Traumaambulanz richtet telefonische Sprechstunde nach Amokfahrt ein

Psychotherapeuten der Universität Münster bieten Unterstützung für Betroffene

Münster – Anlässlich der Amokfahrt am 7. April in der münsterschen Innenstadt bietet die Traumaambulanz der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) eine telefonische Sprechstunde für Betroffene an. Die Psychotherapeutin Dr. Antje Krüger-Gottschalk und der Psychotherapeut Prof. Nexhmedin Morina sind täglich zwischen 12 und 13 Uhr unter der Telefonnummer 0251 – 8334132 erreichbar. Das Angebot besteht bis Ende April. Die Psychotherapeuten an der WWU geben Hinweise zur psychologischen Verarbeitung derartiger Situationen und informieren Betroffene und ihre Angehörigen darüber, wo sie fachmännische Unterstützung erhalten.

Traumatische Ereignisse wie die Amokfahrt in Münster können bei betroffenen Personen zu sehr unterschiedlichen emotionalen Reaktionen führen. Häufig sind die Betroffenen verunsichert und zweifeln daran, wie und ob sie es schaffen, das Erlebte zu verarbeiten. Die meisten Überlebenden von traumatischen Ereignissen berichten vor allem in den ersten vier Wochen von einschneidenden Veränderungen in ihrem persönlichen Erleben und Verhalten, wie etwa Rückzugsbedürfnis, Schlafproblemen oder wechselnden Gefühlslagen. Diese und ähnliche Reaktionen sind als normale Anpassungsreaktion zu verstehen. Meist gehen sie im Laufe der ersten Wochen wieder zurück. Besonders wichtig und hilfreich für die Verarbeitung ist dabei die Unterstützung im familiären und sozialen Umfeld.

Die Psychotherapeuten an der WWU raten allen Betroffen, soweit es ihnen möglich ist, gut auf ihre Bedürfnisse zu achten und sich Zeit zu geben. Wenn sie über das Erlebte sprechen möchten, sollten sie dies in einem Rahmen tun, den sie persönlich als passend empfinden. Es ist wichtig, sich in einem sicheren Umfeld aufzuhalten. Zudem sollte man gut für sich sorgen, indem man auf regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Ruhe und Bewegung achtet. Es ist ferner hilfreich, zügig wieder zu alltäglichen Aufgaben zurückzukehren, ohne sich jedoch dabei unter Druck zu setzen. Bei all dem ist es sehr wichtig, dass die Betroffenen für sich und ihre Gefühle Geduld und Verständnis aufbringen.

Auch wenn es zeitweise unvorstellbar erscheint, gelingt es den meisten Menschen, eine traumatische Erfahrung zu verarbeiten. Für jene, die jedoch über einen längeren Zeitraum keine Besserung bemerken und unter anhaltenden psychischen Problemen leiden, ist professionelle Unterstützung durch Psychotherapeuten und Psychiater ratsam.