WN-Abendvisite Nachlese:
Künstliches Gelenk: Ein Leben ohne Gelenk-Schmerzen

Abendvisite-Nachlese vom März 2014

mit Prof. Dr. Georg Gosheger, Direktor der Klinik für Allgemeien Orthopädie und Tumororthopädie, Dr. Ralf Dieckmann und Prof. Dr. Dennis Liem am Universitätsklinikum Münster. Ob Knie, Hüfte oder Schulter – ein künstliches Gelenk soll Patienten nach der Operation ein Leben ohne Beschwerden ermöglichen. Die Experten erläuterten den Zuhörern in der Abendvisite, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist.

von Martina Döbbe

Der Patient hat genau vier Möglichkeiten: Ignorieren, Tabletten nehmen, Spritzen bekommen und operiert werden. Menschen, die Schmerzen in den Gelenken spüren, kennen diese Stufenleiter. Ob Knie, Hüfte oder Schulter – wer Beschwerden hat, der versucht alles, sie in den Griff zu bekommen. Der chirurgische Eingriff gilt dabei oft als letztes Mittel. „Dabei ist es schon wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Nicht zu früh, aber auch nicht zu spät“, empfehlen die drei Experten, die in der Abendvisite am Dienstag im Medienhaus Aschendorff das „Ersatzteillager Mensch“ in den Blickpunkt rücken.

Entscheidend für den Einsatz eines künstlichen Gelenks sei immer die persönliche Lebensqualität, betont Prof. Dr. Georg Gosheger. Der Direktor der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie am Universitätsklinikum Münster nennt dabei die Ziele, die ein Gelenkersatz erreichen soll: „Schmerzfreiheit, Mobilität, Beweglichkeit.“ Und deshalb könne nie der Arzt allein entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt sei, sondern immer nur gemeinsam mit dem Patienten: „Wir behandeln Menschen, keine Röntgenbilder“, sagt er deutlich.

Während künstliche Gelenke für Hüfte und Knie deutlich häufiger implantiert werden, ist die Schulterchirurgie erst in den vergangenen 20 Jahren „nachgerückt“. Etwa 25 .000 künstliche Schultern werden nach Aussagen von Prof. Dr. Dennis Liem jährlich deutschlandweit eingesetzt. Zum Vergleich: Demgegenüber stehen 210. 000 Hüften und 165. 000 Kniegelenke.

Das Ziel aber ist bei allen Operationen gleich: „So gut wie möglich die normale Anatomie wiederherstellen und die Mobilität verbessern“, sagt Dr. Ralf Dieckmann, der aber auch klar macht: „Ein künstliches Gelenk kann Patienten nicht die Beweglichkeit eines 20-Jährigen zurückgeben.“

Wie lange hält denn nun eine Prothese, welche Risiken gibt es, dass sie gewechselt werden muss? „Die Studien zeigen, dass knapp 90 Prozent der künstlichen Gelenke mehr als 15 Jahre halten. Lockerungen, Infektionen könnten der Grund für einen Austausch sein, den aber niemand fürchten müsse, wie Prof. Dr. Georg Gosheger ausdrücklich betont. Der Klinikchef weist daraufhin, dass sich auch bei den Kunstgelenken vieles weiterentwickelt habe – und eins liegt ihm besonders am Herzen: „Bei uns bekommt jeder die Prothese, die für ihn individuell die beste ist.“

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 66 – 2014