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Schrittmacher statt Schnarchen

Schnarchen ist oft das erste Anzeichen für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, die am weitesten verbreitete Schlafstörung. Therapiert wird sie standardmäßig mit einer Atemmaske, mit der jedoch längst nicht alle Patienten zurechtkommen. Heiko Bütergerds profitiert nun von einem neuen Zungenschrittmacher.

Münster (ukm/maz) – Er fühlt sich müde und ausgelaugt – und das seit Jahren: Heiko Bütergerds leidet unter einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom, einer schlafbezogenen Atmungsstörung, bei der es während des Schlafes nahezu minütlich zu Atemaussetzern kommt. Die Folge ist ein wenig erholsamer Schlaf und starke Tagesmüdigkeit. Mehr als fünf Jahre ist der 42-Jährige in ärztlicher Behandlung, seit 2016 am Institut für Schlafmedizin und Neuromuskuläre Erkrankungen am UKM (Universitätsklinikum Münster). Jetzt wurde ihm ein Hypoglossus-Stimulator, ein Schrittmacher, der die Atemwege während des Schlafes offenhält, implantiert – mit vielversprechendem Erfolg.

Knapp dreieinhalb Stunden hat die Operation gedauert, bei der neben dem Schrittmacher ein Atmungssensor, der das Atemmuster des Patienten erkennt, und eine Stimulationselektrode eingesetzt wurden. Je ein kleiner Schnitt am Hals, an der Brust und unterhalb der Rippenbögen war dafür notwendig. „Die Elektrode wird mit den feinen Nervenästen der Zunge verbunden und sorgt dafür, dass die Zunge beim Einatmen stimuliert wird und damit nicht mehr den Rachenraum verschließt“, erklärt Operateur Dr. Markus Mönninghoff aus der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des UKM. Etwa vier bis sechs Wochen nach der OP erfolgt die Inbetriebnahme des bis zu fünf Volt starken Schrittmachers – so wie vor zwei Wochen bei Heiko Bütergerds. Mittels kleiner Fernbedienung aktiviert er nun jeden Abend das Gerät, das über zehn individuell einstellbare Stufen verfügt.

Bild: Per Fernbedienung steuert Heiko Bütergerds, hier mit Schlafmedizinerin Dr. Anna Heidbreder (2.v.l.) sowie den Operateuren Jacqueline Rodríguez-Álvarez und Dr. Markus Mönninghoff (r.), seinen neuen Atemwegs-Schrittmacher.

In Deutschland leiden rund zehn Prozent unter einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom, Männer etwas häufiger als Frauen. Auslöser Nummer 1 ist Übergewicht – jedoch nicht bei Heiko Bütergerds. „Das Gewicht spielte bei ihm nie eine Rolle“, erklärt Schlafmedizinerin Dr. Anna Heidbreder. „Allerdings schlugen bei ihm auch Standardtherapien, mit denen viele Patienten gut zurechtkommen, nicht an.“ Bei Betroffenen, bei denen die Atmungspausen nur in Rückenlage auftreten, helfen zum Teil bereits Rückenlagerungsverhinderungswesten, der nächste Schritt ist die sogenannte CPAP-Therapie, eine nächtliche Überdruckbeatmung durch eine Maske. „Ich hatte mit der Maske Beklemmungsgefühle und habe noch weniger geschlafen“, erzählt der Niedersachse, der nach Ausschöpfung dieser Möglichkeiten und mit mittelschwerer obstruktiver Apnoe, das heißt mehr als 15 und maximal 30 Atemaussetzer pro Stunde, als Patient für den Schrittmacher in Frage kam.

Seine Hoffnung ist groß, dass sich nach Jahren schlechter Nächte nicht nur diese bessern, sondern auch tagsüber der Akku endlich wieder voll ist – für die Arbeit, für Hobbies, einfach für ein weitgehend normales Leben. „Die ersten Nächte waren schon eine Wohltat“, erzählt Heiko Bütergerds, „und an den Schrittmacher gewöhnt man sich sehr schnell, zumindest in den unteren Stufen. Ich habe sogar schon eine Nacht komplett durchgeschlafen – das erste Mal seit Jahren!“

Gute Platzierungen für UKM in Focus Klinikliste

Die neu veröffentlichte Klinikliste des Gesundheitsmagazins Focus bescheinigt dem UKM gute Noten. Neben Platz 3 in NRW und Platz 16 bundesweit werden 14 Fachdisziplinen besonders hervorgehoben.

Münster (ukm/maz) – Platz 3 in NRW und Platz 16 bundesweit – das Ergebnis des UKM (Universitätsklinikum Münster) in der Focus Klinikliste 2019, Deutschlands größtem Krankenhausvergleich, kann sich auch in diesem Jahr sehen lassen. Positiv sticht zudem die Patientenzufriedenheit hervor, die mit 83 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt von 79 Prozent liegt. „In NRW verzeichnen wir von den sechs Unikliniken damit sogar den besten Wert“, zeigt sich Univ.-Prof. Dr. Dr. Robert Nitsch, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM, zufrieden. „Das ist der guten Teamleistung aller, seien es Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte oder Beteiligte der Logistik und des Service zu verdanken.“

Neben der Befragung von 1.170 Krankenhäusern in Deutschland, von denen die Top 100 in die Liste aufgenommen werden, zeichnet der Focus auch noch spezielle Fachdisziplinen aus einem Pool von insgesamt 5.500 Fachkliniken aus. Wie in den Vorjahren verteidigt das UKM bei der Behandlung von Hirntumoren, Prostatakrebs, Multipler Sklerose, Depressionen, Angsterkrankungen und in der Strahlentherapie seinen Platz in der Spitzengruppe. Weitere ausgezeichnete Bereiche: Darmkrebs, Parkinson, Risikogeburten, Gefäßchirurgie, Herzchirurgie und Kardiologie. Erstmals den Sprung in die Liste schaffen es die Behandlung bei Leukämie und die Unfallchirurgie.

Für die Erstellung der Klinikliste beauftragt der Focus seit über 20 Jahren das unabhängige Recherche-Institut MINQ. Analysiert werden Fallzahlen, Behandlungserfolg bei Operationen, Komplikationsquoten, technische Ausstattung, Anzahl betreuender Ärzte, Qualifikation der Pfleger, Beteiligung an Qualitätsinitiativen sowie Patientenzufriedenheit und Hygienestandards. Zusätzlich werden tausende niedergelassene Haus- und Fachärzte als auch Klinik-Chefärzte sowie 398.000 Versicherte der Techniker-Krankenkasse nach ihrer Meinung gefragt. Die Befragung erfolgte von Mai bis Juni 2018.

Bild: Urkunden soweit das Auge reicht: Univ.-Prof. Dr. Dr. Robert Nitsch (vorne rechts), Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM, mit den Vertretern der ausgezeichneten Kliniken.

Die ausgezeichneten Kliniken des UKM im Überblick:

Angsterkrankungen
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med Volker Arolt

Darmkrebs
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Andreas Pascher
Leiter UKM Darmzentrum: Priv.-Doz. Dr. med. Emile Rijcken

Depressionen
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Volker Arolt
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Dr. theol. Gereon Heuft

Gefäßchirurgie
Klinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Alexander Oberhuber

Herzchirurgie
Klinik für Herzchirurgie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Sven Martens

Hirntumoren
Klinik für Neurochirurgie
Direktor: Univ.-Prof. Prof. h.c. Dr. med. Walter Stummer

Kardiologie
Klinik für Kardiologie I (Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Angiologie)
Direktor: Prof. Dr. med. Holger Reinecke
Klinik für Kardiologie II (Rhythmologie)
Direktor: Prof. Dr. med. Lars Eckardt
Klinik für Kardiologie III (Angeborene Herzfehler (EMAH) und Klappenerkrankungen)
Direktor: Univ.-Prof. Dr. Helmut Baumgartner

Leukämie
Medizinische Klinik A (Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Pneumologie)
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Georg Lenz

Multiple Sklerose
Klinik für Allgemeine Neurologie
Direktor: Univ.-Prof. Prof. h.c. Dr. med. Heinz Wiendl

Parkinson
Klinik für Allgemeine Neurologie
Direktor: Univ.-Prof. Prof. h.c. Dr. med. Heinz Wiendl

Prostatakrebs
Klinik für Urologie und Kinderurologie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Andres Jan Schrader
Leiter UKM Prostatazentrum: Prof. Dr. med. Axel Semjonow

Risikogeburten
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Ludwig Kiesel
Leiter UKM Geburtshilfe: Prof. Dr. med. Walter Klockenbusch und Priv.-Doz. Dr. med. Ralf Schmitz

Strahlentherapie
Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Hans Th. Eich

Unfallchirurgie
Klinik für Unfall-, Hand und Wiederherstellungschirurgie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Michael J. Raschke

Hochleistungsmedizin trifft Selbstheilung

Auch an einem Universitätsklinikum ist die Unterstützung von Selbstheilungskräften ein Thema. Diese wird das – zusätzlich zum besten medizinischen Angebot – immer mehr in den Blick genommen. Ein Symposium am UKM zeigt, mit welchen Ansätzen Behandler schon jetzt bei der Aktivierung von Selbstheilungskräften und der Förderung der Eigenwirksamkeit der Patienten ansetzen können.

Münster (ukm/aw) – Romy ist 15 Jahre alt und seit fünf Monaten wegen ihrer Magersucht in der Kinderpsychosomatik des UKM (Universitätsklinikum Münster) in Behandlung. Doch ihre Entlassung scheint nun in greifbarer Nähe. Dass das so ist, liegt auch daran, dass sie hier gelernt hat, sich zu entspannen. Geholfen hat ihr dabei Shiatsu, eine Form der Körpertherapie mit asiatischen Wurzeln. „Als Romy hierher kam, war sie unruhig, hat dauernd gezappelt und von sich selbst gesagt, dass sie damit nicht aufhören kann“, sagt Physiotherapeutin Elke Werner. Sie bot Romy deshalb zusätzlich zur medizinisch notwendigen Ernährungs- und Verhaltenstherapie Shiatsu-Sitzungen an. „Shiatsu ist Kommunikation ohne Worte. Komplementäre körperbezogenen Angebote wie unter anderem auch Qi-Gong oder Feldenkrais können die Selbstheilungskräfte aktivieren“, weiß Werner. Und Dr. Jörg Große-Onnebrink, Oberarzt in der Klinik für Allgemeine Pädiatrie, ergänzt: „Es gibt zunehmend wissenschaftliche Belege dafür, dass diese Methoden Ressourcen für eine Verbesserung der Lebensqualität und für eine positive Beeinflussung von Erkrankungsverläufen sein können. So werden zum Beispiel auch Effekte auf Teile des Immunsystems und auf Strukturen und Funktionen des Gehirns wissenschaftlich beschrieben.“

Bild: Elke Werner und Romy (15) beim Shiatsu. (© Foto UKM)

Beide wollen diese Erkenntnisse am UKM wie auch in der Öffentlichkeit stärken und werden gemeinsam mit den Referenten bei einem Symposium für Ärzte, Studenten und Interessierte Konzept und Anwendungsbeispiele einer an Selbstheilungsprozessen orientierten medizinischen Therapie vorstellen. Prominenter Gast ist auch der Lehrstuhlinhaber für Integrative Gesundheitsversorgung und -förderung, Univ.-Prof Tobias Esch von der Universität Witten/Herdecke. Er referiert zur Selbstheilung in der Medizin.

Für Romy stellte die Ergänzung durch Shiatsu-Therapie jedenfalls die Möglichkeit für einen Neustart dar. „Ich fühle mich inzwischen komplett anders. Früher konnte ich meinen Kopf nicht abschalten, ich dachte ständig 24/7. Letzte Woche bin ich beim Shiatsu ganz tief zur Ruhe gekommen.“ Die apparative Medizin habe sie als notwendig, aber auch sehr unpersönlich erfahren, sagt sie. „Ich weiß, dass beides notwendig ist, fühle mich aber im Krankenhausalltag sehr von Maschinen und Menschen abhängig. Beim Shiatsu finde ich zu mir selbst.“

Neue Therapiemöglichkeiten bei Hautkrebs (z.B. Merkelzellkarzinom)

Nach der Diagnose „Merkelzellkarzinom“ ließ sich Lothar Becherer im UKM-Hauttumorzentrum behandeln. Dank innovativer Immuntherapie hat er endlich wieder Hoffnung.

Münster (ukm/lie) – Beim Rasieren fiel Lothar B. die kleine Hautveränderung an der rechten Wange auf. „Ich habe mir erstmal nichts dabei gedacht“, erzählt der 79-Jährige. Eine Woche später ging er in seiner Heimatstadt Bergkamen dann doch zum Hautarzt, um die Stelle sicherheitshalber kontrollieren zu lassen. Es wurden Proben entnommen und untersucht. Das beängstigende Ergebnis: Verdacht auf ein sogenanntes Merkelzellkarzinom, eine besonders aggressive Form von Hautkrebs.

