WN-Abendvisite Nachlese:
Asthma und Atemwegserkrankungen: „Wenn die Luft wegbleibt“

Abendvisite-Nachlese vom März 2013

mit Prof. Dr. Rainer Wiewrodt, Experte für Lungen- und Atemwegserkrankungen aus dem Universitätsklinikum Münster

von Martina Döbbe

Die Diagnose muss exakt sein, wenn Menschen Atemwegserkrankungen plagen. Asthma und COPD standen im Mittelpunkt der Abendvisite im Medienhaus Aschendorff. Prof. Dr. Rainer Wiewrodt erläuterte beide Erkrankungen und ihre Behandlung.

Luftnot. Atemprobleme. Husten. Auswurf. Die Liste der Probleme, die Menschen mit Atemwegserkrankungen plagen, ist lang. Um ihnen richtig zu helfen, um die Beschwerden zu lindern, ist es besonders wichtig, eine exakte Diagnose zu haben. Denn: Sowohl Asthma als auch  COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) könnten die Ursache sein – müssen aber unterschiedlich behandelt werden. Deshalb: „Bei Atemproblemen auf jeden Fall zum Arzt gehen und abklären lassen“, rät Prof. Dr. Rainer Wiewrodt. Der Experte für Lungen- und Atemwegserkrankungen aus dem Universitätsklinikum Münster erläuterte seinen Zuhörern in der Abendvisite am Dienstag ausführlich beide Erkrankungen, ihre Ursachen und Therapien.

Asthma, die  chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege, kann durch Allergien, Infekte, aber auch Anstrengungen ausgelöst werden. Hochleistungssportler beispielsweise seien oft von einem sogenannten Anstrengungsasthma betroffen. Wichtig sei, dass Patienten ihre Therapie gleich von Beginn an ernst nehmen: „Nur das schützt die Lunge auf Dauer und stellt sicher, dass man damit bis ins Alter gut leben kann.“

Die Angst vor Kortison und dessen Nebenwirkungen sei dabei aus seiner Sicht wirklich unbegründet: „Der Nutzen aber ist enorm.“ Nur bei Kindern und Jugendlichen werde zunächst auf Alternativen umgestellt und erst später mit Kortison begonnen. Aber auch die Technik sei wichtig: „Inhalieren muss man lernen, richtig einüben.“ Wichtig sei, dass die Medikamente so in den Atemwegen ankommen könnten. „Nur dann können sie auch ihre Wirkung entfalten.“

Zu COPD müsse man leider sagen: „Man kann sie stoppen, aber nicht mehr komplett zurückdrängen.“ Eine Zuhörerin brachte es auf den Punkt: „Einmal COPD, immer COPD.“ Diese Verengung der Atemwege, bei der auch Lungenbläschen zerstört werden, werde immer häufiger diagnostiziert. „Eine dramatische Entwicklung“ sei in diesem Bereich feststellbar. COPD schleiche sich langsam ein. Typisch sei ein starker Hustenreiz am Morgen. Die Hauptursache sei erwiesenermaßen das Rauchen. Aber: „Es gibt zunehmend auch Betroffene, die nie geraucht haben und trotzdem eine COPD entwickeln.“ Warum das so ist – der Mediziner musste passen. „Wir wissen es noch nicht genau.“  „Das Gefährliche ist, dass Menschen so lange Beschwerden hinnehmen, ehe sie zum Arzt gehen. Dann ist die Lunge aber meistens schon schwer geschädigt. Und das ist irreparabel.“

Prof. Wiewrodt empfahl Betroffenen, auf jeden Fall einen Lungenfunktionstest zu machen. Und auch die jährliche Grippeimpfung sei für Menschen mit Asthma oder COPD ein Muss.

Quelle: © Westfälische Nachrichten Nr. 68 – 2013