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Hautkrebs nimmt dramatisch zu

Hautkrebs nimmt dramatisch zu

Bild: Chefärztin Dr. Irina Herren kümmert sich um die funktionelle wie ästhetische Rekonstruktion bei Hautkrebs. © Foto by St. Marien-Hospital Lüdinghausen

Verdopplung in 20 Jahren: Die stille Gefahr auf unserer Haut

Lüdinghausen – Hautkrebs ist auf dem Vormarsch: Die Zahl der stationären Behandlungen hat sich in 20 Jahren fast verdoppelt, so das Statistische Bundesamt (Destatis). Im Jahr 2023 wurden rund 116.900 Patientinnen und Patienten mit Hautkrebs stationär behandelt – ein Anstieg um 88 Prozent im Vergleich zum Jahr 2003, in dem noch 62.000 Behandlungen verzeichnet wurden.

„Besonders auffällig ist der Zuwachs bei hellem Hautkrebs“, sagt Dr. Irina Herren, Chefärztin der Abteilung für Plastische und Ästhetische Chirurgie im St. Marien-Hospital Lüdinghausen. „Auch beim schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom, ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen.“ Ein maßgeblicher Faktor für diese Entwicklung sei laut Medizinexperten übrigens der demografische Wandel. „Wir haben eine älter werdende Bevölkerung – und Hautkrebs tritt vorwiegend bei älteren Menschen auf“, erklärt Dr. Herren. „Während heller Hautkrebs allerdings überwiegend ältere Menschen betrifft, beobachten wir als Fachleute bei schwarzem Hautkrebs auch eine wachsende Zahl jüngerer Patienten“, warnt Dr. Irina Herren. Als erfahrene Tumorchirurgin am St. Marien-Hospital berichtet sie von einem deutlich höheren Operationsaufkommen in den vergangenen Jahren: „Gerade bei schwarzem Hautkrebs ist eine frühzeitige Diagnose lebensrettend. “Wir bieten überdies die Wächter- Lymphknoten Entfernung mit hoher Expertise durch enge Kooperation mit der Nuklearmedizin des Franziskus Hospital in Münster anbieten.

Dr. Irina Herren betont die große Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Dermatologie, Plastischer Chirurgie und Onkologie: „Früherkennung und Aufklärung bleiben wie so oft entscheidend.“

Ebenso entscheidend ist die funktionelle wie ästhetische Rekonstruktion, da der weiße Hautkrebs häufig an stark sonnenexponierten Stellen wie dem Gesicht, der Nase, den Ohren, dem behaarten Kopf oder der Unterlippe auftritt. Daher ist bei der Behandlung nicht nur die vollständige Entfernung des Tumors, sondern auch die funktionelle und ästhetische Wiederherstellung des Gesichts besonders wichtig, damit der betroffene Patient nach der Behandlung wieder vollständig am sozialen und beruflichen Leben teilnehmen kann, ohne sich durch sichtbare Veränderungen im Gesicht beeinträchtigt zu fühlen. Angesichts der großen Zunahme an Hautkrebserkrankungen unterstreichen medizinische Fachleute einmal mehr die Bedeutung von Prävention und Früherkennung. Regelmäßige Hautuntersuchungen sowie ein bewusster Umgang mit Sonnenstrahlung können entscheidend dazu beitragen, Hautkrebs frühzeitig zu erkennen oder sogar zu vermeiden. UV-Schutz durch Sonnencremes, schützende Kleidung und das Meiden intensiver Sonnenstrahlung sollte dabei unbedingt berücksichtigt werden.

„Der deutliche Anstieg der stationären Behandlungen auch bei uns in Lüdinghausen zeigt, wie wichtig es ist, Hautkrebs als Volkskrankheit ernst zu nehmen“, betont die Chirurgin aus dem St. Marien-Hospital.

Hautkrebs: Erfolgreiche Behandlung danke vielfältiger Therapieoptionen

Hautkrebs: Erfolgreiche Behandlung danke vielfältiger Therapieoptionen

Bild: Freuen sich über den Behandlungserfolg: Dr. Carsten Weishaupt, Bernhard Kerk, Dr. Nina Magnolo und Dr. Dominik Schlarb (v.l.). (© Foto UKM)

Jährlich erkranken deutschlandweit rund 21.000 Menschen neu an einem Melanom (= Hautkrebs) – Tendenz steigend. Noch bis vor wenigen Jahren waren die Heilungschancen bei diesem aggressiven Tumortyp sehr gering. „Heute können wir Patientinnen und Patienten innovative und erfolgsversprechende Behandlungsoptionen anbieten – selbst wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist oder eine vorangegangene Therapie nicht die erhoffte Wirkung gebracht hat“, sagt Priv.-Doz. Dr. Carsten Weishaupt vom Hauttumorzentrum am UKM. Ein Beispiel, wie zielführend die stetige Anpassung der Therapie ist, zeigt die Geschichte von Bernhard Kerk.

