Medikamente: Warnung vor Nebenwirkungen

Medikamente: Warnung vor Nebenwirkungen

Bild: Appellieren, sich bei Anzeichen von Gelbsucht schnellstens in Behandlung zu begeben: (v.l.) Dr. Johannes Lepper (Kardiologie 1), Priv.-Doz. Kai-Henrik Peiffer (Med. Klinik B) und Transplantationschirurg Priv.-Doz. Philipp Houben. (Foto © UKM/Wibberg)

Auch alltägliche Arzneimittel können unerwartet zu Leberversagen führen

Kopf- oder Unterleibsschmerzen oder auch ein Hexenschuss: Die meisten Menschen denken nicht lange nach, bevor sie dagegen Schmerzmittel (Medikamente) nehmen. Im Alltag geschieht das bei leichteren Beschwerden oft ohne medizinischen Rat. Doch auch der schützt manchmal nicht davor, dass es bei Medikamenten mitunter zu schweren Neben- oder Wechselwirkungen kommen kann. Ein bis zwei solcher Fälle, in denen es zu einem fulminant verlaufenden Leberversagen aufgrund einer Medikamenteneinnahme und letztlich zum Tod kommt, erleben die Medizinerinnen und Mediziner am UKM jedes Jahr. So war es auch im Januar, als sie einem erst 50 Jahre alten Patienten – zuvor gesund und ohne Vorerkrankung – nicht mehr helfen konnten.

Münster (ukm/aw) – In einem sind sich alle, die an der Behandlung des Patienten beteiligt waren, einig: Solche tragischen Fälle lassen sich nie zu einhundert Prozent ausschließen. Trotzdem möchten sich die Behandelnden dafür einsetzen, dass das Bewusstsein für die Risiken von Arzneimitteln (Medikamente) wächst. „Auch wenn man Medikamente verordnet bekommt und in der richtigen Dosierung einnimmt, kann es gewisse individuelle Grundvoraussetzungen geben, die im absoluten Ernstfall zu einem solchen Ausgang für die Betroffenen führen können“, sagt Leberspezialist und Leitender Oberarzt mit Schwerpunkt Intensivmedizin, Priv.-Doz. Kai-Henrik Peiffer aus der Medizinischen Klinik B am UKM (Universitätsklinikum Münster).

Der verstorbene Patient hatte zu Hause rund eine Woche lang wegen Muskelschmerzen den Wirkstoff Metamizol (Novalgin) eingenommen. Zusätzlich einige Ibuprofen-Tabletten. Beides, das betonen seine Ärzte ausdrücklich, in der korrekten Dosierung. „Das Tückische ist, dass bei bestimmten genetischen Prädispositionen beide Medikamente für sich alleine genommen zu Leberkomplikationen führen können. Auch Wechselwirkungen sind untereinander möglich. Woran es im konkreten Fall genau gelegen hat, können wir rückwirkend nicht eindeutig identifizieren“, sagt der Intensivmediziner Dr. Johannes Lepper, Oberarzt der Klinik für Kardiologie I, Internistische Intensivmedizin.

Auch dass der Patient, der aus einer anderen Klinik wegen seines sich weiter verschlechternden Zustands zugewiesen worden war, sofort mit maximal intensivmedizinischen Maßnahmen behandelt wurde, konnten den rasanten Verlauf des Leberversagens nicht bremsen. „Weil sich ein fulminanter Verlauf abzeichnete, haben wir sofort alles in die Wege geleitet, um den Patienten für ein neues Organ auf die Lebertransplantationsliste setzen zu lassen“, sagt Priv.-Doz. Philipp Houben, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Allgemein, Viszeral- und Transplantationschirurgie und Bereichsleiter dort. Das sei innerhalb von nur vier Stunden gelungen – ein Rekordzeitraum, wie Houben betont. Am Ende verstarb der Patient aber wenige Stunden später.

Den behandelnden Ärzten ist es wichtig, zu vermitteln, dass sich Patientinnen und Patienten schon mit ersten Anzeichen eines Ikterus (Gelbsucht) unbedingt in Behandlung begeben sollten. „Sobald sich die Skleren (Augenbindehäute) und die Haut gelb verfärben und gegebenenfalls auch der Urin ungewöhnlich dunkel ist, sollten die Betroffenen unverzüglich handeln und eine Notaufnahme kontaktieren“, so der Appell aller drei, „Je schneller, desto besser.“ Das gilt auch für andere Fälle, in denen ein beginnender Ikterus anzeigt, dass die Leber in Gefahr ist, zum Beispiel bei Virusinfektionen, Alkoholmissbrauch oder dem Verzehr selbst gesammelter Pilze. Niemand könne die Dynamik eines Leberversagens sicher abschätzen, so die Warnung der Experten. Ohnehin überleben nur 15 Prozent der Patientinnen und Patienten unbehandelt eine solche schwere Episode.

