WN-Abendvisite Nachlese:
Die richtige Ernährung macht’s – Jeder taugt zum Supermann

Abendvisite-Nachlese vom Februar 2016

mit Dr. Britta Otte, Leiterin der Lipid-Ambulanz im Universitätsklinikum Münster (UKM)

von Martina Döbbe

Alkohol weglassen, Fett reduzieren, Zucker stark reduzieren, Fisch, Obst und Vollkörniges essen, dazu ein bisschen Ausdauersport: Wer das eine Woche durchhält, bekommt Blutwerte wie Superman, meint Dr. Britta Otte.

Sie hat einen Prachtkerl an ihrer Seite. Und den teilt sie tatsächlich gern mit ihren Zuhörern. „Eine Woche leben wie Superman, und Ihre Blutwerte sind auch super“, verspricht Dr. Britta Otte und zeigt auf die knackige Figur auf der Leinwand.

Und, keine Angst, die „Superman-Woche“ sei gar nicht so schwierig. Ganz allgemein: Mediterrane Kost mit viel Fisch, Olivenöl, Obst und Gemüse. Im Detail: Nicht mehr als dreimal in der Woche 150 Gramm Fleisch, kein Alkohol, ein bis zwei Milchportionen am Tag, magere Wurst, dünn geschnittener Käse, Vollkornprodukte, Zucker nur in geringen Maßen und dazu dreimal wöchentlich 30 Minuten Kraft- und Ausdauertraining. Die Besucher der Abendvisite am Dienstag ließen sich anstecken von den überzeugenden Argumenten für einen guten Lebensstil: „Ganz wunderbar“, sagt eine Zuhörerin im Rausgehen, „morgen fange ich an.“

Hungern? Nein danke, betont Dr. Britta ausdrücklich und plädiert für drei Mahlzeiten am Tag. Strukturiertes Essen, so die Internistin und Leiterin der Lipid-Ambulanz im Universitätsklinikum Münster, sei die Basis für gute Blutfettwerte. Denn: „Die Dosis ist das Gift.“ Currywurst? „Auf jeden Fall“, erlaubt sich die Medizinerin auch selbst. Aber: Einmal im Monat, bitte nicht zweimal in der Woche… Wichtig sei, sich immer vor Augen zu führen, dass schlechte Blutfettwerte viele Risiken bergen, eine ernsthafte Erkrankung zu bekommen: „Arterienverkalkung, Diabetes, Schlaganfall, Bauchspeicheldrüsenentzündung“, nennt sie Beispiele, wenn Cholesterin und Triglyzeride von der Norm abweichen. Und wer mit diesen Werten Probleme habe, der solle zunächst über eine Änderung seines Lebensstils versuchen, um ständige Medikamenteneinnahme herumzukommen. „In vielen Fällen klappt das sehr gut“, so die Oberärztin und Lipidologin.

Wie schnell Betroffene etwas falsch machen können, obwohl sie alles richtig machen möchten, zeigt das Beispiel einer jungen Patientin: schlank und sportlich, zudem eine Frau, die sich bewusst ernährt. Sie geht ins Fitness-Studio,  nimmt Eiweißdrinks zu sich, überzeugt davon, sich etwas Gutes zu tun. Genau das Gegenteil ist der Fall: Sie reagiert so empfindlich auf das Eiweißpulver, dass ihre Blutwerte „durch die Decke“ gehen. In jedem Fall, so Dr. Otte, solle man die Zutatenliste seiner Lebensmittel sorgfältig studieren. „Selber kochen ist immer noch das beste, da weiß man genau, was im Essen drin ist.“

Die Fachmedizinerin warnt die Besucher der Abendvisite nicht nur vor den Fetten, sondern auch vor Zucker. Denn der verstecke sich gern da, wo ihn niemand vermute: „Vanillezucker in Leberwurst“, nennt sie ein Beispiel. Und lenkt den Blick nach Mexiko, wo zurzeit 80 Prozent der Bevölkerung als deutlich übergewichtig gelten. Dort werde in vielen Produkten Maissirup verwendet, um sie lecker und süß zu machen. Um die Menschen zu mehr Bewegung zu animieren, gebe es inzwischen an den Bushaltestellen Messgeräte, an denen Passanten Kniebeugen machen und zählen lassen könnten. Wer auf die vorgegebene Zahl komme – zum Beispiel 20 – habe die nächste Fahrt frei. „Das wär auch was für Münster“, findet die Referentin und erntet begeisterte Zustimmung.

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 47 – 2016

Quelle: © Westfälische Nachrichten Münster