WN-Abendvisite Nachlese:
Risiken und Nutzen der modernen Strahlentherapie.

Abendvisite-Nachlese vom November 2013

mit Prof. Dr. med. Hans Theo Eich, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Prof. Dr. med. Uwe Haverkamp, Leitender Medizinphysiker am Universitätsklinikum Münster über die Therapie von Tumoren unter Abwägung von Risiko und Nutzen.

von Martina Döbbe

„Radioonkologie – Was kann sie, wem nützt sie?“ – unter dieser Überschrift informierten Prof. Dr. Hans Th. Eich und Prof. Dr. Uwe Haverkamp in der jüngsten Abendvisite über die Möglichkeiten der modernen Strahlentherapie.

Strahlentherapie – das ist moderne Medizintechnik pur. Aber, so sagen Prof. Dr. Hans Theo Eich und Prof. Dr. Uwe Haverkamp übereinstimmend, diese Technik darf nur ein Ziel haben: „Sie muss einzig und allein zum Wohl der Menschen eingesetzt werden.“ Und: „Wir Ärzte müssen diese Technik beherrschen, nicht umgekehrt.“

Unter diesem Aspekt führten die beiden Experten des Universitätsklinikums Münster die Zuhörer der Abendvisite am Dienstag in eine Welt, in der Diagnostik und Behandlung für jeden Patienten einen individuellen Weg ermöglichen können, um ihre Erkrankung entweder ganz zu heilen (kurativ), zumindest aber Beschwerden zu lindern (palliativ). Dabei, so der Direktor der Klinik für Strahlentherapie und der Leitende Medizinphysiker übereinstimmend, gebe es nicht den einen richtigen Weg für alle, sondern nur auf den einzelnen zugeschnittene Lösungen. Immer unter dem Aspekt: Risiko und Nutzen gegeneinander abwägen.

Nach dieser Maxime werde täglich in der Klinik gearbeitet: 1800 Patienten, so Prof. Eich, bekommen dort jährlich eine Strahlentherapie. „Prostatakrebs, Brustkrebs, Darmkrebs, Knochen- oder Hirntumor“, nannte er einige Beispiele aus dem Diagnosespektrum. Zu 95 Prozent seien es bösartige Erkrankungen, aber auch bei gutartigen Tumoren werde Strahlentherapie eingesetzt.

Dabei, so die beiden Experten, gebe es verschiedene Möglichkeiten. „Wir können vor einer Operation bestrahlen, wir können während einer Operation bestrahlen und natürlich nach dem Eingriff.“ Welche Vorgehensweise die richtige sei, das hänge ausschließlich von der Erkrankung und ihrem Stadium ab. „Jeder Patient bekommt die Therapie, die am besten für ihn ist“, versicherten Eich und Haverkamp.

Und doch: Die Angst vor Strahlen, vor Nebenwirkungen, vor zu hoher Dosis, zu viel Röntgenaufnahmen treibe viele Patienten um, das wissen sie aus dem Alltag. Deshalb sei es auch wichtig, vor jeder Behandlung die Risiken für Nebenwirkungen möglichst exakt zu berechnen.

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 276 – 2013