Schlagwort-Archive: Telemedizin

Regierungspräsidentin meets Telemedizin: Möglichkeiten der ländlichen ärztlichen Versorgung der Zukunft

Regierungspräsidentin Dorothee Feller informiert sich über telemedizinische Visiten mit Hausärzten und ländlichen Krankenhäusern / UKM sieht sich mitverantwortlich für die ärztliche Versorgung in der Region

Münster (ukm/aw) – Die Regierungspräsidentin der Bezirksregierung Münster, Dorothee Feller, hat sich heute am UKM (Universitätsklinikum Münster) über telemedizinische Visiten informiert. Dabei standen sowohl die Möglichkeiten der Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten als auch die telemedizinischen Visiten zwischen dem UKM und den angebundenen regionalen Krankenhäusern im Mittelpunkt. „Wir freuen uns, der Regierungspräsidentin zeigen zu können, welche Möglichkeiten die telemedizinischen Visiten über gesicherte Verbindungen im Internet für den ländlichen Raum eröffnen. Wir haben am UKM die technischen Voraussetzungen und arbeiten bereits erfolgreich sektorenübergreifend mit unseren Partnerkrankenhäusern einerseits und einem Ärztenetzwerk andererseits im Projekt TELNet@NRW, das im Rahmen des Innovationsfonds gefördert wird. Die telemedizinischen Visiten bieten uns die Möglichkeit, auf dem Land medizinisch beratend zur Seite stehen zu können. Damit nehmen wir angesichts knapper werdender Ressourcen unsere Verantwortung für die künftige ärztliche Versorgung in der Region Münsterland wahr“, so der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende, Univ.-Prof. Robert Nitsch.
Regierungspräsidentin Dorothee Feller ließ sich auch erläutern, welche technischen Möglichkeiten bereits jetzt zum Wohle der Patientinnen und Patienten eingesetzt werden, um auf die Distanz eine zweite ärztliche Meinung einzuholen: „Es ist sehr wichtig, dass wir Wege finden, wie angesichts des drohenden Mangels an Ärzten auf dem Land die medizinische Versorgung der rund 2,6 Millionen Menschen im Regierungsbezirk vor Ort gesichert bleibt. Bei der künftigen Krankenhausplanung wird auch die Versorgung der Menschen via Telemedizin eine wichtige Rolle spielen. Darum ist es mir wichtig zu sehen, was technisch heute schon umsetzbar ist.“ Die Bezirksregierung hat unter anderem die Aufsicht über 54 Krankenhäuser – das größte darunter das UKM.

Bild: (v.l.n.r.) Prof. Robert Nitsch, Ärztlicher Direktor des UKM, und Regierungspräsidentin Dorothee Feller beim Team für die telemedizinischen Visiten im Projekt TELNet@NRW. Zugeschaltet ist Dr. Tobias Mock aus dem Warendorfer Josephs-Hospital. (Foto (UKM/Tronquet))

Über TELNet@NRW:

Das Projekt TELnet@NRW steht unter der Koordination des Universitätsklinikums Aachen und hat das Universitätsklinikum Münster als regionalen Konsortialpartner. TELNet@NRW verfolgt das Ziel, in den Modellregionen Aachen und Münster ein sektorenübergreifendes tele-medizinisches Netzwerk aufzubauen. Es soll in den überlebenswichtigen Bereichen Infektionsmanagement und Intensivmedizin Krankenhaus- und Fachärzte sowie Hausärzte miteinander verbinden, um die Gesundheits-versorgung flächendeckend zu verbessern und die Behandlungsqualität und die Effizienz der Versorgung von Patienten messbar zu steigern. Das Projekt wird mit 20 Millionen Euro aus dem Innovationsfond durch den Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert und läuft über drei Jahre.

Grundlegend für das telemedizinische Netzwerk ist eine sichere Video-Kommunikationsverbindung mit einem schnellen und geschützten Daten-austausch zwischen den beteiligten Einrichtungen. In der Praxis ist dies so umgesetzt, dass mobile und digitale Einheiten wie Computer, Bildschirme und Kameras bis an das Krankenbett bzw. die Behandlungsliege gefahren werden, sodass Ärzte verschiedener Krankenhäuser per Videokonferenz gemeinsam beraten, welche Therapie die jeweils beste ist. Über diese Einheiten können auch Röntgenbilder und andere Befunde und Informationen des Patienten ausgetauscht werden. Die Verbindungen erfolgen über hochgesicherte Datenleitungen mit den Telemedizinzentren der Uniklinika. Innerhalb der Laufzeit von drei Jahren sollen insgesamt rund 40.000 Patienten aus dem ambulanten und stationären Bereich an dem Modellprojekt TELNet@NRW teilnehmen – die jeweilige Einwilligung der infrage kommenden Patienten vorausgesetzt. An dem Projekt nehmen die beiden Universitätsklinika und insgesamt 17 Krankenhäuser, zwei Netzwerke niedergelassener Ärzte sowie als weiterer großer Partner die Techniker Krankenkasse teil. Dabei stehen Patienten mit einer infektiologischen Fragestellung sowie schwer kranke Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen, im Vordergrund. Nach der Projektphase wird ausgewertet, ob telemedizinische Visiten mit in die Regelversorgung aufgenommen werden sollten.

