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Laienreanimation: Prof. Hugo Van Akens Engagement trägt Früchte

Laienreanimation: Prof. Hugo Van Akens Engagement trägt Früchte

Bild: Schulministerin Dorothee Feller und Prof. Dr. Dr. h.c. Hugo Van Aken bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zur verpflichtenden Einführung von Reanimationsunterricht ab dem Schuljahr 2026/27. (© Foto by Mark Hermenau)

Nach dem langjährigen Einsatz vieler Personen und Institutionen des Rettungswesens sowie des Münsteraner Mediziners Hugo Van Aken für die Verankerung der Laienreanimation im NRW-Schulcurriculum wurde gestern in Düsseldorf die entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Diese sieht die verpflichtende Einführung der Laienreanimation ab dem Schuljahr 2026/27 in allen allgemeinbildenden Schulen Nordrhein-Westfalens ab Klasse 7 vor. Schulministerin Dorothee Feller hatte sich zuletzt intensiv für die Umsetzung noch in dieser Legislaturperiode eingesetzt.

Münster (ukm/maz) – Prof. Dr. Dr. h.c. Hugo Van Aken benötigt nur einen Satz, um das Ergebnis der gestrigen Sitzung des Arbeitskreises Laienreanimation zusammenzufassen: „Ein Traum wird wahr!“ Seit fast 20 Jahren hat sich der heute 74-Jährige für das Thema eingesetzt. „Ich bin Frau Ministerin Dorothee Feller und Ministerpräsident Hendrik Wüst ausgesprochen dankbar, dass sie nun diese so wichtige Entscheidung getroffen haben, die nachweislich Leben retten wird“, sagt Van Aken.

Schließlich sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: Durch Laienreanimation steigt die Überlebensrate von 10 % auf 20–30 %. In Deutschland könnten so jährlich etwa 7.000–14.000 Menschenleben gerettet werden, erklärt der Mediziner. Beim plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand komme der Rettungsdienst flächendeckend oft zu spät, aber in vielen Fällen sei eine weitere Person anwesend, die helfen könnte. In Deutschland tun dies laut Studienlage jedoch nur 50,6 %, in den Niederlanden und den skandinavischen Ländern sind es hingegen 75 %.

Das Problem ist die Hemmschwelle. Trotz umfangreicher Aufklärungskampagnen haben viele Menschen nach wie vor Angst, etwas falsch zu machen. „Und deshalb ist der Ansatz im Kindes- und Jugendalter so wichtig. Denn wie heißt es so treffend im Volksmund: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“, sagt Hugo Van Aken. Fehler gebe es bei der Wiederbelebung nicht – außer einen ganz entscheidenden: das Nichtstun.

Bereits im Jahr 2006 initiierte Van Aken am UKM (Universitätsklinikum Münster) das Projekt „Schüler werden Lebensretter“. Zu diesem Zeitpunkt war Deutschland mit einer Quote von 22 % bei der Laienreanimation Schlusslicht in der EU. Ein Höhepunkt dieses Engagements war der Weltrekordversuch im Jahr 2013 in Münster, bei dem über 12.000 Schülerinnen und Schüler gleichzeitig in Wiederbelebungsmaßnahmen geschult wurden. Dies sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Seitdem ist das Projekt regelmäßig im münsterschen Stadtbild präsent. Das Klinikum unterstützt dieses Vorhaben intensiv, insbesondere durch Dr. Gunther Joos, der als Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am UKM Experte für die klinische Akut- und Notfallmedizin ist. Wissenschaftlich untermauert wurde die Bedeutung der frühzeitigen Schulung durch eine Studie, an der Van Aken maßgeblich beteiligt war. Diese zeigte, dass regelmäßiger Reanimationsunterricht ab dem 10. Lebensjahr effektiv ist und die Überlebensrate nach Herzstillstand signifikant erhöht.

