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Einblicke in die die Radiologie

Münster – Mit einem Tag der offenen Tür haben das Clemenshospital und die Raphaelsklinik ihr neues Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie, Kinderradiologie und Nuklearmedizin der Öffentlichkeit präsentiert. Bereiche, zu denen normalerweise nur die Mediziner und medizinischen Fachangestellten der beiden Kliniken Zutritt haben, konnten besichtigt werden. Verblüffend war für viele Besucher die Genauigkeit, mit denen das Innere von Bananen, Ananas oder Honigmelonen dargestellt werden konnten. Für die jüngsten Gäste gab es die einmalige Gelegenheit, einen Blick in das Innere von Überraschungseiern zu werfen, bevor die Schokohülle geknackt wurde und die Erwachsenen konnten selber per Ultraschall tiefere Einblicke in ein Hühnchenbrustfilet gewinnen. Neben dem reinen Unterhaltungswert gab es für Menschen, die Probleme mit den engen Röhren der klassischen Computer- und Magnetresonanztomographen (MRT) haben, die Möglichkeit, in den Geräten des Clemenshospitals und der Raphaelsklinik Probe zu liegen und die größeren Öffnungen zu testen. Wer wollte, konnte seinen Lieblingsfilm auf einem USB-Stick mitbringen und im Untersuchungsraum der Raphaelsklinik an die Wand projizieren lassen, während er im MRT lag.

Bild: Der Patient ist in diesem Fall eine Ananas, deren innere Strukturen vom Computertomographen dargestellt werden.

Gründung der Klinik für Neuroradiologie: Eine neue Ära für die Behandlung von Schlaganfällen und Hirnblutungen

Münster – Mit der neu gegründeten Klinik für diagnostische und interventionelle Neuroradiologie ist das Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin des Clemenshospitals und der Raphaelsklinik – unter der Zentrumsleitung von Prof. Dr. Johannes Wessling – komplett. Mit insgesamt drei Computertomographen (CT), drei Magnetresonanztomographen (MRT) und zwei Geräten zur Darstellung von Blutgefäßen (Angiographie) neuester Bauart befinden sich die Kliniken auf den modernsten Stand der Technik. Die neue Zwei-Ebenen-Angiographieanlage und die Computertomographen (CT) zeichnen sich neben der exzellenten Bildqualität durch besonders strahlungsarme Technologien aus. Die MRTs sind mit besonders großen Öffnungen sowie spezieller Videotechnik ausgestattet, um bei den Patienten weniger Ängste während der Untersuchung auszulösen.

Schlanke Abläufe, kurze Wege und persönlicher Kontakt sind weitere Merkmale der neu entwickelten Zentrumstruktur. Entsprechend der fortschreitenden Spezialisierung in der Medizin zeigt sich das Zentrum für Radiologie nicht nur breit im Versorgungsangebot, sondern als Team verschiedener radiologischer Experten klar schwerpunktorientiert und spezialisiert. „Nur so ist eine zielführende, rasche und qualitativ an Leitlinien orientierte Versorgung des Patienten möglich“, betont Wessling. So bietet die neu gegründete Klinik für Neuroradiologie – unter der Leitung der Chefärzte Dr. Thomas-Ulrich Niederstadt, ehemaliger langjähriger Leiter der Neuroradiologie am UKM und Priv.-Doz. Dr. Christoph Mönninghoff, ehemaliger leitender neuroradiologischer Oberarzt am Uniklinikum Essen – minimal-invasive Katheterverfahren zur Behandlung von Erkrankungen des Gehirns und der Wirbelsäule an.

Akute Schlaganfälle, Aneurysmen, Gefäßmissbildungen von Gehirn und Rückenmark können nun in Zusammenarbeit mit der Klinik für Schlaganfall- und Beatmungsmedizin, Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Martin Ritter, und der Klinik für Neurochirurgie, Chefärztin Prof. Dr. Uta Schick, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr versorgt werden.

Bild: Dr. Martin Ritter, Dr. Philipp Mennemeyer, Dr. Bernd Hoffmann, Prof. Dr. Johannes Wessling, Dr. Thomas-Ulrich Niederstadt, Dr. Christoph Mönninghoff und Linda Korte (v.l.) in den neuen Räumen der Neuroradiologie.

