Okt. 15, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Gemeinsam gegen AML-Spätfolgen (v.l.n.r.): Projektkoordinator Prof. Klaus Metzeler (Leipzig), Prof. Karsten Spiekermann (München), Eva Telzerow (München), Dr. Dennis Görlich (Münster), Prof. Friederike Mumm (München) und Prof. Christoph Röllig (Dresden) (Foto: LMU München/Telzerow)
Münstersches Forschungsteam wirkt mit bei Nachsorge-Projekt
Münster (mfm/nn) – Eine überstandene Krebserkrankung ist ein großer Sieg – doch viele frühere Leukämie-Betroffene kämpfen auch Jahre später noch mit den Folgen. Das neue bundesweite Forschungsprojekt „AML-CARE“ will genau hier ansetzen. Dafür versucht ein standortübergreifendes und interdisziplinäres Forschungsteam aus Leipzig, Dresden, München und Münster folgende Frage zu beantworten: Wie können medizinische, seelische und soziale Spätfolgen frühzeitig erkannt und die Nachsorge verbessert werden? Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Vorhaben mit 585.000 Euro, davon gehen etwas mehr als 100.000 Euro an das Institut für Biometrie und Klinische Forschung (IBKF) der Universität Münster.
Die Akute Myeloische Leukämie (AML) zählt zu den häufigsten Formen von Blutkrebs im Erwachsenenalter. Dank medizinischer Fortschritte überleben immer mehr Betroffene ihre Erkrankung. Um die nicht seltenen und teils erheblichen Spätfolgen besser verstehen und begleiten zu können, will AML-CARE etwa 400 ehemalige AML-Patientinnen und -Patienten in ganz Deutschland untersuchen, die ihre Erstdiagnose vor mindestens fünf Jahren erhalten haben. Dabei werden körperliche Beschwerden ebenso erfasst wie psychische Belastungen, soziale Faktoren oder Einschränkungen im Berufsleben.
„Unsere Aufgabe an der Universität Münster besteht darin, die Studiendaten statistisch fundiert auszuwerten – von der Planung über die Umsetzung bis zur Modellierung von Vorhersageanalysen“, erklärt Dr. Dennis Görlich vom IBKF. Zusätzlich koordiniert das münstersche Forschungsteam zusammen mit Prof. Dennis Häckl, Projektpartner an der Universität Leipzig, ein Arbeitspaket zur Auswertung von Krankenkassendaten. Diese ergänzen die direkte Patientenbefragung und liefern zusätzliche Informationen über langfristige Krankheitsverläufe. Die Mitwirkenden des Projekts bringen ihre jeweilige Expertise ein: Während die Universitätsklinika in Leipzig, Dresden und München maßgeblich die klinische Betreuung der ehemaligen AML-Betroffenen übernehmen, liegt der Schwerpunkt in Münster auf Methodik sowie der statistischen Datenauswertung und Modellentwicklung.
