genug. Jetzt liegen die ersten Kurzzeitdaten der LIPLEG-Studie vor und die waren so gut, dass der G-BA den Beschluss jetzt durchführen konnte.“

Beim Lipödem leiden die Patientinnen unter einer Fettverteilungsstörung, die mit starken Schmerzen zumeist der Beine und seltener auch der Arme einhergeht. Die Medizin teilt die Erkrankung in drei Stadien ein, wobei Schmerzen als Leitsymptom in allen drei Stadien auftreten können. „Die Stadieneinteilung richtet sich rein nach der Fettverteilung. Wir wissen aber, dass die Schmerzempfindung unabhängig von der Fettverteilungsstörung ist. Das heißt, eine Patientin in Stadium I kann mitunter sogar stärkere Schmerzen haben, als eine Patientin in Stadium III. Die operative Versorgung dient vor allem dazu, diese Schmerzen zu reduzieren und ist kein Schönheitsgriff“, so Hirsch.

Die Krankenkassen trugen bisher nur bei einem diagnostizierten Stadium III des Lipödems die Kosten für eine Lipsuktion. Die Anerkennung bis dahin war für Betroffene mühselig und nicht immer von Erfolg gekrönt. Bei starkem Leidensdruck zahlten viele der betroffenen Patientinnen die Operationen, die mehrfach nötig sind, selbst.

Die Umsetzung des G-BA-Beschlusses soll möglichst zu Januar 2026 erfolgen. Allerdings müssen Kliniken für die künftige Kostenübernahme durch die Kassen auch Qualitätsrichtlinien erfüllen: So gibt es beispielsweise Vorgaben, welche Erfahrungen der Operateur haben muss, wer die Diagnose und Indikation stellen darf und ob vorausgegangene konservative Therapien erfolglos durchlaufen wurden. Hirsch dazu: „Selbstverständlich müssen Anamnese und Diagnose weiter qualitätsbasiert sein, ebenso wie die Indikation zur Operation und der Eingriff selbst. Das screenen wir und schauen, ob die jeweilige Patientin für die Lipsuktion infrage kommt“.

Der Plastische Chirurg rechnet infolge des Beschlusses nun mit vielen Patientinnen, die sich Hilfe suchen wollen, aber dabei bisher auf überschaubar viele Qualitätszentren für den Eingriff treffen: „Es gibt nur wenige Kliniken, die die Zulassung haben. Wir kämpfen aber dafür, nachdem wir diesen großen Schritt geschafft haben, dass auch das gut funktioniert.“

Info:
Prof. Tobias Hirsch war im vergangenen Mai zu Gast im UKM-Podcast „Risiko & Nebenwirkung“. Dort ordnet der Experte in der Folge „Diagnose Lipödem – Zwischen Symptom und Stigma“ die Erfahrungen der Lipödem-Patientin Anna-Lena ein, die an der LIPLEG-Studie als Probandin teilgenommen hat und die sich erfolgreich einer Lipsuktion unterzogen hat. Der Podcast ist auf allen gängigen Plattformen abrufbar.
UKM-OnlineTalk: „Lipödem – was hilft bei schmerzhafter gestörter Fettverteilung?“

UKM-OnlineTalk: „Lipödem – was hilft bei schmerzhafter gestörter Fettverteilung?“

Bild: (v.l.) Der Phlebologe Prof. Tobias Görge (UKM-Hautklinik) und Prof. Tobias Hirsch, Leiter der Plastischen Chirurgie am UKM und in der Fachklinik Hornheide, sind zu Gast im UKM-OnlineTalk zum Thema Lipödem. Foto (UKM/Heine)

Das Thema Lipödem ist in den letzten Jahren durch den offenen Umgang mit der Erkrankung stärker ins öffentliche Bewusstsein gelangt. Insbesondere in den sozialen Medien gibt es immer mehr Frauen, die sich als Betroffene „outen“ und von ihrem Leidensdruck erzählen. Für sie stehen der Medizin – je nach Stadium der Erkrankung – verschiedene Therapiemethoden zur Verfügung. Welche das sind und wann sie sinnvoll eingesetzt werden, das ist Thema des neuen UKM-OnlineTalks. Am Dienstag, 24. Oktober, ab 18 Uhr, können Interessierte sich live via YouTube informieren. Gesprächspartner sind dann der Phlebologe Prof. Tobias Görge aus der UKM-Hautklinik und Prof. Tobias Hirsch, Leiter der Plastischen Chirurgie am UKM.