Zur weiteren Behandlung ging Lothar B. ins UKM-Hauttumorzentrum, das zum Zentrum für Krebsmedizin des UKM (Universitätsklinikum Münster) gehört. Der Verdacht bestätigte sich. „Ich war völlig aufgelöst“, erinnert sich der Rentner. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.“

Das war im September 2016. Dass Lothar B. heute wieder nach vorne blicken kann, verdankt er zu großen Teilen einer Immuntherapie mit einem neu zugelassenen Wirkstoff – dem PD-L1-Antikörper Avelumab. „Mechanismen, mit denen die Krebszellen sich vor dem Immunsystem verstecken, werden durch den Antikörper blockiert“, erklärt Dr. Carsten Weishaupt, Leiter des UKM-Hauttumorzentrums. „Zudem aktiviert der Wirkstoff spezifische Immunzellen und ermöglicht somit eine gezielte Attacke des körpereigenen Abwehrsystems auf das bösartige Gewebe.“

Immuntherapien gelten als großer Hoffnungsträger in vielen Bereichen der Krebsmedizin. Beeindruckend sind bisher vor allem die Erfolge beim schwarzen Hautkrebs (Melanom) und beim fortgeschrittenen Lungenkrebs. Seit September 2017 ist nun der neue Antikörper Avelumab für die Therapie des metastasierten Merkelzellkarzinoms zugelassen. Mit deutschlandweit weniger als 400 Neuerkrankungen pro Jahr zählt es zu den seltenen Erkrankungen. Bei den meisten Patienten kann der auffällige violett-blaue und kugelige Tumor erfolgreich chirurgisch entfernt werden. Bei der Hälfte der Betroffenen kommt es jedoch trotz OP und Strahlentherapie zu einem Rezidiv, und bei einem Drittel entwickeln sich Metastasen. Auch bei Becherer brachten die bisherigen Standardtherapien zunächst nicht den gewünschten Erfolg. Der Tumor war so aggressiv, dass sich bereits kurze Zeit nach der chirurgischen Entfernung und noch während der anschließenden Strahlentherapie immer wieder neue Absiedlungen direkt unterhalb des rechten Auges und am Hals bildeten. „Ich habe die Hoffnung trotzdem nie aufgegeben“, blickt B. auf diese schwierige und für die gesamte Familie sehr belastende Zeit zurück.

Im November 2017 entschlossen sich Weishaupt und seine Kollegen in der interdisziplinären Hauttumorkonferenz, neue Wege bei der Behandlung zu gehen. „Die Wirkung der Immuntherapie ist beeindruckend“, berichtet der Dermatologe. Bereits nach den ersten drei Infusionen bildete sich der Tumor am Hals deutlich zurück. Inzwischen sind bei den regelmäßigen Kontrollen in den MRT-Bildern keine Metastasen mehr sichtbar. „Ich habe auch kaum Nebenwirkungen“, freut sich Lothar B., der nur ab und zu ein wenig unter Müdigkeit leidet. „Endlich erweitern sich die Behandlungsmöglichkeiten bei Hautkrebs“, so Dr. Weishaupt. „Auch wenn wir nicht immer von Heilung sprechen können, führen die neuen Substanzen doch zu deutlich verbesserten Therapieerfolgen bei oft guter Lebensqualität.“

Bild: Freuen sich über den Therapieerfolg: Dr. Carsten Weishaupt und Lothar B. (v.l.) – © Foto (UKM/Marschalkowski).

Ein starkes Team für eine stabile Wirbelsäule: UKM als Top-Zentrum (Level I-Zentrum) zertifiziert

Kliniken für Orthopädie, Neurochirurgie und Unfallchirurgie des UKM im Schulterschluss als Level I-Zentrum eines 3-stufigen Systems der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft ausgezeichnet.

Münster (ukm/maz) – Mit der Auszeichnung „Level I-Zentrum“ der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft gehört das UKM (Universitätsklinikum Münster) ab sofort zum Kreis von 15 Kliniken bundesweit, die diese höchste von drei Zertifizierungsstufen offiziell führen dürfen. Die münsterschen Spezialisten der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie (Direktor: Prof. Dr. Georg Gosheger), Klinik für Neurochirurgie (Direktor: Prof. Dr. Walter Stummer) und Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Michael Raschke) behandeln das komplette Spektrum der einfachen bis komplexen Wirbelsäulenleiden wie degenerative und entzündliche Erkrankungen, Tumore, Verletzungen und Deformitäten der Wirbelsäule. Knapp 1000 Operationen führen die drei Kliniken am UKM pro Jahr an der Wirbelsäule durch – eine große Expertise im überregionalen Vergleich. Die Patienten profitieren dabei von modernsten Operationsverfahren und der interdisziplinären universitären Forschung zu Erkrankungen und Behandlungen der Wirbelsäule; dazu gehören zum Beispiel die spinale Navigation, das elektrophysiologische Monitoring, minimalinvasive Techniken und die Verwendung neuester Implantatmaterialien. Diese Verfahren haben in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Verbesserung der Patientensicherheit geführt.