Dr. Marius Janßen: Krieg in den Medien

Dr. Marius Janßen: Krieg in den Medien

Bild: Diplom-Psychologe Dr. Marius Janßen ist leitender Psychologe an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie des UKM. (Foto © UKM)

Wie Heranwachsende damit umgehen können

Am 24. Februar jährt sich der Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine zum zweiten Mal. In den Medien sind immer wieder Bilder dieses und auch aktuell anderer gewalttätiger Konflikte zu sehen, die für Kinder und Jugendliche zugänglich sind. Doch wie können Heranwachsende mit dieser Belastung umgehen, und wann ist professionelle Hilfe bei der Verarbeitung erforderlich? Diplom-Psychologe Dr. Marius Janßen, leitender Psychologe der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie am UKM (Universitätsklinikum Münster), hat dazu wichtige Einblicke geteilt.

Münster (ukm/ae) – Die Bilder von Krieg, verletzten Zivilistinnen und Zivilisten sowie zerstörten Städten in den Medien sind eindringlich und belastend, erklärt Dr. Marius Janßen. Kinder und Jugendliche können durch Nachrichtensendungen und Soziale Medien im Internet mit diesen verstörenden Inhalten konfrontiert werden. Besonders Heranwachsenden fällt es meist schwer, das Gesehene einzuordnen und zu verarbeiten. Stresssymptome wie erhöhte Reizbarkeit, starke Emotionen oder Alpträume könnten Anzeichen für die anhaltende Belastung durch die Bilder sein.

In solchen Situationen ist es wichtig zu erkennen, wann Kinder und Jugendliche im Umgang mit den Bildern vom Krieg Unterstützung benötigen, um dann richtig auf sie zuzugehen. „Wenn etwas Belastendes thematisiert wird, sollten die Eltern auf jeden Fall das Angebot machen, darüber zu sprechen und den Kindern auch Erklärungen an die Hand geben“, betont Janßen. Dabei gilt: Je jünger die Kinder sind, desto konkreter und einfacher sollten die Antworten ausfallen. Ein Beispiel dafür ist die Möglichkeit, ihnen in einer dem Alter der Kinder entsprechenden Weise genau zu erklären, wie bestimmte Situationen und Konflikte in anderen Ländern unser Leben und unseren Alltag beeinflussen oder auch nicht beeinflussen. Denn Kinder und Jugendliche haben ein großes Bedürfnis nach Sicherheit. Der gemeinsame Austausch kann dabei auch die Fähigkeit von Kindern und Jugendlichen verbessern, mit Kriegsbildern und den Eindrücken gewalttätiger Konflikte umzugehen. Wird hierfür den Kindern bewusst ein Raum geboten, können Stressbelastungen durch den Austausch besser reduziert werden.

Dr. Marius Janßen beschreibt im Video-Statement, wann Eltern sich professionelle Hilfe holen sollten, wenn ihren Kindern der Umgang mit Bildern von gewalttätigen Konflikten Probleme bereitet.

Wenn diese Symptome trotz gemeinsamer Gespräche und üblicher Bewältigungsstrategien bestehen bleiben, rät Janßen dazu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen: „Eltern sollten, wenn sie feststellen, dass ihr Kind anhaltend unter Stress steht und sich mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert sieht, professionelle Hilfe in Form von Beratungsstellen oder therapeutischer Unterstützung in Anspruch nehmen.“

Diplompsychologe Janßen unterstreicht die Bedeutung eines gesunden Umgangs mit belastenden Bildern für Kinder. „Der gesunde Weg bei Kindern mit schwierigen Bildern umzugehen, hängt von der Aufbereitung der Thematik durch die Eltern ab“, erklärt er. „Diese muss der Entwicklung des Kindes gerecht werden, also dem, was die Kinder in ihrer Welt schon verstehen und greifen können.“ Es sei wichtig, ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob die Kinder die Informationen verstehen können oder ob sie noch zu weit von ihrem Verständnis entfernt ist und wie viele Informationen sie benötigen. Neben dem persönlichen Austausch mit den Kindern und Jugendlichen können Eltern auch medienpädagogische Angebote wie Kindernachrichten nutzen, um altersgerechte Antworten zu finden.