Ausführliche Informationen zum Projekt TELNet@NRW finden Sie unter www.telnet.nrw

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Telemedizin soll Informationstransfer in der Patientenversorgung verbessern

Ministerin Steffens diskutiert mit Vertretern des Universitätsklinikums Münster und der Bundesärztekammer / Studienergebnisse belegen Nutzen in der klinischen Versorgung akuter Notfälle

Münster (ukm/mdr) – Über Kommunikationssysteme für akute Notfälle, Telemedizin und den Notfalldatensatz der elektronischen Gesundheitskarte haben sich in Münster heute Ministerin Barbara Steffens, Vertreter der Bundesärztekammer, der Ärztekammer Westfalen-Lippe sowie des UKM (Universitätsklinikum Münster) und der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ausgetauscht. „Die Telemedizin und die Telematik können gerade in der Notfallversorgung dazu beitragen, dass die wichtigsten Informationen zeitnah dort vorliegen, wo sie gebraucht werden. Das kann Leben retten und wird in jedem Fall die Versorgung entscheidend verbessern“, sagte die Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen.

UKM_Telemedizin_Besuch_Steffens

Bild: Um Telemedizin in der akuten Notfallversorgung ging es heute beim Ministerinnenbesuch am Universitätsklinikum Münster (v.l.): Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Wilhelm Schmitz (Med. Fakultät), Prof. Dr. Michael Raschke (UKM), Ministerin Barbara Steffens, Dr. Michael Schwarzenau (Ärztekammer Westf.-Lippe), Dr. Christian Juhra (UKM) und Dr. Johannes Schenkel (Bundesärztekammer).

Prof. Dr. Michael Raschke, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand und Wiederherstellungschirurgie, stellte mit seinem Team die Rettungs-App MA-RIKA, ein seit Mitte 2013 gefördertes Projekt des Landes NRW und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung vor, die zur Optimierung und Unterstützung der Kommunikation zwischen Notdiensten, Leitstellen der Feuerwehr und zertifizierten Krankenhäusern beitragen soll. „Das Ziel ist, den Informationstransfer in der klinischen Versorgung akuter Notfälle zu verbessern“, so Raschke. Der Prototyp der App, die gemeinsam mit der IT-Firma opwoco, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und metacrew Consulting entwickelt worden ist, wurde bereits in Münster getestet und läuft derzeit in einer zweiten Testphase in Steinfurt. Ziel ist die NRW-weite Einführung des Systems für Leitstellen und Rettungsdienste.

Sichere Anwendungen mit hoher Nutzerorientierung gefordert

Ein weiterer im Rahmen von MA-RIKA entwickelter Prototyp einer „Bürger-App“ soll der Bevölkerung Hilfestellungen bei medizinischen Fragestellungen und bei der Suche nach geeigneten medizinischen Einrichtungen geben. Ein Aspekt, den auch Ministerin Steffens für sehr wichtig hält: „All diese Ideen müssen praxisnah sein und für mich ist entscheidend, dass sich die Technik an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientiert.“

Einen großen Nutzen hat – da waren sich alle Vertreter einig – der Notfalldatensatz der elektronischen Gesundheitskarte. Dieser beinhaltet Informationen wie Diagnosen, Allergien, Medikamenteneinnahme oder das Tragen eines Herzschrittmachers. „Das sind Daten, die Patienten im Notfall oft nicht weitergeben können“, erklärte Dr. Johannes Schenkel, Referent Telemedizin der Bundesärztekammer. „Sie können aber lebenswichtig sein, beispielsweise wenn es um die Gabe eines Arzneimittels geht.“ Das UKM, das als eine der wenige Kliniken in Deutschland über eine eigene Stabsstelle Telemedizin verfügt, hat im Rahmen eines Projekts gemeinsam mit der Bundesärztekammer untersucht, welche Informationen der Datensatz für die elektronische Gesundheitskarte zur Unterstützung einer effektiven Notfallversorgung zur Verfügung stellen sollte. „Aus den Ergebnissen geht hervor, dass der Notfalldatensatz ein sehr wichtiges Element zur Verbesserung der Notfallversorgung darstellt“, so Schenkel. „Jetzt ist es die Herausforderung, die Notfalldaten im Versorgungsalltag sicher und störungsfrei zu etablieren.“

Hintergrundinformationen: E-Health-Gesetzentwurf

Der Entwurf für das E-Health-Gesetz (Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendung im Gesundheitswesen) sieht konkrete Fristen für die Vernetzung und Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte vor.
Bis zum 30. Juni 2016 muss die Betriebsgesellschaft Gematik die Telematikinfrastruktur für Arztpraxen, Krankenhäuser und gesetzliche Krankenkassen soweit verfügbar stellen, dass der Versichertenstammdatendienst (Onlineprüfung und -aktualisierung der Versichertenstammdaten) bundesweit möglich ist. Weiterhin ist vorgesehen, dass ein Notfalldatensatz ab Beginn des Jahres 2018 auf der elektronischen Gesundheitskarte verfügbar sein soll.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster