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Täter ohne Tat

25 Jahre leidet Uwe Saaler* an aggressiven Zwangsgedanken. Sie richten sich gegen diejenigen, die er am meisten liebt: seine Frau, seine Kinder und seine Enkel. Die Scham sitzt tief; keiner weiß, dass er krank ist. Stundenlang grübelt er, meidet den Kontakt. Dann bricht er sein Schweigen – und findet Hilfe

Münster – Der 63-Jährige ist kein Einzelfall. Mehr als zwei von zehn Menschen erkranken an therapiebedürftigen Zwängen. Obwohl sie eine der häufigsten psychischen Erkrankungen sind, werden sie am seltensten behandelt. Die Tendenz, sie aus Scham und Angst zu verheimlichen, ist groß, besonders bei aggressiven Zwangsgedanken, die sich meistens gegen geliebte Menschen richten. Das erschwert auch die richtige Diagnose.

„Menschen, die aggressive Zwangsgedanken entwickeln, erlauben es sich häufig gerade nicht, aggressive Gedanken oder Impulse zu haben und diese in irgendeiner Form auszuleben. Insbesondere gegenüber Familienangehörigen sind Gefühle wie Ärger oder Wut fast tabu. Dieser hohe moralische Anspruch begünstigt die Entwicklung der aggressiven Zwangsgedanken. Je stärker das Verbot ist, desto bedeutungsvoller und mächtiger werden sie“, erklärt Benedikt Klauke, leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Werkzeuge und Kissen werden gedanklich zum Mordinstrument

Bei Uwe Saaler beginnen die Gedanken, als er mit seiner kleinen Tochter eine Puppenstube baut. Während er die Seitenwände vernagelt, denkt er, dass er sie mit dem Hammer erschlagen könnte. Der Gedanke setzt sich fest, wiederholt sich immer wieder, zu Hause, im Baumarkt, bei den Kindern, bei seiner Frau und später bei den Enkeln. Nach schweren Werkzeugen werden auch Kissen „gefährlich“. Der Zwang dehnt sich aus. Schließlich bricht ihm bei jeder Begegnung mit seinen Enkeln der Schweiß aus. Er zieht sich zunehmend zurück und grübelt, oft stundenlang.

Der drohende Verlust der Familie gibt den Anstoß sich zu öffnen

„Die Jahre von 2010 bis 2015 waren die schlimmsten“, sagt Uwe Saaler. Seine Frau und Töchter fragen immer häufiger, warum er nicht zuhört, werfen ihm vor, kein Interesse mehr an ihnen zu haben. Keiner weiß, dass er krank ist. „Das schreckliche Gefühl, nicht mehr zur Familie zu gehören, war der zentrale Anstoß, mich zu öffnen.“ Seine schlimmsten Gedanken behält er für sich. Er befürchtet, dass seine Familie Angst vor ihm haben könnte. Bei ihm treten die Zwangsgedanken oft in Kombination mit materiellen Ängsten oder enttäuschter Erwartung auf. Benedikt Klauke erklärt: „Aufdringliche Gedanken setzen sich häufig auf unangenehme Gefühle, wie Ablehnung, Enttäuschung oder Verlustangst, wenn andere Strategien, diese auszuleben, fehlen“.

2015 wendet sich Saaler an eine Psychiaterin und bekommt Antidepressiva. Es geht ihm besser, aber seine Zwänge lösen sie nicht. Ein Jahr später rät ihm eine Psychologin, sich stationär behandeln zu lassen. Eine Empfehlung führt ihn nach Münster. Im August 2016 hat er dort in der Christoph-Dornier-Klinik ein Erstgespräch. Das Intensivkonzept habe ihn sofort überzeugt, sagt er.