Tanja Grammer ist die erste Professorin für Allgemeinmedizin an der Uni Münster

Tanja Grammer ist die erste Professorin für Allgemeinmedizin an der Uni Münster

Bild: Setzt sich für Versorgungsforschung und mehr Praxisbezug im Studium ein: Prof. Tanja Grammer leitet seit Dezember das neue Institut für Allgemeinmedizin der Universität Münster (Foto: Uni MS/M. Heine)

Münster (mfm/sw) – Für Professorin Tanja Grammer geht es „ab in den Norden“ – zumindest von ihrer letzten beruflichen Station aus betrachtet. Die gebürtige Oberösterreicherin aus Wels wurde zum Jahreswechsel an die Medizinische Fakultät der Universität Münster berufen und hat dort nun die erste Professur für Allgemeinmedizin inne. Damit verbunden ist die Leitung eines neu eingerichteten Instituts für das Fach. Was sie in Münster vorhat, worauf sie sich freut – und wie sie Studierende für einen Beruf als „Landärztin“ oder „Landarzt“ gewinnen und begeistern möchte, erzählt sie im Gespräch mit Stella Willmann.

Herzlich Willkommen an der Uni Münster – und in Westfalen. Worauf freuen Sie sich am meisten, sowohl was die Stadt als auch Ihre Tätigkeit an der Uni angeht?

Ich bin gerade erst berufen worden und muss leider aktuell noch pendeln, sodass ich von der Stadt noch nicht allzu viel sehen konnte. Aber das, was ich schon mitbekommen habe, gefällt mir sehr gut – ich denke, Münster ist eine sehr lebenswerte Stadt. Allerdings fällt mir die Orientierung noch nicht so leicht, weil hier alles so flach ist – da tut man sich schon mal schwer mit den Himmelsrichtungen. Was die Uni anbelangt, freue ich mich vor allem darüber, die Forschung in Allgemeinmedizin in Zusammenarbeit mit dem hausärztlichen Forschungspraxen-Netz am Standort aufzubauen, ein sehr kompetentes Team übernehmen zu können und an die bereits sehr gut vorhandene, moderne Lehrinfrastruktur anknüpfen zu können, wie das „Studienhospital Münster“ oder die LIMETTE.

Wo setzten Sie Ihre Forschungsschwerpunkte?

Mein Fokus liegt auf der epidemiologischen Forschung von Herz- Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. In meinen letzten Forschungsprojekten habe ich anhand von großen Studiendatenbanken untersucht, welche Biomarker – also welche charakteristischen biologischen Merkmale – mit bestimmten Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen verbunden sind. Anhand dessen habe ich zusammen mit einem interdisziplinären Team einen Risiko-Score entwickelt, der mittels der Biomarker vorhersagen soll, wie hoch das Risiko etwa von koronarer Herzkrankheit ist. Der nächste Schritt wären klinische Studien, damit die Verlässlichkeit des Scores weiter überprüft werden kann und um zu klären, ob der Score wirklich etwas für die Gesundheit der Patienten bringt und diese verbessern kann.

Wie können diese Schwerpunkte speziell in Münster vertieft werden?

Worauf ich mich hier besonders freue, ist eine eigens eingerichtete Forschungspraxis. Dabei handelt es sich um einen Ambulanzraum an der Uniklinik, in dem moderne diagnostische und therapeutische Verfahren unter Einbeziehung digitaler Geräte entwickelt werden – also letztlich neue Versorgungskonzepte, die in der Hausarztpraxis etabliert werden sollen. Mein Ziel ist, dass bewährte Prozesse unmittelbar bei den Kolleginnen und Kollegen in den Hausarztpraxen ankommen und dass diese das fertige Konzept direkt an die Hand bekommen, ohne mit der Entwicklung „behelligt“ zu werden.

Was ist für Sie das Besondere an der Allgemeinmedizin?

Die Allgemeinmedizin ist das wichtigste und größte Fach der Medizin und sichert die Grundversorgung der Bevölkerung – der Bedarf ist daher enorm, gerade auf dem Land. Ich möchte den Studierenden vermitteln, dass die Allgemeinmedizin ein tolles Fach ist: Das Gebiet ist vielfältig und bildet so gesehen die gesamte Palette der Medizin ab. Und: In keinem anderen Fach hat man so viel und so langen Kontakt mit den Patientinnen und Patienten. Als Hausärztin begleitet man seine Klientel häufig ein Leben lang, auf dem Land oft gesamte Familien – so fließt zusätzlich ein sozialer Aspekt in die Arbeit ein, der die Allgemeinmedizin zu einer Form ganzheitlicher Medizin macht. Das gibt einem als praktizierende Ärztin sehr viel!