Patienten mit neurovaskulären Erkrankungen können durch das spezialisierte Team auf kurzen Wegen medikamentös, mittels Katheter oder operativ an einem Ort behandelt werden. Der akute Schlaganfall ist oftmals Folge eines durch ein Gerinnsel verstopften Gehirngefäßes. Dieses kann über einen neuroradiologischen Kathetereingriff rasch entfernt werden. In einigen Fällen liegt hingegen kein verstopftes Gefäß sondern eine Gehirnblutung als Ursache des Schlaganfalles vor. „In beiden Fällen können wir durch unsere enge Vernetzung und fachübergreifende Teamarbeit an einem Ort sofort reagieren“, so Niederstadt. Dieses integrative Behandlungskonzept wird durch die neurochirurgisch-neurologische Frührehabilitation im Hause ergänzt. „Für Münster und sein Umland erhöhen wir die regionale Versorgungsqualität für die zeitkritische Behandlung von Patienten mit Schlaganfällen und Hirnblutungen“, so Ritter, früherer langjähriger Leiter der „stroke-unit“ am Uniklinikum Münster und neuer Chefarzt der Klinik für Schlaganfall- und Beatmungsmedizin im Clemenshospital.

Ein weiterer Schwerpunkt der Klinik für Neuroradiologie ist die pädiatrische Neuroradiologie in Kooperation mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, die der Diagnostik von Entwicklungsstörungen, Fehlbildungen als auch Gefäß- und Tumorerkrankungen von Gehirn und Wirbelsäule dient. Für Kinder werden hauptsächlich die besonders schonenden Diagnoseverfahren MRT und Sonographie ohne Röntgenstrahlung verwendet und von einem Team speziell ausgebildeter Neuro- und Kinderradiologen des Zentrums beurteilt.

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum zertifiziert

Münster – Stuhl- und Harninkontinenz gehören sicherlich nicht zu den Lieblingsthemen der meisten Menschen, genau genommen handelt es sich hierbei noch immer um Tabuthemen. Das Unvermögen, die Ausscheidung von Stuhl und Urin zu kontrollieren, ist weit verbreitet, rund sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einer Blasenschwäche, etwa drei Millionen unter einer Darmschwäche.

„Es dauert bei einer Harninkontinenz im Schnitt drei Jahre, bei einer Stuhlinkontinenz sogar bis zu sieben Jahre, bis die Betroffenen zum ersten Mal mit einem Arzt darüber sprechen“, erläutert Dr. Erik Allemeyer, Leiter der Sektion Proktologie an der Raphaelsklinik. Dabei gibt es je nach Ursache inzwischen viele medizinische Möglichkeiten, eine Inkontinenz erfolgreich zu behandeln. Um alle beteiligten Fachgebiete von der Proktologie über die Urologie bis zur Gynäkologie und Radiologie zu verknüpfen und in den Dialog miteinander zu bringen, wurde im Clemenshospital und in der Raphaelsklinik ein gemeinsames Kontinenz- und Beckenbodenzentrum gegründet. Das Zentrum wurde nun von der Deutschen Kontinenzgesellschaft zertifiziert. „Die Übergänge zwischen den medizinischen Fachgebieten sind bei der Behandlung einer Inkontinenz fließend. Daher ist eine erfolgreiche Behandlung nur in einem Zentrum wirklich erfolgversprechend“, erläutert Dr. Rüdiger Langenberg, Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals.

Viele Hausärzte, so bedauern die Experten des Zentrums, nehmen den Leidensdruck der Betroffenen nicht ernst genug, dabei kann eine Inkontinenz die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. „Vorlagen, Binden, Schicksal“, so beschreiben Allemeyer und Langenberg den ebenso kurzen wie erfolglosen Behandlungsweg vieler Betroffener. In regelmäßigen Konferenzen beraten die Mediziner des Zentrums, welche Therapie für den jeweiligen Patienten die größte Aussicht auf Erfolg hat. „Im Gespräch mit den Betroffenen ist es von großer Bedeutung, eine vertrauensvolle Atmosphäre aufzubauen“, erläutert Dr. Erik Allemeyer und sein Kollege Dr. Rüdiger Langenberg pflichtet ihm bei: „Die Patienten haben oft einen langen Leidensweg hinter sich und der Schritt, mit einem Arzt darüber zu sprechen, fällt vielen nicht leicht“. Doch dieser Mut wird oft belohnt, in den meisten Fällen ist eine Therapie erfolgreich und die Betroffenen können wieder ohne Einschränkungen am Leben teilnehmen.

Experten des Clemenshospitals und der Raphaelsklinik haben sich zum Kontinenz- und Beckenbodenzentrum zusammengeschlossen, das jetzt erfolgreich zertifiziert wurde.

