WN-Abendvisite Nachlese:
Schmerz ist nicht gleich Schmerz

Abendvisite-Nachlese vom Januar 2014

mit Prof. Dr. Ingrid Gralow, Leiterin der Schmerzambulanz am Universitätsklinikum Münster informierte die Zuhörer in der Abendvisite über die verschiedenen Möglichkeiten der Schmerzbehandlung.

von Martina Döbbe

Ab wann sind Schmerzen chronisch? Machen Schmerzmittel abhängig? Gibt es neue Medikamente, vielleicht „kleine Wundermittel“, die schneller helfen als bisher bekannte? Fragen über Fragen, die Prof. Dr. Ingrid Gralow in der Abendvisite Punkt für Punkt „abarbeitete“. Die Leiterin der Schmerzambulanz am Universitätsklinikum Münster informierte am Dienstagabend über das breite Spektrum „Schmerzen und ihre Behandlung“. Und machte dabei als Erstes deutlich: „Schmerz ist nicht gleich Schmerz.“ Jeder Mensch empfinde Schmerzen anders, jeder bewerte auf einer Mess-Skala von eins bis zehn sein Schmerzempfinden subjektiv. Ob es ein Brennen, Stechen oder Ziehen sei – wichtig sei zunächst, der Ursache der Schmerzen auf die Spur zu kommen, um darauf die richtig Behandlung aufzubauen.

Beispiele von Erkrankungen, die mit starken und ständigen Schmerzen verbunden sind, nannte die Expertin viele: Zum Beispiel im Bereich der Nerven die Gürtelrose oder die Trigeminusneuralgie, in anderen Bereichen den Rückenschmerz, Rheuma, Gelenkschmerzen und auch Migräne und Kopfschmerzen.

Nie vergessen dürfe man bei der Ursachenforschung die psychosoziale Faktoren der Betroffenen: „Man kann Körper, Seele und Geist nicht voneinander trennen. Sie beeinflussen sich“, betonte die Medizinerin. Und weil häufig auch die Seele krank sei, könnten zu einer umfassenden Schmerztherapie auch Psychotherapie, Entspannung und Verhaltenstherapie als Ergänzung eingebaut werden.

Von chronischen Schmerzen spreche man in der Regel, wenn die Beschwerden länger als drei Monate andauerten. Auch die Sorge, von einem Medikament abhängig zu werden, sei weit verbreitet. Dauer der Einnahme und Dosis spielten eine große Rolle, müssten deshalb immer individuell angepasst werden. Und von angeblichen „neuen Wundermitteln“ dürfe man sich nicht blenden lassen. „Wir können keine Wunder vollbringen. Wir können nur versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten den individuellen Leidensdruck jedes Patienten für ihn persönlich erträglich zu machen“, betonte die Leiterin der Schmerzambulanz. Dabei werde am UKM auch interdisziplinär mit allen Fachabteilungen eng zusammengearbeitet. Und eins dürfe man dabei nicht vergessen: „Schmerz ist ein wichtiges Warnsignal und zeigt, dass etwas nicht in Ordnung ist.“

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 31 – 2014