Mensch-ärgere-dich-nicht mit Enkeln – und Hammer im Gepäck

Wenige Wochen später beginnt seine sechswöchige stationäre Therapie. Die Diagnose lautet „Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt“. Jede Woche hat er zehn Einzelpsychotherapiesitzungen. Zusätzlich besucht er Gruppentherapien, darunter die Achtsamkeits- und die Zwangsbewältigungsgruppe. In den ersten zwei Wochen erarbeitet er mit seiner Therapeutin vor allem die biographischen Hintergründe und ein Erklärungsmodell für die Erkrankung. Graphen und Zeichnungen helfen, die Zusammenhänge zu verstehen. „Das war sehr anstrengend, weil man so viel verarbeiten muss“, berichtet der 63-Jährige.

Ab der dritten Woche beginnen die Expositionsübungen, mit und ohne Therapeutin, später auch im familiären Kontext. Es ist wichtig, das Gelernte im Alltag zu erproben. Dafür verbringt er Weihnachten bei seiner Tochter. Im Gepäck: ein Hammer. Während er mit seinen Enkeln Mensch-ärgere-dich-nicht spielt, denkt er „Jetzt könnte ich sie mit dem Hammer erschlagen“, immer wieder, wie ein Mantra. „Als ich ihn dann aus dem Beutel geholt habe, habe ich nicht mal geschwitzt. Ich wusste, ich mach das nicht, egal was ich denke. Es sind nur Gedanken und ein Teil meiner Krankheit“, so Saaler.

Gedanken sind keine Handlungen

„Expositionen mit Reaktionsverhinderung sind die wirksamste psychotherapeutische Methode, um Zwänge zu überwinden“, sagt Diplom-Psychologe Klauke. „Zwangsgedanken zu unterdrücken ist ähnlich vergeblich, wie einen prall gefüllten Ball unter Wasser zu halten. Je mehr wir drücken, desto stärker drängt er an die Oberfläche. Deshalb ist es wichtig, den negativ besetzten und angstauslösenden Gedanken bewusst Raum zu geben. Selbst starke, vermeintlich unerträgliche Gefühle lassen mit der Zeit nach. Durch die Erfahrung, dass nichts passiert, dass Gedanken eben keine Handlungen sind, werden sie entkatastrophisiert. Sie verlieren an Bedeutung und treten in der Folge auch seltener auf.“ Parallel dazu sei es wichtig, Denkmuster und Überzeugungen zu bearbeiten, die die Erkrankung aufrechterhalten.

Früher habe er sich ständig selbst beobachtet, alles Negative auf sich bezogen. Durch die Therapie habe er gelernt, bestimmte Annahmen zu hinterfragen und neu zu bewerten. „Mein Lebensinhalt bestand zu 30 Prozent aus Problemen, heute sind es fünf“, sagt Uwe Saaler. Er genießt die zunehmende Freiheit im Kopf, walkt zwischen den Therapien um den Aasee oder die Promenade entlang, besichtigt mit Mitpatienten den Münsteraner Dom, geht mit ihnen schwimmen. Auch dieses Miteinander und der Austausch mit „Leidensgenossen“ habe ihm sehr geholfen. Er möchte Menschen, die an Zwangsgedanken leiden, Mut machen, sich ihrer Situation zu stellen, sich anzuvertrauen und aktiv zu werden: „Hilfe ist da, aber man muss sie sich holen.“

* Zum Schutz der Person wurde der Name geändert.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Bulimie: Zwischen Fassade und Kontrollverlust

Die Bulimie gilt als heimlichste aller Essstörungen. Der innere Kampf um Kontrolle, Verlangen und Gewicht bleibt der Außenwelt oft verborgen. Der wichtigste Schritt, um wieder gesund zu werden, ist das Essverhalten zu normalisieren

Foto: Christoph-Dornier-Klinik, Judith Müller, Stellvertretende Leitende Psychologische Psychotherapeutin

Judith Müller, Stellvertretende Leitende Psychologische Psychotherapeutin

Rund 1,3 Prozent aller Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an Bulimie. Männer sind ebenfalls betroffen, trotz hoher Dunkelziffer aber seltener. Meistens wirkt nach außen hin alles „perfekt“. Das Gewicht ist normal, das Essen kontrolliert, meist fett- und kalorienarm. Menschen, die an Bulimie erkranken, sind häufig ehrgeizig und eher überangepasst. Dass sie Tausende von Kalorien verschlingen und erbrechen, oder hochdosierte Abführmittel schlucken, passt nicht ins Bild. Keiner darf etwas merken, die Scham ist riesig. Doch der Teufelskreis der Bulimie kann überwunden werden, selbst wenn die Krankheit schon lange besteht. Das Essverhalten zu normalisieren, ist der wichtigste erste Schritt.