Schulministerin Dorothee Feller (vorne Mitte) hat gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Stiftungen, Ärztekammern, Hilfsorganisationen, ärztlichen Partnerinnen und Partnern und medizinischen Fachgesellschaften – darunter Prof. Dr. Dr. h.c. Hugo Van Aken (vorne links) eine Initiative zur Verankerung der Laienreanimation im Schulalltag auf den Weg gebracht. © Foto Mark Hermenau

Bild: Schulministerin Dorothee Feller (vorne Mitte) hat gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Stiftungen, Ärztekammern, Hilfsorganisationen, ärztlichen Partnerinnen und Partnern und medizinischen Fachgesellschaften – darunter Prof. Dr. Dr. h.c. Hugo Van Aken (vorne links) eine Initiative zur Verankerung der Laienreanimation im Schulalltag auf den Weg gebracht. (© Foto by Mark Hermenau)

Meilensteine hat Hugo Van Aken, emeritierter Klinikdirektor der Anästhesie sowie ehemaliger Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des UKM und Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, in den Jahren viele erlebt. Ein Beispiel ist der Runderlass der damaligen NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann im Jahr 2017 zur Laienreanimation an Schulen. Dieser basierte jedoch auf einer freiwilligen Teilnahme, ebenso wie der Runderlass von Nachfolgerin Yvonne Gebauer im Jahr 2021. Immerhin, so Van Aken, wurde 2019 die verpflichtende Teilnahme für Lehrerinnen und Lehrer bundesweit beschlossen und auch vom BGH unterstrichen. Trotz dieser Erfolge blieb die verpflichtende Aufnahme ins Curriculum aus – bis jetzt.

„Mit der Unterzeichnung wird ein entscheidender Schritt zur flächendeckenden Einführung der Laienreanimation an Schulen getan“, betont Dorothee Feller, Ministerin für Schule und Bildung in Nordrhein-Westfalen. Das Projekt „Prüfen – Rufen – Drücken“ bildet die Grundlage für die Integration in den Schulalltag. Neben dem Erlass des Ministeriums sind vor allem Sponsoren für die Schulungen und die dafür notwendigen Materialien erforderlich. Das Projekt wird daher durch zahlreiche Partner aus den Bereichen Stiftungen, Ärztekammern, Hilfsorganisationen, ärztliche Partnerinnen und Partner sowie medizinische Fachgesellschaften gefördert. Feller weiter: „Dieses Bündnis zeigt, was möglich ist, wenn verschiedene Institutionen mit unterschiedlichen Beiträgen ein gemeinsames Ziel verfolgen.“

Für die Schulen der Bezirksregierung Münster wird die Stiftung Universitätsmedizin Münster in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Westfalen-Lippe die Unterrichtung der Lehrkräfte koordinieren. „Wir haben hier in der Region eine sehr engagierte ehrenamtlich tätige Ärzteschaft. Das hat sich besonders in der Zeit der Corona-Impfungen gezeigt und viele freuen sich bereits jetzt darauf, dieses wichtige Projekt unterstützen zu können“, so Hugo Van Aken, Vorstandsvorsitzender der Stiftung.

VR-Brille: Das Körperinnere sehen und verstehen

VR-Brille: Das Körperinnere sehen und verstehen

Bild: Alexander Ewen (l.) ist Glioblastom-Langzeitüberlebender. Er hat sich von Prof. Markus Holling, stellv. Direktor der Klinik für Neurochirurgie, anhand von MRT-Bildern und mit Hilfe der VR-Brille virtuelle Eindrücke seines Gehirns zeigen lassen. (© Foto by UKM)

Wie medizinisches Personal und Betroffene am UKM von VR-Brillen profitieren

Wie fühlt es sich an, das eigene Gehirn in 3D zu sehen? Am UKM ermöglichen Virtual-Reality-Brillen einen völlig neuen Blick ins Körperinnere – dreidimensional, beweglich und fast greifbar. Neurochirurg Prof. Markus Holling setzt die Brillen ein, um komplizierte Eingriffe besser zu erklären und gemeinsam zu planen – Hirntumor-Patienten Alexander Ewen ist als Betroffener beeindruckt: „Für Laien ist die virtuelle 3D-Sicht Gold wert.“