Während die Akutversorgung interdisziplinär am UKM erfolgt und sich aus verschiedenen Therapiebausteinen wie Diagnostik und operativer Therapie, medikamentöser Behandlung, Physio-, Sport- und Ergotherapie zusammensetzt, erfolgt die weitere Versorgung der Patienten in kooperierenden Rehabilitationskliniken der Umgebung.

Bild: Ausgezeichnet für die Versorgung von Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen (v.l.): Dr. René Hartensuer, Prof. Dr. Michael Raschke (beide Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie), Dr. Albert Schulze Bövingloh und Dr. Tobias Lange (beide Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie) sowie Dr. Nils Warneke, Prof. Dr. Walter Stummer und Dr. Michael Schwake (alle Klinik für Neurochirurgie).

ECMO rettet Baby Ylvie

Die Extracorporale Membranoxygenierung (ECMO) ist als Eingriff genauso schwerwiegend, wie der Name vermuten lässt: Gemeint ist eine Lungenersatztherapie, die außerhalb des Körpers per Maschine erfolgt. Das UKM ist eines der wenigen ECMO-Zentren in Deutschland. Bei Baby Ylvie hat die Therapie kurz nach der Geburt das Überleben gesichert.

Münster (ukm/aw) – Die Geschichte rund um Klein-Ylvies Geburt ist kurios: Ihre Mutter, Laura Trenkamp, war jahrelang Hebamme an einem münsterländischen Krankenhaus. Dieses kooperiert eng mit der Geburtshilfe und der Pädiatrie am UKM (Universitätsklinikum Münster): Das UKM tritt immer dann auf den Plan, wenn ein Kind nach der Geburt eine medizinische Versorgung benötigt, die es nur an einem Universitätsklinikum gibt – also meistens im Notfall. Dass das für ihre Tochter gelten könnte, hatte die junge Mutter nicht gedacht, denn die Schwangerschaft verlief eigentlich unproblematisch. Deswegen plante die 33-Jährige – die zwischenzeitlich mit ihrem Mann nach Kassel verzogen war und dort nun in einem Geburtshaus arbeitet – ihre Tochter stressfrei an ihrer neuen Wirkungsstätte zur Welt zu bringen. „Mir wurde klar, dass daraus nichts werden würde, als mein Gynäkologe mir sagte, dass ich zu wenig Fruchtwasser habe und mich wegen der Gefahr von Komplikationen lieber in eine Klinik überweisen würde.“ Und so fuhr Laura Trenkamp in der 41. Schwangerschaftswoche ins Münsterland zurück, um sich für die Geburt in die ihr gut bekannten Hände ihrer früheren Kollegen zu begeben: „Wenn schon Klinik, dann dort! dachte ich und war zuversichtlich. Aber nachdem Ylvie auf der Welt war, ging es ihr offensichtlich nicht gut. Sie atmete nicht und musste notfallmäßig versorgt werden. Alle schüttelten immer nur den Kopf, wenn ich wissen wollte, wie es ihr geht. Da wusste ich, dass es schlimm um sie steht.“

Tatsächlich hatte Ylvie durch den Stress bei der Geburt Stuhlgang (auch Kindspech oder Mekonium genannt) ausgeschieden und unter der Geburt aspiriert, also „eingeatmet“. Diagnose: Mekoniumaspirationsyndrom (MAS). „Das Mekonium verklebte regelrecht ihre Lungen und Bronchien, ein selbständiges Atmen ist dann nicht mehr möglich.“, sagt Prof. Heymut Omran, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKM. Dass Mekonium aspiriert werde, sei gar nicht so selten. Rund ein bis zweimal pro Monat werde ein Kind mit einer solchen Diagnose ins UKM gebracht. „Bei Ylvie war die Situation lebensbedrohlich, wir mussten sofort handeln“, sagt Funktionsoberärztin Dr. Wiebke Beckmann, die das kleine Mädchen mit einem Rettungs-Transport sofort holte. Hier wurde das Kind an die ECMO angeschlossen. Bei dem Verfahren wird das Blut über einen Oxygenator mit Sauerstoff angereichert und anschließend dem Patienten wieder zugeführt. „Durch diese Lungenersatztherapie können wir das Blut der Patienten direkt mit Sauerstoff versorgen und die Lunge ist unbelastet und hat Zeit, sich zu erholen und zu entfalten“, so Beckmann.
Für Laura Trenkamp und ihren Mann eine bange Zeit des Wartens: „Ich glaube, ich habe mir noch mehr Gedanken gemacht als jemand, der nicht vom Fach ist“, sagt die Hebamme. Jetzt, einen Monat später, geht es dem Baby dank ECMO wieder gut. Die Lungen haben sich über die Flimmerhärchen selbst gereinigt, die Entzündung ist abgeheilt – sie atmet selbständig! Wenn alles nach Plan läuft, soll Ylvie bald mit ihrer Mama nach Hause nach Kassel dürfen. Trenkamp ist dankbar: „Ich habe das ganze UKM-Team als sehr einfühlsam und menschlich empfunden. Man spricht ja oft kritisch von der ‚Apparatemedizin‘, aber es ist ein Segen, dass es sie für solche Fälle gibt!“

