WN-Abendvisite Nachlese:
Prostatakarzinom ist die häufigste Turmorerkrankung

Abendvisite-Nachlese vom April 2016

mit Prof. Dr. Andres Jan Schrader, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Münster zum Thema Prostatakarzinom.

von Martina Döbbe

Prostatakrebs ist ein Leiden, das viele Männer betrifft. Bei Männern ist es ausgesprochen gefürchtet: das Prostatakarzinom. Nicht ohne Grund : „Es ist die häufigste Tumorerkrankung überhaupt bei Männern in der westlichen Welt“, unterstreicht Prof. Dr. Andres Jan Schrader. Allein in Deutschland, so berichtet der Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Münster, erkranken zwischen 60 000 und 70 000 Patienten jährlich neu daran. Dann aber folgt das „Aber“: „Kein Prostatakarzinom ist wie das andere“, betont der Experte in der Abendvisite am Dienstag. Mögliche  Veränderungen – abzulesen zum  Beispiel am PSA-Wert, an der Größe der Prostata und auch am Ergebnis von Gewebeproben – müsse man individuell bei jedem abwägen, um daraus die notwendige Therapie abzuleiten.

Veränderungen der Prostata generell seien in der Regel durchaus „Alterserscheinungen“: „Kaum ein Mann unter 45 Jahren hat in dem Bereich Probleme.“ Das Durchschnittsalter der Betroffenen habe sich inzwischen laut Studien bei 69 Jahren eingependelt. Und: Auch die Lebensweise könne durchaus Einfluss haben. „Bei Asiaten, die in Asien leben, findet sich die Erkrankung sehr selten. Siedeln sie beispielsweise in die USA um, sind sie deutlich häufiger betroffen.“ Hohe Cholesterinwerte hätten Studien zufolge ebenfalls negative Auswirkungen. Bekannt und belegt sei inzwischen auch die genetische Komponente: „Sind Vater oder Bruder betroffen, haben weitere Männer in der Familie ebenfalls ein erhöhtes  Risiko.“

Um aber bei den aggressiven Formen des Prostatakarzinoms rechtzeitig mit der Therapie beginnen zu können, sei das A und O die Früherkennung. „Leider ist vielen das nicht so wichtig. Nur 15 Prozent der Männer nehmen das Angebot der Vorsorge überhaupt wahr.“ Den Gang zum Arzt würden viele erst antreten, wenn sie spürbare Einschränkungen erleben: „Probleme beim Wasser lassen, immer häufiger zur Toilette müssen, besonders lästig das nächtliche Aufstehen.“

Die erste Untersuchungsmöglichkeit sei der Tastbefund durch den Enddarm. Gebe es Hinweise auf Veränderungen würden Ultraschall, Biopsie, PSA-Wert und MRT das Diagnose-Spektrum abrunden. „Wir unterteilen Prostatakarzinome in fünf Stufen, sie bewegen sich zwischen nicht behandlungsbedürftig und hoch aggressiv.“ Entsprechend unterschiedlich sei auch die Therapie ausgerichtet: Bei leichten Fällen genüge oft ein Beobachten und regelmäßige Kontrolle.

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 81 – 2016