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Alzheimer: Neue Therapien mit Amyloid-Antikörper

Alzheimer: Neue Therapien mit Amyloid-Antikörper

Bild: Conrad (l.) singt mit einer Patientin ein Lied, während Professor Spaghetti (r.) es auf seiner Clownsorgel spielt. (© Foto by UKM)

Amyloid-Antikörper können Fortschreiten der Erkrankung verzögern

Zum Jahreswechsel gibt es ermutigende Nachrichten aus der Alzheimer-Forschung: Mit Lecanemab und Donanemab stehen erstmals zwei Wirkstoffe zur Verfügung, die gezielt an einer der Hauptursachen der Erkrankung ansetzen. Als Amyloid-Antikörpertherapien entfernen sie krankhafte Eiweißablagerungen im Gehirn, die sich bei der Alzheimer-Krankheit anreichern und dort im Verlauf Nervenzellen schädigen. Für Betroffene im Frühstadium der Krankheit markieren die neuen Therapien einen medizinischen Meilenstein – wie die Geschichte des ersten am UKM behandelten Patienten zeigt.

Münster (ukm/aw) – Nikolaus Fuhrmann heißt der erste Patient, der im November am UKM (Universitätsklinikum Münster) die Infusionstherapie mit dem Wirkstoff Lecanemab beginnen konnte. Der 75 Jahre alte Münsterländer bekam die Diagnose Alzheimer eher zufällig, als bei ihm mit Verdacht auf Schlaganfall eine Liqourdiagnostik angeordnet wurde angeordnet wurde. Diese Analytik ergab, dass die Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung gestellt wurde. Nur kurze Zeit später zeigten sich bei Fuhrmann die ersten Symptome: „Ich entwickelte Wortfindungsstörungen. Mein Neurologe hat mir dann den Tipp gegeben, mich hierher zu wenden“, erinnert sich Nikolaus Fuhrmann.

Ob eine Gabe von Lecanemab oder Donanemab in Frage kommt, muss in zeitaufwendigen Untersuchungen geklärt werden. Unter anderem wird vor Therapiebeginn eine genetische Untersuchung des sogenannten ApoE-Gens durchgeführt – eine Variante dieses Gens, die etwa fünfzehn Prozent der Menschen mit Alzheimer-Krankheit tragen, ist mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert. Patient Fuhrmann trägt die Gen-Variante nicht und ist bei seinen nun regelmäßigen Besuchen dankbar für die umfassende Aufklärung und die Fürsorge am UKM.

Privat-Dozent Dr. Matthias Pawlowski ist Leiter des demenzsensiblen Krankenhauses und Oberarzt der Neurologie am UKM. Er sagt: „Die erstmals in diesem Jahr von der Europäischen Arzneimittelkommission zugelassenen Therapien mit Lecanemab und Donanemab sind vor allem ein Schritt in die richtige Richtung. Leider ist die Wirkung noch nicht so groß wie wir uns das wünschen würden. Die Therapie mit den sogenannten Amyloid-Antikörpern verspricht im Moment noch keine Heilung, lediglich eine Verlangsamung des Fortschreitens der Demenz.“

Nikolaus Fuhrmann kommt im Moment alle vierzehn Tage für die Lecanemab-Gabe in die Infusionsambulanz des UKM. In engmaschigen MRTs wird er überwacht, um eventuelle Nebenwirkungen wie fokale Hirnödeme und -blutungen frühzeitig zu entdecken. Er verträgt die Behandlung bisher gut und hofft, durch die neue Therapie wertvolle Zeit zu gewinnen: „Ich weiß, dass die Infusionen mich nicht heilen werden. Aber ich erhoffe mir eine Erleichterung meiner weiteren Lebensperspektive, indem sich vielleicht der Verlauf bei mir verlangsamt“, sagt der 75-Jährige.

