WN-Abendvisite Nachlese:
Netzhauterkrankungen: Wenn gerade Linien krumm und wellig werden

Abendvisite-Nachlese vom November 2014

mit Dr. Christoph Clemens Oberarzt aus der Universitäts-Augenklinik Münster zum Thema Netzhauterkrankungen, ihre Diagnose und ihre Behandlung.

von Martina Döbbe

Probleme beim Lesen, beim Erkennen von Gesichtern, ein dunkler Fleck mitten im Gesichtsfeld, Linien, die krumm und wellig werden: Patienten mit Netzhaut-Erkrankungen schildern ihre täglichen Schwierigkeiten oft unterschiedlich. Aber eins, so Dr. Christoph Clemens, ist immer gleich: „Bei diesen Beschwerden ist akuter Handlungsbedarf“, betont der Oberarzt aus der Universitäts-Augenklinik. In der Abendvisite erläuterte er den Besuchern die verschiedenen Formen von Netzhaut-Erkrankungen, ihre Diagnose und die Möglichkeiten der Behandlung.

Als Ursache für den gefürchteten „Knick in der Optik“ komme zum Beispiel die altersabhängige Makuladegeneration in Betracht. „Einfach erklärt, werden Abfallstoffe nicht mehr aus dem Auge abtransportiert, Gefäße werden undicht, Blutungen entstehen im Bereich der Makula, dem schärfsten Punkt des Sehens.“
Auch Diabetiker sollten ihre Augen regelmäßig untersuchen lassen. „Ein erhöhter Blutzuckerwert schädigt die Gefäße, sie können platzen“, schilderte Dr. Clemens die Auswirkungen.

Ein dritter Aspekt ist der Gefäßverschluss im Auge. „Ähnlich wie beim Schlaganfall oder einem Herzinfarkt kann es ein verstopftes Gefäß auch im Auge geben.“ Folge: Die mangelnde Blutversorgung schädige die Netzhaut.

Für die Diagnose greifen Augenärzte zu Tropfen, um die Pupillen weitzustellen, zur OCT, einer Untersuchung, um die Netzhaut im Querschnitt darzustellen und auch zu einer so genannten Fluoreszenzangiographie, einer Farbdarstellung der Gefäße.

Für die Behandlung, so Dr. Clemens, können Mediziner auf eine Auswahl verschiedene Medikamente zurückgreifen. die den Patienten ins Auge gespritzt werden. Was sich auf den ersten Blick abschreckend anhöre, werde aber von den meisten als „kaum spürbar“ beschrieben. Eine gute Betäubung des Auges sei natürlich Voraussetzung. Diese Injektionen müssten jedoch in einem bestimmten Zeitabstand wiederholt werden.

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 264 – 2014