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„Früher wurde das Kinn auf die Brust genäht“ – neuartige Orthese hilft nach Luftröhren-OP

Körperteiluntertützendes Korsett sorgt für die richtige Schonhaltung nach Operation / Heilungsprozess wird gewährleistet

Münster (ukm/aw) – Ewald E. hat in seinem Leben schon zwei Mal dem Krebs getrotzt – trotzdem hat den Achtzigjährigen die dritte Erkrankung mit einem Tumor in der Luftröhre (Trachea) natürlich erschreckt. Gleichzeitig aber wusste er: „Ich will auch dieses Mal überleben.“ Geäußert hatte sich der Tumor durch starke Luftnot und ein unüberhörbares Geräusch beim Einatmen (Stridor). Eine Computertomografie zeigte, dass die Luftröhre fast vollständig verlegt war, also quasi „zu“. Als dringlichste Maßnahme erfolgte durch die Lungenfachärzte des UKM (Universitätsklinikum Münster) zunächst eine Lungenspiegelung zur Erweiterung der Engstelle mit einem Laser, damit Herr E. wieder besser Luft bekam.

„Der Tumor lag wie ein gewachsener Ball in der Trachea“ erinnert sich Dr. Karsten Wiebe, Leiter der Sektion Thoraxchirurgie und Lungentransplantation im Department für Herz- und Thoraxchirurgie am UKM. „Insgesamt sind Tumore der Luftröhre sehr selten, können aber erfolgreich entfernt werden, wenn nur ein kurzes Teilstück der Luftröhre befallen ist“, sagt Wiebe. In einer zweieinhalbstündigen Operation entfernten er und die Oberärztin Dr. Michele De Waele ein mehr als drei Zentimeter langes Segment der Luftröhre komplett. Die Enden wurden wieder zusammengenäht. Weil bei einer Operation eine Beatmung nicht kontinuierlich möglich ist, wurde die Lungenfunktion des 80-Jährigen durch den Anschluss an eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) aufrechterhalten. „Bei dieser Technik wird die Atmung des Patienten „ersetzt“, indem das venöse Blut mit Sauerstoff angereichert und Kohlendioxid entfernt wird“, weiß Chirurgin De Waele.

Besondere Aufmerksamkeit braucht nach einer Trachea-Operation der Heilungsprozess: Damit die Naht der gekürzten Luftröhre nicht unter zu viel Spannung steht, müssen die Patienten den Kopf für circa drei Wochen andauernd nach vorne gebeugt halten: „Früher wurden in solchen Fällen die Betroffenen in einer Gipsschale im Bett gehalten und eventuell sogar das Kinn vorübergehend auf die Brust genäht, um das zu gewährleisten“, sagt Wiebe.

Um Patienten wie Ewald E. dieses strapaziöse Verfahren zu ersparen, hat die UKM ProTec eine spezielle körperunterstützende Orthese gefertigt. Sie ist so geformt, dass der Kopf in der richtigen Schonhaltung gehalten wird, ohne dass dies für den Patienten übermäßig anstrengend wird. „Mit dieser von uns maßangefertigten Orthese kann Herr Espeter sich frei bewegen und auch früher aus dem Krankenhaus entlassen werden“, freut sich Sebastian Pfister, Leiter der UKM ProTec Orthopädische Werkstätten GmbH , die rund 400 verschiedenster und eigens auf den jeweiligen Patienten zugeschnittene Korsette pro Jahr fertigt.

Ewald E. selbst findet: „Diese Orthese zu tragen ist alle Male besser als das, was ich früher an Behandlung hätte mitmachen müssen.“ Und dass der 80-Jährige auch nach der dritten Krebserkrankung darauf eine gute Chance hat, glauben die Experten des UKM sicher. Dr. Karsten Wiebe sieht in seinem Patienten ein ganz typisch Beispiel für die gut funktionierende interdisziplinäre Behandlung am UKM: „Dies ist ein ganz eindrücklicher Fall. Alle Beteiligten haben durch enge Abstimmung möglich gemacht, dass Herr Espeter mit guter Lebensqualität hoffentlich noch sehr alt werden kann.“

Bild: (v. l.) Sebastian Pfister, Leiter der UKM ProTec, und Dr. Michele De Waele sowie Dr. Karsten Wiebe vom UKM erklären Patient dem Patienten die Orthese.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Unerkannte Gefahr: Infektionen durch Pilze

Invasive Pilzinfektion gefährdete Ziyads Leben nach Chemotherapie / Menschen mit geschwächtem Immunsystem besonders betroffen

Münster (ukm/cf) – Mit knapp vier Jahren musste der kleine Ziyad schon große Kraft beweisen. „Wir waren im Urlaub in Marokko, da bekam Ziyad auf einmal starkes Fieber“, erinnert sich Mutter Samina Bemayyad, wie im Sommer 2015 alles begann. „Doch auch mit Antibiotika ging es ihm nicht besser.“ Wieder in Deutschland ließ Familie El Gabgab ihren Sohn gründlich durchchecken. Blutuntersuchungen brachten schließlich die niederschmetternde Diagnose: Leukämie. Noch am selben Tag wurde Ziyad in die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am UKM (Universitätsklinikum Münster) überwiesen. Chemotherapie und zwei Knochenmarktransplantationen folgten. Doch damit nicht genug: Schon zu Beginn der kräftezehrenden Behandlung entwickelte Ziyad eine gefährliche Pilzinfektion im linken Lungenflügel.

„Mit der Luft, die wir einatmen, sind wir ständig Sporen von Pilzen ausgesetzt, aber bei Menschen mit einem gesunden Abwehrsystem hat dies überhaupt keine Bedeutung“, erklärt Prof. Dr. Andreas Groll, Leitender Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. „Ziyads Immunabwehr war durch seine Krankheit und die notwendige Chemotherapie aber zu geschwächt, um sich gegen das Eindringen der Erreger wehren zu können.“ Und das war lebensbedrohlich. „Wenn Pilzinfektionen in dieser Situation nicht erkannt und mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden, führen sie unweigerlich zum Tod “, betont Groll das Risiko bei abwehrgeschwächten Patienten. Der Mediziner forscht zur klinischen Mykologie – also die Biologie, Ausbreitung, Diagnostik, Vorbeugung und Behandlung von Pilzerkrankungen – bereits seit mehr als 20 Jahren.

„Durch Fortschritte in der Diagnostik und neue, hochwirksame Medikamente haben sich in den letzten Jahren die Möglichkeiten zur Kontrolle invasiver Pilzinfektionen deutlich verbessert“, weiß Groll, der gleichzeitig Vorsitzender der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft (DMykG) ist. „Aber bei weit mehr als 100 unterschiedlichen Pilzarten, die den Menschen krank machen können, stehen wir auch heute noch vor vielen offenen Fragen.“ Deshalb diskutiert die Fachgesellschaft auf ihrer Jahrestagung vom 31. August bis 2. September 2017 im Fürstenberghaus Münster neueste Forschungsergebnisse unter Beteiligung internationaler Experten.

Auch der kleine Ziyad hat bereits von den Fortschritten profitiert: „Er ist noch nicht geheilt, aber wir haben es geschafft, die Pilzinfektion seit mehr als zwei Jahren in Schach zu halten“, freut sich Groll. Heute geht es Ziyad wieder so gut, dass Familie Gabgab ihren Sohn mit nach Hause nehmen konnte. In Zukunft wird er dann dreimal die Woche in die Knochenmarktransplantations-Ambulanz am UKM kommen. Mama Samina ist stolz auf ihren kleinen Kämpfer: „Es war eine schwere Zeit, aber Ziyad ist so tapfer.“

Bild: Nach einer abschließenden Untersuchung kann Prof. Dr. Andreas Groll, Leitender Oberarzt der Kinderonkologie und Vorsitzender der DMykG, den kleinen Ziyad mit seiner Mutter Samina nach Hause entlassen. (© Foto (UKM/Deiters)

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Kleines Wunder: Mutter und Baby Mahdi gesund nach Lebertransplantation in der Schwangerschaft

Lebertransplantation bei weltweit einer der frühesten Schwangerschaften / Mutter und Kind der siebenköpfigen Flüchtlingsfamilie wohlauf