Wie entsteht der Teufelskreis der Bulimie?

Über 90 Prozent der Menschen, die an Bulimie erkranken, wollen anfänglich abnehmen Sie lassen Mahlzeiten ausfallen, verzichten auf bestimmte Nahrungsmittel oder fasten, zum Beispiel bevor sie Alkohol trinken. Restriktives Essen schürt meistens jedoch Heißhunger, denn der Körper lechzt nach Nahrung. „Viele unserer Patientinnen berichten, dass sie auf den ‚Tipp‘ gestoßen sind, Nahrung zu erbrechen, um einerseits uneingeschränkt essen zu können und andererseits nicht zuzunehmen. Die Handlungsabläufe verselbstständigen sich dann relativ schnell, innerhalb weniger Wochen, weil sich der Stoffwechsel und das Hunger-Sättigungsgefühl verändern und die Angst vor dem Dicksein eher größer wird. Schließlich löst der Anblick von Nahrungsmitteln fast reflexhaft Heißhunger aus, so wie Völlegefühl den sofortigen Drang zu erbrechen“, erklärt Judith Müller, stellvertretende leitende Psychologische Psychotherapeutin der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Einen kurzen Moment lang fühlt es sich befreiend an: Der zum Platzen volle Bauch ist wieder leer. Und mit den Kalorien, die das Gewicht gefährden, sind auch Gefühle weggespült. Stress und Anspannung lassen nach. Doch dann kommen die Scham und der Ekel vor sich selbst – und der Kreislauf beginnt von neuem. Die Kontrolle zieht wieder ein, über das Essen, die Gefühle, über das „Außen“. Die Fassade aufrechtzuerhalten, kostet viel Kraft und endet oft in Selbstbetrug. 75 Prozent der Menschen, die an einer Bulimie erkranken, werden depressiv. Etwa 30 Prozent entwickeln eine Angst- oder Zwangserkrankung, oft eine soziale Phobie. Dazu kommen häufig Alkoholprobleme.

Wie lässt sich der Teufelskreis durchbrechen?

Jede Essstörung hat ihre eigene Geschichte. Es gibt genetische und biologische, aber auch soziale und persönliche Faktoren, die sie begünstigen. „Bevor man jedoch an Hintergrundkonflikten und Funktionalitäten arbeitet, ist es wichtig, zuerst das Essverhalten zu normalisieren. Denn der körperliche Mangelzustand wirkt sich auf den Hormon- und Botenstoffhaushalt aus, auf die Wahrnehmung, das Verhalten und die Emotionen“, so Judith Müller. „Je normaler das Essverhalten, desto besser funktioniert auch das Hunger-Sattheitsgefühl, das die Nahrungsaufnahme auf natürliche Weise reguliert. Heißhungerattacken werden seltener und sogar die Angst vor einer Gewichtszunahme nimmt ab.“ Sie zu überwinden, ist ein weiterer wichtiger und notwendiger Therapiebaustein.

Hat sich das Essverhalten normalisiert, ist es für die Betroffenen wichtig zu lernen, besser mit Stimmungsschwankungen, Konflikten und Belastungen umzugehen, und auch das übermächtige Schlankheitsideal zu überwinden. Denn nur dann kann der Teufelskreis der Bulimia nervosa dauerhaft durchbrochen werden.