Zum Thema Lehre: Was ist Ihnen besonders wichtig? Wie möchten Sie Studierende für die Allgemeinmedizin gewinnen?

Zunächst würde ich gerne allgemeinmedizinische Inhalte mehr ins Curriculum integrieren – und das von Beginn an. Außerdem möchte ich auf die hier schon vorhandenen Möglichkeiten zurückgreifen, die Lehre möglichst modern zu gestalten, etwa mit der LIMETTE, dem Studienhospital oder der Arbeit in Kleingruppen. Großen Wert lege ich ausserdem auf einen Praxisbezug: Ich möchte die Studierenden motivieren, auch auf dem Land in Hausarztpraxen hineinzuschnuppern und dort tätig zu werden, ärztliche Gesprächsführung zu üben, Untersuchungen durchzuführen und erste Therapieentscheidungen zu treffen.

Sie haben außerhalb von Deutschland – in Graz und Lyon – studiert. Was kann man sich von unseren Nachbarländern abgucken? Und worin kann Deutschland, speziell die Uni Münster, „bestechen“?

Gerade in Frankreich hat das Studium einen sehr hohen Praxisanteil – die Studierenden sind vormittags in Praxen oder der Klinik und so direkt am Patienten. Das hat mir schon damals sehr gut gefallen und könnte auch bei uns verbessert werden. Allerdings: Hier in Münster sind wir in dieser Hinsicht alles andere als schlecht aufgestellt – mit LIMETTE, Studienhospital & Co. ist der Praxisbezug für Studierende ebenso gewährleistet.

Zur Person: Nach dem Studium in Graz und Lyon hat Tanja Grammer ihre Facharztausbildung zur Allgemeinmedizinerin in Vöcklabruck, Oberösterreich und im Universitätsklinikum Graz absolviert. Anschließend ergänzte sie dies noch mit einer Facharztausbildung zur Laborärztin in Graz und Heidelberg. Ab 2010 war sie am Mannheimer Institut für Public Health (heute: Abteilung Allgemeinmedizin, Centrum für Präventivmedizin und digitale Gesundheit) tätig; von 2010 bis 2012 außerdem auch in eigener Praxis und seit 2022 als angestellte Hausärztin in Mannheim. In ihrer Habilitation widmete die 51-Jährige sich 2017 Biomarkern für oxidativen Stress in der kardiovaskulären Risikovorhersage – ein Thema, das bis heute einen Großteil ihrer Forschung ausmacht. Bis Ende 2023 in Baden-Württemberg beschäftigt, folgte sie im Dezember dem Ruf an die Uni Münster und übernahm die Leitung des neugegründeten Instituts für Allgemeinmedizin.
3D-Center: Implantate, Modelle und Instrumente nach Maß am „Point-of-Care“

3D-Center: Implantate, Modelle und Instrumente nach Maß am „Point-of-Care“

Bild: Nur mit dem Weitwinkel einzufangen: Der Spitzen der münsterschen Universitätsmedizin und die Betreuer des neuen 3D-Centers vor dessen Herzstück, einem 1,4 t schweren Großgerät (v.l.n.r.: Dipl.-Des. Max Tönnemann, PD Dr. Dr. Martin Schulze, Dekan Prof. Frank Ulrich Müller, Ärztl. Direktor Prof. Alex W. Friedrich, Kaufm. Direktor Dr. Christoph Hoppenheit) (Foto: Uni MS/M. Heine)

Eröffnung des 3D-Centers der münsterschen Universitätsmedizin

Münster (mfm/sw) – Der 3D-Druck ist schon fast im Alltag angekommen – und kann doch so viel mehr: zum Beispiel patientenindividuelle Implantate herstellen, ganze Organsysteme, wie das Herz und Teile der Hauptschlagader, abbilden oder individualisierte Bohr- und Sägeschablonen für Knochen für den Einsatz im OP drucken. Wie die Universitätsmedizin am Standort Münster die Zukunftstechnologie künftig für sich nutzen wird, zeigt die Eröffnung einer bundesweit einmaligen Einrichtung: Am Montag [19.02.] wurde das in die Experimentelle Orthopädie an der Medizinischen Fakultät integrierte „3D-Center“ offiziell in Betrieb genommen. Das Center, ist das bislang rund eine Million Euro geflossen ist, soll Kompetenzen und Wissen rund um den 3D-Druck bündeln und so für die medizinische Forschung – und in der Folge für die reguläre Patientenversorgung – verfügbar machen.