Münster (ukm/aw) – Es ist ein bewegtes Leben, das Familie Mohammad aus dem Irak in den letzten beiden Jahren geführt hat: Die Eltern und ihre fünf minderjährigen Kinder mussten monatelang die Strapazen einer dramatischen Flucht über die Türkei und Südosteuropa auf sich nehmen, bevor sie glücklich und wohlbehalten im niedersächsischen Lienen aufgenommen wurden. Dort stellten sie einen Asylantrag und integrierten sich gut. „Es könnte nicht besser sein“, ist das, was der inzwischen 19 Jahre alte Mohammad über die Lebensverhältnisse in seiner neuen Heimat sagt. Doch das kurze Glück währte nicht lange: Ende Oktober wurde seine Mutter Chnar Mustafa ganz plötzlich mit heftigen Oberbauchschmerzen und schlechten Leberwerten ans UKM (Universitätsklinikum Münster) überwiesen. Die Diagnose: akutes Leberversagen. Außerdem noch eine Überraschung: Chnar Mustafa war – ohne es zu wissen – schwanger in der neunten Woche! „Was eigentlich ein Grund zur Freude gewesen wäre, war nun doppelter Anlass zur Sorge“, so Dr. Christian Wilms, Oberarzt der Klinik für Transplantationsmedizin am UKM. „Die Patientin wurde am Freitag eingeliefert, Sonntag hatte sich ihr Zustand so sehr verschlechtert, dass sie am Folgetag mit höchster Dringlichkeitsstufe (high urgency) auf der Warteliste bei Eurotransplant angemeldet werden musste. Als dann schon am Dienstag mit viel Glück ein passendes Organangebot da war, mussten wir uns entschieden, ob wir tatsächlich operieren. Selten hatte ich so große Bedenken. Ich hatte eine fast schlaflose Nacht“, gibt er unumwunden zu. „Schließlich ging es bei dieser Operation um zwei Leben und nicht um eines“, ergänzt Prof. Daniel Palmes, Oberarzt in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. „Zwar war klar, dass das Leben der Mutter Vorrang haben musste, aber wir wollten natürlich auch ihrer Bitte, das Leben ihres Kindes zu schützen, gerecht werden.“

Einen Tag später operierte Palmes die 44-jährige Patientin. „Die Transplantation dauerte wegen des noch guten Allgemeinzustands von Frau Mustafa nur dreieinhalb Stunden. So plötzlich wie das fulminante Leberversagen kam, besserte sich mit dem neuen Organ sofort ihr Zustand. Und das Beste: Auch der Embryo überstand den Eingriff unbeschadet.“ Seit der Transplantation muss Chnar Mustafa Immunsuppressiva einnehmen – für das Kind in ihrem Bauch natürlich ein weiteres Risiko. Ein einzelner Versuch des Körpers, die Leber abzustoßen, konnte rechtzeitig durch eine gezielte Gabe der Medikamente verhindert werden. Ansonsten verlief die Schwangerschaft ohne Komplikationen. In der 34. Woche hatte der ungeborene Junge es dann doch eilig: Mahdi wurde per Kaiserschnitt geholt – bei einem Geburtsgewicht von nur rund 1.600 Gramm.

Weltweit sind bisher nur rund zwanzig Fälle von Lebertransplantationen bei Schwangeren beschrieben. Der kleine Mahdi dürfte das glückliche Ergebnis der jüngsten erhaltenen Schwangerschaft trotz dieser risikoreichen OP sein, glauben die Ärzte am UKM. Heute, mit sieben Wochen, ist er noch ein wenig in der Entwicklung zurück, aber gesund. Mit seinen Eltern und fünf Geschwistern lebt er in Lienen. „Der Zustand seiner Mutter muss nach der Transplantation natürlich regelmäßig in unserer Transplantationsambulanz kontrolliert werden. Aber wir sind hoffnungsfroh, dass sich Frau Mustafa viele Jahre guter Gesundheit erfreut und wir freuen uns, dass Mahdi bei uns ist“, so Wilms. Die Aussichten, dass Familie Mohammad in Deutschland bleiben kann, sind deshalb gut. „Es ist alles wie ein kleines Wunder“, sagt Mahdis Bruder Mohammad.

Bild: Dr. Christian Wilms (links) und Prof. Daniel Palmes (rechts) freuen sich mit Mutter Chnar Mustafa und Bruder Mohammad über das kleine Wunder Mahdi.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Informationsveranstaltung: Leben ohne Bauchspeicheldrüse

Informationsveranstaltung von Ärzten und Patientenverein soll Betroffenen helfen / Lebensqualität im Blickpunkt

