WN-Abendvisite Nachlese:
Diabetes: Richtige Ernährung wirkt sich positiv aus

Abendvisite-Nachlese vom März 2013

mit Dr. Reinhold Gellner, Oberarzt der Diabetologie und Ernährungsmedizin am Univärsitätsklinikum Münster

von Martina Döbbe

Jeder Mensch kann selbst viel dafür tun, keinen Diabetes zu bekommen oder den sogenannten Alterszucker durch seinen eigenen Lebensstil positiv zu beeinflussen. Das machte Dr. Reinhold Gellner, Endokrinologe, Diabetologe und Ernährungsmediziner am Universitätsklinikum, den Besuchern der jüngsten Abendvisite deutlich.

Die Kurve klettert rasant nach oben. Von rund vier Millionen Diabetes-Patienten 1990 ist die Zahl jetzt, 23 Jahre später, auf etwa zehn Millionen gestiegen. Allein in Deutschland. In zehn Jahren sollen es weltweit nach Berechnungen von Experten schon 440 Millionen sein, die mit dieser Krankheit leben müssen.

Doch müssen sie das wirklich? Dr. Reinhold Gellner, Endokrinologe, Diabetologe und Ernährungsmediziner am Universitätsklinikum, machte den Zuhörern in der Abendvisite am Donnerstag deutlich, dass jeder viel dafür tun kann, keinen Diabetes zu bekommen oder aber die Erkrankung durch seinen eigenen Lebensstil positiv zu beeinflussen. Wohlgemerkt, wenn er den Diabetes 2 hat, den so genannten Alterszucker, der aber nicht in die anderen Kategorien Diabetes eins, drei und vier fällt.

Dabei gehe es nicht nur um die Zuckerkrankheit, sondern auch um ihre Folgen, betonte der Mediziner. Die Beispiele reichten von Nieren- und Augenprobleme über Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen bis hin zur Tatsache, dass alle 20 Minuten in Deutschland ein Fuß amputiert werden müsse.

Dr. Gellner machte deutlich, dass es bei der Therapie insgesamt immer „um das Ganze“ gehen müsse. Sprich: Blutdruck, Fettwerte, Gewichtsreduktion – alle Komponenten müssten auf „grün“ gestellt werden, um für den Betroffenen die beste Versorgung zu erzielen. Und das könne nur bedeuten: jeden Diabetes-Patienten individuell einstellen.

Spritzen, Tabletten – die medikamentöse Behandlung werde ständig weiter entwickelt. Aber auch neue Medikamente hätten Nebenwirkungen und seien nicht für jeden gleich geeignet. Ständige Diäten seien ebenfalls kein Schlüssel zum Erfolg. Studien hätten längst gezeigt, dass sie insgesamt nach einer bestimmten Zeit wieder dazu führten zuzunehmen. „Genau das soll aber vermieden werden.“ Auch operative Methoden wie Magenband oder Schlauchmagen müsse man kritisch sehen, wenn man damit abnehmen wolle. Sie funktionierten zwar, helfen auch, den Diabetes zu reduzieren, doch könnten Nebenwirkungen wie Schmerzen beim Essen die Folge sein.

Nachgewiesen sei dagegen, dass die so genannte mediterrane Ernährung – mit viel Olivenöl und täglich Nüssen – ausgesprochen positive Effekte erziele. Und zwar dauerhaft.

Und genau darum gehe es, so Dr. Gellner. Der Diabetes-Patient müsse dauerhaft gut eingestellt sein und begleitet werden. Schulungen und auch Kurse zur Ernährungsumstellung seien aus seiner Sicht ausgesprochen hilfreich und sehr zu empfehlen. Immer unter der Devise: „Sicher zum Ziel.“

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 58 – 2013