Dez. 30, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Conrad (l.) singt mit einer Patientin ein Lied, während Professor Spaghetti (r.) es auf seiner Clownsorgel spielt. (© Foto by UKM)
Amyloid-Antikörper können Fortschreiten der Erkrankung verzögern
Zum Jahreswechsel gibt es ermutigende Nachrichten aus der Alzheimer-Forschung: Mit Lecanemab und Donanemab stehen erstmals zwei Wirkstoffe zur Verfügung, die gezielt an einer der Hauptursachen der Erkrankung ansetzen. Als Amyloid-Antikörpertherapien entfernen sie krankhafte Eiweißablagerungen im Gehirn, die sich bei der Alzheimer-Krankheit anreichern und dort im Verlauf Nervenzellen schädigen. Für Betroffene im Frühstadium der Krankheit markieren die neuen Therapien einen medizinischen Meilenstein – wie die Geschichte des ersten am UKM behandelten Patienten zeigt.
Münster (ukm/aw) – Nikolaus Fuhrmann heißt der erste Patient, der im November am UKM (Universitätsklinikum Münster) die Infusionstherapie mit dem Wirkstoff Lecanemab beginnen konnte. Der 75 Jahre alte Münsterländer bekam die Diagnose Alzheimer eher zufällig, als bei ihm mit Verdacht auf Schlaganfall eine Liqourdiagnostik angeordnet wurde angeordnet wurde. Diese Analytik ergab, dass die Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung gestellt wurde. Nur kurze Zeit später zeigten sich bei Fuhrmann die ersten Symptome: „Ich entwickelte Wortfindungsstörungen. Mein Neurologe hat mir dann den Tipp gegeben, mich hierher zu wenden“, erinnert sich Nikolaus Fuhrmann.
Ob eine Gabe von Lecanemab oder Donanemab in Frage kommt, muss in zeitaufwendigen Untersuchungen geklärt werden. Unter anderem wird vor Therapiebeginn eine genetische Untersuchung des sogenannten ApoE-Gens durchgeführt – eine Variante dieses Gens, die etwa fünfzehn Prozent der Menschen mit Alzheimer-Krankheit tragen, ist mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert. Patient Fuhrmann trägt die Gen-Variante nicht und ist bei seinen nun regelmäßigen Besuchen dankbar für die umfassende Aufklärung und die Fürsorge am UKM.
Privat-Dozent Dr. Matthias Pawlowski ist Leiter des demenzsensiblen Krankenhauses und Oberarzt der Neurologie am UKM. Er sagt: „Die erstmals in diesem Jahr von der Europäischen Arzneimittelkommission zugelassenen Therapien mit Lecanemab und Donanemab sind vor allem ein Schritt in die richtige Richtung. Leider ist die Wirkung noch nicht so groß wie wir uns das wünschen würden. Die Therapie mit den sogenannten Amyloid-Antikörpern verspricht im Moment noch keine Heilung, lediglich eine Verlangsamung des Fortschreitens der Demenz.“
Nikolaus Fuhrmann kommt im Moment alle vierzehn Tage für die Lecanemab-Gabe in die Infusionsambulanz des UKM. In engmaschigen MRTs wird er überwacht, um eventuelle Nebenwirkungen wie fokale Hirnödeme und -blutungen frühzeitig zu entdecken. Er verträgt die Behandlung bisher gut und hofft, durch die neue Therapie wertvolle Zeit zu gewinnen: „Ich weiß, dass die Infusionen mich nicht heilen werden. Aber ich erhoffe mir eine Erleichterung meiner weiteren Lebensperspektive, indem sich vielleicht der Verlauf bei mir verlangsamt“, sagt der 75-Jährige.
Interview mit Priv.-Doz. Dr. Matthias Pawlowski zu den Chancen und Risiken der Amyloid-Antikörper-Therapien bei Alzheimer
Was passiert bei Alzheimer im Gehirn?
Pawlowski: Die Alzheimer-Krankheit ist eine Erkrankung, die sich über einen extrem langen Zeitraum des Lebens zieht. Wir sprechen da von bis zu dreißig Jahren, in denen sich langsam Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn anreichern. Hauptbestandteile der Eiweißaggregate ist das Amyloid-beta, das im Gehirn verklumpt. Das führt irgendwann zu Nervenzellschädigungen und -untergang. Das Tückische ist, dass es erst dann zu klinischen Symptomen kommt, wenn dieser Prozess weit fortgeschritten ist.
Wie wirken die beiden Amyloid-Antikörper?
Pawlowski: Lecanemab und Donanemab wurden in diesem Jahr erstmals von der Europäischen Arzneimittelkommission zugelassen. Beide Antikörper binden an die pathologischen Eiweißablagerungen im Gehirn. Dadurch wird das Immunsystem des Körpers aktiviert und räumt die Eiweißablagerungen ab.
Für wen ist das Medikament zugelassen?
Pawlowski: Diese Antikörper sind für Menschen mit einer frühen Alzheimer-Krankheit zugelassen, also in einem Stadium, in dem Betroffene bereits kognitive Einschränkungen haben, die man auch objektivieren kann, die sich aber noch nicht einschränkend im Alltag auswirken. Nicht zugelassen sind die Medikamente für das präklinische Stadium, also wenn es noch gar keine Symptome gibt. Und auch bei fortgeschrittener Demenz sind die Wirkstoffe nicht zugelassen.
Welche Wirkungen, aber auch Nebenwirkungen sind bei einer Therapie zu erwarten?
Pawlowski: Ganz klar: Die Medikamente bedeuten keine Heilung. Aber ein großer Fortschritt ist, dass wir zum ersten Mal überhaupt Wirkstoffe zur Verfügung haben, die die Ursache der Alzheimer-Demenz angreifen. Alzheimer-Demenz ist multikausal und es gibt noch weitere Prozesse im Körper, die nicht mit den Eiweiß-Antikörpern außer Kraft gesetzt werden können. Ziel ist im Moment also nur die Verlangsamung des Fortschreitens der kognitiven Einschränkungen. Zu den Nebenwirkungen: Unter der Antikörper-Therapie kann es punktuell zu Hirnödemen oder -einblutungen kommen. Diese Nebenwirkung, die üblicherweise im ersten Halbjahr der Behandlung auftritt, gibt es bei etwa zehn Prozent der Patientinnen und Patienten, deswegen ist ein engmaschiges Monitoring vor allem im MRT notwendig.
Welchen Nutzen haben die neuen Medikamente?
Pawlowski: Den Nutzen für die gesamte medizinische Alzheimer-Forschung sehe ich als unglaublich hoch an. Erstmals haben wir Therapeutika in der Hand, die ursächlich ansetzen. Es gibt weitere Amyloid-Antikörper, die sich im Moment in der klinischen Überprüfung befinden. Die Entwicklung geht also weiter. Künftig sind auch Kombinationstherapien denkbar aus mehreren Wirkstoffen, die zusammen mit der Amyloid-Antikörpertherapie vielleicht noch besser wirken. Dazu wird an Biomarker-Tests gearbeitet, die helfen sollen, die Erkrankung vor Ausbruch zu entdecken. Insgesamt ist die Wirkung individuell und nicht prognostizierbar. Einige Patientinnen und Patienten profitieren kaum, andere haben unter der Therapie jahrelang einen stabilen Verlauf. Für die letzte Gruppe kann man mit den neuen Therapien einen Effekt erreichen, der dann wirklich einen Unterschied macht.
