Juli 7, 2023 | Pressemitteilungen
Bild: Ekaterina Berger (l.) und Eugenia Bozer (r.) auf der kinderneurologischen Frührehabilitation des Clemenshospitals.
Angehörigengruppe: Therapiegruppe für Angehörige von schwerstkranken Kindern und Jugendlichen im Clemenshospital
Münster – Die Schwangerschaft verlief problemlos, zu Hause liefen die letzten Vorbereitungen für das neue Familienmitglied. Doch dann gab es Komplikationen während der Geburt, das Gehirn des Babys bekam zu wenig Sauerstoff und wurde schwer geschädigt. Einen Monat später wurde der kleine Louis mit dem Krankentransport von der Klinik im Raum Düsseldorf in das münsterische Clemenshospital gebracht, dessen kinderneurologische Frührehabilitation auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit schweren Hirnschäden spezialisiert ist. Doch der Schaden war so groß, dass der kleine Louis nach einem Monat den Kampf verloren hat. „Wer das nicht erlebt hat, kann nicht verstehen, was es für die Eltern bedeutet“, ist sich Louis‘ Mutter Ekaterina Berger sicher.
Seit einem dreiviertel Jahr gibt es im Clemenshospital, einer Klinik der Alexianer, eine Gruppe für Angehörige schwerkranker Patientinnen und Patienten der kinderneurologischen Frührehabilitation, deren Leiterin, die Psychologische Psychotherapeutin Eugenia Bozer, noch in der Klinik Kontakt zu den Eltern aufgenommen hat. „Erst war ich skeptisch. Ich dachte, dass in einer solchen Gruppe zu meinem eigenen Schmerz noch der Schmerz der anderen Eltern hinzukommt, aber das ist nicht so! Die Gruppe ist für mich wie ein Rettungsring.“ Bozer kennt diese anfänglichen Zweifel: „Die Hürde ist oft groß, aber man sollte solchen Hilfsangeboten immer eine Chance geben.“ Neben dem Schmerz über den Verlust des Kindes oder des alten Lebens mit einem gesunden Kind, sind es oft auch Schuldgefühle, mit denen die Menschen zu kämpfen haben. „Habe ich etwas falsch gemacht? Habe ich nicht aufgepasst? Eine weitere wichtige Aufgabe der Gruppe neben der Trauerbewältigung besteht darin, den Eltern diese Schuldgefühle zu nehmen. In der Angehörigengruppe besteht die Möglichkeit, sich offen darüber auszutauschen und dabei in der Trauerverarbeitung unterstützt zu werden.“ Ekaterina Berger ist froh, das Angebot von Eugenia Bozer angenommen zu haben: „Nach Louis‘ Tod war alles dunkel, alles war schwer. Mit jedem Treffen der Gruppe wurde es wieder heller. Ich habe noch immer zu vielen Eltern aus der Gruppe Kontakt.“
Während die Angehörigen an den Gruppensitzungen teilnehmen und nicht bei den schwerkranken Kindern sein können, kümmern sich neben der Pflege viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer um die kleinen Patientinnen und Patienten, „Das ist eine große Entlastung und sorgt dafür, dass sich die Angehörigen ganz auf die Gruppenstunden einlassen können“, wie Eugenia Bozer berichtet. Ermöglicht wurde die Angehörigengruppe im Clemenshospital, durch eine Spende der Schober-Stiftung für christliche Hospizarbeit. „Das Schicksal der Familie Berger hat uns sehr berührt. Gleichzeitig ermutigt es uns, auf unserem Weg weiterzugehen“, so die Vorsitzende des Vorstands, Dr. Anna Schober. Ihr Stellvertreter, Prof. Dr. Peter Witte, ergänzt: „Im Mittelpunkt der Hospizidee stehen der sterbende Mensch und die ihm Nahestehenden. Die Sorge für die Angehörigen, die oft am Ende ihrer Kräfte sind, ist also wesentlich, kommt allen zugute.“
Juni 21, 2023 | Pressemitteilungen
Bild: Oberarzt Dr. Markus von Wardenburg (li.) und Prof. Dr. Johannes Wessling (re.) vor einer Röntgenaufnahme, die von der KI überprüft wurde.