Münster (ukm/maz) – Das kleine Muttermal an der linken Schulter hatte Bernhard Kerk schon lange. „Anfang 2018 fing es dann plötzlich an, sich zu verändern, bildete einen Wubbel und sah wie eine kleine Warze aus“, erinnert sich der heute 84-Jährige. Doch weil er damals auch noch akute Herzprobleme bekam und operiert werden musste, geriet die Hautveränderung erstmal wieder aus dem Blick. „Ein Jahr später begann das Mal dann aber, Flüssigkeit abzusondern und zu bluten“, so Kerk. „Da bin ich natürlich sofort los!“ Die Hautärztin in seiner Heimatstadt Ibbenbüren überwies ihn direkt an das Hauttumorzentrum des UKM (Universitätsklinikum Münster). Nach weiteren Untersuchungen stand die Diagnose fest: ein Melanom, also schwarzer Hautkrebs. Und die Erkrankung war bereits fortgeschritten.

„Wenn ein Melanom frühzeitig entdeckt wird und direkt vollständig operativ entfernt werden kann, sind die Heilungschancen gut“, sagt Zentrumsleiter Priv.-Doz. Dr. Carsten Weishaupt. Manchmal habe der Krebs wie bei Bernhard Kerk bei Diagnosestellung aber bereits gestreut. „Es hatten sich sogenannte Satelliten- und In-transit-Metastasen gebildet – das sind bösartige Veränderungen der Haut im direkten Umfeld des ursprünglichen Tumors“, erklärt der Dermatoonkologe. „Aber auch bei diesen fortgeschrittenen Stadien haben wir heute dank der wissenschaftlichen Fortschritte und der damit möglich gewordenen Entwicklung neuer Substanzen viele erfolgsversprechende Behandlungsoptionen.“

Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen besprach Weishaupt in der Tumorkonferenz des WTZ (Westdeutsches Tumorzentrum) Münster das weitere Vorgehen. Zunächst entfernte Dr. Dominik Schlarb, Leiter der OP-Abteilung der Hautklinik, mit seinem Team den Tumor und die Absiedlungen. Danach erhielt Kerk eine Immuntherapie mit einem speziellen Antikörper, doch es bildeten sich erneut Metastasen. „Wir mussten die Therapie anpassen und haben ihm vorgeschlagen, an einer Studie mit einem neuen Impfstoff mit einer sogenannten nicht kodierenden mRNA teilzunehmen“, sagt Dr. Nina Magnolo, Leiterin des Studienzentrums der Hautklinik. „Für das Melanom ist der Wirkstoff dann so konzipiert, dass der Körper mit seiner Hilfe diesen speziellen Krebstyp wiedererkennen und angreifen kann.“ Bernhard Kerk musste nicht lange überlegen, an der Studie teilzunehmen: „Ich finde es wichtig, dass die Forschung immer weiter vorangetrieben wird – nicht nur für mich, sondern auch für andere Betroffene, die zukünftig davon profitieren!“ Die Substanz zeigte die erhoffte Wirkung und die damit behandelten Metastasen bildeten sich zurück – dennoch war das nur ein Teilerfolg. Weishaupt diskutierte mit seinem Team erneut weitere Behandlungsoptionen und nutzte am Ende ein sogenanntes onkolytisches Virus, das direkt in die Tumoren gespritzt wird und die bösartigen Zellen absterben lässt.

Bei Bernhard Kerk gelang dies mit Erfolg: Seit vergangenem Herbst sind bei dem Rentner keine Metastasen mehr nachweisbar und er kommt nur noch für die regelmäßigen Nachkontrollen nach Münster. „Ich hatte bereits während der Therapie kaum Nebenwirkungen. Jetzt fühle ich mich aber so gut, dass ich endlich wieder die Zeit mit meiner Frau genießen und mit ihr viel schwimmen und spazieren gehen kann“, freut sich Kerk. „So werde ich wieder fit – und das ist dann auch gut fürs Herz!“

Weitere Informationen und regionale Adressen zum Thema Hautkrebs und ihrer Behandlung: Fachklinik Hornheide und UKM Hauttumorzentrum
Gesundheit-Muensterland.de
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