Was alles möglich ist, wie das Produkt in den Drucker und wieder herauskommt, steril an den OP-Tisch gelangt und wie sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Patienten profitieren, weiß kaum jemand besser als Center-Leiter PD Dr. Dr. Martin Schulze, der als Arzt und Ingenieur zusammen mit Projektleiter Dipl.-Des. Max Tönnemann das 3D-Center managt. „Bislang verfügten zwar schon einige Abteilungen der Unimedizin über eigene Drucker – allerdings fehlt oft das spezifische Know-how“, so Schulze. Was vor weit mehr als einem Jahrzehnt als Idee mit einem kleinen tragbaren 3D-Drucker für den Schreibtisch und einfachen Knochenmodellen begann, wird nun mit einem ganzen 3D-Center Teil der Digitalen Transformation und ergänzt moderne Verfahren wie Robotik in der Medizin – eine echte Zukunftstechnologie, die auch allen anderen Fachdisziplinen der Universitätsmedizin dienen soll. Allerdings: „Der 3D-Druck als solcher ist nur so gut wie die Köpfe dahinter. Um unseren Kolleginnen und Kollegen konkrete Einsatzmöglichkeiten an die Hand zu geben, die auch wirklich helfen, soll das Center ihnen zeigen, was ‚drin ist‘“, sagt der Leiter der Einrichtung.

Bereits im Jahr 2022 begannen die Vorbereitungen für die beiden neuen Drucker, von denen der kleinere schnell in Betrieb ging. Mit der Anlieferung und Installation des 1,4 Tonnen schweren Großgerätes als Herzstück begann im Sommer 2023 die heiße Phase: Aufwändige Planungen und Umbauarbeiten bei den Räumlichkeiten der Klinik für Allgemeine Orthopädie waren notwendig und zeitweise musste ein Teil der Fassade entfernt werden. Sieben Monate später ist das Zentrum nun im ersten Ausbauschritt einsatzbereit. Eine stets konstante Temperatur von 21 Grad und eine spezifische Luftfeuchtigkeit: Das sind nur einige der Punkte, die für ein qualitativ hochwertiges Ergebnis erfüllt sein müssen. Aufgrund der verschiedenen Drucktechniken, die auf keinen Fall miteinander „in Berührung“ kommen dürfen, ist auch eine räumliche Trennung notwendig: Während der eine Drucker Kunststoff auf einer Pulverbasis verarbeitet, arbeitet der andere mit Flüssigkeit. Um eine Kontamination in jedem Fall zu verhindern, sind die Drucker in verschiedenen Bereichen der Uniklinik verortet, wo den jeweiligen Anforderungen – etwa an Licht und Raumtemperatur – Rechnung getragen werden kann.

3D-Center: Ein Superlativ noch obendrauf: Die 3D-Center ist die erste Einrichtung weltweit, die den strengen Anforderungen der Norm ISO/ASTM 52920 entspricht und Medizinprodukte am „Point of Care“, also in unmittelbarer Nähe der Patientenversorgung, herstellen und verwenden darf. Dipl.-Ing. Gregor Reischle (l.) überreichte PD Dr. Dr. Martin Schulze (M.) und Dipl.-Des. Max Tönnemann das Zertifikat (Foto: Uni MS/M. Heine)

Ein Superlativ noch obendrauf: Die 3D-Center ist die erste Einrichtung weltweit, die den strengen Anforderungen der Norm ISO/ASTM 52920 entspricht und Medizinprodukte am „Point of Care“, also in unmittelbarer Nähe der Patientenversorgung, herstellen und verwenden darf. Dipl.-Ing. Gregor Reischle (l.) überreichte PD Dr. Dr. Martin Schulze (M.) und Dipl.-Des. Max Tönnemann das Zertifikat (Foto: Uni MS/M. Heine)

Die umfangreichen Vorarbeiten tragen Früchte: Das 3D-Center entspricht den strengen gesetzlichen Anforderungen an die Qualitätssicherung, sodass die druckfrischen Modelle unmittelbar im OP-Saal genutzt werden können. Der Vorteil: „Dass die Behandelnden die Modelle nicht nur zu Übungs- oder Demonstrationszwecken nutzen, sondern sich mit ihrer Hilfe auch während einer laufenden Operation der Arbeitsschritte vergewissern können, zum Beispiel bei einem Eingriff am Becken, erlaubt ein hoch präzises und minimalinvasives Arbeiten. So schaffen wir ein maximales Maß an Sicherheit – für Patienten und ihre Behandelnden“.