Clemenshospital und Raphaelsklinik setzen modernste Computertechnologie beim Bewerten von Röntgenaufnahmen ein
Münster – Die künstliche Intelligenz (KI) hilft in immer mehr Bereichen des täglichen Lebens, auch im Krankenhaus ist dieser Prozess seit einiger Zeit zu beobachten. „Gerade in der Radiologie ist der Einsatz von KI besonders sinnvoll, da unsere Daten ohnehin ausnahmslos digital vorliegen“, erläutert der Chefarzt und Leiter des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, und Nuklearmedizin des Clemenshospitals und der Raphaelsklinik, Prof. Dr. Johannes Wessling. Aktuell werden die Röntgenaufnahmen beider Kliniken der Alexianer anonymisiert über eine sichere Datenverbindung zu einem Kooperationspartner in Frankreich übermittelt, von der dortigen KI-Software automatisch analysiert und wieder nach Münster gesendet. „Das Ganze dauert weniger als zehn Minuten. Wenn der Patient aus dem Röntgen zurückgekehrt ist, liegen die Ergebnisse oft schon vor“, wie der Oberarzt Dr. Markus von Wardenburg berichtet.
Die KI analysiert unter anderem Röntgenbilder des Skelettsystems auf der gezielten Suche nach Knochenbrüchen, um so auffällige von unauffälligen Aufnahmen zu trennen und den Fokus der Ärzte vor allem auf die pathologischen Befunde zu lenken. Auf diese Weise können auffällige und behandlungsbedürftige Befunde vorrangig bearbeitet und eine noch schnellere Diagnosestellung ermöglicht werden. „Besonders am Morgen, wenn zahlreiche Röntgenaufnahmen des Nachtdienstes bewertet werden müssen, ist die Unterstützung durch die KI im Hintergrund eine große Hilfe“, sagt Wessling. „Aber auch im Nachtdienst selber kann sie eine gute Unterstützung sein, nicht nur für uns Radiologen, sondern auch für die Kollegen anderer Abteilungen. Sie fungiert als zweite Instanz, die unsere Aufnahmen im Hintergrund zweit-begutachtet, getreu dem Motto: vier Augen sehen mehr als zwei“. In der neuesten Version führt die KI zudem eigenständig Messungen verschiedener Winkel zum Beispiel an Hüfte, Becken- und Fußskelett durch, wichtige Informationen für die behandelnden Ärzte, die üblicherweise von Hand vorgenommen werden müssen und wertvolle Zeit kosten.
Ersetzen kann und wird sie den Radiologen nicht, da sind sich die Experten sicher, vielmehr sei die KI eine Unterstützung im Hintergrund. Sie hilft bei der Priorisierung der Fälle, kann die Sicherheit durch eine zweite Überprüfung der Röntgenbilder erhöhen und entlastet von zeitraubenden, einfachen Messarbeit. Alle Befunde werden jedoch weiterhin durch entsprechend fachqualifizierte Ärzte verfasst, betont Wessling.
Neben dieser Anwendung helfen KI-Programme im Clemenshospital und in der Raphaelsklinik auch an anderen Stellen. In der Computertomographie (CT) wird die Dosis der erforderlichen Röntgenstrahlung bei vielen Anwendungen erheblich reduziert. Bei der Untersuchung des Gehirns mit dem Magnetresonanztomographen (MRT) hilft sie Muster der Demenz zu erkennen. Bei neurologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose werden Verlaufsbeurteilungen vereinfacht und standardisiert. Von Wardenburg betont: „Die KI soll uns unterstützen und entlasten, um uns mehr Zeit für komplexere diagnostische Aufgaben, Einordnung der Befunde und dem Patientengespräch zu geben.“ Mit Hilfe von KI wird es außerdem zunehmend darum gehen, diagnostische Informationen aus allen Bereichen eines Krankenhauses und zum Zweck einer präziseren Diagnosestellung und zielgenaueren Behandlung sinnvoll zusammen zu führen. KI wird – so Wessling abschließend – auch ganz praktisch helfen, Untersuchungs-, Prozess- und Zeitabläufe von der Aufnahme bis zur Entlassung der Patientinnen und Patienten weiter zu optimieren.
Mai 2, 2023 | Pressemitteilungen
Bild: Sven Gövert (l.) freut sich, dass die Neurochirurgin Prof. Dr. Uta Schick (r.) den Defekt an der Wirbelsäule operativ beheben konnte.