Münster (ukm/aw) – René Hohenhausen hat vierzig Jahre mit Bauchspeicheldrüse gelebt – in den vergangenen Jahren eher schlecht als recht, denn eine chronische Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) bereitete ihm heftigste Schmerzen. Jetzt, rund zwei Monate nachdem ihm das Organ vollständig entfernt wurde, könne es daher nur noch bergauf gehen: „Die kommenden vierzig Jahre werde ich hoffentlich besser ohne dieses Organ leben können“, sagt der junge Familienvater. In einer komplizierten fünfeinhalbstündigen Operation hatte Prof. Daniel Palmes, Oberarzt an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster) das Pankreas schließlich entfernt. Er war auch derjenige, der Hohenhausen im Vorfeld überzeugte, dass eine Resektion der Bauchspeicheldrüse die bessere Alternative sei: „Die täglichen schlimmen Schmerzen ließen den Patienten teils sogar ohnmächtig werden. Er musste langfristig für sich entscheiden, ob er das weiter ertragen wollte.“ Palmes, der auch Leiter der Oberbauchsprechstunde am UKM ist, riet aber noch aus einem weiteren Grund zur Entfernung: „Als Herr Hohenhausen sich Anfang des Jahres bei mir vorgestellt hat, war er bereits insulinpflichtig geworden. Seine Bauspeicheldrüse hatte durch die jahrelange Entzündung die Insulinproduktion weitgehend eingestellt. Das sprach natürlich auch dafür, das Organ – das in seiner endokrinen Funktion ja bereits weitestgehend überflüssig geworden war – zu entfernen.“

Datum: Samstag, 22. Juli 2017
Ort: Konferenzraum, Ebene 04, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude W1, 48149 Münster
Uhrzeit: 10.00 – 13.00 Uhr
Zielgruppe: Betroffene und ihre Partner und/oder Angehörige

Bild: René Hohenhausen (Mitte) lässt sich am gemeinsamen Patienten-Informationstag für Bauchspeicheldrüsenerkrankte von AdP und UKM informieren. (links: Prof. Daniel Palmes, rechts: Matthias Erlenburg, AdP) – © Foto: UKM/Wengenroth

Nicht genug, dass eine schwerwiegende Operation anstand – auch die langfristigen Folgen für seine Lebensqualität konnte Hohenhausen zunächst kaum einschätzen: „Ich wusste nicht, was da noch alles auf mich und auch auf meine Familie zukommen würde“, sagt er. „Von Prof. Palmes habe ich den Tipp bekommen, mich zur besseren Orientierung an den Patientenverein AdP zu wenden, der Bauspeicheldrüsenerkrankte berät.“

Matthias Erlenburg vom Arbeitskreis der Pankreatektomierten e.V. (AdP) erlebt immer wieder, dass sich Patienten in ihrer Unsicherheit an ihn wenden: „Wir unterstützen alle Bauspeicheldrüsenerkrankten aber auch ihre Angehörigen, die oft von den Folgen der Erkrankung mitbetroffen sind. Das alles in enger Zusammenarbeit mit den behandelnden Medizinern. Die Lebensqualität der Patienten steht für uns an erster Stelle. Hier können wir wertvolle Erfahrungswerte weitergeben“, so Erlenburg, der als Angehöriger selbst betroffen ist.

Um ihr Wissen den Betroffenen aus der Region zur Verfügung zu stellen, veranstalten der AdP und die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am 22. Juli 2017 einen Patienten-Informationstag. Hier können neben dem Umgang mit den Folgen der Erkrankung auch die Fragen nach Rehabilitations-maßnahmen oder Frühverrentung geklärt werden.

Das pankreaszentrum ist Bestandteil des Viszeralonkologischen Zentrums am UKM. In der Oberbauchsprechstunde der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie (Anmeldung unter Telefon: 0251.8356361 werden unter anderem patienten mit akuten und chronischen Entzündungen sowie mit Tumoren der Bauchspeicheldrüse durch Spezialisten behandelt.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Den Arbeitstag musikalisch abschütteln:
Singkreis für Mitarbeiter geht in die Testphase

Internationales Konzept der „Singenden Krankenhäuser“ wird am UKM umgesetzt

Münster (ukm/cf) – Shake it Baby! heißt es seit Mai am UKM: In beinahe allen Kulturen spielt Singen eine wichtige Rolle und auch wissenschaftliche Studien sprechen der Musik zunehmend heilende Wirkung zu. Seit einigen Wochen wird deshalb am UKM (Universitätsklinikum Münster) zur Unterstützung der Mitarbeiter ein besonderes musikalisches Konzept angeboten. „Ob nach einer anstrengenden Frühschicht oder in der späten Mittagspause – Singen hilft, dass wir einfach loslassen und die Belastung abschütteln“, erklärt Organisator Gustav von Blanckenburg, Klinischer Musiktherapeut am UKM.