Bild: Klein-Ylvie und Mama Laura Trenkamp können bald nach Hause. Entsprechend strahlt das Neonatologie-Team der Station 19 A West um Prof. Heymut Omran (3.v.l.) und Dr. Wiebke Beckmann (3.v.r.) (© Foto (UKM/Marschalkowski).

Tag der Patientensicherheit (17.09.2018): Narkose-Einleitung als „Training to go“ im OP

Eine in 2014 veröffentlichte Studie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) zeigt: Bei mindestens einem von 140.000 operierten Patienten in Deutschland kommt es zu einem ernsten Narkose-Zwischenfall. Grund genug, Anästhesie-Teams für Risiken zu sensibilisieren und für diese Situationen zu wappnen. Und wo ginge das besser als direkt im Operationssaal? Das Team des UKM-Trainingszentrums bietet deswegen „Trainings to go“ an. Zum Üben lebensrettender Abläufe zwischendurch …

Münster (ukm/aw) – Um viertel nach neun am Montagmorgen haben sich alle Teilnehmer des „Training to go“ im Einleitungsraum versammelt: Die beiden Anästhesie-Pflegekräfte Jasmin Pelizaeus (28) und Jonas Janßen (22) sowie der Assistenzarzt im zweiten Fortbildungsjahr zum Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Dr. Kei Schulz (28). Alle wurden von ihren Kollegen aus laufenden Operationen im Zentralen Operationssaal des UKM (Universitätsklinikum Münster) am OP-Tisch abgelöst, um an einem Patientensimulator das zu üben, was sie Minuten zuvor noch am lebenden Patienten in Echtzeit durchgeführt haben. Trainiert werden soll das tägliche Kerngeschäft: Einleitungen von Narkosen als Auftakt zu einer OP und Vermeidung von Komplikationen. Angeleitet werden Sie dabei von den Leitern des UKM Trainingszentrums: Michael Klatthaar und Dr. Tim Güß. Das sogenannte Anästhesie-„Training to go“ ist eine Idee, die die beiden seit 2014 erfolgreich am UKM umsetzen: „Die Kollegen werden aus ihren laufenden Aufgaben im OP abgelöst. Unsere Auswahl ist zufällig – wichtig ist nur, dass jeder regelmäßig dran ist. Dabei gibt es keine Hierarchien: Erfahrene Mitarbeiter nehmen genauso teil wie der Berufsanfänger“, sagt Klatthaar. „Beim „Training to go“ ist Zeit für Fragen, für die während einer ‚echten‘ Operation meist wenig Raum bleibt. Das können ganz banale Dinge sein, aber auch das nochmalige Vergegenwärtigen von eingespielten Abläufen betreffen.“ ergänzt Güß.

Im Mittelpunkt steht heute der Umgang mit dem schwierigen Atemweg. Der Patienten-Dummy „Johannes Müller“ wird vom Anästhesie-Team begrüßt wie jeder menschliche Patient, ein Zwinkern aus Puppenaugen ist seine Reaktion. Bei dem fiktiven anschließenden Eingriff soll es sich um eine geplante und nicht lebensbedrohliche Bandscheiben-OP handeln. Komplikationen sind nach vorheriger Anamnese nicht zu erwarten, einzig die etwas zu niedrige Sauerstoffsättigung von nur 94 Prozent fällt Assistenzarzt Schulz auf. Güß nimmt das in einem ersten Time-out auf und lobt: „Prima, dass Dir das aufgefallen ist und du es auch ausgesprochen hast – so ist das gesamte Team auf demselben Informationsstand und über ein mögliches Risiko informiert“. Solche Time-outs streuen wir in den Trainings immer wieder ein“, erklärt Klatthaar: „Sie sind ein wichtiges und direktes Feedback für die Teilnehmer. Wir nutzen sie während der Trainings um entscheidende Situationen zu kommentieren“