„Das Besondere an unserer Studie ist, dass wir ein wirklich umfassendes Bild der Spät- und Langzeitfolgen dieser schweren Erkrankung und ihrer Behandlung erheben möchten. Deswegen befragen wir die Betroffenen nicht nur direkt mittels eines ausführlichen Fragebogens, sondern wir werden auch Informationen aus einer körperlichen Untersuchung, Labor-Analysen und weitere medizinische Befunde mit einbeziehen“, erläutert Projektleiter Prof. Klaus Metzeler vom Universitätsklinikum Leipzig. „Unser Ziel ist es, in Zukunft anhand von Vorhersage-Modellen zu erkennen, welche Patientinnen und Patienten nach ihrer Leukämie-Behandlung ein erhöhtes Risiko für körperliche oder psychische gesundheitliche Probleme haben. Damit wäre es möglich, den Betroffenen frühzeitig und gezielt zusätzliche Hilfen anzubieten.“
März 15, 2024 | Pressemitteilungen
Bild: Jetzt auch an der Medizinischen Fakultät: Das bewährte ATMS-Konzept wurde von Gesundheits- und Krankenpfleger Dominik Lüttgen (2.v.l.) und Tutorin Hanna Gesthuysen für die universitäre Lehre angepasst. Auch Dr. Tim Güß, Ärztlicher Leiter des UKM-Trainingszentrums (1.v.l.) und Dr. Hendrik Ohlenburg, Leiter des Studienhospitals, freuen sich über die studentische Version des „Room of safety“ (Foto: Uni MS/E. Wibberg)
Arzneimittel: Uni Münster schickt Studierende in eine simulierte Stationsapotheke
Münster (mfm/sw) – Die Dosis macht das Gift – auch in ärztlicher Obhut: In deutschen Krankenhäusern erleiden fünf bis acht Prozent aller Patientinnen und Patienten während ihres Aufenthaltes sogenannte „Arzneimittelereignisse“ – also unerwünschte oder gar gefährliche Wirkungen von Medikamenten. Die Zahl verdeutliche einen dringenden Handlungsbedarf im Bereich der Arzneimittel-Therapiesicherheit, dessen ist sich Dr. Hendrik Ohlenburg sicher. Der Ärztliche Leiter des Studienhospitals der Universität Münster lässt „seine“ Medizinstudierenden trainieren, wie sich Medikationsfehler vermeiden lassen – und das zusammen mit angehenden Hebammen. Die Integration einer simulierten Stationsapotheke in den curricularen – also verpflichtenden – Unterricht für Medizinstudierende und Hebammen ist bundesweit einmalig.
Das Konzept folgt der Devise „Besser früh richtig lernen, als später nachbessern müssen“. Ohlenburg: „Fehler können vermieden werden, wenn ganz früh im Studium schon ein präziser Blick auf riskante Aspekte gelenkt und der wachsame Umgang mit Medikamenten geübt wird. Dann entsteht eine Kultur der Sicherheit. Wir müssen anhand konkreter Beispiele aufzeigen, welche Auswirkung schon kleine Unachtsamkeiten und Ungenauigkeiten bei der Arbeit mit Arzneimittel haben können.“ Leicht könne man beispielsweise ähnlich aussehende Medikamente verwechseln, so der Facharzt für Anästhesiologie. Daher hat er einen Kursteil zur Arzneimittel-Therapiesicherheit (AMTS) in das Basiscurriculum der studentischen Ausbildung im Studienhospital übernommen. Im Mittelpunkt steht der „Room of Safety“, die Simulation einer Stationsapotheke, in der die Teilnehmenden der Schulung aktiv Fehler identifizieren und dokumentieren sollen. Dabei reflektieren sie gemeinsam die Herausforderungen und erarbeiten Lösungsansätze, um die Sicherheit zu optimieren. „Durch diese praxisnahe Herangehensweise werden berufsübergreifend die an der Patientenversorgung Beteiligten sensibilisiert und lernen, Risikofaktoren sowie Regelverstöße zu erkennen“, so Ohlenburg.

Bild: Die richtige Medikation soll gelernt sein: Studierende der Medizin und der Hebammenwissenschaft lernen gemeinsam den korrekten Umgang mit Arzneimittel (Foto: Uni MS/E. Wibberg)
Dominik Lüttgen, Tutor am Studienhospital sowie examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger und seine Kollegin Hanna Gesthuysen, studentische Tutorin, haben das Konzept mit Sabine Tegelmann vom Trainingszentrum der Uniklinik an die studentische Ausbildung angepasst. „Der Room of Safety ist ein wegweisendes Konzept, mit dem sich die Studierenden frühzeitig in ihre spätere Rolle einfinden können und lernen, Verantwortung zu übernehmen sowie eine aufmerksame und kritische Haltung im Umgang mit Medikamenten einzunehmen“, begrüßt der Studiendekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Bernhard Marschall, die Innovation. „Mit dem neuen Kurs schaffen wir eine solide Basis für eine achtsame Haltung, für fundierte Entscheidungen und eine sichere Arzneimitteltherapie.“