Diagnosekriterien der Bulimie nervosa

  • wiederkehrende Essattacken (Verzehr größerer, meist hochkalorischer Nahrungsmengen mit dem Gefühl von Kontrollverlust), mindestens einmal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten
  • absichtliches Erbrechen, strenge Diäten, exzessiver Sport oder Einsatz von Abführmitteln, um einer Gewichtszunahme entgegenzuwirken
  • Selbstbewertung hängt übermäßig stark von Körpergewicht und Figur ab
  • kein deutliches Untergewicht (ansonsten könnte es sich um eine Magersucht handeln)

Es gibt jedoch auch atypische Erscheinungsformen der Ess-Brech-Sucht, bei denen nicht alle Diagnosekriterien erfüllt sind. Auch sie mindern die Lebensqualität, schaden der Gesundheit und sollten psychotherapeutisch behandelt werden.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Wenn immer besser nie gut genug ist

Die Möglichkeiten, sich selbst zu optimieren, scheinen schier grenzenlos zu sein. Denn Defizite lauern überall – im Job, im Sport, in der Familie. Beim Streben nach dem Optimum bleibt das „Selbst“ oft auf der Strecke

Münster – Am 5. Februar eröffnet in München die Internationale Sportmesse. Effiziente Trainingsprogramme, Wearables und Apps sollen helfen, fitter, schlanker, leistungsfähiger zu sein: „Gesundheit wird zum Selbstdesign“. Sich selbst zu überwachen, zu analysieren und zu optimieren liegt weiterhin voll im Trend – beim Sport, im Job, in der Familie. „Etwas verbessern zu wollen, ist ein wichtiger Motor, um sich weiterzuentwickeln“, erklärt Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster. Den allgegenwärtigen Trend zur Selbstoptimierung sieht er dagegen kritisch. Denn dieser fördere ein defizitäres Selbstbild.

Nicht nur im Job, auch im privaten Umfeld kann das Gefühl, die eigene Leistung verbessert, Abläufe optimiert und Zeiten effizienter genutzt zu haben, enorm befriedigend sein. Der Wettbewerb mit sich selbst ist ein bewährtes Mittel, um Höchstleistungen zu erbringen und zu weiteren zu motivieren. Auf Dauer aber kostet er mehr Kraft als die Ergebnisse spenden. Dem Drang, sich selbst zu optimieren, liegen oft Minderwertigkeitsgefühle und ein defizitärer Blick auf sich selbst zugrunde. „Erfolge können kurzfristig zwar selbstwertstabilisierend wirken, den Hunger nach einem optimalen Selbst stillen sie aber nicht. Denn das was ist, ist niemals gut genug“, so der promovierte Psychologe.

Beim Streben nach dem Optimum bleibt das Selbst oft auf der Strecke. Solange bis „die Technik“ streikt, das Herz aussetzt, die Panik rast oder bleierne Erschöpfung jede Flamme erstickt. In der Therapie von Angststörungen und Depressionen (Burnout) sind Selbstwert und Leistungsanspruch geläufige Themen. Für Benedikt Klauke ist Selbstoptimierung letztlich nichts anderes als ein Vermeidungsziel. Häufig geht es eher darum, einen unerwünschten – als nicht genügend empfundenen – Zustand zu vermeiden und nicht darum, ein Ziel zu erreichen, da die Maßstäbe immer weiter nach oben verschoben werden.

Ein solcher Wettkampf gegen sich selbst lässt sich weder mit Sport noch mit gesunder Ernährung gewinnen. „Wichtig ist, positive Ziele zu formulieren, auf die man sich konkret zubewegen kann. In der Psychologie spricht man dann von einem Annäherungsziel. Das kann durchaus eine bessere Trainingszeit sein. Wenn das erzielte Ergebnis aber keine positiven Empfindungen (mehr) auslöst und nicht befriedigt, ist Vorsicht geboten. Dann lohnt sich die Frage nach der Motivation. Denn nach immer fitter und immer gesünder kommt in der Regel krank“, warnt der leitende Psychotherapeut der Münsteraner Klinik. So begännen auch Erkrankungen wie Sportanorexie oder Orthorexie oft mit dem Wunsch, leistungsstärker zu werden und sich gesünder zu ernähren.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

