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Kunstherzen werden in Münster jetzt minimal-invasiv implantiert

OP-Technik mit deutlich kleineren Schnitten / Patienten schnell wieder mobil / Geringeres Risiko von Verwachsungen

Münster (ukm/maz) – Spazierengehen und Ergometerfahren – es ist lange her, dass Krystof Jozefowicz so aktiv war. Ein Linksherzunterstützungssystem (LVAD), auch bekannt als Kunstherz, hilft dem 53-Jährigen, sich wenige Tage nach der Operation weit mehr bewegen zu können als die vergangenen Monate. Dabei profitiert er von einer relativ neuen OP-Methode. „Wir haben Herrn Jozefowicz minimal-invasiv mit zwei kleinen Schnitten statt wie bisher üblich mit einem großen Schnitt operiert“, erklärt Privat-Dozentin Dr. Mirela Scherer, stellvertretende Direktorin der Klinik für Herzchirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster). Die Patienten sind deutlich schneller wieder mobil, zudem sinkt das Risiko einer Wundheilungsstörung. Und die Komplikationsrate einer Folge-OP, wenn ein Spenderherz gefunden ist, wird reduziert, da weitaus weniger Narbengewebe und Verwachsungen vorhanden sind.

Denn ein Herzunterstützungssystem ist in der Regel nur eine Übergangslösung. Die Wartezeit auf ein Spenderorgan von derzeit dreieinhalb bis vier Jahren ist für viele Patienten schlichtweg zu lang, sodass eine lebensbedrohliche Herzmuskelschwäche immer häufiger mittels Kunstherz überbrückt wird. „Wir setzen die Systeme mittlerweile aber auch als Dauertherapie ein, zum Beispiel für Menschen, die aufgrund ihres Alters oder Gesundheitszustandes nicht mehr für eine Herztransplantation in Frage kommen“, so Scherer. Bis zu zehn Jahre kann ein Patient mit Kunstherz leben.

Die etwa vier bis fünf Zentimeter große Pumpe wird bei der OP unterhalb des Herzens platziert und mit der Spitze der linken Herzkammer sowie der Hauptschlagader verbunden. „Das Kunstherz unterstützt damit die Pumpleistung, das Herz des Patienten verbleibt im Körper“, betont Oberarzt Privat-Dozent Dr. Andreas Rukosujew, der neben Scherer die Eingriffe durchführt. Angetrieben wird das Unterstützungssystem durch einen kleinen Motor, ein dünnes Elektrodenkabel stellt die Verbindung nach außen her. Tagsüber erfolgt die Stromversorgung durch Akkus, die der Patient in einer Tasche am Körper trägt. Nachts wird das Herzunterstützungssystem an die Steckdose angeschlossen.

UKM_Kunstherz_minimal-invasiv

Bild: Lebensakku in der Tasche: Patient Krystof Jozefowicz mit Privat-Dozentin Dr. Mirela Scherer (2.v.r.) und Privat-Dozent Dr. Andreas Rukosujew (3.v.r.) sowie Prof. Dr. Jürgen Sindermann (l.) und Dr. Henryk Welp (r.).

Für Krystof Jozefowicz ist der Unterschied der Lebensqualität mit dem LVAD trotz der ständig zu tragenden Umhängetasche nach eigenen Worten gravierend. „Vor der OP konnte ich keinen einzigen Schritt machen, so müde, träge und antriebslos war ich“, erzählt der gebürtige Pole, der nun auf einen Reha-Platz wartet. Jetzt, wenige Tage nach dem Eingriff, sei er nicht nur deutlich mobiler: „Ich habe auch keinerlei Schmerzen.“ Gleiches gilt für einen 19 Jahre alten Patienten, der ebenfalls minimal-invasiv operiert wurde. „Diese Ergebnisse bestätigen die bisherigen Erkenntnisse anderer Kliniken, sodass wir zukünftig – je nach Krankheitsbild – voraussichtlich etwa die Hälfte der rund 30 Patienten, die bei uns in Münster pro Jahr ein Linksherzunterstützungssystem erhalten, mit dieser Technik operieren werden“, freuen sich Scherer und Rukosujew.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster