Hirnschäden durch Kopfbälle im Fußball?

Hirnschäden durch Kopfbälle im Fußball?

Bild: Vor allem im Kindesalter sollte dosiert mit Kopfbällen umgegangen werden, sagt der Neurologe Dr. Matthias Pawlowski. (Foto © UKM)

Mit einem mustergültigen Kopfballtor hat Fußball-Nationalspieler Niclas Füllkrug dem deutschen Team ein Remis gegen die Schweiz und damit den ersten Platz in der Gruppenphase der Europameisterschaft gesichert. Doch was schön anzusehen ist, kann auch Gefahren bergen. Wie riskant Kopfbälle im Fußball sind, erläutert Dr. Matthias Pawlowski, Facharzt für Neurologie am UKM.

Münster (ukm/lwi) – Schon längst werden Gefahren für Kopf und Gehirn nicht mehr nur in Sportarten wie Boxen oder Football genau beobachtet, sondern auch im Fußball. Ein Thema hier: Kopfbälle. Bis zu 1500 Kopfbälle pro Jahr, zeigen Studien, absolvieren Profis – je nach Position. Wie groß und wie individuell die Gefahren durch diese ständigen Kontakte sind, welche Folgen es geben kann und wer besonders gefährdet ist, erklärt Dr. Matthias Pawlowski, Oberarzt in der Klinik für Neurologie am UKM (Universitätsklinikum Münster) im Interview.

Sind Kopfbälle schädlich für das Gehirn?

Dr. Matthias Pawlowski: Der einfache, sauber durchgeführte Kopfball ist wahrscheinlich nicht schädlich. Wenn Kopfbälle aber häufig und wiederholt durchgeführt werden, kann es sein, dass öfter leichte Traumata des Gehirns auftreten, die dann negative langfristige Folgen im Sinne von kognitiven Einschränkungen haben und das Risiko für die Entstehung einer Demenz erhöhen können. Bei Zusammenstößen – die wir gerade auch bei der EM im Fernsehen sehen –, wenn Spieler etwa im Sprung heftig gegeneinander prallen, kann es neben anderen Verletzungen auch zu einer Gehirnerschütterung kommen, die auch Folgen für das Gehirn haben kann.

Wer ist besonders gefährdet?

Pawlowski: Es gibt Hinweise, dass das sich entwickelnde Gehirn von Kindern anfälliger für Schäden in Folge von Schädel-Hirn-Traumata ist.

Zu einem Kopfballverbot im Kinder- und Jugendfußball gibt es ja verschiedene Einstellungen …

Pawlowski: Die Verbände gehen damit sehr unterschiedlich um. Das liegt auch daran, dass die Evidenzlage nicht sehr gut ist. Die Amerikaner zum Beispiele verbieten Kopfbälle bis zum elften Lebensjahr im Fußball grundsätzlich. Genauso ist es im Mutterland des Fußballs, in England und im Vereinigten Königreich, wo die Kopfbälle in dieser Altersklasse ebenfalls verboten sind – dort aber nur im Training, im Wettkampf sind sie erlaubt. Der DFB (Deutscher Fußball-Bund) empfiehlt, dass der Kopfball nur dosiert eingesetzt werden soll, ein grundsätzliches Verbot gibt es hier aber nicht.

Gibt es Techniken, die ich anwenden kann, um meine Kopfbälle sicherer zu machen?

Pawlowski: Man kann einige Dinge tun: Im Jugendsport können kleine und leichtere Bälle eingesetzt werden, man kann Flanken aus kürzerer Distanz und weniger scharf schießen und vor allem Kopfbälle nur sehr dosiert trainieren, also nicht zu viele auf einmal und mit ausreichenden Pausen dazwischen. Auch hier gilt: Die Dosis macht´s.

Stichwort Boxen und American Football — wie verhalten sich diese Sportarten mit Blick auf die Gehirngesundheit im Vergleich zum Fußball?

Pawlowski: Ich denke schon, dass man in diesen Kontaktsportarten einem höheren Risiko ausgesetzt ist als im Fußball. Beim Fußball sind es eher Zusammenstöße mit anderen Spielern oder dem Torpfosten, die gefährlich werden können. Zudem ist die Gefahr, die von Kopfbällen im Fußball ausgeht, aber gegenüber den Vorteilen, die der Sport (auch für das Gehirn) bietet, eher als gering einzuschätzen.

Video: Dr. Matthias Pawlowski berichtet im Interview über die Gefahren, die von
Kopfbällen im Fußball ausgehen können.
Network 360° health + innovation · region

Network 360° health + innovation · region

Bild: Vertreterinnen und Vertreter aus Münster, Osnabrück und Enschede stellen auf dem Hauptstadtkongress in Berlin die Initiative „Network 360° health + innovation · region“ vor. V.l.: Astrid Lampe, Leonie Friedrich, Katrin Ankudovic, Dr. Sabrina Martens, Prof. Markus Holling, Dr. Vincent Hofbauer, Dr. Boony Thio, Manon Bruens, Prof. Alex Friedrich, Monique Bruns, Prof. Miriam Vollenbroek-Hutten und Elisa Boekhorst. (Foto © UKM)

Münster – Osnabrück – Enschede: In Gesundheitsfragen dürfen Grenzen kein Hindernis sein

Verschiedene Akteure des Gesundheitswesens miteinander vernetzten — das ist das Ziel der vom UKM gegründeten Initiative „Network 360° health + innovation · region“. Das Besondere an der zukunftsweisenden Initiative, die auf dem Hauptstadtkongress vom 26. bis 28. Juni in Berlin vorgestellt wird: Kooperationspartner wie Krankenhäuser, Gesundheitszentren, Universitäten oder Unternehmen kommen aus dem gesamten Umkreis der Dreiländerregion Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Niederlande und überwinden damit gleich mehrere Grenzen.

Münster (ukm/lwi) – Gesundheitsversorgung ganzheitlich denken — das ist nicht nur innerhalb eines Krankenhauses zwischen den einzelnen Fachrichtungen wichtig, sondern auch mit Blick auf Regionen und über Ländergrenzen hinweg. Besondere Bedeutung hat dieser Rundumblick in einer Grenzregion, damit die Möglichkeiten für innovative Zusammenarbeit nicht an Ländergrenzen enden, sondern über sie hinaus gelebt werden. Einrichtungen aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und den niederländischen Provinzen Overijssel/Gelderland wollen sich daher in der Netzwerkinitiative „Network 360° health + innovation · region“ zusammenfinden. „Wir wollen das Bewusstsein für die Einzigartigkeit der Region schärfen und mehr Sichtbarkeit für bereits bestehende Kooperationen schaffen, denn Maßnahmen für eine bessere Prävention und Gesundheitsversorgung dürfen nicht an der Grenze aufhören“, sagt Alex W. Friedrich, Ärztlicher Direktor und Vorstandvorsitzender des UKM (Universitätsklinikums Münster).

Der Gedanke hinter der Kooperation zielt dabei auf weit mehr ab als nur auf ein symbolisches Miteinander der Partner. Vielmehr sind gut strukturierte Kooperationen in einem sich rasant verändernden Gesundheitswesen künftig unerlässlich, um eine umfassende und flächendeckende Versorgung der immer älter werdenden Bevölkerung zu gewährleisten. Diese Bedeutung wird auch mit Blick auf die Bereiche deutlich, in denen die Partner künftig kooperieren wollen: „Die Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Innovation, Aus- und Weiterbildung von Fachkräften im Gesundheitswesen und effiziente Nutzung von Medizintechnik sind einige Beispiele, die für das UKM hinsichtlich eines nachhaltigen Wachstums und für Fortschritte unerlässlich sind“, sagt Monique Bruns, die Teamleiterin des Bereichs Network 360°.

Erste Schritte der Zusammenarbeit

Erste konkrete Absichtserklärungen für eine Zusammenarbeit gibt es bereits mit dem Krankenhaus Medisch Spectrum Twente und der Universität Twente in Enschede sowie der Universität Münster, mit denen das UKM die Themen Prävention und Gesundheitsversorgung im Dreiländereck weiterentwickeln möchte. Eine weitere Absichtserklärung mit dem Klinikum Osnabrück wird Anfang Juli unterzeichnet werden. Darin geht es u.a. um die Finanzierung, Digitalisierung und Ambulantisierung.

Auf dem Hauptstadtkongress in Berlin (26. bis 28. Juni) wird ein Team der Kooperationspartner aus den bisher beteiligten Einrichtungen in Münster, Osnabrück und Enschede die Ziele und Vorteile der Modellregion vorstellen. Perspektivisch soll das Netzwerk dann um weitere Akteure wachsen, damit möglichst viele Einrichtungen sowie Bürgerinnen und Bürger in der Dreiländerregion davon profitieren.

Weitere Informationen: Network 360°

Spende: Flohmarkt bewirkt Gutes

Spende: Flohmarkt bewirkt Gutes

Bild: Die Leiterin des Fundraisings der Alexianer, Dr. Martina Klein (l.) freut sich über die Spende für das Pelikanhaus, die von Lotte Diemel und Anna Büscher mit ihrem Sohn Till übergeben wurde. (Foto © Clemenshospital)

Münster – Was vor über 30 Jahren in Südkirchen als kleiner Second-Hand-Flohmarkt für Baby- und Kinderbedarf begann, hat sich zu einer echten Institution entwickelt mit Hunderten Verkäuferinnen und Verkäufern und 15.000 Produkten wie Kleidung, Spielzeug oder Büchern. Organisiert wird der Flohmarkt vom Verein „Südkirchen hilft Kindern e.V.“, unterstützt von zahllosen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. 20 Prozent der Einnahmen kommen regelmäßig gemeinnützigen Zwecken zugute, die das Wohl von Kindern und Jugendlichen fördern.

So kann sich in diesem Jahr das Clemenshospital über eine Spende in Höhe von 1.000 Euro freuen, die für den Bau und Betrieb des Pelikanhauses vorgesehen ist. Den Kontakt zum Clemenshospital stellte der Nordkirchener Bernd Eggenstein her, dessen Kinder Anton und Klara auf der Kinderintensivstation behandelt wurden und der sich seither für das Projekt Pelikanhaus engagiert.

Das Pelikanhaus, mit dessen Fertigstellung im Spätsommer gerechnet wird, soll Angehörigen schwerkranker Kinder als Unterbringungsmöglichkeit in unmittelbarer Nähe zum Clemenshospital dienen. Der Bau und der Betrieb werden durch Spenden finanziert.

Neurotraumatologische Frührehabilitation – eine Erfolgsgeschichte aus dem Clemenshospital

Neurotraumatologische Frührehabilitation – eine Erfolgsgeschichte aus dem Clemenshospital

Bild: Ege Ercigiz umgeben von seinen Eltern Mümtaz und Keziban Ercigiz (r.) und dem pflegerischen, therapeutischen und ärztlichen Team der Neurotraumatologischen Frührehabilitation des Clemenshospitals. (Foto © Clemenshospital)

Neurotraumatologische Frührehabilitation des Clemenshospitals: Schritt für Schritt zurück ins Leben

Münster – Für den bald 17-jährigen Dortmunder Ege Ercigiz gibt es nur ein Ziel, Polizist zu werden. Seine Ausbildung absolviert er in seiner Heimatstadt und in Münster. Fit hält sich der junge Mann mit Boxtraining und dabei passierte es. „Ich hatte plötzlich starke Kopfschmerzen und mir wurde schwindelig“, an mehr erinnert er sich nicht mehr, auch nicht an die Tage und Wochen danach. In seinem Kopf hat eine sogenannte arteriovenöse Malformation (AVM) plötzlich angefangen zu bluten, eine seltene Fehlbildung, die vermutlich nur einer von 5.000 Menschen in sich trägt, oft bleibt sie unentdeckt.

Bei Ege Ercigiz mussten in seiner Heimatstadt notfallmäßig an beiden Seiten große Teile der Schädeldecke entfernt werden, ein riskanter Eingriff, der dafür sorgte, dass der Druck auf das Gehirn nachließ. Dennoch waren die Schädigungen des empfindlichen Organs erheblich. Nach einem Monat kam Ege dann in die Neurotraumatologische Frührehabilitation des Clemenshospitals, einem Krankenhaus der Alexianer-Gruppe. „Zu dem Zeitpunkt, das war Anfang des Jahres, konnte er sich kaum bewegen, alle Muskeln waren krampfartig angespannt“, erinnert sich Jule Eising, Assistenzärztin der Klinik für Neurochirurgie. Die Neurotraumatologische Frührehabilitation ist eine Abteilung der Klinik für Neurochirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. Uta Schick und spezialisiert auf Fälle wie die von Ercigiz. „Wir konnten uns anfangs nur mit Blicken fixieren und so den ersten Kontakt herstellen“, berichtet Physiotherapeut Michael Altfeld.

Die medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Teams erarbeiteten gemeinsam einen abgestimmten Therapieplan, der den jungen Mann Schritt für Schritt aus seinem Zustand zurück in die Eigenständigkeit bringen sollte. Angesichts der gravierenden Schädigung seines Gehirns eine schwere Aufgabe. Seine Eltern Mümtaz und Keziban Ercigiz jedoch wissen um die Energie, die in ihrem Sohn steckt: „Ege ist immer motiviert, setzt sich Ziele und gibt nie auf. Wir sind jeden Tag hier in Münster und stehen voll hinter unserem Sohn!“