Dez. 3, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Prof. Hans Theodor Eich, Direktor der „Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie“ am UKM präsentiert das neue Bestrahlungssystem. (© Foto by UKM/Ibrahim)
UKM startet mit LUNA-3D für die atemgesteuerte Bestrahlung
Das UKM setzt in der Strahlentherapie auf modernste Technik: Mit dem neuen LUNA-3D-System wird die Behandlung von Tumoren noch präziser und schonender. Durch die exakte Überwachung der Atmung in Echtzeit können gesunde Organe besser geschützt werden – für eine Krebsbehandlung auf höchstem Niveau.
Münster (ukm) – Die Strahlentherapie ist eine der wichtigen Säulen in der modernen Krebsbehandlung. Damit Tumore möglichst wirksam bestrahlt werden können, ohne gesundes Gewebe unnötig zu belasten, setzen das UKM (Universitätsklinikum Münster) in der „Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie“ seit dem 1. Oktober auf modernste Technik: das LUNA-3D-System.
Viele Organe im Brustkorb oder Bauchraum bewegen sich mit jedem Atemzug. Für die Behandlung ist es jedoch wichtig, dass die Patientinnen und Patienten genauso liegen wie bei der Bestrahlungsplanung. Nur so können Herz, Lunge oder andere empfindliche Organe geschützt werden. Genau hier entfaltet das LUNA-3D-System seine Stärke: Mit hochsensiblen Kameras wird die Oberfläche der Patientinnen und Patienten in Echtzeit überwacht und die Bestrahlung nur dann durchgeführt, wenn die aktuelle Lagerung mit der Lagerung der Bestrahlungsplanung übereinstimmt. Auf diese Weise kann zukünftig auf Markierungen auf der Haut zur Lagerungseinstellung verzichtet werden.
Besonders profitieren Patientinnen und Patienten mit Brust- oder Lungenkrebs sowie mit Tumoren im Bauchraum. Bei der Bestrahlung in tiefer Einatmung kann die Patientin oder der Patient die eigene Atmung auf einem Display selbst überwachen und dadurch aktiv mitarbeiten. Die Bestrahlung erfolgt dann nur in der richtigen Atemphase.
„Mit dem LUNA -3D-System setzen wir auf modernste Technik, die unseren Patientinnen und Patienten mit Tumoren im Thorax- und Abdomenbereich eine besonders präzise und schonende Strahlentherapie ermöglicht. Damit stärken wir unsere Spitzenposition in der onkologischen Versorgung und bieten eine Behandlung auf höchstem internationalen Niveau“, erklärt Prof. Hans Theodor Eich, Direktor der „Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie“ am UKM.
Die Bedeutung der Neuerung zeigt sich auch aus Sicht der Medizinphysik. Isabel Vogt, Medizinphysikerin der Klinik, betont: „Das Besondere am LUNA-3D-System ist, dass durch die verbesserte Lagerungsüberwachung nun auch komplexere Bestrahlungstechniken bei unseren Patientinnen und Patienten durchgeführt werden können. Der Tumor kann exakter bestrahlt werden, bei gleichzeitig besserer Schonung von Herz, Lunge oder anderen wichtigen Organen. Das macht die Therapie nicht nur genauer, sondern auch spürbar schonender.“
Für die Betroffenen bedeutet das: Die Strahlentherapie am UKM wird mit dem LUNA-3D-System noch präziser, sicherer und angenehmer. Damit geht das UKM einen weiteren Schritt in die Zukunft der Strahlentherapie – mit aktueller Technik und dem klaren Ziel einer bestmöglichen Versorgung.