Der nächste Schritt ist schon in Planung: Er besteht in Instrumenten, die individuell auf die Patienten zugeschnitten sind. „Mit solchen maßgeschneiderten Instrumenten, wie individuell an die Knochen des Patienten angepasste Zielinstrumenten, sind Säge- und Bohrschritte in präzisem Winkel durchführbar und lassen sich die Schrauben zur stabilen knochenschonenden Implantatverankerung optimal eindrehen. Dadurch sind komplexe Eingriffe, beispielsweise komplizierte Operationen bei Knochentumoren oder auch schwierige Knochenbrüche, deutlich sicherer“, erklärt Schulze. Zwar könne auch die Industrie solche Instrumente entwickeln, „allerdings dauert das seine Zeit – für dringliche Fälle und Notfälle ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Klinik besser aufgestellt“, räumt er ein. Auf lange Sicht sollen auch Implantate hergestellt und genutzt werden können – dafür ist bereits ein weiterer Förderantrag auf dem Weg.
Finanziert wurde das Projekt zum Großteil durch das „REACT“-Programm der EU und die dahinterstehenden Fördergelder. Schulze ergänzt: „Auch ohne eigene ergänzende Mittel der Klinik für Orthopädie, der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums wäre ein solch großes Vorhaben nicht zu realisieren gewesen“. Unterstützt und koordiniert wurde die Beantragung durch das münstersche Unternehmen InnoCoding GmbH. Gerade rechtzeitig zur offiziellen Eröffnung wurde nun der erste additive Fertigungsprozess zertifiziert – womit die münstersche Universitätsmedizin über die erste Klinik weltweit verfügt, die den strengen Anforderungen der Norm ISO/ASTM 52920 entspricht und Medizinprodukte am „Point of Care“, also in unmittelbarer Nähe der Patientenversorgung, herstellen und verwenden darf.

3D-Center: Die „Erzeugnisse“ des 3D-Centers werden für sowohl für Forschung und Lehre als auch für den klinischen Einsatz verwendet (Foto: Uni MS/M. Heine)

Die „Erzeugnisse“ des 3D-Centers werden für sowohl für Forschung und Lehre als auch für den klinischen Einsatz verwendet (Foto: Uni MS/M. Heine)
Dr. Carolin Kreis: Neue ärztliche Leitung im MVZ Lüdinghausen

Dr. Carolin Kreis: Neue ärztliche Leitung im MVZ Lüdinghausen

Bild: Dr. Carolin Kreis ist die ärztliche Nachfolgerin von Dr. Jörg Siebert in der CHIP am St. Marien-Hospital. (Foto © St. Marien-Hospital Lüdinghausen)

Dr. Carolin Kreis übernimmt nach Dr. Jörg Siebert die Leitung der Chirurgischen Praxis (CHIP)

Lüdinghausen – „Es ist uns eine große Freude, dass die Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie spezielle Unfallchirurgie, Frau Dr. Carolin Kreis, die ärztliche Leitung der Praxis für Chirurgie im Medizinischen Versorgungszentrum (CHIP) seit Januar übernommen hat. Sie tritt die Nachfolge von Dr. Jörg Siebert an, der in den wohlverdienten Ruhestand geht“, sagt der Geschäftsführer des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Lüdinghausen, Johannes Simon.

Dr. Carolin Kreis bringt eine beeindruckende Expertise in der Orthopädie und Unfallchirurgie mit. Vor ihrer Tätigkeit in Lüdinghausen war Frau Kreis mehrere Jahre als Fachärztin und Oberärztin tätig und agierte als DRG-Beauftragte in der Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Münster. „Ihre Fachkenntnis und ihr organisatorisches Geschick machen Frau Dr. Kreis zur idealen Wahl für die Ärztliche Leitung der chirurgischen Praxis“, begründet Simon die Verpflichtung der Medizinerin. Die CHIP im MVZ des St. Marien-Hospitals Lüdinghausen ist eine wichtige Anlaufstelle für chirurgische Behandlungen und Versorgungen in der Region. Mit Dr. Kreis als Ärztlicher Leitung und gemeinsam mit dem Team, bestehend aus fünf weiteren Fachärztinnen und Fachärzten aus den Fachbereichen Orthopädie und Unfallchirurgie, Allgemein- und Viszeralchirurgie und Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, wird die Praxis weiterhin hochwertige und patientenzentrierte Versorgung anbieten. Dr. Kreis und ihr Team im MVZ Lüdinghausen freuen sich gemeinsam, das Leistungsspektrum in der Diagnostik und Therapie chirurgischer Erkrankungen zu erweitern. Die hochqualifizierten Fachkräfte bieten eine breite Palette von konservativen und operativen Therapien an, um die Gesundheit der Patientinnen und Patienten zu fördern und zu erhalten.

