WN-Abendvisite Nachlese:
Geduld bei Vielnervenkrankheit

Abendvisite-Nachlese vom Februar 2013

mit Prof. Dr. Peter Young über Polyneuropathie bei der Abendvisite

von Martina Döbbe

Ein Satz, den der Arzt immer wieder hört: „Ich weiß gar nicht, wie ich das so richtig beschreiben soll.“ Doch im Verlauf eines Gesprächs fallen dann oft ähnliche Formulierungen: „Die Füße brennen. Es kribbelt so am Bein. Meine Finger sind manchmal taub.“ Schmerzgefühle werden ebenso beschrieben wie schwere Beine oder Muskelkrämpfe.

Um dies genau einzugrenzen, sei das persönliche, ausführliche  Gespräch bedeutsam, erläutert Prof. Dr. Peter Young. Anschließende Untersuchungen mit Reflexhammer und Stimmgabel seien ebenso wichtig wie Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit und der Muskelaktivität. Alles zusammen, so der Leitende Oberarzt der Neurologie vom Universitätsklinikum, helfen auf der Suche nach der Diagnose, die in solchen Fällen oft bedeutet: Polyneuropathie.

Den Zuhörern der Abendvisite im Medienhaus Aschendorff erläuterte der Fachmediziner am Dienstagabend, die einfache Übersetzung dieses Begriffs: Poly = viel, neuro = Nerven, pathie= Krankheit. Simpel übersetzt: Vielnervenkrankheit. Und genau das treffe den Kern: Die betroffenen Nerven seien in ihrer Funktion gestört und verursachen Beschwerden. In den Beinen, auch in den Händen, manchmal auch in den Oberschenkeln. In vielen Fällen sei nicht immer klar, warum das so sei, aber: „Wir wissen, dass es zu 35 Prozent Diabetiker sind, die während ihrer  Zuckerkrankheit eine Polyneuropathie entwickeln.“ Deshalb sei es auch so wichtig, dass Diabetiker gut eingestellt seien, um das Risiko zu minimieren. Bei 22 Prozent der Menschen mit Polyneuropathie müsse man dagegen leider sagen: „Wir wissen nicht, woher es bei ihnen kommt.“ In elf Prozent der Fälle sei überhöhter Alkoholkonsum der Auslöser. Entzündungen im Körper, Tumorerkrankungen, auch das oft ähnlich auftretende Restless Legs Syndrom (unruhige Beine) seien mögliche Begleiterscheinungen, die abgegrenzt werden müssten. Denn die Behandlung der Polyneuropathie, die die Symptome zu 70 bis 80 Prozent deutlich lindern könnten, stütze sich auf spezielle Medikamente. „Behandelt wird mit Mitteln, die es auch für Epilepsiekranke gibt. „Aber Sie müssen Geduld haben. Nicht nach zwei Wochen schon aufgeben“, riet der Mediziner.

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 32 – 2013