WN-Abendvisite Nachlese:
Nieren müssen Hochleistung liefern

Abendvisite-Nachlese vom November 2014

mit Prof. Dr. Barbara Suwelack und Privatdozent Dr. Heiner Wolters aus dem Universitätsklinikum Münster über Nierenerkrankungen, über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

von Martina Döbbe

Diabetes-Kranke und Patienten mit Bluthochdruck müssen besonders gut auf ihre Nieren achten. Nieren sind wahre Hochleistungsorgane. Sie sorgen – unter anderem – dafür, dass Wasser und Abfallstoffe aus dem Körper transportiert werden. Funktioniert das nicht, dann lagert sich Wasser ein, der Körper kann mit Lungenödem und regelrechten Vergiftungserscheinungen reagieren: „Und dann wird es gefährlich“, warnen Prof. Dr. Barbara Suwelack und Privatdozent Dr. Heiner Wolters. In der Abendvisite im Medienhaus Aschendorff informierten die beiden Experten aus dem Universitätsklinikum über Nierenerkrankungen, über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Wer an Diabetes oder Bluthochdruck erkrankt ist, der habe auch ein höheres Risiko einer Nierenschädigung. Deshalb sei es wichtig, gut eingestellt zu sein. Aber: „Auch Medikamente können die Nierenfunktion beeinträchtigen.“ Das passiere oft schleichend, so dass in einem Anfangsstadium eine Nierenerkrankung nicht immer bemerkt werde. „Leider werden Patienten oft zu spät zum Nephrologen geschickt“, bedauerten beide Referenten.

Die Zahl derjenigen, die dann auf die Dialyse angewiesen sind, steige deutlich. „Vor zehn Jahren waren es 60 000 Patienten, heute sind es etwa 70 000. Und jedes Jahr kommen 10 000 bis 15 000 neue Patenten dazu.“ Das Dilemma: Der Bedarf an Spenderorganen steige, die Bereitschaft zu spenden aber sinke. „Auf eine Million Einwohner kommen zurzeit zwölf Spender.“

Umso größere Bedeutung bekomme die Lebensspende, bei der ein naher Verwandter, ein Ehe- oder Lebenspartner oder ein enger Freund eine Niere spende. 2013 war es allein in Deutschland rund 725mal der Fall. „Und das funktioniert auch, wenn nicht beide – Spender und Empfänger – die gleiche Blutgruppe haben.“ Alle 39 Spezialzentren – zu denen auch das UKM zählt – bietet dazu eine umfassende Beratung und Begleitung an.

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 276 – 2014