Bild: Experten des Clemenshospitals und der Raphaelsklinik haben sich zum Kontinenz- und Beckenbodenzentrum zusammengeschlossen, das jetzt erfolgreich zertifiziert wurde.

Mehr Massel als Brassel: Türmerin Martje Saljé und Autorin Marion Lohoff-Börger veranstalten Masematte-Abend

Mit Masematte Gutes tun

Münster – Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Alexianer Waschküche gegenüber vom Hauptbahnhof, als die Autorin Marion Lohoff-Börger und Münsters musikalische Türmerin Martje Saljé zum Masematte-Abend einluden. Das Thema war die Liebe, schließlich war Valentinstag. „Masematte umfasst rund 600 Worte nur leider keines für die Liebe“, erklärte Lohoff-Börger. Dass es trotz dieses Mangels sehr lustig zugehen kann, wenn es auf Münsters Geheimsprache um das schönste aller Gefühle geht, zeigte sich zum Beispiel bei der bekannten Geschichte um den schwarzen Schwan Petra, der sich vor über zwölf Jahren auf dem Aasee in ein Tretboot verliebte. Da musste mit der „Trampelpünte“ auch schonmal ein neuer Masematte-Begriffe konstruiert werden. Auch Zuhörer, die nicht mit Masematte aufgewachsen sind, stellte der Abend vor nicht allzu große Probleme. Viele Vokabeln erklärte die Autorin den Zuhörern im Vorfeld und wenn es kompliziert wurde, bewies die Türmerin bemerkenswerte Qualitäten als Simultanübersetzerin. Martje Saljé zeigte an der Gitarre und am Klavier einmal mehr ihr musikalisches Talent, startete den Abend mit einem Medley bekannter Liebeslieder und begeisterte das Publikum unter anderem mit Liedern von Udo Lindenberg, Rio Reiser oder Herbert Grönemeyer. Dessen Lied „Der Weg“, in dem er den Tod seiner Frau thematisiert, verwies auf den Anlass des Abends, dessen Einnahmen dem Förderverein Palliativmedizin der Raphaelsklinik gespendet wurden. „Valentinstag ist nicht nur der Tag der Liebe sondern auch der Nächstenliebe“ unterstrich die Vereinsvorsitzende Gaby Marbach. Die Spendeneinnahmen des Abends schienen diese Vermutung zu bestätigen, 2220 Euro kamen insgesamt zusammen, die von einem Unterstützer noch verdoppelt werden. „Auf der Palliativstation werden schwerstkranke Menschen betreut, bei denen eine Heilung nicht mehr möglich ist“, erklärte Marbach, betonte aber gleichzeitig: „Das oberste Ziel aller, die auf der Palliativstation der Raphaelsklinik arbeiten, ist das Leben und die Lebensqualität“. Die Vereinsmittel dienen dazu, das Umfeld auf der Station wohnlicher zu gestalten, aber auch um Angebote wie die Musiktherapie zu ermöglichen, die von den Kassen nicht finanziert werden. [www.palliativ-muenster.de]

Bild: Münsters Türmerin Martje Saljé (l.) und die Autorin Marion Lohoff-Börger engagieren sich für die Palliativstation der Raphaelsklinik.

Revolutionäre Fortschritte bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen

Münster – Rund 100 Zuhörer informierten sich im Foyer der Raphaelsklinik über die Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und deren Behandlung. Experten des Pankreaszentrums Münster sowie niedergelassener Praxen und der EOS-Klinik berichteten während der dreistündigen Veranstaltung über die besonderen Eigenarten des Bauchorgans sowie die Untersuchungsmöglichkeiten und Operationsmethoden bei Entzündungen und Krebserkrankungen. Noch immer erzeugt die Nachricht, dass die Bauchspeicheldrüse erkrankt ist, bei vielen Betroffenen Sorgen und Ängste. Dabei hat die Medizin auf diesem Gebiet große Fortschritte gemacht.

„Die enge Zusammenarbeit von Radiologen, Gastroenterologen und Chirurgen ist gerade bei einem Organ wie der Bauchspeicheldrüse von entscheidender Bedeutung um zu unterscheiden ob es sich um eine gutartige oder eine bösartige Erkrankung handelt. Im Zweifel muss oft operiert werden, da im Fall eines bösartigen Tumors eine Heilung nur durch eine frühzeitige Operation erreicht werden kann“, so die Experten. In den letzten Jahren habe es bei den medizinischen Behandlungsmöglichkeiten geradezu revolutionäre Entwicklungen gegen. Durch intensivierte Chemotherapien können fortgeschrittene Tumoren oft so verkleinert werden, dass eine Operation möglich wird: „Wir können heute Menschen helfen, bei denen vor 15 Jahren an eine Heilung gar nicht zu denken war“, berichtete der Chefarzt Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann aus der Praxis.