Die Testphase des Projekts ist Ende Mai gestartet. „Viele sind am Anfang zwar neugierig aber noch etwas zaghaft“, weiß der Singleiter im Auftrag des Netzwerks Singende Krankenhäuser e.V. „Wenn das Eis aber erst einmal gebrochen ist, erkennen die Teilnehmer, wie viel Spaß das gemeinsame Singen macht.“ Gesungen werden einfache Lieder aus aller Welt und auch bekannte Songs wie „I like the flowers“ oder „Wonderwall“– je nach Stimmung der Mitarbeiter. Gustav von Blanckenburg begleitet die Treffen mit der Gitarre. Dabei gilt immer der Grundsatz: Musikalisch sein oder gar Singen können sind keine Voraussetzungen. „Es gibt keine falschen Töne, sondern nur Variationen“, schmunzelt von Blanckenburg.

Der Singkreis für Mitarbeiter basiert auf dem Konzept der Singenden Krankenhäuser. Hinter der Idee steht die Initiative Singende Krankenhäuser e.V., die Singangebote für Gesundheitseinrichtungen anbieten. Der Verein ist international aktiv und steht dafür, die heilende Kraft von Musik zur Gesundheitsfürsorge und Krankheitsbewältigung anzuerkennen. Auch das UKM setzt ein Zeichen und nimmt ab August den wöchentlichen Singkreis in das Programm der Gesundheitsförderung für UKM-Mitarbeiter auf. Mehr Informationen zum Konzept finden Interessierte auch im Internet.

Bild: Beim Singen schütteln Gustav von Blanckenburg und Pflegende des UKM den anstrengenden Arbeitstag ab.

Quelle: © Universiätsklinikum Münster

Über 40 Millionen Euro für neue medizinische Erkenntnisse: Drei Sonderforschungsbereiche der Uni Münster werden verlängert

Münster (mfm/jr) – Aller guten Dinge sind drei: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft wird ihrem in der Medizin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) angesiedelten Sonderforschungsbereich „Breaking Barriers“ eine weitere Förderperiode finanzieren. Ebenfalls verlängert werden zwei Verbünde zu „Furcht, Angst, Angsterkrankungen“ und zu Multipler Sklerose, bei denen die WWU mit anderen Standorten kooperiert und die Sprecherrolle in Münster liegt. Zusammen fließen bis 2020 rund 40,5 Millionen Euro an die beteiligten Standorte – ein Großteil davon nach Münster. Die Entscheidungen fielen in der jüngsten Sitzung des Bewilligungsausschusses der DFG; sie beruhen auf Bewertungen der bisherigen Leistungen der Sonderforschungsbereiche (SFB) durch externe Gutachter. Insgesamt wurden von der DFG 20 SFB neu eingerichtet und 24 verlängert.

„Dieses Triple ist ein riesiger Erfolg für die münstersche Universitätsmedizin – und zugleich eine Bestätigung unserer Forschungsstrategie“, freut sich der Dekan der Medizinischen Fakultät der WWU, Prof. Wilhelm Schmitz. Er hatte sich in seiner jetzt auslaufenden Amtszeit für einen Neuzuschnitt der Schwerpunktthemen und eine größtmögliche Verzahnung aller Aktivitäten stark gemacht. So sind die SFB zu Multipler Sklerose (SFB TRR 128) und zu „Furcht, Angst, Angsterkrankungen“ (SFB TRR 58) zugleich tragende Säulen des Forschungsschwerpunktes „Neurale Systeme“ der WWU-Mediziner.
Zusammen mit Kollegen der Universitäten Würzburg, Hamburg und Mainz werden in Münster seit 2008 grundlegende Mechanismen von Angst untersucht. Zwar ist das Gefühl von Angst ein überlebenswichtiger Verhaltensregulator, wenn jedoch eine Störung des Mechanismus vorliegt, kann für die Betroffenen die Angst extrem belastend sein. Der SFB TRR 58 beschäftigt sich vor allem mit dem Wechselspiel von genetischer Veranlagung, Umwelteinflüssen und Stresserfahrungen bei angsterkrankten Menschen.