„Wenn die Psyche hungert“

Münster – Infoabend zu Magersucht und Bulimie für Betroffene, Angehörige und Interessierte am 1. März 2017 von 18 bis 20 Uhr in der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Das größte Risiko, an einer Essstörung zu erkranken, liegt in der Pubertät. Doch Magersucht und Bulimie betreffen nicht nur Jugendliche. Unbehandelt bleiben sie meist bis ins Erwachsenenalter bestehen, oder sie brechen in emotional belastenden Situationen wieder auf. Umso wichtiger ist es, eine Essstörung so früh wie möglich zu erkennen und zu therapieren.

Am 1. März 2017 informieren Experten der Christoph-Dornier-Klinik Betroffene, Angehörige und Interessierte über Anzeichen, Hintergründe und Behandlungsmöglichkeiten von Magersucht und Bulimie. Der Infoabend „Wenn die Psyche hungert“ beginnt um 18 Uhr in der Tibusstraße 7-11, 48143 Münster. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten.

 

Neben den Vorträgen des leitenden Arztes der Klinik, Dr. med. Andreas Pelzer, und der stellvertretenden leitenden Psychologischen Psychotherapeutin, Judith Müller, wird es Raum für Fragen und offenen Austausch geben. Weitere Informationen erhalten Interessierte telefonisch unter 0251/4810-102 oder im Internet unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Thema: „Wenn die Psyche hungert“
Infoabend zu Magersucht und Bulimie
Datum: Mittwoch, 01.03.2017
Ort: Christoph-Dornier-Klinik, Tibusstraße 7-11
Uhrzeit: 18.00 – 20.00 Uhr
Zielgruppe: Betroffene, Angehörige und Interessierte
Referenten: Dr. med. Andreas Pelzer und Judith Müller
Besonderheiten: Anmeldung nicht erforderlich, kostenfrei

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Alle Jahre wieder: Wie gute Vorsätze gelingen

Münster – Am Jahresende steht häufig die Erkenntnis: Von den guten Vorsätzen ist nicht viel geblieben. „Grund ist die eingebaute Misserfolgsfalle“, sagt Judith Müller von der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster und erklärt, wie man dieser Falle entgehen kann.

Die Misserfolgsfalle ist ein motivationspsychologisch sehr einfacher, aber wirkungsvoller Mechanismus:
„Wer sich zu viel auf einmal vornimmt, ohne die notwendigen Verhaltensänderungen zu planen und auch Rückschläge einzukalkulieren, fühlt sich nach kurzer Zeit überfordert, scheitert, verliert den Glauben daran, etwas ändern zu können – und gibt die guten Vorsätze wieder auf. Im Extremfall kann das selbst dringend notwendige Veränderungen blockieren“, erläutert Judith Müller, stellvertretende leitende Psychologische Psychotherapeutin der Christoph-Dornier-Klinik.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich gute Vorsätze meistens auf Angewohnheiten beziehen, die schonlange bestehen und sich nur mit einiger Anstrengung ändern lassen. Damit es nicht nur beim guten Vorsatz bleibt, empfiehlt die Psychologin:

