WN-Abendvisite Nachlese:
Diagnose und Behandlungsmethode Teufelskreis Schmerz

Abendvisite-Nachlese vom März 2016

mit Privatdozent Dr. Daniel Pöpping, Leiter der Schmerzklinik im Universitätsklinikum Münster (UKM) zu Diagnose und Behandlungsmethoden von chronischen Schmerzen

von Martina Döbbe

Ob Kopfschmerz oder Knieproblem, ob  Rücken oder Rheuma, ob Arthrose oder Asthma – 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen.

Sie nehmen täglich Medikamente – manche verordnet, manche freiverkäuflich. Allein der Umsatz von rezeptfreien Mitteln wird für das Jahr 2011 mit 1,1 Milliarden Euro beziffert. Rezeptfrei heißt aber nicht frei von Nebenwirkungen – und die können durchaus gefährlich sein. Privatdozent Dr. Daniel Pöpping gab den Zuhörern in der Abendvisite am Dienstag vor allem eins mit auf den Weg: „Exakte Schmerzdiagnostik muss immer vor der Schmerztherapie stehen, sonst ist das Risiko zu hoch, falsch zu behandeln.“ Das gelte auch für die Eigenmedikation: Bei Kopfschmerzen sollte man wissen, dass auch die Einnahme von Medikamenten wiederum neue Kopfschmerzen auslösen können.

Schmerz ist nicht gleich Schmerz – und unterscheiden müsse man zwischen dem akuten und  dem chronischen Schmerz. „Eine Verletzung zum Beispiel ist akut, man kennt die Ursache und kann für den Zeitraum der Heilung die Schmerzen entsprechend behandeln“, skizzierte er den „einfachen“ Fall.
Anders sehe es aus, wenn durch eine Erkrankung wie Rheuma oder Gürtelrose, Krebs oder Migräne Schmerzen chronisch werden: „Davon sprechen wir, wenn der Zeitraum mehr als drei bis sechs Monate andauert.“ Zudem müsse der Arzt immer im Blick haben, dass viele Patienten mehrere Medikamente gleichzeitig nehmen: „Und die können sich in der Wirkung gegenseitig beeinflussen und einschränken.“

Ob nichtopioide Analgetika, Opioide oder Lokalanästhetika: „Kein Mittel ohne Nebenwirkung.“ Oftmals sei der Magen betroffen: Schleimhautschäden, Geschwüre, Magenblutung stehen nicht nur als Risiko auf dem Beipackzettel: „Viele Patienten leiden sehr unter solchen Nebenwirkungen.“ Deshalb sei es wichtig, den Zeitraum der Einnahme möglichst kurz zu halten. Parallel einzunehmende Magentabletten verringern zwar das Risiko, schließen es aber nicht komplett aus.“

Menschen, die täglich Schmerzen haben, geraten schnell in einen wahren Teufelskreis – das kennt Dr. Pöpping als Leiter der Schmerzklinik im Universitätsklinikum Münster (UKM) aus seiner täglichen Arbeit. „Ich bin weit davon entfernt, allen zu versprechen, komplett schmerzfrei zu werden“, sagt er ganz ehrlich. Doch in der Regel könne man einen Weg finden, die Schmerzen zu lindern. Dabei helfe in der Klinik das sogenannte multimodale Modell: Die Behandlung ruht auf mehreren Säulen. Dazu zähle Physio- und Psychotherapie ebenso wie Entspannungstraining und Kunsttherapie. „Es ist wichtig, den Blick wegzulenken vom Schmerz, das kann man lernen“, macht der Fachmediziner allen Mut, sich nicht von Schmerzen die Lebensfreude nehmen zu lassen.
 

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 59 – 2016