Zu den angebotenen Versorgungsleistungen gehören unter anderem die Behandlung akuter Verletzungen des gesamten muskuloskelettalen Systems inklusive Röntgen- und Ultraschalldiagnostik. Darüber hinaus die Diagnose und Behandlung von Bauchdecken- und Leistenbrüchen sowie die Vor- und Nachbehandlung operativer Patienten sowohl aus dem St-Marien Hospital, als auch aus allen umliegenden Kliniken.

„Daneben sind handchirurgische Eingriffe und die Behandlung aller Stadien der Arthrose inklusive der Endoprothetik aller großen Gelenke und Sportverletzungen einer der Hauptschwerpunkte in unserer Praxis“, erklärt die Nachfolgerin von Dr. Jörg Siebert, Dr. Carolin Kreis. „Zusätzlich bieten wir ein breites Spektrum plastisch-chirurgischer Eingriffe an, um unseren Patienten ein Höchstmaß an Komfort und Sicherheit zu gewährleisten.“

Neu im Leistungsspektrum sei auch die Proktologie zur Früherkennung von Darmkrebs und anderen proktologischen Erkrankungen. „Die Kolleginnen und Kollegen vom MVZ Lüdinghausen sind stolz darauf, unseren Patienten eine umfassende und hochmoderne Versorgung anbieten zu können. Wir freuen uns, bei medizinischen Bedürfnissen zu helfen und stehen jederzeit für Fragen zur Verfügung“, so der Geschäftsführer des MVZ, Johannes Simon. „Dr. Jörg Siebert danken wir für seine langjährige engagierte Arbeit und seinen Beitrag zum Erfolg der Praxis sehr herzlich und wünschen ihm alles Gute im Ruhestand.“

Prof. Suwelack: Transplantationsgesetz ist nicht mehr zeitgemäß

Prof. Suwelack: Transplantationsgesetz ist nicht mehr zeitgemäß

Bild: Prof. Barbara Suwelack ist kürzlich in den Vorstand der Deutschen Transplantationsgesellschaft gewählt worden ist. Sie ist zudem ehemalige leitende Oberärztin der Transplantationsnephrologie (Nierentransplantation) am UKM und Leiterin des in Münster ansässigen Deutschen Lebendspende Registers. (Foto © UKM)

„2024 wird ein wichtiges Jahr für die Transplantation und für die Lebendorganspende“, sagt Prof. Barbara Suwelack. Die Leiterin des Deutschen Lebendspende Registers, das 2019 in Münster entstanden ist, blickt gespannt auf mögliche Änderungen wie die Widerspruchslösung und die Aufhebung des „Verbundenheits-“ und des „Subsidiaritätsprinzips“.

Münster (ukm/lwi) – Wenig Spender, lange Wartezeiten für Betroffene. Wer in Deutschland auf ein Spenderorgan wartet, steht im europäischen Vergleich statistisch eher mittelmäßig dar. Die Gründe dafür sind vielseitig, doch einige der Stellschrauben könnten in diesem Jahr vom Gesetzgeber bewegt werden. „Nach 25 Jahren ist das Transplantationsgesetz in seiner jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß“, sagt Prof. Barbara Suwelack, die im Oktober in den Vorstand der Deutschen Transplantationsgesellschaft gewählt worden ist. Die ehemalige leitende Oberärztin der Transplantationsnephrologie (Nierentransplantation) am UKM (Universitätsklinikum Münster), die vor zwei Jahren zum (eigentlichen) Ruhestand die Patientenversorgung an ihren Nachfolger Prof. Stefan Reuter übergeben hat, setzt sich in dieser neuen Vorstandsrolle, aber auch in ihrem Amt als Leiterin des Deutschen Lebendspende Registers, das seit 2019 in Münster ansässig ist, stark für eine Reform des Transplantationsgesetzes ein. Entsprechend gespannt blickt sie auf mögliche Gesetzesänderungen, die derzeit im Bundesgesundheitsministerium erarbeitet werden. Einen Bereich stellt dabei eine Umstellung von der Entscheidungs- auf eine Widerspruchslösung dar, die bedeuten würde, dass alle Menschen in Deutschland nach Feststellung des Hirntodes als potenzielle Organspender gelten, sofern sie nicht selbst aktiv zu Lebzeiten widersprochen haben, oder von den Angehörigen ein ihnen bekannter Widerspruch übermittelt wird. Das würde die Arbeit in den Kliniken vielerorts erleichtern. So sind allein am UKM viele Mitarbeitende als Organspendebeauftragte der jeweiligen Klinik, etwa in der Inneren Medizin, Chirurgie und Intensivmedizin, im Einsatz. Zudem gibt es mit Dorothee Lamann und Dr. Jan Englbrecht klinikübergreifende Transplantationsbeauftragte. „Im Idealfall gäbe es dadurch einen klareren Überblick über die Entscheidung von potenziellen Spendern“, sagt Suwelack. Heute müssen häufig die Hinterbliebenen entscheiden, weil nicht bekannt ist, ob und wie die Verstorbenen sich zur Organspende positioniert haben. In vielen Fällen lehnen die Angehörigen eine Spende in dieser schwierigen Situation dann ab.