„Aus Sicht der Gutachter hat der SFB in seiner bisherigen Tätigkeit ein international führendes, weltweit einzigartiges Zentrum für Angstforschung geschaffen. Nirgendwo gebe es angesichts einer Krankheit, die so weit verbreitet ist wie Angststörungen, eine Initiative, die alle Ebenen von molekular-genetischen über systemische Grundlagen bis zu Patientenstudien abdeckt sowie Perspektiven für neue Therapiemöglichkeiten eröffnet“, berichtet SFB-Sprecher Prof. Hans-Christian Pape. Der Neurophysiologe freut sich nicht nur darüber, dass die Gutachter „alle Erwartungen an einen transregionalen Forschungsverbund vorbildlich erfüllt sahen“, sondern auch über ihr Lob für die strategische Nachwuchsarbeit des Forschungsverbundes. Die am SFB TRR 58 beteiligten Universitäten erhalten bis Juli 2020 insgesamt knapp 13,9 Mio. Euro aus dem Fördertopf der DFG.

Ebenfalls um einen Transregio-SFB, also einen von mehreren Hochschulen gemeinsam beantragten Verbund, handelt es sich auch bei dem SFB TRR 128 zu den „Initiierungs-, Effektor- und Regulationsmechanismen bei Multipler Sklerose“ (MS). Sprecher dieser Kooperation zwischen den Hochschulen Münster, Mainz und München wird ab Juli Prof. Heinz Wiendl von der münsterschen Uniklinik für Allgemeine Neurologie; als Co-Sprecherin fungiert dann Prof. Frauke Zipp von der Universitätsmedizin Mainz. MS stellt die häufigste entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems dar und betrifft vor allem jüngere Menschen. Da die Krankheit einen sehr ungleichmäßigen Verlauf hat, können Ärzte ihren Patienten keine verlässliche Prognose stellen.

Unter dem Dach des SFB TRR 128 arbeiten daher seit 2012 erstmals in Deutschland Neurowissenschaftler gemeinsam daran, die krankhaften Mechanismen von MS im Körper zu entschlüsseln und die Therapiemöglichkeiten zu verbessern. Zwar ist die Erkrankung nicht heilbar, sie lässt sich jedoch durch Medikamente positiv beeinflussen. „Bereits in der ersten Förderperiode konnten wir große Fortschritte erzielen beim Verständnis des komplexen Zusammenspiels zwischen Immun- und Nervensystem“, kommentiert Prof. Wiendl die Bewilligung der DFG von knapp 15,3 Mio. Euro. Die zweite Förderperiode beinhaltet auch neuartige Projekte, die die Rolle von Umweltfaktoren wie Sonneneinstrahlung und Ernährung untersuchen, inklusive damit verbundener Therapieansätze.

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Bild: Die medizinische Forschung an der Universität Münster – hier ein Bild aus dem Institut für Medizinische Mikrobiologie – wird durch die SFB-Bewilligungen gestärkt (Foto: H. Dornhege)

Auch der ausschließlich an der WWU angesiedelte SFB „Breaking Barriers“ (SFB 1009), der sich mit Immunzellen und pathogenen Erregern an Zell- und Matrix-Barrieren beschäftigt, ging 2012 an den Start. „Im Zentrum unserer Arbeit stehen Infektions-, Autoimmun- und rheumatische Erkrankungen, die verschiedene Organsysteme einbeziehen und durch komplexe Entzündungsprozesse werden“, erläutert Prof. Johannes Roth, Direktor des Instituts für Immunologie und Sprecher des SFB 1009. Zusammen mit seinem Sprecher Vorgänger Prof. Georg Peters, Direktor der Medizinischen Mikrobiologie – der in der kommenden Förderperiode als Co-Sprecher aktiv sein wird –, hatte er den Förderantrag vorbereitet und kann sich nun über eine DFG-Zusage über 11,3 Mio. Euro für den SFB 1009 freuen.
Dessen Arbeit ist fokussiert auf die zellulären Barrieren. Sie regulieren zum Beispiel den Transport löslicher Faktoren und Zellen; Störungen dieser Funktion spielen eine zentrale Rolle bei Infektionen und Entzündungsreaktionen. „Unser Programm in der kommenden Periode wird in zwei Projektbereiche unterteilt sein: zum einen geht es um die Integrität von biologischen Barrieren und die Penetration von Zellen durch biologische Barrieren, zum anderen um zelluläre Barrieren als Ort von Infektionen und komplexen Immunprozessen“, kündigt Peters an.