Bild: UKM Anästhesie „Training to go“ (© Foto UKM)

Es kommt, wie es laut Szenario kommen muss: „Patient Müller“ lässt sich nur schwer mit der Maske beatmen, die Intubation klappt zunächst gar nicht. Am echten OP-Tisch käme das Team nun ins Schwitzen. Beim Training bleibt Zeit, zu überlegen, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Das Team entscheidet, den Instrumentenwagen für den schwierigen Atemweg zu holen und das Team im Nachbar-OP zu informieren, dass man kurzfristig Unterstützung benötigen könnte. Güß erklärt noch mal die Funktionsweise aller Instrumente, die sonst nicht standardmäßig bei Narkoseeinleitungen verwendet werden. „Es ist gut, diese Dinge immer mal wieder in der Hand zu haben, damit sie im Notfall dann auch schnell und richtig eingesetzt werden“, sagt er. Weil im Szenario die oberen Atemwege des Patienten verlegt sind, hilft nur eine Not-Koniotomie (Luftröhrenschnitt), zu der letztendlich ein Chirurg hinzugezogen wird. „Wir wollen mit dem Training ermutigen, zeitnahe Entscheidungen zu treffen, die im Ernstfall lebensrettend sein können. Im normalen OP-Alltag ist jeder bereit, zu unterstützen. Trotzdem muss man lernen, diese Hilfe zum richtigen Zeitpunkt auch anzufordern“, sagt Klatthaar.
Das Resümee der Teilnehmer ist positiv: „Entweder ich mache in der Ausbildung nur Theorie oder im OP nur Praxis“, sagt Anästhesie-Pfleger Janßen. Und Assistenzarzt Schulz lobt: „Beim ‚Training to-go‘ ist alles klar strukturiert und ich bekomme sofortige Resonanz darauf, wie ich die Theorie umsetze.“ Nach Ansicht von UKM-Pflegedirektor Thomas van den Hooven sind die „to go-Trainings ein entscheidender Baustein dafür, die Versorgungsqualität auf hohem Niveau zu halten. Und Hubert Otte, der die Einteilung der Teams in allen OPs des UKM koordiniert, glaubt, dass – auch wenn es nicht immer einfach sei, die Trainings in den Alltag zu integrieren – sie auf jeden Fall ein Mehrwert für die Patienten-sicherheit darstellen.

Bild: UKM Anästhesie „Training to go“ (© Foto UKM)

Zitate

Thomas van den Hooven (Pflegedirektor UKM):
„Gerade in der Anästhesie wird man immer wieder mit Situationen konfrontiert, die unvorhergesehen sind. Dann im Team schnell und richtig zu reagieren, ist etwas, dass man durch solche Simulationen sehr gut trainieren kann. Deshalb ist unser Trainingszentrum ein entscheidender Baustein um die Qualität unserer Versorgung auf einem hohen Niveau zu halten.“

Hubert Otte (stellvertr. Leiter Stabsstelle Zentrale Einrichtungen OP)
„Es bedarf sicherlich einer guten Absprache und Planung aller Beteiligten, um das „Training-to go“ in den tagesaktuellen Ablauf im OP zu integrieren. Die positiven Rückmeldungen der Kolleginnen und Kollegen bestätigen uns hinsichtlich der Notwendigkeit und Wichtigkeit dieser Maßnahme und sind ein Mehrwert für die Patientensicherheit.“

Sonne aus, Turm an: Eigens zur „Langen Nacht“ leuchtet Münsters Wahrzeichen erstmals nach 35 Jahren in Blau und Grün

Münster (mfm-ukm/tb) – Im Programmheft taucht sie gar nicht auf – und ist trotzdem das, was die Besucher zuerst sehen werden, jedenfalls nach Sonnenuntergang: die Illumination an den UKM-Türmen anlässlich der „Langen Nacht der Universitätsmedizin Münster“. Bei einem Ortstermin drückten die Ausrichter der Veranstaltung jetzt auf den Startknopf – und waren selbst erstaunt ob des beeindruckenden Anblicks. Fast auf den Tag genau 35 Jahre nach dem Einzug der ersten Patienten leuchtet der Westturm nicht wie gewohnt in Weiß, sondern in Blau und Grün – den jeweiligen Hausfarben des UKM (Universitätsklinikum Münster) und der Medizinischen Fakultät der Universität Münster. Bis einschließlich Freitag [07.09.] ist das ungewöhnliche „Lichtspieltheater“ jeden Abend einige Stunden lang zu sehen – bei der „Langen Nacht“ selbst sogar bis zwei Uhr morgens.