  • Nur Vorsätze fassen, die man selbst wirklich will. Gewohnheiten nicht der Familie, Freunden oder dem Arzt zuliebe ändern.
  • Vorteile, die man sich von der Veränderung erwartet, klar benennen und aufschreiben.
  • Sich nicht zu viel auf einmal vornehmen. Wer seine guten Vorsätze nacheinander umsetzt, hat die besten Aussichten auf Erfolg.
  • Vorsätze klar formulieren und den Weg der Umsetzung festlegen.
  • Sich realistische Ziele setzen und in kleinen Schritten vorgehen.
  • Vorher planen, wie man mit Versuchungen und Hemmnissen umgeht.
  • Sich belohnen, wenn die Umsetzung eines Vorsatzes gut klappt und Teilerfolge erzielt wurden.
  • Nicht aufgeben, wenn die Pläne kurzfristig nicht gelingen. „Ausrutscher“ sind verzeihlich.
  • Bei tiefgreifenden, die Lebensplanung betreffenden Entscheidungen kann ein wichtiger erster Schritt sein, sich fachkundige Unterstützung zu suchen. Vor allem wenn psychische Probleme eine Verhaltensänderung erschweren.
Hintergrundinformationen zur Klinik
Die Christoph-Dornier-Klinik wurde 1993 in Münster als konzessionierte Privatklinik für Psychotherapie eröffnet. Mit ihrem wissenschaftlich begründeten kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungskonzept leistete sie in Deutschland Pionierarbeit. Auf Basis aktueller Forschungsergebnisse und langjähriger Erfahrung wurde dieses um klärungsorientierte und schematherapeutische Anteile erweitert. Zu den Behandlungsschwerpunkten des 50-Betten-Hauses zählen Angsterkrankungen, Zwangserkrankungen, Essstörungen, Depressionen, Traumafolgestörungen, Persönlichkeitsstörungen und Internetabhängigkeit. Das Intensivkonzept der Klinik beinhaltet bis zu zehn Einzelsitzungen pro Woche zuzüglich weiterer, auf den individuellen Bedarf abgestimmter Gruppentherapien. Bei Bedarf finden therapeutische Übungen auch im Lebensumfeld des Patienten statt. Das Behandlungsangebot richtet sich an Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Reinigungszwang: Wenn das Leben ohne Handschuh nicht mehr funktioniert

artikel-cdk_21112016Münster – Kalt ist es geworden. Christian D. ist erleichtert. Keiner starrt mehr auf seine Hände, die Handschuhe fallen nicht mehr auf. Im Sommer ist das anders. Rund 50 Paar Einmalhandschuhe verbraucht er am Tag. Sonst könnte er seine Wohnung nicht verlassen, kein Geländer anfassen, keine Tür, keinen Automaten. Alles, was von Menschen berührt wird, ist für ihn potentiell gefährlich.

Seit acht Jahren leidet Christian D. an einem Wasch- und Reinigungszwang. In der Kälte leuchten seine Hände krebsrot. Die Haut ist dünn wie Papier, rissig und wund gewaschen. Und noch anfälliger für Keime, vor denen er sich panisch fürchtet. Die Handschuhe beruhigen ihn, aber nur kurzfristig. Die Angst, sich mit HIV oder anderen schweren Krankheiten zu infizieren, holt ihn immer wieder ein. Egal wie oft und lange er seine Hände wäscht, egal wie viel Desinfektionsmittel er benutzt, egal wie gründlich er putzt. Irgendwann müssen es zwei Lagen Handschuhe sein.

Zwänge spielen sich oft im Verborgenen ab. In Deutschland geht man von mindestens 2,3 Millionen betroffenen Menschen aus. Am häufigsten sind Wasch- und Reinigungszwänge, verbunden mit der panischen Angst, sich oder auch andere durch Schmutz, Körperflüssigkeiten, Bakterien oder Viren zu gefährden. Deshalb wird ein direkter Kontakt möglichst vermieden. Doch schon der Gedanke daran kann Panik auslösen und stundenlange Wasch- und Reinigungsrituale nach sich ziehen.

Die meisten wissen, dass ihr Verhalten mindestens übertrieben ist, und schämen sich dafür. Häufig werden Partner, Eltern oder andere Familienangehörige in die Zwänge einbezogen. Auf Drängen der Betroffenen übernehmen sie Rituale, berühren zum Beispiel bestimmte Dinge nicht oder ziehen sich nach dem Betreten der Wohnung um, um diese nicht zu „verseuchen“, wodurch sich der Zwang weiter verfestigt.

