WN-Abendvisite Nachlese:
Implantate – Fester Biss gewünscht

Abendvisite-Nachlese vom Oktober 2014

mit Prof. Dr. Johannes Kleinheinz, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg aus dem Universitätsklinikum Münster zum Thema Implantate.

von Martina Döbbe

Wer möchte schon gern mit einer Zahnlücke herumlaufen? Prof. Dr. Johannes Kleinheinz weiß es ganz genau: „Niemand“, sagt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg aus dem Universitätsklinikum. Die Patienten seien froh, wenn fehlende Zähne ersetzt werden können. „Und am besten so, dass man es nicht sieht“, fügt der Fachmann hinzu. In der Abendvisite am Dienstag informierte er die Zuhörer über die Möglichkeiten, die Implantate bieten. Wobei er auch deutlich machte: „Es geht nicht darum, leichtfertig Zähne zu ersetzen. Wir hängen an jedem Zahn, wir kämpfen auch um jeden Zahn. Nichts ist so gut, wie das eigene Gebiss. Und jeder möchte gern fest zubeißen.“

Doch ob durch einen Unfall, durch Erkrankungen oder im Alter: „Es gibt immer Situationen, wo der Zahnverlust nicht zu verhindern ist.“ Ob Einzellücke, verkürzte Zahnreihen oder ein zahnloser Kiefer – jeder Patient könne versorgt werden: „Wichtig ist, dass für jeden individuell ein Konzept erstellt wird. Es gibt nicht die eine Lösung für alle.“

Das beginne schon bei der Auswahl des Materials: Titan, Keramik oder eine Mischung aus beidem stehe zur Verfügung. Was ist nun das Richtige? „Da können Sie nur Ihren Arzt fragen, fragen und noch mal fragen“, empfahl der Fachmann. Denn entscheiden sollte das der Patient: „Nachdem er alle Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten kennt.“ Auf dem Markt seien nahezu 500 Implantat-Systeme, von denen er höchstens fünf einsetze. „Lassen Sie sich über Alternativen aufklären.“

Am Tag der OP sollten die Patienten gut gefrühstückt haben, ehe der Eingriff beginnt. „Denn sonst kippen Sie mir vom Tisch.“ Apropos Tisch: „Wir haben die Möglichkeit, Sie in jeder Lage zu operieren. Es gibt Patienten, die können nicht liegen, sie sitzen bei dem Eingriff. Andere können nur liegen. Wir stellen uns darauf ein.“

Nicht verschweigen dürfe man, dass auch Komplikationen möglich sein können. „Nervverletzungen, Nachblutungen oder Wundinfektionen“, nannte Prof. Kleinheinz als Beispiele. Dass es nach dem Eingriff für den Patienten gut weiter gehe, dazu müsse er auch selbst beitragen: „Eine gute Mundhygiene ist Grundvoraussetzung. Ein Implantat braucht mindestens so viel Pflege wie eine eigener Zahn.“

Mit Blick auf die Kosten müsse man festhalten: „In vielen Fällen ist ein Implantat nach wie vor eine Privatleistung. Gesetzliche Kassen zahlen bei medizinischen Indikationen. Aber jeder Patient sollte mit seinem speziellen Fall und einem Kostenvoranschlag mit seiner Krankenkasse verhandeln.“

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 229 – 2014