WN-Abendvisite Nachlese:
Schwerhörig , was tun?

Abendvisite-Nachlese vom Oktober 2013

mit Prof. Dr. Claudia Rudack, Direktorin der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik am Universitätsklinikum Münster

von Martina Döbbe

Hören, vor allem gut hören, ist einfach ein Grundbedürfnis des Menschen. „Gut hören, besser leben“, ist das Motto: Wer andere nicht mehr versteht, wer Gesprächen nicht folgen kann, der ist schnell isoliert. In Deutschland geht es 14 Millionen Menschen so: Sie sind schwerhörig oder sogar taub. 30.000 von ihnen sind mittlerweile mit einem Cochlea Implantat versorgt, einer Hörprothese für Betroffene, deren Hörnerv noch funktioniert. 2.800 dieser Hilfsmittel werden in Deutschland jährlich eingesetzt, berichtete Prof. Dr. Claudia Rudack in der Abendvisite. „Schwerhörig – was nun?“ war die Frage, auf die die 100 Besucher im Medienhaus Aschendorff von der Direktorin der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik im UKM gleich mehrere Antworten bekamen.

Denn: Es gibt nicht immer nur eine Möglichkeit, machte die Fachmedizinerin den Zuhörern deutlich. Zunächst gilt es, exakt festzustellen, wie groß das Hörvermögen überhaupt noch ist. Im Tonaudiogramm kann alles von „normal bis völlig taub“ ermittelt werden. „Und daran muss sich die Behandlung orientieren“, so die Expertin. Zur Orientierung: Wenn ein Wasserhahn tropfe, dann liege das bei zehn Dezibel, ein Düsenjet hinterlasse eine Dröhnung von 120 Dezibel. Wer merke, dass sein Hörvermögen nachlasse, der sollte auf keinen Fall zu lange warten, sich ein Hörgerät zuzulegen. „So früh wie nötig damit beginnen.“ In der Fragerunde kamen viele Klagen und unzufriedene Beiträge gerade zu dem Thema: „Nicht gut eingestellt, Verzerrungen, Hörqualität schlecht“, berichteten Betroffene. Ihnen riet Prof. Rudack, auf jeden Fall nicht aufzugeben und verschiedene Geräte zu testen und anpassen zu lassen, ehe man sie kaufe.

Der chirurgische Eingriff – zum Beispiel das Cochela-Implantat oder ein Hybrid-Sysrtem, das auf einer elektroakustischen Stimulation beruhe – sei risikoarm. Patienten, für die eins der Systeme in Frage kommen, würden entsprechend vorbereitet, um die Handhabung und das Leben im Alltag mit Implantat im Ohr zu lernen. Eins jedenfalls, so Prof. Rudack auf eine entsprechende Nachfrage, sei sicher: „Ob Sport, duschen oder Gartenarbeit, mann kann alles damit machen.“

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 253 – 2013