Hintergrund: DFG und Sonderforschungsbereiche
Die DFG mit Sitz in Bonn ist die Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft in Deutschland und unterstützt durch finanzielle Mittel wissenschaftliche Forschungsaufgaben sowie die Zusammenarbeit von Forschern. Die von Bund und Ländern bereitgestellten Mittel dienen unter anderem sogenannten Sonderforschungsbereichen. Das sind langfristig angelegte Forschungseinrichtungen der Hochschulen, in denen Wissenschaftler als Teil eines fachübergreifenden Forschungsprogramms zusammenarbeiten.
Die Bewilligung erfolgt nach einer mehrstufigen Begutachtung durch die ehrenamtlich besetzten DFG-Gremien sowie eine fachliche und formale Qualitätssicherung, bevor der Förderantrag letztlich zur Entscheidung dem DFG-Bewilligungsausschuss vorgelegt wird.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Klangauge gegen Seelenschmerzen

Schober-Stiftung ermöglicht Musiktherapie für den palliativmedizinischen Dienst am UKM

Münster (ukm/rem) – Klangauge, Sansula, Meerestrommel: Schon die Namen dieser Instrumente geben einen Einblick in die Klangwelt, die sich dahinter verbirgt. Neben seichten Tönen entlockt Gustav von Blanckenburg den ungewöhnlichen Instrumenten auch wohltuende dunkle Klänge. Seit Anfang des Jahres ist von Blanckenburg Musiktherapeut am UKM (Universitätsklinikum Münster) und betreut Menschen mit unheilbaren Erkrankungen. „Mit der Musik können wir die Patienten kurz aus dem Alltag entführen und von ihren Gedanken rund um den Tod befreien“, erklärt der 26-Jährige, der in der Endphase seines Studiums der klinischen Musiktherapie steckt. „In Improvisationen oder bekannten Stücken können die Patienten ihre Gefühle zum Ausdruck bringen, ohne direkt darüber reden zu müssen“, so von Blanckenburg.

In seiner Masterarbeit untersuchte der Student unter anderem die Auswirkungen der Therapie auf Patienten und Klinikatmosphäre. Von der Wirkung ist auch Privat-Dozent Dr. Philipp Lenz, Leiter des palliativmedizinischen Dienstes am UKM, überzeugt: „Dass Musik einen Einfluss auf unseren Gefühlszustand nimmt, kennen wir alle. Aktuelle Studien zeigen neben schmerzstillenden und entspannenden Effekten auch einen generellen Einfluss auf das Wohlbefinden von palliativmedizinischen Patienten. Deshalb freuen wir uns sehr, die Musiktherapie nun dank der Finanzierung der Schober-Stiftung fest in die Versorgung aufnehmen zu können.“

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Bild: Klangauge in der Palliativmedizin: Privat-Dozent Dr. Philipp Lenz und Musiktherapeut Gustav von Blanckenburg (v.l.) musizieren gemeinsam mit einer Patientin der Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie sowie den Förderern Dr. Anna und Prof. Dr. Dr. Otmar Schober (hinten).

In Anspruch genommen werden kann die Therapie von allen Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen. Nach einem ausführlichen Aufnahmegespräch entwickelt der palliativmedizinische Konsiliardienst des UKM dafür einen Behandlungsplan, der neben der Musiktherapie auch psychosoziale und spirituelle Angebote umfasst. „Gerade im Hightech-Setting eines Universitätsklinikums ist die Musiktherapie etwas Besonderes, weil sie entschleunigt, den Patienten sowie Angehörigen Raum gibt zur Ruhe zu kommen und sich über die vielschichtigen Gefühle dieser Lebenssituation klar zu werden“, so Lenz.

Finanziert wird die Musiktherapie zunächst für ein Jahr von der Schober-Stiftung: „Wir möchten sterbenskranken Menschen helfen, ihren verbleibenden Tagen mehr Leben zu geben. Mit der Verbindung von Musiktherapie und wissenschaftlicher Begleitung des Projektes können wir alle drei Bereiche von Krankenversorgung, Forschung und Lehre unterstützen“, so Prof. Otmar Schober, Vorstand der Stiftung und ehemaliger Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am UKM.

25 Jahre Herztransplantation am UKM

Erste Transplantation am 4./5. April 1990 in Münster durch Prof. Dr. Hans H. Scheld / Auch Mareike Rotthege (31) erhält mit 19 Jahren ein Spenderherz / Mittlerweile am UKM mehr als 470 Spenderherzen verpflanzt

Münster (ukm/ks) – Als am 20. August 2003 nachts um halb zwei mit dem Anruf „Wir haben ein Spenderherz für Sie!“ für die herzkranke Mareike Rotthege alles auf Anfang gestellt wurde – da konnte das UKM (Universitätsklinikum Münster) schon auf eine langjährige Expertise bei Herztransplantationen bauen. Unter der Leitung des damaligen Klinikdirektors der Herzchirurgie, Prof. Dr. Hans H. Scheld, wurde Mareike ein neues Herz eingepflanzt. Damit wurde der heute 31-Jährigen ein weitgehend normales Leben ermöglicht.