Apr. 1, 2025 | Pressemitteilungen
Bild: Prof. Claudia Rudack und Dr. Armands Riders aus der HNO-Klinik des UKM sind zu Gast im UKM-OnlineTalk zum Thema Schlafapnoen und ihre Therapien. (© Foto by UKM/Wibberg)
Schlafapnoen: Wenn nachts die Atmung aussetzt
Wenn der Partner oder die Partnerin schnarcht, kann das die Nachtruhe empfindlich stören. Schlimmer aber können die Folgen für den Schnarcher selbst sein: Wenn zum nächtlichen „Sägen“ nämlich Atemaussetzer, sogenannte Schlafapnoen, hinzukommen, ist schnell mehr als nur die Nachtruhe in Gefahr. „Schlafapnoen sind eine schwere schlafbezogene gesundheitliche Störung, die chronische oder sogar lebensbedrohliche Erkrankungen begünstigt“, sagt Prof. Claudia Rudack, Direktorin der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde am UKM (Universitätsklinikum Münster). Zusammen mit Oberarzt Dr. Armands Riders ist sie am 08. April ab 18.00 Uhr live zu Gast im UKM-OnlineTalk. Zu streamen ist das Gespräch live auf dem YouTube-Kanal des UKM.
Münster (ukm/aw) – Studien belegen, dass bis zu jede(r) Fünfte unter einer Schlafapnoe leidet. Viele wissen nichts von ihrem Problem, denn im Schlaf bleibt es natürlich unerkannt. Wenn dann machen sich Schlafapnoen durch einen fragmentierten Schlaf, bleierne Tagesmüdigkeit und eine dadurch verminderte Leistungsfähigkeit bemerkbar. Mit etwas Glück bemerkt der Partner oder die Partnerin die nächtlichen Atemaussetzer und die Sekunden danach wiedereinsetzende, schnappende Atmung. Im Schlaflabor müssen dann erste Diagnoseschritte erfolgen, dabei wird zunächst abgeklärt, um welche Art von Schlafapnoe es sich handelt. Fällt die Zunge im Schlaf zurück und verlegt die Atemwege, ist der einströmenden Atemluft sozusagen der Weg abgeschnitten. „Steht die Diagnose des sogenannten Obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms (OSAS) fest, ist es höchste Zeit, etwas dagegen zu tun“, sagt die Direktorin der HNO-Klinik am UKM, Prof. Claudia Rudack. „Das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. So kann es erwiesenermaßen Auslöser von schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sein. Die Lebenszeit der betroffenen Patientinnen und Patienten kann sich dramatisch verkürzen, wenn ein OSAS unbehandelt bleibt.“
Thema:
Schlafapnoen und ihre Therapien
Datum: 08. April 2025
Uhrzeit: ab 18.00 Uhr
Ort: UKM-OnlineTalk. Zu streamen ist das Gespräch live auf dem YouTube-Kanal des UKM
Hinweis: Interessierte können schon im Vorfeld ihre Fragen per Mail an Frau Prof. Rudack und Herrn Dr. Riders richten:
ukm-onlinetalk@ukmuenster.de Alle Fragen werden im Stream oder im Nachgang per Mail beantwortet.
Das Mittel der ersten Wahl ist eine Behandlung mit einer sogenannten CPAP-Maske, die es in verschiedenen Varianten gibt. Durch die Maske wird bei jedem Atemzug Druckluft zugeführt, die ein Kollabieren der Atemwege und den Rückfall der Zunge verhindert. Oft werden die Masken im nächtlichen Gebrauch jedoch als störend empfunden und werden irgendwann einfach nicht mehr akzeptiert. Oberarzt Dr. Armands Riders erklärt: „Wenn CPAP-Masken oder eine Protrusionsschiene auch nach mehreren Therapieversuchen nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann man als Letztlinientherapie noch die Stimulation des Hypoglossus, der die Zunge innerviert, erwägen. Dies geschieht durch einen sogenannten Zungenschrittmacher, den wir dann implantieren. Uns berichten viele zufriedene Patientinnen und Patienten, dass sie durch diese Operation wieder massiv an Lebensqualität gewonnen haben.“
Beide Experten der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik sprechen im UKM-OnlineTalk am 08. April, ab 18.00 Uhr, über Symptome und Diagnostik des OSAS, vor allem aber über die vielfältigen Therapiemöglichkeiten. Zu sehen ist der Stream live auf dem UKM-YouTube-Kanal und danach dort in der Aufzeichnung für den zeitunabhängigen Abruf zu finden.