WN-Abendvisite Nachlese:
Gesund durch die Wechseljahre

Abendvisite-Nachlese vom Mai 2016

mit Prof. Dr. Ludwig Kiesel, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am UKM zum Thema Wechseljahre.

von Maria Conlan

Medienwirksam behauptete Angelina Jolie „Ich liebe es, in der Menopause zu sein“. Dazu bekannte sich keine der 30 Zuhörerinnen in der Bezirksregierung am Dienstagabend. Prof. Dr. Ludwig Kiesel, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am UKM, sprach bei der Abendvisite über das Thema „Gesund durch die Wechseljahre“. Moderiert wurde der informative und kurzweilige Abend von Redakteurin Annegret Schwegmann.

Bei den meisten Frauen tritt die Menopause um das 50. Lebensjahr ein. Die Liste möglicher Symptome ist lang, zu den häufigsten gehören Vergesslichkeit, Schlafstörungen und Hitzewallungen. Bei manchen klingen die Beschwerden nach drei Jahren ab, bei einem Prozent der Frauen halten sie über zehn Jahre an. Bei zu starkem Leidensdruck versuchte Kiesel eine Bresche für frühzeitige Hormonbehandlung zu schlagen. Der Gynäkologe unterschied zwischen medienwirksamer Antipropaganda und wissenschaftlichen Studien, Fehlwahrnehmung und Fakten. So gäbe es auch bei Todesursachen von Frauen starke Irritationen. Kiesel zitierte Umfrageergebnisse, bei denen 39 Prozent Brustkrebs als Haupttodesursache einschätzten, tatsächlich macht dies 4 Prozent aus. An erster Stelle liegen Herz-Kreislauferkrankungen mit 45 Prozent gegenüber geschätzten 18 Prozent.

Wechseljahre lassen sich durch entsprechenden Lebensstil beschwerdefreier gestalten. Größere Krebsrisiken als Hormonbehandlung stellen Übergewicht, Alkohol, Bewegungsmangel und Rauchen dar. Schon der tägliche Konsum von ein bis zwei Gläsern Wein sei für Frauen schädlich. „Doch das steht nirgendwo“, monierte Kiesel.

Regelmäßig Sporttreiben empfahl der Gynäkologe. Wichtig sei es, eine Sportart zu wählen, die persönlich Spaß mache. Schon zwei Mal wöchentlich 30 Minuten Sport könne positive Wirkung zeigen. Für Infos zu Alternativtherapien (Phytoöstrogene) empfahl Kiesel die Internetseite www.nal.usda.gov/fnic/.

Kiesel erläuterte Beschwerden und stellte Therapiemöglichkeiten vor. Er verwies in dem Zusammenhang auf die Sondersprechstunde der Uniklinik bei Blasenschwäche, ein Tabuthema. Kiesel umriss auch mögliche Spätfolgen wie Osteoporose und Thrombose. Statt Angst zu schüren, war Aufklärung seine Absicht. Die Fakten vermittelte er verständlich und humorvoll. Und er beantworteten viele Fragen.

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 121 – 2016