WN-Abendvisite Nachlese:
Schwindel Wie auf einem Karussell…

Abendvisite-Nachlese vom September 2014

mit Prof. Dr. Ingo W. Husstedt, Oberarzt der Universitätsklinik für Neurologie Münster. Schwanken, wanken, torkeln, unsicher auf den Beinen sein – für Schwindel gibt es viele Beschreibungen. Jeder erlebt ihn anders.

von Martina Döbbe

Mediziner unterteilen Schwindel erst einmal in drei Gruppen: „Drehschwindel, Schwankschwindel, Liftschwindel“, zählt Prof. Dr. Ingo W. Husstedt auf. Zum Auftakt der neuen Reihe der Abendvisite begrüßte Wolfgang Kleideiter als stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung (Anmerk.: der Westfälischen Nachrichten) den Spezialisten aus dem Universitätsklinikum Münster am Dienstagabend im Medienhaus Aschendorff.

Der Neurologe machte den Zuhörern deutlich, dass Schwindel „erstens ein Symptom mit sehr vielen Ursachen“ ist und „zweitens ernst genommen werden muss, weil er immer ein Signal für eine Erkrankung sein kann“.

Zur Unterteilung: Beim Drehschwindel fühle man sich „wie auf einem Karussell, beim Schwankschwindel wie auf einem Schiff bei hohem Seegang, und beim Liftschwindel gehe es wie im Aufzug hoch und runter“. Wie groß die Zahl der Betroffenen ist, machte Prof. Husstedt daran deutlich, dass durchschnittlich etwa zehn Prozent der Patienten einer Hausarztpraxis wegen Schwindel ihren Arzt konsultierten. Und allein im UKM registriere man pro Wochenende in der Notaufnahme mindestens vier Patienten mit schweren Schwindelattacken.

So verschieden die Form des Schwindels, so unterschiedlich auch die Ursachen: „Manche fallen in den Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Praxis, wenn zum Beispiel das Gleichgewichtsorgan gestört ist. Aber auch Veränderungen im Nervensystem, ein Schlaganfall, Formen der Epilepsie und Migräne können Schwindelattacken auslösen“, informierte der Mediziner und machte damit deutlich, dass Schwindel immer auch ein interdisziplinäres Thema verschiedenster Fachrichtungen sei. „Kardiologen, HNO-Ärzte, Internisten, Neurologen und auch Psychiater sind da oft gefragt.“ Denn Schwindel könne auch durch psychische Probleme ausgelöst und verstärkt werden. Auch Medikamente wie Antibiotika, Betablocker und Antidepressiva hätten als Nebenwirkung vielfach Schwindel. Der erste Weg, so empfahl der Neurologe, sollte immer zum Hausarzt führen: „Und bei Bedarf dann direkt weiter zum Facharzt.“

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 205 – 2014