Erst seit kurzer Zeit sind in der Wissenschaft sehr frühe Vorläuferstadien von Bauchspeicheldrüsentumoren bekannt, die mit speziellen Ultraschall-Endoskopen entdeckt werden können. Bei solch frühen Stadien bestehen sehr gute Heilungschancen, wie der Chefarzt Dr. Ulrich Peitz hervorhebt. Aber auch bei fortgeschritteneren Krebserkrankungen sind durch den frühzeitigen Einsatz moderner Chemotherapien, gezielte Bestrahlungen und präzise OP-Techniken des Chirurgen heutzutage gute Erfolge zu erzielen, berichten die Mediziner des Pankreaszentrums.

Bild: Rund 100 Zuhörer kamen zum „Bauchspeicheldrüsentag“ in das Foyer der Raphaelsklinik

Auszeichnung für Urologen

Münster – Die urologische Gemeinschaftspraxis Münster wurde mit dem renommierten Alexander-von-Lichtenberg-Preis 2018 ausgezeichnet. Diese wichtige Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Urologie ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro verbunden und würdigt herausragende Leistungen auf dem Gebiet der ganzheitlichen Versorgung von Krebspatienten. Dr. Walter Otto, Dr. Eckart Gronau und Dr. Maximilian Cohausz nahmen den Preis beim diesjährigen Jahreskongress in Dresden entgegen.

Besonders hervorgehoben hat die Fachjury das Engagement der Mediziner, die in der Raphaelsklinik die urologische Belegabteilung leiten, sowohl beim Aufbau des Prostatazentrums Münsterland als auch beim deutschlandweit ersten klinikübergreifenden Tumorzentrum „Münsteraner Allianz gegen Krebs (MAgKs)“. „Um Patienten mit einer Tumorerkrankung umfassend sowohl medizinisch als auch pflegerisch, therapeutisch und psychologisch betreuen zu können, ist ein tragfähiges Netzwerk vieler unterschiedlicher Experten notwendig“, betonen die Preisempfänger. Die Zentren werden regelmäßig von unabhängigen, externen Gutachtergremien überprüft und zertifiziert. Im Prostatazentrum Münsterland werden sowohl Patienten mit bösartigen als auch mit gutartigen Erkrankungen untersucht und behandelt.

Erkrankungen der Vorsteherdrüse (Prostata) sind sehr verbreitet, bei den über 50-Jährigen leidet bereits jeder zweite, ab 75 fast jeder Mann unter einer gutartigen Vergrößerung der Drüse. Neben den gutartigen Erkrankungen treten deutschlandweit außerdem rund 60.000 Fälle von Prostatakrebs jährlich neu auf, damit ist diese Form der Krebserkrankung die häufigste bei Männern hierzulande.

Bild: Dr. Maximilian Cohausz (2.v.l.) während der Preisübergabe durch Alida Cardinal, Dr. Axel Schroeder und Prof. Dr. Maurice Stephan Michel (v.l.)

Raphaelsklinik eröffnet die Ausstellung „Genesis“ von Marita Mues

Münster – Am Donnerstag, 20.09., wird im Foyer der Raphaelsklinik, Loerstraße 23, die Ausstellung „Genesis“ der Warsteiner Künstlerin Marita Mues eröffnet. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig. Die Gastrede hält Bernhard Enste, erster Vorsitzender des Museums Kupferhammer (Warstein). Literarisch begleiten lyrische Texte von Yosh Malzon Jessen die Werke. Musikalisch wird die Eröffnung durch Dilek Gecer (Gesang) und Anna-Sophie Sczepanek (Flügel) bereichert.

Alles beginnt mit dem Licht! Die Genesis der Bibel hat viele elementare Aspekte: Himmel und Erde, Mensch und Tier… allen aber liegt das Kreative, Gestaltende zugrunde. Der Wille, dem, was sein soll, eine Gestalt zu geben. Der Mensch ist seit Anbeginn nicht nur Teil der Schöpfung, sondern selbst schöpferisch – in vielfältigstem Ausdruck. Marita Mues stellt sich ihrer eigenen schöpferischen Kraft, in der Malerei mit Demut vor dem, was ihren Möglichkeiten dazu mit auf den Weg gegeben wurde.

