WN-Abendviste Nachlese:
Herzrhythmus-Störungen – Tückisches Vorhof-Flimmern

Abendvisite-Nachlese vom Januar 2016

mit Prof. Dr. Lars Eckardt, Leiter der Abteilung für Rhythmologie des Department für Kardiologie und Angiologie des Universitätsklinikums Münster.

von Martina Döbbe

Tückisch ist diese Erkrankung – zumal, wenn sie sich nicht bemerkbar macht. Vorhof-Flimmern, so sagt Prof. Dr. Lars Eckardt bei der Abendvisite, gilt etwa bei einem Drittel der Schlaganfall-Patienten als Auslöser.

Stolpert das Herz, rast es, macht es Extraschläge, dann werden Betroffene aufmerksam und gehen zum Arzt. Haben sie keine Beschwerden, dann ist es oft ein Zufallsbefund, der diese Herzrhythmus-Störung an den Tag bringt. Immer gehe es anschließend in der Behandlung darum, für jeden den individuell richtigen Behandlungsweg zu finden, betonte der Leiter der Abteilung für Rhythmologie des Department für Kardiologie und Angiologie des Universitätsklinikums Münster in der Abendvisite am Dienstag. Medikamente, Elektroschock-Therapie, Katheter-Ablation – was für den einzelnen empfehlenswert sei, hänge entscheidend von seinen Beschwerden und der damit verbundenen Lebensqualität ab. Denn vielfach rücke nach der Diagnose auch  Angst in den Vordergrund: „Jetzt ist meine Lebenserwartung nur noch gering.“
Richtig sei: „Das Herz ist ein Muskel.“ Und der müsse kontinuierlich schlagen: „Sonst endet das Leben.“ Wer Vorhof-Flimmern habe – und das seien in Deutschland etwa zwei Prozent der Bevölkerung – müsse sich mit dem Risiko des Schlaganfalls auseinandersetzen. „Deshalb werden in vielen Fällen blutverdünnende Mittel verordnet, um die Gerinnung herabzusetzen.“ Auf der anderen Seite steige damit aber das Blutungsrisiko bei Verletzungen: „Das muss man im Blick behalten.“

Andere Patienten kämen mit dem System „Pill in the Pocket“ gut klar: Sie nähmen nicht täglich Medikamente, sondern hätten die „Notfall-Pille“ immer dabei, um sie bei Beschwerden direkt einzunehmen. Denn niemand könne punktgenau vorhersagen, wann er wieder Vorhof-Flimmern bekomme.

Auch Eingriffe wie zum Beispiel die Katheter-Ablation oder Kardioversion stehen den Medizinern zur Verfügung, wenn sich die Beschwerden nicht über Medikamente verringern lassen. Ziel müsse es immer sein, so Prof. Eckardt, den Rhythmus des Herzens dauerhaft zu stabilisieren. Dafür gebe es allerdings auch bei diesen Verfahren keine Garantie: „Es gibt immer Fälle, in denen es gut anschlägt, es gibt immer Fälle, in denen es nach einiger Zeit ein Rezidiv gibt. Das heißt, dann sind die Probleme wieder da.“ In Einzelfällen sei auch ein Herzschrittmacher denkbar.

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 23 – 2016