„Endlich!“ So muss es der Teenager damals empfunden haben. Denn die junge Frau aus Everswinkel kam mit einem komplizierten angeborenen Herzfehler mit nur einer Herzkammer auf die Welt. Durch mehrere Eingriffe konnte sie zwar bis zur Jugendlichen heranwachsen, doch die Pumpschwäche des Herzens hatte bereits zu Schäden an lebenswichtigen Organen geführt. Mareike kam auf die Warteliste für ein Spenderherz. Einfach war diese Zeit nicht für die damals 18-Jährige. „Aber wenn man so eine Situation überstehen will, dann muss man durch und durch positiv eingestellt sein“, sagt sie rückblickend.

Auch die erste Zeit nach der Transplantation war kompliziert. Durch die schon vorhandenen Organschäden war der Verlauf in den ersten Monaten nach dem Eingriff erschwert und mehrere Organversagen mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Erst kurz vor Weihnachten 2003 konnte sie nach Hause entlassen werden. Und danach ging das Leben tatsächlich richtig los. Sie konnte ihre Ausbildung beenden, ihren ersten Job anfangen und in die erste eigene Wohnung nach Münster ziehen. „Jetzt bin ich gerade mit meinem Freund zusammengezogen“, freut sich Mareike. „Eigentlich ist es jetzt ein ganz normales Leben. Ich muss nur zweimal am Tag Tabletten nehmen und in regelmäßigen Abständen ins UKM zur Kontrolle.“

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Bild: Herzpatientin Mareike Rotthege mit Transplanteur Prof. Dr. Hans H. Scheld (l.) und dem jetzigen Direktor der Klinik für Herzchirurgie am UKM, Prof. Dr. Sven Martens.

Heutzutage Überlebensraten von ca. 70 Prozent nach fünf Jahren

Die erste Herztransplantation am UKM wagte Prof. Dr. Hans H. Scheld schon dreizehn Jahre früher, in der Nacht vom vierten auf den fünften April 1990. Dem damals 37 Jahre alten Patienten wurde nach mehreren Herzinfarkten und nach einer Bypass-Operation ein Spenderherz eingepflanzt – und damit 18 zusätzliche Lebensjahre geschenkt. Mittlerweile wurden am UKM 462 Herztransplantationen, elf Herz-Lungen-Transplantationen und 402 Kunstherzimplantationen durchgeführt. Dank der Entwicklung neuer Medikamente, die eine Abstoßung verhindern, durch ausgefeilte und verbesserte Operationstechniken und vor allem durch die standardisierte und innovative Vor- und lebenslange Nachbehandlung durch ein Spezialisten-Team können die Patienten immer länger mit ihrem „neuen“ Herzen leben. „Heute werden Überlebensraten von ca. 70 Prozent nach fünf Jahren, 50 Prozent nach zehn Jahren und selbst nach 20 Jahren von mehr als 30 Prozent erreicht. Das Ziel, die transplantierten Patienten wieder ins Berufsleben zu integrieren – sei es im alten Beruf oder auch durch eine Neuausrichtung – kann in vielen Fällen erreicht werden“, freut sich der jetzige Direktor der Klinik für Herzchirurgie am UKM, Prof. Dr. Sven Martens.

Mangel an Spenderorganen

Aber auch die UKM-Experten kämpfen mit dem gravierenden Mangel an Spenderorganen. „Es ist für uns schwer zu ertragen, dass eine große Zahl an schwer herzkranken Menschen noch während der Wartezeit auf ein Organ verstirbt“, sagt Martens. „Wo es möglich ist, implantieren wir deshalb sogenannte Kreislaufunterstützungssysteme, auch als „Kunstherzen“ bekannt.“ Martens befürchtet, dass mangels Spenderorganen die Zahl der Herztransplantationen noch weiter absinken könnte. Im Gegenzug sei bei den mechanischen Unterstützungssystemen weiterhin mit einem Anstieg zu rechnen. Dennoch: „Die beste Lebensqualität und auch die höchste Lebensdauer kann weiterhin nur mit einem Spenderherz erreicht werden“, betont der Herzspezialist.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster