WN-Abendvisite Nachlese:
Wechseljahre: „Beschwerden individuell behandeln“

Abendvisite-Nachlese vom Februar 2013

mit Prof. Dr. Ludwig Kiesel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Münster

von Martina Döbbe

Die Wechseljahre waren das Thema bei der Abendvisite im Medienhaus Aschendorff. Prof. Dr. Ludwig Kiesel zeigte das ganze Spektrum an Beschwerden auf, die jede Frau individuell zu spüren bekommt.

Dass eins mal klar ist: Wechseljahre sind keine Krankheit. Das gab Prof. Dr. Ludwig Kiesel seinen Zuhörerinnen und Zuhörern (es waren auch zwei Männer gekommen) mit auf den Weg. Dann folgt das „aber“: „Veränderungen, Beschwerden, spürbare Probleme bekommen zwar nicht alle, aber doch sehr viele Frauen.“ Da reicht das Spektrum von Hitzewallung bis Schlafstörung, von Müdigkeit über Nervosität bis hin zu Rückenschmerzen, Reizblase und Osteoporose. Schuld sind die Hormone: „Die Wechseljahre sind gekennzeichnet durch den Abfall der Östrogene“, betonte der Direktor der Universitäts-Frauenklinik in der Abendvisite im Medienhaus Aschendorff.

Wobei ihm auch wichtig ist: „Es geht mir dabei gar nicht so sehr um Ihren Laborwert. Es geht viel mehr um Ihre ganz persönlichen, ganz individuellen Beschwerden.“ Denn jede Frau empfinde anders, habe anderen Leidensdruck und unterschiedliche Vorstellungen von dem, was sie aushalten möchte und was nicht. „Und darauf muss man eine Therapie abstimmen.“

Da rücke dann die so genannte Hormonersatztherapie in den Blickpunkt. „Viele Frauen haben Angst, damit ihr Risiko zu vergrößern, zum Beispiel, an Brustkrebs zu erkranken“, verwies Prof. Kiesel auf eine bekannte, mittlerweile über zehn Jahre alte Studie, die eine Häufung dieser Fälle nachgewiesen habe. Dazu müsse man aber auch sagen: „Die Frauen, die da mitgemacht haben, waren schon zu Beginn 60 Jahre und älter. Also in einem Bereich, wo die so genannte Menopause ja schon längst überschritten war.“ Und eine relativ kurze Einnahme von Hormonen – ein bis zwei Jahre – sei nicht untersucht worden. Es ging um die Einnahme über mindestens fünf, zehn, sogar 15 Jahren.“ Nachgewiesen sei, dass die Hormoneinnahme zum Beispiel im Bereich Knochendichte und Verringerung der Osteoporose sehr gute Ergebnisse erziele.

Wenn man sonst keine Beschwerden habe, sei da auch die Gabe von Kalzium und Vitamin D zu überlegen. Denn Hormoneinnahme vergrößere auch das Risiko für eine Thrombose. Auch pflanzliche Produkte – Beispiel Soja und Rotklee – könnten Wechseljahrsbeschwerden lindern: „Vorausgesetzt, sie sind hoch genug dosiert.“ Allerdings seien diese Mittel und ihre Wirkung nicht entsprechend durch wissenschaftliche Studien untermauert. „Ob Sie Hormone nehmen oder lieber darauf verzichten, das hängt sehr viel mit persönlicher Lebensqualität und eigenem Wohlbefinden ab.“ Er riet, sich ausführlich zu informieren und beraten zu lassen, um die individuell richtige Entscheidung zu treffen: „Ein Patentrezept für alle gibt es nämlich nicht.“

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 44 – 2013