Ein weiterer Wunsch: „Wir sehen insbesondere der Abkehr vom »Subsidiaritätsprinzip« hoffnungsvoll entgegen“, sagt Suwelack mit Blick auf die Versorgung nierenkranker Menschen. Derzeit ist die Lebendorganspende der Spende von Verstorbenen nachgeordnet. Betroffene müssen erst bei Eurotransplant, der Vermittlungsstelle für Organspenden, gelistet sein und eine Lebendnierenspende darf erst erfolgen, wenn es dort kein Organangebot eines Verstorbenen gibt. „Das Nachrangigkeitsprinzip sollte ursprünglich den Spendenden schützen, aber warum sollten Lebendspender nicht freiwillig und gegebenenfalls altruistisch spenden können und so die Eurotransplant-Warteliste und damit auch die Gemeinschaft entlasten?“, fragt Suwelack. Schließlich hätten nicht alle Erkrankten einen passenden Lebendspender. Zur Einordung: Von 10.454 Nierenerkrankten in der Warteliste haben im Jahr 2023 1514 Personen eine Niere von einer verstorbenen Person erhalten und 608 weitere Transplantationen sind nach Lebendspenden realisiert worden.

Erweiterung des Spenderkreises in vielen Ländern Europas schon üblich

Ein weiteres – und aus Sicht von Suwelack überholtes – Prinzip ist das der Verbundenheit: Wer hierzulande eine Niere spenden möchte, muss mit dem Empfänger in einem verwandtschaftlichen oder besonders nahen Verhältnis stehen. Zeichnet sich jedoch ab, dass das Spender-Empfänger-Paar immunologisch nicht zueinander passt und die erkrankte Person die Niere abstoßen würde, ist schnelle Hilfe auf diesem Weg nicht mehr möglich. Die Ablehnungsquote bei der Lebendspende ist daher hoch. Abhilfe könnten hier Über-Kreuz-Lebendspenden (Cross-Over-Spenden) schaffen. Eine Nierenspende ist dabei nicht nur unter sich nahestehenden Menschen möglich, sondern auch kreuzweise zwischen zwei fremden, passenden Paaren. Ziel sei eine Erweiterung des Spenderkreises und eine Erhöhung der Spendenzahlen bei der Lebendorganspende in Deutschland, so wie in den meisten EU-Ländern bereits üblich, betont Suwelack. Wie bei allen Lebendspenden entscheiden sich auch bei der Cross-Over-Spende alle Beteiligten bewusst, individuell und freiwillig dafür.

Lebendspender nicht vergessen

„Wir dürfen die Lebendspender nicht vergessen, müssen vordringlich ihren Schutz garantieren und eine gute Nachsorge gewährleisten“, erinnert Suwelack. Dazu trage vor allem das Deutsche Lebendspende Register bei. „Das Register bietet erstmals valide Daten zum Langzeit-Outcome und zu den Risiken der Lebendspende. Weltweit einzigartig ist, dass auch wichtige psychosoziale Aspekte der Lebendspende erfasst werden. Nur mithilfe dieser Daten können wir eine umfängliche individualisierte Aufklärung für Lebendspender bieten und Risiken vermeiden“, sagt Suwelack. Da die Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit dem Jahr 2024 ausläuft, wird aktuell mit Hochdruck nach Verstetigungsmöglichkeiten gesucht.

Weitere Informationen zum Thema unter Organspende | Uniklinik Münster (ukm.de) und auf den Seiten des Deutschen Lebendspende Registers SOLKID-GNR Start (uni-muenster.de).