Bild: Bild von Marita Mues im Rahmen der Ausstellung „Genesis“ (© Marita Mues)

Opfer der Amokfahrt von Münster heiraten in der Klinik

Münster – Es sollte ein schönes Wochenende in Münster werden, das Hubert seiner Verlobten Melanie als Weihnachtsgeschenk unter den Baum gelegt hat. Die beiden Niedersachsen sind eingefleischte Krimifans, ganz besonders haben es Ihnen der Münster-Tatort (ARD) und die Krimiserie „Wilsberg“ (ZDF) angetan. „Ich habe eine Zeitungsanzeige entdeckt, in der spezielle Stadtführungen zu dem Thema angeboten wurden. Da wusste ich, dass ich das richtige Geschenk gefunden habe“, erinnert sich der 57-Jährige inzwischen mit etwas zwiespältigen Gefühlen.

Alles schien perfekt, es war der erste schöne Frühlingstag des Jahres, das Hotel war gemütlich und die Tour zu den Drehorten ihrer Lieblingsserien ein spannendes Erlebnis. „Während der Tour gab es für die Teilnehmer ein Buchstabenrätsel mit dem Titel ‚Wo ist Boerne?‘. Die Lösung lautete ‚Trinke Wein im Kiepenkerl‘ und als wir an der Gaststätte vorbeikamen und dort auch noch die zwei letzten Plätze frei waren, haben wir uns sofort hingesetzt und freuten uns auf das Weizenbier“, berichtet Melanie.

Hubert wollte, bevor das Bier auf dem Tisch steht, noch schnell auf die Toilette, diese Entscheidung hat möglicherweise sein Leben gerettet. „Ich war schon im Restaurant und hörte plötzlich eine der Bedienungen laut ‚Nein!‘ rufen. Ich machte kehrt und als ich aus dem Restaurant kam, sah ich dort einen Kleintransporter stehen, wo ich vorher gesessen habe. Mein erster Gedanke war, dass der doch da gar nicht hingehört“, die Erinnerung schmerzt auch nach anderthalb Wochen noch. Melanie lag zwischen den Trümmern der Tische und Stühle, der Ellenbogen war gebrochen, aus einer Platzwunde am Kopf tropfte Blut. Hubert kniete sich neben seine Verlobte und sprach mit ihr, damit sie bei Bewusstsein bleibt. „Plötzlich stand ein Polizist neben mir und sagte, dass ich weggehen solle, da der Bereich geräumt werden muss. Das wollte ich auf gar keinen Fall“, berichtet Hubert.

Bild: Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (r.) traute Melanie und Hubert in der Raphaelsklinik.

Der Polizist ließ jedoch nicht mit sich handeln, da die Möglichkeit bestand, dass sich im Fahrzeug Sprengstoff befindet. Auf dem Weg zur Sammelstelle auf dem nahen Domplatz begegnete ihm zufällig eine Seelsorgerin, die sich sofort um Hubert gekümmert hat, später kam ein italienischer Restaurantbesitzer vorbei, der Obst an die Helfer und Betroffenen verteilte. Melanie war zu dem Zeitpunkt bereits auf dem Weg in die Raphaelsklinik, wo die alarmierten Ärzte und Pflegekräfte schon warteten. „Die Trennung war schlimm und es dauerte eine ganze Zeit, bis ich herausgefunden habe, wo meine Verlobte hingebracht wurde“ berichtet Hubert.
Nach der Notfall-Operation musste die 54-Jährige noch einen Tag auf der Intensivstation verbringen, bevor es auf eine Normalstation ging, immer war Hubert an ihrer Seite. „Und dann habe ich sie gefragt, ob sie mich heiraten würde. Noch hier in Münster und in dem Krankenhaus, in dem uns so schnell geholfen wurde. Und sie hat ‚Ja‘ gesagt“. Als die ungewöhnliche Anfrage im Standesamt eintraf, hat der münsterische Oberbürgermeister Markus Lewe spontan angeboten, die Eheschließung selber vorzunehmen. Für die Brautleute sollte die Trauung ein Geschenk an Münster sein. Ein positives Signal, dass es bei all dem Schrecken immer auch Hoffnung gibt, berichten die frischgebackenen Eheleute. „Wir dank den vielen Menschen in Münster, die sich um die Betroffenen der Amokfahrt gekümmert haben und den Mitarbeitern der Raphaelsklinik, die uns so toll geholfen haben!“

An den Amokfahrer denken die Beiden nicht, empfinden weder Wut noch Hass, „der Mann ist bei uns ausgeblendet, gar nicht existent“.