Münster (ukm/lwi) – Von außen betrachtet sieht es natürlich seltsam aus, wenn Prof. Markus Holling, mit einem Controller in jeder Hand und einer Virtual Reality (VR)-Brille auf dem Kopf seltsam gestikulierend im Raum steht. Für ihn, der in die Brille blickt, ergibt jede Bewegung aber durchaus Sinn. Er sieht, zoomt, dreht und bewegt, was bislang in dieser Form normalerweise nicht zu sehen ist: Dreidimensionale Bilder aus dem Körperinneren. Ob aus dem Ultraschall, MRT oder CT – sämtliche radiologische Aufnahmen werden in der Regel nur zweidimensional auf Bildschirmen dargestellt. Das Übersetzen in räumliche Maße obliegt der Vorstellungskraft und Erfahrung der Betrachtenden. „In der VR Brille wird ein 3D-Modell von diesen Bildern erstellt, das sich virtuell räumlich darstellen, drehen, vergrößern und schichten lässt“, sagt Holling, der stellvertretender Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster) ist.

Neben ihm sitzt ein Mann, den das auch interessiert. Alexander Ewen ist kein Mediziner, aber technikbegeistert und langzeitüberlebender Glioblastom-Patient. 2016 wurde der häufigste bösartige Hirntumor bei ihm entdeckt. Seitdem ist der 54-Jährige an der Uniklinik Bonn in Behandlung, hat den Tumor dort entfernen lassen und ist entgegen der Statistik seither frei von einem Rezidiv (also einem Wiederauftreten des Tumors). Er hat im Rahmen einer Krebs-Patienten-Messe von der Technik am UKM erfahren und ein Treffen mit Holling organisiert, um sich sein Gehirn durch die VR-Brille zeigen zu lassen. Nach über 30 MRT-Aufnahmen mit vielen Aufklärungsgesprächen ist der neue Blick auf seine Bilder für ihn etwas Besonderes. „Es ist krass“, sagt Ewen. „Es wird viel deutlicher als in zwei Dimensionen, bei denen man als Laie nicht viel erkennt und bei denen man durch die einzelnen Schichten durchwandern muss. Für Laien ist die virtuelle 3D-Sicht Gold wert“

Doch warum entsteht aus einer Aufnahme oder Diagnose überhaupt ein immersiver Eindruck für Patientinnen und Patienten? „Die Brillen ermöglichen es uns damit, dem Informationsbedürfnis von Betroffenen viel besser nachzukommen“, spricht Holling aus seiner alltäglichen Erfahrung. „Das ist natürlich nicht für alle etwas, aber den vielen Patientinnen und Patienten, die sich diese Art der Aufklärung wünschen, kann es helfen, Ängste abzubauen. Sie können ihre Erkrankung oder bevorstehende Eingriffe visuell nachvollziehen, dadurch besser verstehen und so ihr Verhalten und damit auch die Genesung positiv beeinflussen.“

Patientinnen und Patienten, bei denen Behandlungen mit Bildern aufwändig erklärt werden müssen, werden am meisten profitieren. Da eignet sich die Neurochirurgie genauso, wie z.B. die Leberchirurgie. Dementsprechend befinden sich die zehn VR-Brillen, die derzeit am UKM im Einsatz sind, sowohl in der Neurochirurgie als auch in der Allgemeinchirurgie und stehen allen anderen Kliniken grundsätzlich zur Verfügung. Dort sind sie aber keineswegs nur für Patientinnen und Patienten gedacht, sondern eröffnen auch dem medizinischen Personal völlig neue Wege in der interdisziplinären Zusammenarbeit – datenschutzkonform und dank WLAN ortsunabhängig. Ärztinnen und Ärzte aus (örtlich) verschiedenen Bereichen, können sich so gemeinsam in eine „Session“ einklinken, Kommentare an die Aufnahme anfügen, Ausmessungen vornehmen oder Operationsschritte visualisieren, kurz: Hochkomplexe Eingriffe lassen sich künftig noch besser planen, erklären und im interdisziplinären Austausch bewerten. Die Bilder und Gespräche eines solchen virtuellen Treffens können die Brillen aufzeichnen. Diese Aufnahmen wiederum lassen sich anschließend nicht einfach nur anschauen, sondern es kann von dort aus auch nahtlos zur weiteren Bearbeitung auf das Originalmodell zugegriffen werden.