Münster (ukm/aw) – Schätzungen zufolge ist bis zu jede zehnte Frau betroffen: Schmerzhafte Fettablagerungen vorwiegend an den Beinen, aber auch an Hüfte und Gesäß, manchmal sogar an den Armen. Ob „Reithosen“ oder das sogenannten „Säulenbein“: Häufig vergehen viele Jahre bis zur endgültigen Diagnose, die den Betroffenen dann immerhin Gewissheit bringt, dass sie nichts für ihre schmerzhaften und dicken Beine können. Durch die aber immer noch weitverbreitete Unwissenheit über die Fettverteilungsstörung sehen sich Patientinnen mit Vorurteilen konfrontiert, sie würden einfach zu viel essen und zu wenig Sport machen. „Doch intensive sportliche Betätigung und Diät halten lassen ein Lipödem nicht einfach ‚schmilzen‘ sagt Prof. Tobias Görge, Leiter des Venen-Kompetenzzentrums der Klinik für Hautkrankheiten am UKM (Universitätsklinikum Münster) „Auslöser eines Lipödems sind in erster Linie die hormonellen Umstellungen in Pubertät oder auch Wechseljahren. Auch erbliche Faktoren können nicht ausgeschlossen werden. Bis ins Detail ist der Mechanismus der Entstehung aber noch nicht verstanden“, so Görge.

Zwar können im Frühstadium ausgewogenen Essgewohnheiten mit viel Obst und Gemüse und der Verzicht auf Zucker dem Fortschreiten des Lipödems zumindest entgegenwirken. Auch stehen mit dem Tragen von Kompressionsstrümpfen und Lymphdrainagen andere konservative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die das Lipödem zumindest eindämmen können. Trotzdem liegt es im normalen Verlauf, dass die Ablagerungen im Unterhautfettgewebe im Laufe des Lebens weiterwachsen können, insbesondere die zunehmenden Schmerzen erschweren das Krankheitserleben.

In ausgeprägten Fällen (Stadium III) gibt es zumindest eine operative Korrekturmöglichkeit. Dann kann eine Reduktion des Fetts durch einen plastischen Eingriff, eine sogenannte Liposuktion, also Fettabsaugung, indiziert sein. „Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen die Krankenkassen inzwischen die Kosten dafür. Oft sind mehrere Operationen notwendig“, weiß der plastische Chirurg, Prof. Tobias Hirsch, Leiter der Plastischen Chirurgie am UKM und der an der Fachklinik Hornheide. Die schlechte Nachricht ist, dass die Neigung zur Entwicklung eines Lipödems ein Leben lang bleibt“, räumt Hirsch ein. „Dennoch ist für unsere Patientinnen die Möglichkeit der Operation ein Segen und hat Nachwirkungen auf die gesamte Lebensqualität.“

Der UKM-OnlineTalk zum Thema „Lipödem – was hilft bei gestörter Fettverteilung?“ grenzt das Lipödem von anderen möglichen Diagnosen ab und benennt die Therapieoptionen in verschiedenen Stadien. Das Gespräch wird am Dienstag, 24. Oktober, ab 18.00 Uhr, live via YouTube gestreamt. Interessierte können dazu im Vorfeld oder auch live ihre Fragen einreichen: Dazu richten sie sich per Mail an ukm-onlinetalk@ukmuenster.de oder stellen live im Chat via YouTube ihre Fragen. Weitere Informationen finden Sie auch unter www.ukm-onlinetalk.de.

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