Interview mit Priv.-Doz. Dr. Matthias Pawlowski zu den Chancen und Risiken der Amyloid-Antikörper-Therapien bei Alzheimer

Was passiert bei Alzheimer im Gehirn?
Pawlowski: Die Alzheimer-Krankheit ist eine Erkrankung, die sich über einen extrem langen Zeitraum des Lebens zieht. Wir sprechen da von bis zu dreißig Jahren, in denen sich langsam Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn anreichern. Hauptbestandteile der Eiweißaggregate ist das Amyloid-beta, das im Gehirn verklumpt. Das führt irgendwann zu Nervenzellschädigungen und -untergang. Das Tückische ist, dass es erst dann zu klinischen Symptomen kommt, wenn dieser Prozess weit fortgeschritten ist.

Wie wirken die beiden Amyloid-Antikörper?
Pawlowski: Lecanemab und Donanemab wurden in diesem Jahr erstmals von der Europäischen Arzneimittelkommission zugelassen. Beide Antikörper binden an die pathologischen Eiweißablagerungen im Gehirn. Dadurch wird das Immunsystem des Körpers aktiviert und räumt die Eiweißablagerungen ab.

Für wen ist das Medikament zugelassen?
Pawlowski: Diese Antikörper sind für Menschen mit einer frühen Alzheimer-Krankheit zugelassen, also in einem Stadium, in dem Betroffene bereits kognitive Einschränkungen haben, die man auch objektivieren kann, die sich aber noch nicht einschränkend im Alltag auswirken. Nicht zugelassen sind die Medikamente für das präklinische Stadium, also wenn es noch gar keine Symptome gibt. Und auch bei fortgeschrittener Demenz sind die Wirkstoffe nicht zugelassen.

Welche Wirkungen, aber auch Nebenwirkungen sind bei einer Therapie zu erwarten?
Pawlowski: Ganz klar: Die Medikamente bedeuten keine Heilung. Aber ein großer Fortschritt ist, dass wir zum ersten Mal überhaupt Wirkstoffe zur Verfügung haben, die die Ursache der Alzheimer-Demenz angreifen. Alzheimer-Demenz ist multikausal und es gibt noch weitere Prozesse im Körper, die nicht mit den Eiweiß-Antikörpern außer Kraft gesetzt werden können. Ziel ist im Moment also nur die Verlangsamung des Fortschreitens der kognitiven Einschränkungen. Zu den Nebenwirkungen: Unter der Antikörper-Therapie kann es punktuell zu Hirnödemen oder -einblutungen kommen. Diese Nebenwirkung, die üblicherweise im ersten Halbjahr der Behandlung auftritt, gibt es bei etwa zehn Prozent der Patientinnen und Patienten, deswegen ist ein engmaschiges Monitoring vor allem im MRT notwendig.

Welchen Nutzen haben die neuen Medikamente?
Pawlowski: Den Nutzen für die gesamte medizinische Alzheimer-Forschung sehe ich als unglaublich hoch an. Erstmals haben wir Therapeutika in der Hand, die ursächlich ansetzen. Es gibt weitere Amyloid-Antikörper, die sich im Moment in der klinischen Überprüfung befinden. Die Entwicklung geht also weiter. Künftig sind auch Kombinationstherapien denkbar aus mehreren Wirkstoffen, die zusammen mit der Amyloid-Antikörpertherapie vielleicht noch besser wirken. Dazu wird an Biomarker-Tests gearbeitet, die helfen sollen, die Erkrankung vor Ausbruch zu entdecken. Insgesamt ist die Wirkung individuell und nicht prognostizierbar. Einige Patientinnen und Patienten profitieren kaum, andere haben unter der Therapie jahrelang einen stabilen Verlauf. Für die letzte Gruppe kann man mit den neuen Therapien einen Effekt erreichen, der dann wirklich einen Unterschied macht.

Prof. Michael J. Raschke beendet zum Jahresende seine Tätigkeit als Klinikdirektor

Prof. Michael J. Raschke beendet zum Jahresende seine Tätigkeit als Klinikdirektor

Bild: Mediziner und Chirurg mit Leidenschaft: Zum Jahreswechsel scheidet Prof. Michael J. Raschke (66) nach 23 Jahren aus dem Amt des Direktors der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM aus. (© Foto by UKM)

Prof. Michael J. Raschke: Ein prägender Gestalter der Unfallchirurgie verlässt die Bühne des UKM

Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie beendet Prof. Michael J. Raschke zum Jahresende seine Tätigkeit als Klinikdirektor am UKM (Universitätsklinikum Münster). Mit ihm tritt ein Mediziner ab, der die unfallchirurgische Versorgung in Münster und der Region geprägt hat wie kaum ein anderer.

Münster (ukm/maz) – Sein Name ist vielen Menschen aus der Berichterstattung über das Kiepenkerl-Attentat, der Wichtigkeit von Helmen bei Fahrradunfällen oder zuletzt durch die Behandlung von Kriegsverletzten aus der Ukraine vertraut: Prof. Michael J. Raschke ist mit seinem Team der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie immer dann zur Stelle, wenn durch einen Schicksalsschlag ein vermeintlich gesunder Mensch plötzlich zu einem Verletzten oder gar Schwerstverletzten wird. „Das ist die Besonderheit an unserem Job, der sich völlig von der Behandlung innerer Erkrankungen oder Krebsleiden unterscheidet. Ich kann einen schwerverletzten Menschen nahezu wiederherstellen, das ist ein absolutes Privileg“, sagt Michael Raschke. Auch wenn es nur noch wenige Tage bis zum Eintritt in den Ruhestand sind, ist dem Mediziner anzumerken, wie sehr er auch nach vier Jahrzehnten noch für sein Fach brennt. „Ich finde die Unfallchirurgie faszinierend!“

Besonders früh erkannte Raschke die Bedeutung der Alterstraumatologie. Schließlich ist allgemein bekannt, dass alte, gestürzte Menschen, wenn sie nicht zügig wieder auf die Beine kommen, mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht mehr dazu in der Lage sind. Seit seinem Wechsel von der Berliner Charité ans UKM im Jahr 2003 setzte er sich mit Nachdruck für Strukturen ein, die der Versorgung älterer Patientinnen und Patienten gerecht werden. „Mit sehr differenzierten Verfahren können wir mittlerweile Knochenzement direkt in die Wirbelsäule einbringen und diese so stabilisieren, dass die Patienten direkt aufstehen können“, erklärt Michael Raschke. Mit der Zertifizierung des UKM als Alterstraumazentrum wurde in diesem Jahr ein zentrales Element dieses langjährigen Engagements erreicht. Ein weiteres Beispiel für die Alterstraumatologie ist eine von ihm und seinem Team entwickelte Hohlschraube für Beckenfrakturen, über die Zement direkt an die notwendige Stelle appliziert wird – ein Vorzeigeprojekt für gelebte Universitätsmedizin und translationale Forschung, bei der ein klinisches Problem in die Forschung gegeben wird und anschließend den Patientinnen und Patienten in der Klinik zugutekommt.

Ebenso wirkt der heute 66-Jährige bis heute weit über Münster hinaus. Als Begründer des im Jahr 2007 entstandenen Traumanetzwerks NordWest etablierte er ein regionales Versorgungsgefüge, das die Behandlung Schwerverletzter deutlich strukturierter und verlässlicher macht und deren Transport in ein geeignetes Krankenhaus binnen 30 Minuten gewährleistet. Dem Netzwerk gehören 42 Krankenhäuser und Reha-Kliniken der Region südliches Niedersachsen und nördliches Nordrhein-Westfalen unter Federführung des UKM an. An diesen Gedanken knüpft auch das Expert-Projekt an, das die adäquate Behandlung von Frakturen mit Weichteilschäden und postoperativen Komplikationen in den Fokus rückt. Die Medizinische Fakultät der Universität Münster erhielt dafür im Jahr 2022 vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine Förderung von rund 6,9 Millionen Euro. 33 Krankenhäuser unterschiedlicher Versorgungsstufen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen gehören dem Projekt mittlerweile an.

Engagement für die Universitätsmedizin Münster – und darüber hinaus

Die Ämter, die Prof. Michael Raschke neben der Klinikdirektion bekleidete, füllen allein mehrere Din-A4-Seiten. Neben seinem Vorsitz in zahlreichen Entwicklungs- und Berufungskommissionen der Medizinischen Fakultät, seien stellvertretend seine zweimalige Amtszeit als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) genannt sowie seine Tätigkeit als stellvertretender Ärztlicher Direktor des UKM (2012-2018) und als Mitglied des Aufsichtsrates (2020-2024). „Michael Raschke hat die Unfallchirurgie und das UKM mit Klarheit und fachlicher Exzellenz geprägt. Er hat nie gescheut, Dinge kritisch zu hinterfragen, und hat damit Innovationen und Weiterentwicklung gefördert“, dankt Prof. Alex W. Friedrich, Ärztlicher Direktor des UKM. Durch sein Engagement ist Raschkes Klinik auch ein Ort geworden, an dem Karrieren begannen. Zahlreiche in Münster ausgebildete Ärztinnen und Ärzte leiten heute große unfallchirurgische Kliniken in Deutschland. Insgesamt hat der Mediziner 120 Promotionen und 29 Habilitationen betreut. „Bei aller Exzellenz war mir wichtig, den Menschen zu vermitteln, dass sie im Team stärker sind. Die Traumatologie lebt von Interdisziplinarität“, sagt Raschke.

Es gibt jedoch auch Dinge, die er nicht verwirklichen konnte. So hat er sich stark für eine vollstationäre Reha-Klinik in Münster eingesetzt, die am Ende politisch nicht gewollt war. „Auch die Stationierung des ADAC-Rettungshubschraubers hätte ich gerne bei uns gesehen, um die umgehende Versorgung und Verlegung von Patientinnen und Patienten noch weiter zu verbessern“, blickt Michael Raschke zurück. Langweilig wird ihm ab Januar übrigens nicht werden: Seine Ämter in den Fachgesellschaften behält er, wie zum Beispiel in der AO Trauma, weiter inne.

Wünschebaum-Aktion am UKM sorgt erneut für Freude bei Bedürftigen

Wünschebaum-Aktion am UKM sorgt erneut für Freude bei Bedürftigen

Bild: Dr. Christoph Hoppenheit (3.v.l.), Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des UKM, überreicht im Beisein von weiteren UKM-Mitarbeitenden die Spenden der Wünschebaum-Aktion an die Vertreterinnen und Vertreter der „Johanniter“, der „Lebenshilfe Münster“ sowie der „LichtBlick Seniorenhilfe“. (© Foto by UKM/Wibberg)

Sie ist schnell zu einer liebgewonnenen Weihnachtstradition am UKM geworden: die Wünschebaum-Aktion zugunsten hilfsbedürftiger Menschen. Auch in diesem Jahr sind wieder zahlreiche Geld- und Sachspenden zusammengekommen, mit denen Einzelpersonen und sozialen Einrichtungen in der Weihnachtszeit eine Freude bereitet wird. Am Montag haben Vertreterinnen und Vertreter der teilnehmenden Institutionen die mehrere Postwagen füllenden Geschenke am UKM entgegengenommen.

Münster (ukm/lw) – „Es ist schön zu sehen, dass wir mit gemeinsamem Engagement auch im dritten Jahr unserer Wünschebaum-Aktion wieder hilfsbedürftige Menschen unterstützen und ihnen eine Freude bereiten können“, freut sich Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des UKM. Nach der überwältigenden Resonanz in den vergangenen Jahren knüpft das UKM (Universitätsklinikum Münster) auch in diesem Jahr an den bisherigen Spendenerfolg an, um in der Weihnachtszeit wieder möglichst viele Wünsche zu erfüllen.

Drei geschmückte Wünschebäume waren dafür an verschiedenen Standorten im UKM zu finden und luden Patientinnen und Patienten, Mitarbeitende sowie Besucherinnen und Besucher ein, sich an der Aktion zu beteiligen. Die vielen Zettel an den Bäumen beinhalteten die verschiedensten Wünsche – von Überraschungspäckchen über Gutscheinwünsche bis hin zu Spielsachen. Interessierte konnten sich Wünsche aussuchen und die verpackten Geschenke anschließend zurück zum Baum bringen, um in den kommenden Tagen für eine besondere Weihnachtsfreude zu sorgen. Darüber hinaus bot die Wünschebaum-Aktion auch die Möglichkeit, sich mit kleinen und großen Geldspenden zu engagieren. Die über zwei Wochen gesammelten Geschenke kommen wie immer der „Wohnungslosen-Winterhilfe“ der Johanniter, der „LichtBlick Seniorenhilfe“ und der „Lebenshilfe Münster“ zugute.