Rückenmark: Neurochirurgen des Clemenshospitals operieren seltenen Defekt mit Ventralverlagerung des Rückenmarks
Münster – Erst ein Kribbeln am rechten Unterbauch, dann Taubheitsgefühle im Oberschenkel, die nach und nach bis zu den Zehen herunterwanderten, Sven Gövert war zunehmend beunruhigt. „Dann veränderte sich auch noch mein Gangbild und mir wurde klar, dass hier irgendetwas nicht stimmt!“ berichtet der 49-Jährige, der bis zu diesem Zeitpunkt ein begeisterter Laufsportler war. Der Gang zum Orthopäden war naheliegend, brachte aber kein Ergebnis. Es folgte der Neurologe, der eine Untersuchung im Magnetresonanztomografen (MRT) anfertigen ließ.
Die Aufnahmen zeigten eine Verlagerung des Rückenmarks nach vorne im Bereich des siebten und achten Brustwirbelkörpers, deren Ursache von den Medizinern zunächst in einer dahinterliegenden Zyste gesehen wurde. „Das war eine Fehldiagnose. Bei Herrn Gövert lag eine sehr seltene Veränderung vor, ein Loch in der Dura, das ist die Haut, die das gesamte Rückenmark innerhalb des Wirbelkanals umhüllt“, wie die Chefärztin der Klinik für Neurochirurgie des Clemenshospitals, Prof. Dr. Uta Schick, berichtet. Die Neurochirurgin ist Expertin für diese Art von Fehlbildungen und hat beim ersten Blick auf die MRT-Aufnahmen erkannt, dass dringender Handlungsbedarf bestand. „Das MRT zeigte eine typische V-Form des Rückenmarks. Wer sich damit auskennt, weiß sofort, dass ein Loch in der Dura vorliegt, durch das das Rückenmark durchgerutscht ist. Es zeigten sich außerdem die typischen Symptome einer beginnenden Querschnittslähmung. Ohne eine Operation hätte Herr Gövert sicher bald seine Beine nicht mehr bewegen können!“
Das Loch war über zwei Zentimeter groß und lag auf der Vorderseite. Um dort operieren zu können, mussten Schick und ihr Team zunächst die Wirbelbögen mit dem Dornfortsatz heraussägen und dann innerhalb der Rückenmarkshaut sehr vorsichtig das Rückenmark leicht zur einen und dann zur anderen Seite rotieren. „Das Rückenmark hatte sich bereits durch das Loch hindurchgezwängt und sah aus wie der Kopf eines Champignons, der am Hals eingeklemmt ist. Um diesen Teil zurückzuholen, mussten wir zunächst das Loch sogar noch etwas vergrößern“, berichtet Prof. Dr. Uta Schick. In Millimeterarbeit wurden sogenannte Fibrinschwämmchen mit einem speziellen Kleber eingebracht, um das Loch außen abzudecken und zusätzlich eine künstliche Faszie von innen ausgerollt zum Verschluss gebracht. Während des Eingriffs wurde laufend die motorische und sensible Leitung des Rückenmarks zu und von den Beinen überwacht. So wurde sichergestellt, dass die empfindlichen Strukturen nicht beschädigt werden. Zum Schluss wurde das herausgesägte Stück des Knochens wiedereingesetzt und mit Miniplättchen befestigt.
„Es geht Herrn Gövert schon deutlich besser, er konnte bereits kurz nach dem Eingriff ohne Hilfsmittel stehen und gehen, die Spastik hat sich verbessert, die Nervenströme sogar normalisiert. Leider erholt sich das Rückenmark nur mäßig von Schädigungen, hier ist Geduld gefragt“, wie Professor Dr. Uta Schick vom Clemenshospital, einem Krankenhaus der Alexianer, betont.
März 3, 2022 | Pressemitteilungen
Bild: Hilfsgüter für die Ukraine: Die Kartons, die Christoph Bröcker (l.) und Hartmut Hagmann (r.) tragen, haben symbolischen Charakter, in dem mit Hilfsgütern randvoll gefüllten LKW hätten sie ohnehin keinen Platz mehr.
