WN-Abendvisite Nachlese:
Psychische Probleme – Rechtzeitig die Bremse ziehen

Abendvisite-Nachlese vom November 2013

mit Prof. Dr. Volker Arolt, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie am Universitätsklinikum Münster

von Martina Döbbe

Depressionen und Angsterkrankungen stehen an der Spitze der psychischen Probleme. Dies machte Prof. Dr. Volker Arolt, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie, in der Abendvisite deutlich.

Psychische Probleme sind sehr häufig. „Es gibt kaum eine Familie, in der nicht mindestens einer davon betroffen ist“, sagt Prof. Dr. Volker Arolt. In der Abendvisite am Dienstag zeigte der Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie seinen Zuhörern auf, wie schnell der Weg zum Beispiel von einem Burn-out in die Depression führen kann, welche Risiken es überhaupt gibt, an einer Depression zu erkranken – aber auch, welche Wege aus diesem für die Betroffenen tiefen Tal wieder herausführen können.

Vielfach verbreitet sei der Eindruck, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen habe. Ein Punkt, den man nicht einfach so widerspruchslos im Raum stehen lassen dürfe. Zum Vergleich: Bei einer Studie 1998 sei festgestellt worden, dass von 4000 Teilnehmern 8,3 Prozent von einer schweren depressiven Störung betroffen seien. Eine Untersuchung 2011 sei auf etwa den gleichen Wert gekommen. Doch natürlich habe sich auch etwas verändert: „Die Menschen gehen mit psychischen Problemen häufiger zum Arzt, die Einstellung zu diesen Erkrankungen hat sich verändert und auch die Möglichkeiten der Diagnostik sind besser geworden“, betonte der Experte. „Psychische Probleme werden ernster genommen.“ Sie führten dazu, dass Betroffene deutlich häufiger krank geschrieben werden: „Diese Kurve ist rasant angestiegen“, so Prof. Arolt. Zwölf Fehltage seien ein Durchschnittswert, der dazu ermittelt worden sei.

Depressionen und Angsterkrankungen stehen an der Spitze der psychischen Probleme. Risiken, daran zu erkranken, könnten sowohl in der frühkindlichen Entwicklung liegen (früher Verlust eines Elternteils, mangelnde Fürsorge, Verwahrlosung, Gefühlskälte), aber auch in der aktuellen Lebenssituation: „Überlastung in der Familie, im Beruf, Arbeitslosigkeit oder schwere, körperliche Erkrankungen können Auslöser sein.“ Und: „Wer nicht rechtzeitig die Bremse zieht und aussteigen kann, der rutscht da schnell hinein.“

Der Fachmediziner forderte Gegenmaßnahmen, die sowohl in Firmen und Betrieben, als auch in der Schule angeraten seien. „Wir müssen alle aufpassen, dass diese Gesellschaft sich nicht so weiterentwickelt. Jeder für sich muss überlegen, wie er gegensteuern kann.“ Wer sich nicht dagegen wehre – oder wehren könne – sei gefährdet.

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 264 – 2013