Die „Johanniter“ nutzen die Geldspenden für ihre mobile Hilfe, mit der sie in Münster Menschen ohne festen Wohnsitz mit Heißgetränken, Suppen oder Schlafsäcken unterstützen. Der Verein „LichtBlick Seniorenhilfe“ freut sich über kleine Präsente für von Altersarmut betroffene Seniorinnen und Senioren. Ganz konkrete Weihnachtswünsche gab es auch von der „Lebenshilfe Münster“. Sie begleiten Menschen mit Behinderung in betreuten Wohnprojekten oder im eigenen Zuhause, die im Rahmen der Wünschebaum-Aktion kleine persönliche Herzenswünsche äußerten.

Zum Abschluss der Aktion, die vom 24. November bis zum 12. Dezember stattfand, kamen Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Institutionen am Montag ins UKM, um sich bei Hoppenheit und allen Unterstützenden für das wiederholte Engagement zu bedanken und die gespendeten Geschenke entgegenzunehmen.

Die Wünschebaum-Aktion am UKM soll auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

LUNA-3D: Strahlentherapie mit Präzision

LUNA-3D: Strahlentherapie mit Präzision

Bild: Prof. Hans Theodor Eich, Direktor der „Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie“ am UKM präsentiert das neue Bestrahlungssystem. (© Foto by UKM/Ibrahim)

UKM startet mit LUNA-3D für die atemgesteuerte Bestrahlung

Das UKM setzt in der Strahlentherapie auf modernste Technik: Mit dem neuen LUNA-3D-System wird die Behandlung von Tumoren noch präziser und schonender. Durch die exakte Überwachung der Atmung in Echtzeit können gesunde Organe besser geschützt werden – für eine Krebsbehandlung auf höchstem Niveau.

Münster (ukm) – Die Strahlentherapie ist eine der wichtigen Säulen in der modernen Krebsbehandlung. Damit Tumore möglichst wirksam bestrahlt werden können, ohne gesundes Gewebe unnötig zu belasten, setzen das UKM (Universitätsklinikum Münster) in der „Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie“ seit dem 1. Oktober auf modernste Technik: das LUNA-3D-System.

Viele Organe im Brustkorb oder Bauchraum bewegen sich mit jedem Atemzug. Für die Behandlung ist es jedoch wichtig, dass die Patientinnen und Patienten genauso liegen wie bei der Bestrahlungsplanung. Nur so können Herz, Lunge oder andere empfindliche Organe geschützt werden. Genau hier entfaltet das LUNA-3D-System seine Stärke: Mit hochsensiblen Kameras wird die Oberfläche der Patientinnen und Patienten in Echtzeit überwacht und die Bestrahlung nur dann durchgeführt, wenn die aktuelle Lagerung mit der Lagerung der Bestrahlungsplanung übereinstimmt. Auf diese Weise kann zukünftig auf Markierungen auf der Haut zur Lagerungseinstellung verzichtet werden.

Besonders profitieren Patientinnen und Patienten mit Brust- oder Lungenkrebs sowie mit Tumoren im Bauchraum. Bei der Bestrahlung in tiefer Einatmung kann die Patientin oder der Patient die eigene Atmung auf einem Display selbst überwachen und dadurch aktiv mitarbeiten. Die Bestrahlung erfolgt dann nur in der richtigen Atemphase.

„Mit dem LUNA -3D-System setzen wir auf modernste Technik, die unseren Patientinnen und Patienten mit Tumoren im Thorax- und Abdomenbereich eine besonders präzise und schonende Strahlentherapie ermöglicht. Damit stärken wir unsere Spitzenposition in der onkologischen Versorgung und bieten eine Behandlung auf höchstem internationalen Niveau“, erklärt Prof. Hans Theodor Eich, Direktor der „Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie“ am UKM.

Die Bedeutung der Neuerung zeigt sich auch aus Sicht der Medizinphysik. Isabel Vogt, Medizinphysikerin der Klinik, betont: „Das Besondere am LUNA-3D-System ist, dass durch die verbesserte Lagerungsüberwachung nun auch komplexere Bestrahlungstechniken bei unseren Patientinnen und Patienten durchgeführt werden können. Der Tumor kann exakter bestrahlt werden, bei gleichzeitig besserer Schonung von Herz, Lunge oder anderen wichtigen Organen. Das macht die Therapie nicht nur genauer, sondern auch spürbar schonender.“

Für die Betroffenen bedeutet das: Die Strahlentherapie am UKM wird mit dem LUNA-3D-System noch präziser, sicherer und angenehmer. Damit geht das UKM einen weiteren Schritt in die Zukunft der Strahlentherapie – mit aktueller Technik und dem klaren Ziel einer bestmöglichen Versorgung.

Linearbeschleuniger: Mit kleinsten Teilchen gegen schwerste Erkrankungen

Linearbeschleuniger: Mit kleinsten Teilchen gegen schwerste Erkrankungen

Bild: Freuen sich über den neuen Linearbeschleuniger (v.l.): Priv.-Doz. Dr. Jan Kriz (Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie des Clemenshospital), Björn Hoffmann (Alexianer Verbundgeschäftsführer Westfalen), Tobias Berse (Kaufmännischer Direktor des Clemenshospitals) und Felix Pascher (Leitender Medizinphysikexperte). (© Foto by Clemenshospital)

Münster – Ein Schwerlastkran, zwei große LKW und sehr viel Planung waren nötig, um den neuen Linearbeschleuniger des Clemenshospitals, einer Klinik des Alexianer-Verbunds, zu liefern und im speziell dafür ausgelegten Raum aufzustellen. Wenn das Gerät, das zur neuesten Generation der Linearbeschleuniger gehört, voll einsatzfähig ist, wird es zur Bestrahlung von Patientinnen und Patienten mit gut- und bösartigen Erkrankungen eingesetzt.

„Der Linearbeschleuniger ‚Halcyon‘ verfügt über einen eigenen, eingebauten CT mit nahezu diagnostischer Bildqualität, der Aufnahmen des Tumors und der benachbarten Organen erstellt. Diese werden mit den bereits zur Bestrahlungsplanung vorliegenden Aufnahmen kombiniert. So erreichen wir eine äußerst präzise Bestrahlung, während gesundes Gewebe bestmöglich geschont wird“, wie der leitende Medizinphysikexperte Felix Pascher erläutert. Oberflächenscanner überwachen dabei kontinuierlich die Bewegungen der Patientinnen und Patienten. Sollte sich das Bestrahlungsziel aus dem Fokus bewegen, wird die Bestrahlung automatisch ausgeschaltet. Diese neue Technologie macht zudem die lästigen aber notwendigen Hautmarkierungen überflüssig, mit denen bislang das Bestrahlungsgebiet eingegrenzt wurde.

„Wir bestrahlen mit dem Linearbeschleuniger in erster Linie Tumoren der Prostata, Lunge, der weiblichen Brust, des Enddarms und des Gehirns. Als Teil der Münsteraner Allianz gegen Krebs, MAgKs, behandeln wir auch sehr viele Patientinnen und Patienten, bei denen sich Metastasen im Körper entwickelt haben. Hier kommt die sogenannte stereotaktische Bestrahlung zum Einsatz, mit der eine punktgenaue Erfassung kleiner Metastasen mit sehr hohen Einzeldosen möglich ist“, wie Priv.-Doz. Dr. Jan Kriz, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie des Clemenshospitals, berichtet. Neben der Bestrahlung von bösartigen Tumoren, können auch gutartige Erkrankungen wie zum Beispiel Arthrose behandelt werden. „Die Bestrahlung dauert normalerweise nur wenige Minuten und mit dem neuen Linearbeschleuniger funktioniert dies sogar noch schneller. Die Patientinnen und Patienten merken davon in der Regel nichts“, wie Kriz darlegt.

Der Linearbeschleuniger soll im kommenden Jahr um ein weiteres Gerät anderer Bauart erweitert werden.

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