„Oft werden Zwänge mit Ängsten oder Depressionen verwechselt. Bis eine Zwangserkrankung angemessen behandelt wird, vergehen durchschnittlich mehr als sieben Jahre, in denen sich die Menschen durch ihr Leben quälen, wertvolle soziale Kontakte verlieren und nicht selten auch ihren Job. Dabei sind die Behandlungsmöglichkeiten ausgesprochen gut“, sagt Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Als Faustregel gilt: Wer täglich mehr als eine Stunde mit Zwangsgedanken oder -handlungen verbringt und darunter leidet, sollte sich professionelle Hilfe suchen. Denn Zwänge verschwinden in der Regel nicht von alleine. Bei Christian D. hat das Leben schließlich nicht mehr funktioniert. Auch mit Handschuhen nicht. Nun lernt er Schritt für Schritt, sich seinen Ängsten zu stellen und weder in die Vermeidung noch in seine Rituale zu flüchten. Er beginnt zu verstehen, dass er Risiken und Gefahren unrealistisch hoch einschätzt und viel zu viel Verantwortung übernehmen möchte. Dass er mit dem Zwang Menschen auf Distanz hält und sich so vor dem Gefühl der Abhängigkeit schützt. Denn auch solche Funktionen kann eine Zwangserkrankung haben.

Um niederschwellig über Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, bietet die Christoph-Dornier-Klinik jeden Mittwoch eine kostenlose Telefonberatung an. Zu erreichen sind die Psychologen der Klinik zwischen 17 und 20 Uhr unter +49 (0)251 4810-148. Weitere Informationen erhalten Betroffene und Angehörige auch unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Wohin entwickelt sich der Mann? Körperkult und seine Folgen

Super skinny, mega muskulös, Ab-Crack

Wohin entwickelt sich der Mann? Körperkult und seine Folgen im Zeichen des internationalen Männertags am 19. November 2016

artikel-cdk_04112016Münster – Männer des 21. Jahrhunderts müssen etwas zu bieten haben, vor allem körperlich. Noch halten sich Sixpacks und hohle Wangen auf Instagram und Facebook. Doch zeichnet sich schon ein neuer Trend des Bodyformings ab: die „Ab-Crack“, eine senkrecht über den Bauch verlaufende Bindegewebsnaht (medizinisch Linea Alba). Auch hier geht es darum, möglichst viel Körperfett abzutrainieren. Denn dann wird sie sichtbar. Der Social Media gestützte Körperkult hat Folgen: Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper wächst rasant, auch in der Männerwelt.

Schon 70 Prozent der Jungen zwischen zehn und 13 Jahren hadern mit ihren Muskeln, rund 30 Prozent mit ihrem Gewicht, so eine vor fünf Jahren veröffentlichte Studie. Diese Zahlen spiegeln den männlichen Zeitgeist wieder. Forscher der University of North Texas fanden jüngst heraus, dass Tinder-Nutzer häufiger unzufrieden mit ihrem Körper sind und weniger Selbstwertgefühl haben als Männer, die auf diese App verzichten. Die Social-Media-Nutzung begründet die negative Körperwahrnehmung zwar nicht, aber sie fördert sie – nicht nur bei Frauen.

„Wir stellen eine deutliche Zunahme an Körperwahrnehmungsstörungen bei Männern fest“, sagt Andreas Pelzer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und leitender Arzt der Christoph-Dornier-Klinik in Münster. Was früher vor allem für Frauen galt, gilt heute zunehmend auch für Männer: Die körperliche Erscheinung bestimmt den Selbstwert und vermeintlich den sozialen Erfolg.

Jungs posten reihenweise Selfies mit nacktem Oberkörper. Wer nicht gefällt, wird weggewischt. Auf Facebook, Instagramm – und Tinder. Der Konkurrenzdruck ist enorm. „Man selbst fühlt sich so lange zufrieden, bis ein anderer ein dickeres Sixpack oder eine noch tiefere ‚Ab Crack‘ postet. Ständig wird verglichen und bewertet. Die eigene Person wird permanent abgewertet. Man läuft immer nur hinterher“, erklärt Andreas Pelzer.
Das Risiko, darüber krank zu werden, ist groß. Am größten in der Pubertät. Vor allem sogenannte „Spätentwickler“ sind gefährdet, eine körperdysmorphe Störung, wie Muskelsucht (Biggerexie), oder eine Essstörung zu entwickeln. Minderwertigkeitskomplexe und ein negatives Körperbild spielen bei beiden Erkrankungen eine zentrale Rolle.