„Das die Brillen viele neue Möglichkeiten für schnelle und unkomplizierte Zusammenarbeit. Aber auch für die Aus- und Weiterbildung jüngerer Kolleginnen und Kollegen sind sie Brillen extrem hilfreich“, sagt Holling und gibt einen Ausblick auf die Zukunft. „Perspektivisch werden die Brillen wahrscheinlich den Bogen von der Aufklärung über die operative Vorbereitung und Therapie bis zu den Kontrolluntersuchungen schlagen und damit allen Beteiligten nützlich sein.“

Kopfsprung ins Krankenhaus

Kopfsprung ins Krankenhaus

Bild: Oberarzt Dr. Panagiotis Fistouris (r.) und Janik Schäfer freuen sich, dass der schnelle Eingriff Schlimmeres verhindert hat. (© Foto by Alexiander)

Kopfsprung in den Kanal hätte fast im Rollstuhl geendet

Münster – Der Sommer ist da und mit ihm zahllose Menschen, die den Dortmund-Ems-Kanal oder andere Gewässer als kostenloses Freibad nutzen. Doch die so friedlich wirkenden Gewässer bergen Gefahren, das wissen Janik Schäfer und Maximilian Schiller inzwischen besser, als ihnen lieb ist. Der Sprung ins kühle Nass hätte für die jungen Männer fast ein Leben im Rollstuhl zur Folge gehabt.

„Unabhängig voneinander sind die beiden im Abstand von nur zwei Stunden zu uns in die Notaufnahme des Clemenshospitals gekommen. Beide mit schweren Verletzungen an der Wirbelsäule, die sofortiges Handeln erforderten“, berichtet Dr. Panagiotis Fistouris, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie des Krankenhauses aus dem Alexianer-Verbund. Während Schäfer beim Sprung aus einem Schlauchboot abrutschte und mit dem Kopf auf einem Stein aufschlug, war es bei Schiller der Kopfsprung von der Spundwand, der fatale Folgen hatte. „Fünf Meter neben mir sind die Leute auch problemlos von der Spundwand in den Kanal gesprungen, an meiner Stelle war das Wasser aber weniger tief, das konnte man vom Ufer aus nicht sehen“, berichtet der 25-Jährige.

Große Kopfplatzwunden schienen bei beiden Unfallopfern zunächst das Hauptproblem zu sein. Der Notarzt, der Janik Schäfer im Rettungswagen begleitete, wurde jedoch hellhörig, als sein Patient über zusätzliche Nackenschmerzen klagte. „Sofort sagte er dem Fahrer, dass es sicherer sei, in das Clemenshospital zu fahren, das über eine Klinik für Neurochirurgie verfügt“, erinnert sich der 26-Jährige. Das war vermutlich sein Glück. „Vom Schockraum wurde der Patient erst in den CT und von dort sofort in den OP gebracht. Der sechste Halswirbelkörper war an mehreren Stellen gebrochen und das empfindliche Rückenmark verschoben. Der Zeitfaktor war hier sehr wichtig, damit der Patient keine Querschnittlähmung erleidet“, berichtet Fistouris.

Während eines komplizierten Eingriffs wurde der zerstörte Wirbelkörper vorne entfernt, durch einen künstlichen aus Titan ersetzt und von hinten gegenstabilisiert. Das Rückenmark wurde so wieder in die richtige Achse gebracht. Bei Maximilian Schiller konnte der gebrochene Wirbelkörper der Brustwirbelsäule mit Schrauben und Metallstäben hinten stabilisiert werden. Jetzt liegen beide im selben Zimmer des Clemenshospitals und sehen ihrer Entlassung entgegen. „Ich werde nie wieder einen Kopfsprung machen“, ist sich Schiller sicher.

„Wir erleben in jedem Jahr während der Sommermonate solche oder ähnliche Unfälle, die von Kopfsprüngen in den Kanal oder andere Gewässer herrühren“, berichtet die Chefärztin der Klinik für Neurochirurgie des Clemenshospitals, Prof. Dr. Uta Schick. Eindringlich plädiert sie dafür, nicht in ein unbekanntes Gewässer zu springen, die Gefahr sei viel zu groß.

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