WN-Abendvisite Nachlese:
Juckreiz: Hilfe, meine Haut juckt

Abendvisite-Nachlese vom Februar 2015

mit Prof. Dr. Sonja Ständer Leiterin der Juckreizambulanz an der Universitäts-Hautklinik Münster, zum Thema Juckreiz und ihre Diagnose und Therapiemöglichkeiten.

von Martina Döbbe

Die Haut juckt, der Mensch kratzt. Und die anderen sagen: „Lass es doch, wasch dich lieber!“ Kein Scherz, sondern oft erlebter Alltag, berichtet Prof. Dr. Sonja Ständer. Juckreiz – das sei immer noch mit der Vorstellung mangelnder Hygiene oder gar Parasitenbefall behaftet. „Völlig falsch“, betont die Dermatologin. Sie ist Expertin auf dem Gebiet und leitet die Juckreiz-Ambulanz in der Universitäts-Hautklinik Münster. Und den Besuchern der Abendvisite gibt sie am Dienstag vor allem eins mit auf den Weg: „Nehmen Sie Juckreiz ernst. Gehen Sie damit zum Arzt, lassen Sie die Ursache abklären. Verstecken Sie sich nicht.“ Um zu vermeiden, dass er schlimmer wird, um zu vermeiden, dass er chronisch wird.

Die Auslöser dafür zu finden, das gestalte sich oftmals auch für Experten recht schwierig. „Man muss alles wie ein Puzzle zusammensetzen“, erläutert die Fachmedizinern und informiert die Zuhörer über die Vielfalt der empfindlichen Fasern, die in den verschiedenen Hautschichten für den Juckreiz „zuständig“ sind. Patienten beschreiben ihrer Erfahrung nach das Problem oft mit ganz unterschiedlichen Begriffen: „Einige klagen über brennendes Jucken, andere verspüren ein Stechen, ein Ameisenkribbeln“, nennt sie einige Beispiele. Und die natürlichste Reaktion: „Kratzen.“ Aber Vorsicht: „Auch das Kratzen selbst löst auf der Haut neue Reaktionen aus. Sogenannte Kratzläsionen, Spuren auf der Haut, die manchmal dann tatsächlich aussehen wie eine krankhafte Veränderung.“

Erkrankungen der Leber, der Nieren, des Nervensystems oder Diabetes können mit Juckreiz einhergehen. Auch viele Medikamente verursachen diese Hautveränderung, die für die Betroffenen vor allem eins bedeutet: „Verlust der Lebensqualität“, sagt Prof. Ständer. Und so weit dürfe es gar nicht kommen. Neben der ärztlichen Begleitung sei es wichtig, bestimmte Verhaltensregeln im Alltag auf den Prüfstand zu stellen: Nicht zu viel waschen, baden, duschen, das trockne die Haut zusätzlich aus. Immer rückfettende Produkte verwenden, bei Cremes auf den Harnstoffgehalt achten und sich fachlich beraten lassen. „Nicht kurzfristig alles mögliche nacheinander ausprobieren.“ Außerdem gebe es verschiedene Medikamente für Juckreiz-Patienten, die individuell je nach Diagnose eingesetzt werden. Vor allem aber appellierte sie auch an den Zuhörer: „Man muss Geduld haben, die Erkrankung lässt sich leider nicht von heute auf morgen in einer Fünf-Minuten-Behandlung heilen.“

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 29 – 2015