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Spinalkanalstenose: „Als ob jemand mit dem Messer in das Bein schneiden würde“

Eine Verengung des Wirbelkanals ist häufig, kann aber vom Neurochirurgen behandelt werden

Münster – Rückenprobleme sind in Deutschland der häufigste Grund für eine Krankschreibung. Was während des Arbeitslebens beginnt, setzt sich im Alter fort: „Bei etwa jedem fünften Menschen über 60 Jahren können Sie eine Einengung des Wirbelkanals auf den Bildern des Computertomographen (CT) oder des Magnetresonanztomographen (MRT) erkennen. In vielen Fällen macht dies aber keine Beschwerden“, berichtet Dr. Oliver Timm, neurochirurgischer Oberarzt und Koordinator des von der deutschen Wirbelsäulengesellschaft zertifizierten Wirbelsäulenzentrums im Clemenshospital.
Diese sogenannte Spinalkanalstenose entsteht in den meisten Fällen durch den altersbedingten Verschleiß der Bandscheiben in der Lendenwirbelsäule. Wenn die Verengung des Spinalkanals fortschreitet und die Nervenbahnen beeinträchtigt, können starke Schmerzen sowie Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen in den Beinen und Füßen auftreten. So wie bei Anneliese Geditz: „Ich dachte erst, dass ich einfach ein bisschen viel getan hätte und dann eben der Rücken weh tut“, beschreibt die 72-Jährige die ersten Symptome.

Im November letzten Jahres kam es dann zum Bandscheibenvorfall. „Ich bekam Spritzen und dann ging es auch erst wieder. Im Januar war es aber plötzlich von einer Sekunde auf die andere, als ob jemand einen Schalter umgelegt hätte“, erinnert sich die Seniorin. Die Schmerzen strahlten in das rechte Bein aus, „als ob jemand mit dem Messer hineinschneiden würde“. Infusionen, Tabletten, nichts half gegen die Schmerzen. Der Hausarzt hat Anneliese Geditz dann zum Neurochirurgen ins Clemenshospital überwiesen. „Wenn es noch keine Ausfallserscheinungen in den Beinen oder Füßen gibt, können Medikamente oder Physiotherapie sehr erfolgreich sein“, erläutert Dr. Oliver Timm. Bei der Münsteranerin kam jedoch nur noch die Operation in Frage, weil der Wirbelkanal zudem maximal eingeengt war. Die Betroffenen sollten frühzeitig den Weg zum Neurochirurgen antreten, um gemeinsam zu überlegen, welche Vorgehensweise die richtige ist, empfiehlt Timm. „Nachdem ich aus der Narkose aufgewacht bin, dachte ich erst, dass das doch nicht wahr sein kann. Die Schmerzen waren weg!“ Etwa eine Woche muss die Patientin im Clemenshospital bleiben, danach kommen zwei bis drei Wochen in der Reha. Wenn alles gut geht, steht auch dem Urlaub auf Gran Canaria im Frühling nichts mehr im Wege, „daran wäre mit den starken Schmerzen gar nicht zu denken gewesen“, sagt der Neurochirurg.

Veranstaltung zum Thema: „Spinalkanalstenose“

Am Mittwoch, den 21. März, berichten Experten des Wirbelsäulenzentrums (Prof. Dr. Uta Schick, Dr. Oliver Timm und Dr. Roland Hahn) um 18 Uhr in der Alexianer Waschküche, Bahnhofstraße 6, über das Thema Spinalkanalstenose. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.

Bild: Dr. Oliver Timm (l.) hat Anneliese Geditz im Clemenshospital an der Wirbelsäule operiert.