WN-Abendvisite Nachlese:
Prostata – Lästige Beschwerden

Abendvisite-Nachlese vom März 2014

mit Prof. Dr. Lothar Hertle, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Münster. Gutartige Veränderungen der Prostata im Blickpunkt der Abendvisite

von Martina Döbbe

Die Vergrößerung der Prostata – ein Thema, das junge Männer meistens noch nicht interessieret. Bei einem 25-Jährigen, da habe diese Drüse, die Größe einer Kastanie, bei Männern ab 50 dagegen seinen oftmals schon deutliche Vergrößerungen feststellbar, sagt Prof. Dr. Lothar Hertle. „Manchmal sogar vergleichbar mit einer Mandarine. Aber das kann harmlos sein“, betont der Fachmediziner. Das Ausmaß der Vergrößerung habe nichts mit gutartig oder bösartig zu tun. Entscheidend für die Behandlung seien allein die Beschwerden. die Patienten haben, erläutert der Direktor der Universitätsklinik für Urologie in der Abendvisite am Dienstag.

Einen schwächer werdender Urinstrahl nennt der Mediziner als Beispiel, aber auch eine Reizblase mit ständig starkem Harndrang. Gefährlicher werde es dann, wenn immer Urin inder Blase bleie und diese sich nicht mehr vollständig entleere. Manchmal gebe es einen Rückstau bis in die Nieren – und dann müsse schnell gehandelt werden. „Dann hilft nur noch ein Katheter.“

Doch das seien immer noch Einzelfälle, die Mehrzahl der Betroffenen klage bei der Vergrößerung über ständiges Aufstehen in der Nacht und den nicht nachlassenden Harndrang am Tag.

Zu den Untersuchungsmöglichkeiten greifen Urologen unter anderem auf Ultraschall zurück, aber auch auf ein Gerät, das die Harnflusskurve messen könne. Neben dem Tastbefund könne auch der PSA-Wert im Blut des Patienten Aufschluss geben.

Zur Behandlung stehen zum einen Medikamente, zum anderen auch operative Eingriffe zur Verfügung. Bei den Medikamenten, besonders den frei verkäuflichen, pflanzlichen Präparaten machte der Fachmediziner keinen Hehl daraus, dass sie wenig effektiv seien. „Die Werbung mach große Versprechen, die sind nicht zu halten und nicht belegbar.“ Man könne sie ausprobieren, dürfe aber nicht enttäuscht sein, wenn der Erfolg ausbleibe. „Sie haben nur einen Vorteil, sie schaden nicht.“

Bei den Eingriffen könne störendes Gewebe der Prostata entfernt werden. Ausschälen mit Hilfe von Strom oder durch eine Laser-Resektion. „Das ist ein Handwerk, jemand muss es gut beherrschen“, das sei die wichtige Voraussetzung.

Und können Betroffene auch selbst etwas tun? Übergewicht sein ein Risiko: Also Pfunde reduzieren und ab 18 Uhr wenig trinken, das könne jeder für sich ausprobieren, rät der Experte.

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 79 – 2014