Dabei war die Realisierung der Idee lange nicht klar: „Aufgrund der Fassaden-Restarbeiten am Ostturm sind wir letztlich auf seinen Zwilling im Westen ausgewichen“, erläutert Prof. Robert Nitsch, der Ärztliche Direktor des UKM. Durch die Anordnung der Türme – von der Stadtmitte aus gesehen: „hintereinander“ – und die Position der angestrahlten Front werden nun bevorzugt Münsteraner im Süden und Südwesten das ungewohnte Bild sehen. Was am Freitag rund um die Doppeltürme – und in deren Sockelgeschossen – stattfinden wird, ist eine Veranstaltung der Superlative: Mehr als 500 Mitarbeiterinnen von Uni und Uniklinik werden bei der „Langen Nacht“ im Einsatz sein, um den Besuchern bei über 170 Programmpunkten Einblicke in das zu vermitteln, was der Öffentlichkeit sonst meist verborgen bleibt.
Die angebotenen Themen reichen von A wie Apotheke über B wie Bäckerei und C wie Chemotherapie bis Z wie Zellbiologie. „Die Grundidee der ‚Langen Nacht‘ ist, dass wir die Universitätsmedizin als Ganzes zeigen wollen. Dazu gehört neben dem Medizinischen eben auch der große ‚Apparat‘ dahinter, der die Krankenversorgung überhaupt erst ermöglicht. Und dazu gehören ebenso die Forschung, die den wissenschaftlichen Fortschritt vorantreibt, sowie die Ausbildung kommender Ärztinnen und Ärzte durch gute Lehre“, erläutert Prof. Mathias Herrmann, Dekan der Medizinischen Fakultät das Konzept. Selbst kontroverse Themen wie die tierexperimentelle Forschung erhielten Platz im Programm.

Bild: Auf dem Flachdach am Ostturm machten sich der UKM-Vorstand und das Dekanat der Medizinischen Fakultät ein Bild von der Fassaden-Illumination zur „Langen Nacht“. Dekan Prof. Mathias Herrmann, ÄD Prof. Robert Nitsch und KD Dr. Christoph Hoppenheit (Mitte, v.r.) drückten nach bestandenem Techniktest den Buzzer (Foto: FZ/Erk Wibberg)

Ein Highlight ist beispielweise die Demonstration des neuen Zentrums für Roboter-assistierte Chirurgie. Mehrere Hightech-Geräte der neuesten Generation können angeschaut – und sogar selbst ausprobiert – werden. Gesamtwert der im Hörsaal der chirurgischen Klinik demonstrierten Technik: mehr als 2,6 Millionen Euro. An einem Da-Vinci-Xi-System mit Doppel-Konsole wird es Live-Übertragungen von (unblutigen) Operationen geben. Experten zeigen, wie eine Weintraube oder eine Tomate geschält und anschließend wieder zusammengenäht werden. Besucher können die Joysticks auch selbst einmal bedienen. Die Klinikdirektoren der Allgemeinchirurgie und der Urologie sowie sämtliche Robotik-Chirurgen sind im Nacht-Einsatz.

Auch andere Attraktionen, wie vier begehbare Organmodelle, das größte davon acht Meter lang, dürften auf großes Interesse bei den Besuchern der „Langen Nacht“ stoßen. Allein mehr als 40 Programmpunkte richten sich ganz oder überwiegend an Kinder. „Die ‚Lange Nacht‘ soll ein Event für die ganze Familie sein“, betont Dekan Herrmann, der die Anregung zur „Langen Nacht“ gab und in der Führungsriege der münsterschen Universitätsmedizin schnell überzeugte Mitstreiter fand. „Nach der Premiere werden wir ausführlich Bilanz ziehen. Bei gutem Zuspruch können wir uns eine Wiederholung gut vorstellen, blickt Dr. Christoph Hoppenheit, der kaufmännische Direktor des UKM, bereits nach vorn.

Nähere Infos zum Programm der „Langen Nacht“ gibt es auf der Website www.lange-nacht-muenster.de. An den Eingängen zum Medizin-Campus werden am 7. September zudem Programmhefte verteilt. Die Veranstalter rufen dazu auf, das Auto stehen zu lassen und stattdessen zu Fuß, mit dem Rad oder per Bus zu kommen.