In den Körper des jungen Mannes wurde eine kleine Pumpe implantiert, die regelmäßig ein Medikament zur Muskelentspannung in den Rückenmarkskanal freigibt. Dank dieser Therapie und des Wiedereinsetzens der beiden entfernten Teile der Schädeldecke, wurde Ege Ercigiz zunehmend wacher, konnte sich nach und nach wieder bewegen und sprechen. Das Therapeutenteam trifft sich regelmäßig, um die Therapie an Eges Erfolge anzupassen. Die Beatmungskanüle, die Ernährungssonde und zuletzt der Blasenkatheter konnten nach und nach entfernt werden. „Er kann sich wieder selber waschen, alleine essen und das Handy bedienen. Aktuell arbeiten wir am Stehen. Wenn man bedenkt, wie Ege am Anfang war, sind die Fortschritte unglaublich. Wir sind auf einem sehr guten Weg!“, ist sich die leitende Therapeutin Karen Heimann sicher. Jetzt steht Ege Ercigiz kurz vor der Entlassung. „Ich bin sehr stolz auf das, was ich geschafft habe, meine Familie und Freunde haben mich dabei immer unterstützt. Und das Team im Clemenshospital ist sehr gut, ich werde alle vermissen!“

Carreras-Stiftung vergibt Promotionsstipendium an Finn Lamp

Carreras-Stiftung vergibt Promotionsstipendium an Finn Lamp

Bild: Hofft, dass er mit seiner Forschung jungen T-LBL-Erkrankten helfen kann: Doktorand Finn Lamp bei der Arbeit im Labor (Foto: DJCLS)

Für eine bessere Typisierung junger Leukämiekranker

Münster (mfm/nn) – Eine von 25 Leukämieerkrankungen in Deutschland betrifft einen Menschen unter 15 Jahren. Gerade wenn es um das Leben eines Kindes geht, gibt es wohl kaum eine größere Herausforderung als die Diagnose Blutkrebs. Allerdings können die Betroffenen und ihr Umfeld hoffen: Heute überleben etwa 90 Prozent der Kinder, die vor einem Jahrzehnt noch an ihrer Leukämie gestorben wären. Entscheidend sind ein frühzeitiges Erkennen der Krankheit sowie die Wahl eines adäquaten Therapieansatzes. Mit der Einordnung von Kindern mit T-Zell-lymphoblastischem Lymphom (T-LBL) in die richtige Risikogruppe befasst sich an der Universität Münster der Doktorand Finn Lamp. Für seine Forschungsarbeit wurde ihm jetzt von der José-Carreras-Leukämie-Stiftung ein Promotionsstipendium in Höhe von 12.000 Euro zuerkannt.

In seiner Doktorarbeit untersucht Lamp die Bedeutung bestimmter Genmutationen für den Krankheitsverlauf von Kindern mit T-LBL. Ziel ist es, mittels verbesserter Einteilung der Betroffenen in Risikogruppen eine präzisere Therapie zu gewährleisten. T-LBL sind Erkrankungen des lymphatischen Systems. Zusammen mit anderen Erkrankungen werden sie unter dem Oberbegriff „bösartige Lymphknotengeschwulste“ – im Fachjargon: Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) – zusammengefasst. Fast alle NHL im Kindes- und Jugendalter sind hochgradig bösartig; sie breiten sich rasch im gesamten Körper aus und verursachen schwere Krankheitsverläufe bis hin zum Tod. Dies gilt auch für T-LBL.

Die Arbeitsgruppe an der münsterschen Uniklinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, der Lamp angehört, konnte nachweisen, dass T-LBL häufig mit Mutationen verbunden sind, welche eine entscheidende Bedeutung für den Krankheitsverlauf haben: Die Mutationen beeinflussen das Verhalten der Krebszellen. Insbesondere drei Gene spielen eine zentrale Rolle: NOTCH1, FBXW7 und KMT2D. „Die ersten beiden gehen mit einem besseren Verlauf der Erkrankung einher, das mutierte KMT2D hingegen wurde öfter bei Patientinnen und Patienten mit einem schlechteren Verlauf und einem Rückfall beobachtet“, erklärt Finn Lamp. Für seine Dissertation nimmt er gezielt diese Mutationen in den Blick und untersucht sie im Labor. „Durch die Analyse des Mutationsstatus bei den Betroffenen sollen diese präzise klassifiziert werden können“, blick Lamp hoffnungsvoll nach vorn.

Mithilfe des Promotionsstipendiums der José-Carreras-Leukämie-Stiftung will Lamp möglichst viel Zeit in die Forschung investieren. „Das Geld dient der Deckung meiner Lebenshaltungskosten und ermöglicht mir, auch ohne Nebenjob die Arbeit an dem Projekt zu finanzieren“, erzählt der 23-jährige Nachwuchsforscher. Er plant, innerhalb des Förderzeitraums seine Promotionsarbeit abzuschließen, um dann die letzten Semester seines Studiums zu absolvieren.