WN-Abendvisite Nachlese:
Vitamin D – Licht ins Dunkel bringen

Abendvisite-Nachlese vom Oktober 2014

mit Dr. Reinhold Gellner Endokrinologe und Ernährungsmediziner aus dem Universitätsklinikum Münster zum Thema Vitamin D.

von Martina Döbbe

Ausverkauft war die Abendvisite im Medienhaus Aschendorff, als es jetzt um das Thema Vitamin D ging. Der Experte Dr. Reinhold Gellner warnte die Zuhörer davor, auf eigene Faust unkontrolliert Vitamin D zu nehmen.

Ein bisschen Vitamin D – und schon geht die Sonne auf? Es tut doch gut und schaden wird es wohl nicht? Dr. Reinhold Gellner kennt die weit verbreiteten Thesen zum Vitamin D. Das übrigens, so erläutert er den Zuhörern in der Abendvisite, gar kein Vitamin, sondern ein Hormon ist. „Ein Hormon“, so betont der Endokrinologe und Ernährungsmediziner aus dem Universitätsklinikum Münster, „das der Körper selbst bildet.“ Allerdings brauche er dafür Sonnenlicht. Oft genug seien Menschen jedoch nicht ausreichend draußen, schützen sich mit Kleidung und hohem Schutzfaktor gegen die Sonnenstrahlen – und hätten deshalb auch einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel. „Ein niedriger Spiegel ist aber nicht sofort auch ein ausgewiesener Mangel, der behandelt werden muss“, betonte der Fachmediziner. Erst wenn auch nach Kontrolle anderer Blutwerte und Abklärung von Beschwerden nachgewiesen sei, dass ein Mangel vorliege, sollte man ihn behandeln.

Nur auf einem Gebiet sei wissenschaftlicher Nutzen der Vitamin-D-Gabe unumstritten: „Bei Osteoporose.“ Dennoch: Selbstverordnung auf eigene Faust – davon rät der Mediziner ab. Denn: „Zu viel Vitamin D kann sehr wohl schaden“, berichtet er von einem dramatischen Fall, bei dem der Patient täglich eine hohe Dosis an Vitamin-D-Tabletten geschluckt habe – und schlimmste Nierenprobleme bekam. „Er musste an die Dialyse, das war schon knapp vor einem Nierenversagen.“ Noch zwei Jahre später habe der Mann einen deutlich zu hohen Vitamin-D-Spiegel gehabt: „Obwohl er kein Vitamin D mehr genommen hat.“

Auf der anderen Seite kann er von einer jungen Frau berichten, die gravierende gesundheitliche Probleme hatte: „Sie ging an Krücken, hatte schlimmste Knochen- und Muskelschmerzen.“ Die Afrikanerin, hatte hier in Deutschland einen starken Vitamin-D-Mangel entwickelt. Ein halbes Jahr nach der Behandlung mit dem Sonnenvitamin sei sie schon ohne ihre Gehstützen ins UKM gekommen. Aber: „Sie hat dann die Tabletten abgesetzt. Und die Probleme begannen wieder“, macht der Experte deutlich, dass in dem Fall lebenslang Vitamin D nötig sei – zumindest solange die Frau in Deutschland lebe. Eine dunklere Haut nehme ohnehin weniger Vitamin D auf: „Her scheint die Sonne deutlich seltener als in Afrika.“

Keine Frage: Auch über Ernährung könne man Vitamin D zuführen, zum Beispiel durch Fisch wie Hering oder Lachs. Aber: „So viel Fisch können Sie gar nicht essen, um einen wirklichen Mangel damit auszugleichen.“

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 252 – 2014