Münster – Medikamente, Infusionen, Verbandmaterial und medizinische Schutzkleidung im Gesamtwert von über 23.000 Euro: Karton über Karton stapeln sich im Inneren des LKW, der am nächsten Tag seinen Weg über Wuppertal in die Ukraine antreten wird. Als Katja Holtwisch beim St. Antonius-Hospital Gronau nach Hilfsgütern für zwei ukrainische Krankenhäuser anfragte, musste dessen Geschäftsführer Christoph Bröcker nicht lange überlegen, „Wir sagten sofort zu, die Not der Bevölkerung im Kriegsgebiet ist so groß, dass schnell gehandelt werden muss.“ Bröcker rief daraufhin bei den Alexianern in Münster an und bat Hauptgeschäftsführer Andreas Barthold um weitere Unterstützung, die im dortigen Clemenshospital schnell gefunden wurde, „Uns beiden verbindet schon seit Jahren eine persönliche und berufliche Freundschaft, da war es für uns selbstverständlich, uns dem Spendenaufruf umgehend anzuschließen“, sagt Regionalgeschäftsführer Hartmut Hagmann.
Katja Holtwisch ist Ärztin in einer gynäkologischen Praxis in Ochtrup. Sie kommt gebürtig aus Charkiw, viele ihrer Freunde und Bekannten leben in der ukrainischen Metropole, die aktuell vom Kriegsgeschehen besonders betroffen ist, „Es ist schrecklich, die Menschen harren in Kellern aus, die ehemals so schöne und moderne Stadt liegt in Trümmern. Oft gibt es weder Wasser noch Strom, besonders die Kinder leiden sehr unter der Situation. Der Tag beginnt bei uns damit, dass wir unsere Freunde anschreiben um zu schauen, ob sie noch am Leben sind.“
Der Hilfstransport wird vom Bruder der Ärztin koordiniert, Ziel sind zwei Kliniken in Kiew und Charkiw. „Ich bin froh und überwältigt, es gibt so viel Hilfe, die Menschen hier sind nicht gleichgültig sondern zeigen sehr viel Mitgefühl. Es scheint fast so, als ob sich ganz Deutschland engagiert“, die Ärztin ist sichtlich gerührt. „Wir sind mit unseren Gedanken bei den Kolleginnen und Kollegen in den ukrainischen Krankenhäusern und hoffen, dass unsere Hilfslieferung zumindest die materielle Not vor Ort etwas lindern kann“, betonen Christoph Bröcker und Hartmut Hagmann.
Nov. 19, 2021 | Pressemitteilungen
Bild: Freuen sich über die erfolgreiche Zertifizierung (v.l.): Maik Büscher (Geschäftsführer Clemenshospital), Prof. Dr. Udo Sulkowski, Prof. Dr. Rudolf Menningen und Gerhard Haneklau (Geschäftsführer MVZ Portal 10). (© Foto: Alexianer)
Münster – Das Clemenshospital, ein Krankenhaus der Alexianer, wurde als erste Klinik der Region von der renommierten Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) mit dem Titel „Kompetenzzentrum für chirurgische Koloproktologie“ ausgezeichnet. „Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung unserer medizinischen Leistungen auf dem Gebiet der Dick- und Enddarmchirurgie“, wie der Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Udo Sulkowski, betont.
Diese Anerkennung ist nur möglich, wenn ein Zentrum sowohl auf dem Gebiet der großen Operationen am Enddarm wie zum Beispiel bei der Behandlung von Krebserkrankungen im Dick- oder Mastdarm als auch bei kleineren Eingriffen wie Hämorrhoiden oder bei chronischen Darmerkrankungen große Erfahrung vorweisen kann. „Durch die enge Kooperation unserer Klinik mit der Praxis MVZ Portal 10 ist es möglich, unseren Patientinnen und Patienten sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich gleichermaßen kompetente Ansprechpartner zu bieten. Von den etwa 50 bislang in Deutschland ausgezeichneten Zentren bieten nur drei eine derart enge Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung“, skizziert Sulkowski einen der Vorteile des frisch zertifizierten koloproktologischen Zentrums. Durch den engen Austausch sei auch bei der ambulanten Nachbehandlung eine engmaschige Rückmeldung an die Klinik möglich, wie der Experte berichtet.
„Mit Prof. Dr. Rudolf Menningen finden die Patientinnen und Patienten auch im MVZ Portal 10 einen ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der Koloproktologie, der große Erfahrung bei der Behandlung komplexer Enddarmerkrankungen besitzt“, freut sich Prof. Dr. Udo Sulkowski über die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Clemenshospital und dem MVZ Portal 10, die nun durch die Zertifizierung erfolgreich bestätigt wurde. Alle drei Jahre wird das Kompetenzzentrum für chirurgische Koloproktologie zukünftig von der DGAV überprüft, um zu gewährleisten, dass der Titel weiterhin geführt werden darf.