Mit einem „perfekten“ Körper hoffen die Jugendlichen, anerkannt und respektiert zu werden. Doch der Versuch, die eigene Unsicherheit wegzutrainieren, schlägt meist fehl. Das ist bei erwachsenen Männern nicht anders. „Selbst wenn das Training kurze Glücksmomente pusht, fühlen sie sich danach eher noch schlechter. Also muss noch mehr trainiert, diätet oder gehungert werden, mit fatalen körperlichen und psychischen Folgen. Denn das Ideal bleibt unerreichbar. Dafür sorgt allein schon die gestörte Körperwahrnehmung. Ohne den Selbstwert aus anderen Quellen zu speisen und ein gesundes Problemlöseverhalten zu lernen, führt die Spirale immer weiter nach unten“, so der leitende Arzt der Christoph-Dornier-Klinik.

Bei Männern bleiben körperdysmorphe Störungen und Essstörungen jedoch noch länger unerkannt als bei Frauen. Experten gehen daher von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Schamgefühle sind oft noch größer, die öffentliche Wahrnehmung geringer. Dabei drohen langfristig neben psychischen auch organische Schäden: Wenn der Fettanteil in der Unterhaut zu stark sinkt, beginnt der Körper auch das braune Fettgewebe zu verbrennen, das zum Beispiel die Nieren schützt.
Wer sich zugunsten seiner Muskelmasse einseitig proteinlastig ernährt und gegebenenfalls auch noch Anabolika und aufputschende Drogen schluckt, riskiert nicht nur Mangelerscheinungen, sondern auch Konflikte mit dem Gesetz. Mit Attraktivität und Erfolg hat das so gar nichts mehr zu tun. Es wird Zeit, das Männer(vor)bild wieder mit Inhalt zu füllen.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Infoabend „Wenn Angst krank macht“

Informationsabend für Betroffene, Angehörige und Interessierte
am 9. November 2016 von 18 bis 20 Uhr in der Christoph-Dornier-Klinik in Münster

artikel-cdk_07102016Münster – Angsterkrankungen wie Panikstörungen, soziale Ängste, Phobien und generalisierte Angststörungen zählen bei Jugendlichen und Erwachsenen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Sie verursachen großes Leid und schränken die Lebensqualität massiv ein. Je früher sie erkannt werden, desto besser sind die Heilungschancen. Doch auch länger bestehende Ängste können dank der modernen Psychotherapie sehr gut behandelt werden.

Am 9. November 2016 findet von 18 bis 20 Uhr in der Christoph-Dornier-Klinik ein Infoabend zu diesem Thema statt: „Wenn Angst krank macht“. Angehörige, Betroffene und Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung in der Tibusstraße 7-11 in 48143 Münster teilzunehmen.

Der neue leitende Arzt der Klinik, Dr. Andreas Pelzer, und der leitende Psychologische Psychotherapeut, Dr. Benedikt Klauke, erklären, woran man die verschiedenen Angsterkrankungen erkennt, wodurch sie entstehen und was sie aufrechterhält – und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Weitere Informationen erhalten Interessierte telefonisch unter 0251/4810-102 oder im Internet unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Datum: Mittowch, 09.11.2016
Ort: Christoph-Dornier-Klinik, Tibusstraße 7-11, 48143 Münster
Uhrzeit: 18.00 – 20.00 Uhr
Zielgruppe: SBetroffene, Angehörige und Interessierte
Referenten: Dr. Andreas Pelzer und Dr. Benedikt Klauke
Besonderheiten: Infos und Anmeldung: 0251/4810-102 oder www.christoph-dornier-klinik.de. Der Eintritt ist frei.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster