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Aus Schülern werden Ersthelfer

Wilhelm-Hittorf-Gymnasium kooperiert mit Raphaelsklinik

Münster – „Das ist zwar anstrengend aber damit können wir ja Leben retten!“, Finn aus der Klasse 7d des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums bringt es auf den Punkt. Zusammen mit seinen Klassenkameraden übt er die Herzdruckmassage an kleinen Übungspuppen. Bis ein metallisches Knacken im künstlichen Brustkorb die erfolgreiche Druckausübung verkündet, müssen die Schülerinnen und Schüler allerdings einiges an Kraft aufbringen.

„Ihr könnt nichts falsch machen, es sei denn, ihr macht gar nichts“, erklärt Ralf Epping, Fachkrankenpfleger für Anästhesie- und Intensivpflege auf der Intensivstation der Raphaelsklinik. Zwischen dem Gymnasium und der Innenstadtklinik sorgt ein Kooperationsvertrag dafür, dass jedes Jahr die Schüler der siebten Klassen unter Anleitung eines Experten die Grundlagen der Wiederbelebung erlernen. Während der aktuellen „Woche der Wiederbelebung“ wurden so aus rund 120 Schülerinnen und Schülern junge Ersthelfer, die im Ernstfall genau wissen, was zu tun ist. Viele Schüler haben in den Medien den Bericht über einen 83-Jährigen verfolgt, der in einer Essener Bankfiliale gestorben ist, weil ihm niemand geholfen hat, als er bewusstlos am Boden lag. „Ihr hättet den Mann mit Herzdruckmassage bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vermutlich retten können“, erklärt Epping.

Erst schütteln und laut ansprechen, dann die 110 anrufen, möglichst weitere Personen dazu holen und mit der Wiederbeleben beginnen, die Schüler kennen jetzt die notwendigen Schritte, um Leben zu retten. Welche Informationen die Notrufzentrale am Telefon benötigt, kann Kleris seinen Klassenkameraden genau erklären, er hat bereits zweimal den Notruf gewählt. „In welchem Rhythmus soll man die Herzdruckmassage ausführen, da gibt es so ein Lied, an das man denken soll“, fragt Ralf Epping in die Runde und sofort singt einer der zukünftigen Ersthelfer „Staying alive“ von den Bee Gees. Der Krankenpfleger ist begeistert, stellt aber auch gleich klar, dass die Schüler einfach etwa hundertmal pro Minute drücken sollen, auch wenn sie das Lied nicht kennen.

Bild: Unter der Anleitung des Krankenpflegers Ralf Epping (m.) von der Raphaelsklinik üben die Schüler des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums die Herzdruckmassage.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Raphaelsklinik ehrt ehemaligen Krankenpfleger Josef Henneböhl als Widerstandskämpfer

Münster – Mit der Umbenennung eines Seminarraums in „Jupp Henneböhl Bibliothek“ hat die Betriebsleitung der Raphaelsklinik das Andenken an einen ihrer ehemaligen Krankenpfleger geehrt – Josef Henneböhl, der während des zweiten Weltkriegs in den Niederlanden durch seinen unerschrockenen Einsatz viele Menschen vor der Deportation durch die Nationalsozialisten bewahrt hat.

Der 1909 in Berge bei Lippstadt geborene Josef Henneböhl kam 1931 nach Münster, wo die Raphaelsklinik gerade durch die Eröffnung eines neuen Hochhauses aufwändige Erweiterungsmaßnahmen abgeschlossen hatte. Dort traf er auch auf den Chirurgen Professor Conrad Ramstedt, mit dem er ein Gespräch über die für Henneböhl noch unbekannten Nationalsozialisten führte. Ramstedt gab ihm den dringenden Rat, sich „diesen Kerlen“ zu widersetzen. Dies war vermutlich die Initialzündung für Henneböhls spätere Taten.

1938 ging Josef Henneböhl zunächst zur Reichsbahnpolizei, vier Jahre später wurde er als „Grüner Polizist“ nach Amsterdam abkommandiert. Die „Grüne Polizei“ stellte die verhasste deutsche Besatzungsmacht in den von den Deutschen besetzten Ländern dar und war an der Umsetzung zahlreicher Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligt. Schnell suchte er den Kontakt zum dortigen Widerstand und wurde für diesen zum wichtigen Informanten, der vor Razzien und anderen Polizeiaktionen warnte. Der wiederholten Bitte nach Waffen hat Henneböhl allerdings stets energisch widersprochen.

Henneböhl hat die Post niederländischer Familien an deportierte Angehörige über seine eigene Feldpostnummer versendet und gefälschte Genehmigungen ausgestellt, damit hunderte Amsterdammer ihre Fahrräder behalten konnten. Dies ermöglichte unter anderem den Widerstandsbewegungen, mobil zu bleiben. Zum Teil wurden seine Aktivitäten durch die SS aufgedeckt und es folgte 1943 eine rund dreimonatige Inhaftierung im niederländischen Scheveningen, der er vermutlich nur durch Glück lebend entkam.

Während großer Razzien unter anderem in Delft und Den Haag hat er hunderte bereits zusammengetriebener Niederländer unter Einsatz seines Lebens befreit, in Haarlem rettete er mit einer spektakulären Aktion über 20 Geistliche des Klosters Heemstede vor der Deportation. Sein selbstloses und mutiges Engagement wurde später von vielen Niederländern schriftlich bestätigt.

Nach dem Krieg heiratete Henneböhl die Niederländerin Franziska (Cissi) van Putten und führte mit ihr ein Tabakgeschäft in Amsterdam. Henneböhl erlangte 1962 die niederländische Staatsbürgerschaft, 1984 ehrten ihn die Niederlande mit der Verleihung des „Verzetsherdenkingskruis“ (Niederländisches Widerstands-Gedenkkreuz). 1950 erschien seine Autobiografie „Ik kon niet anders. Joep Henneböhl vertelt“ in niederländischer Sprache, 1974 wurde die deutschsprachige Version veröffentlicht. Henneböhl kehrte regelmäßig nach Münster zurück und besuchte dabei auch häufig die Clemensschwestern, denen er sich Zeit seines Lebens eng verbunden fühlte. Am 3. August 1990 starb Josef Henneböhl in Zundert (NL).

„Durch diese Ehrung ist Jupp Henneböhl gewissermaßen in die Raphaelsklinik zurückgekehrt“, wie der Leiter des Geschichtsortes „Villa ten Hompel“, Dr. Christoph Spieker, während einer kleinen Feierstunde betonte. Auch die direkte Nachbarschaft zum „Conrad Ramstedt Saal“, von dem die „Jupp Henneböhl Bibliothek“ nur durch eine flexible Wand getrennt ist, freute den Historiker mit Blick auf die enge Verbundenheit beider Persönlichkeiten.

Bild: An der Feierstunde nahmen Dr. Christoph Spieker (l.), daneben die Clemensschwester Reginfrieda, Verwaltungsdirektor Andreas Mönnig (r.) und Pflegedirektor Manfred Fehrenkötter (2.v.r.) sowie Schwestern und Pflegern der Raphaelsklinik teil.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Nacht der Museen und Galerien: Ausstellungsfinale mit Türmerin

Münster – Lange Nacht der Museen und Galerien, das ist auch immer eine besondere Nacht für die Raphaelsklinik, wenn die jeweilige Ausstellung bis Mitternacht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Diesmal konnten die zahlreichen Besucher mit dem Ende der Ausstellung „Zeit | Zeichen“ eine besondere Finissage mit Starbesetzung miterleben: Neben den Künstlern Hermann Willers und Hans Dieter Rieder waren noch der Schauspieler und Rezitator Bodo Primus, der Pianist Tobias Sudhoff und Münsters Türmerin Martje Salié mit von der Partie.

Primus und Rieder wechselten sich mit den tiefgründigen Texten von Hans Dieter Rieder ab, die zum Teil von Tobias Sudhoff am Flügel begleitet und kongenial interpretiert wurden, wie zum Beispiel der Text „Nebelwald“. Für Überraschung sorgte bei vielen Besuchern vermutlich die Erkenntnis, dass Münsters prominente Türmerin Martje Salié nicht nur von St. Lamberti weithin hörbar das Zeit-Zeichen in die Stadt hinaustuten kann, sondern auch eine virtuose Gitarristin und Sängerin ist. Begleitet von Tobias Sudhoff sorgte besonders ihre Interpretation von Édith Piafs „Milord“ inklusive deutscher Übersetzung beim Publikum für Begeisterung.

Bild: Münsters Türmerin Martje Salié kann nicht nur pünktlich tuten sondern auch toll singen, vor allem zur Musik von Tobias Sudhoff am Flügel

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Raphaelsklinik ehrt den großen Chirurgen Prof. Dr. Conrad Ramstedt

150. Geburtstag von Prof. Dr. Conrad Ramstedt

Münster – Er gehört zu den bekanntesten Chirurgen des Landes, Prof. Dr. Conrad Ramstedt, der von 1909 bis 1947 Chefarzt an der Raphaelsklinik war. 1911 führte er erstmals ein von ihm entwickeltes Operationsverfahren durch, um bei einem Säugling die angeborene Verengung des Magenausgangs zu beheben, die nach ihm benannte Weber-Ramstedt-Operation. „Ramstedt hat diese OP-Technik, die bis heute angewendet wird, vollkommen neu entwickelt“, erläutert der heutige Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann. Dass ein Operationsverfahren über einen derart langen Zeitraum nahezu unverändert angewendet wird, ist nach Meinung des Chirurgen außergewöhnlich. Ebenso wie das Instrument, mit dem Ramstedt anfangs operierte, einem präparierten Silberlöffel aus dem Besteckkasten seiner Frau. Heute kommen bei diesem Eingriff moderne Endoskope zum Einsatz.

Prof. Conrad Ramstedt wurde am 1. Februar 1867 in Hamersleben im heutigen Sachsen-Anhalt geboren. Nach dem Medizinstudium in Heidelberg, Berlin und Halle und der anschließenden Fachausbildung an der chirurgischen Universitätsklinik Halle führte ihn der Wunsch nach einer militärischen Laufbahn 1901 zum westfälischen Kürassierregiment Nr. IV nach Münster, wo er wenig später zudem eine „Privatklinik für schwere Fälle“ gründete. 1909 wechselte Ramstedt an die damals nagelneue Raphaelsklinik, wo er zwei Jahre später die Operation durchführen sollte, die ihn weltberühmt machte.

„Professor Ramstedt wusste was er wollte und er sprach die Dinge aus wie sie waren“, erinnert sich Schwester Reginfrieda Rothfeld. Als junge Krankenschwester hat sie den berühmten Mediziner nach einem Schenkelhalsbruch mehrere Wochen gepflegt. Erst der Kaffee, dann die Zeitung, dann das Frühstück, in dieser Reihenfolge sollte das Morgenritual während seines Klinikaufenthaltes ablaufen und nicht anders. „Manche Menschen vergisst man aber eine solche Persönlichkeit nicht“, berichtet die Clemensschwester. Dabei gab der Chirurg zu Lebzeiten wenig auf seine Berühmtheit, berichtet seine Urenkelin Verena Katterbach. „Ihm lagen seine Patienten sehr am Herzen, er hat sich auch nach der Operation oft nach ihnen erkundigt“. Ein sehr würdevoller, ruhiger Mann sei er gewesen, der von seiner Wohnung in der Studtstraße aus gerne mit seinem Freund „Herrn Becker“ über die Promenade wanderte „und die Weltpolitik besprach“, wie die 68-Jährige schmunzelnd berichtet. Mindestens einmal muss es jedoch mit der Ruhe vorbei gewesen sein, als ihn sein zehnjähriges Patenkind Karl beim Spaziergang nach der Bedeutung des Straßennamens Freiligrathstraße fragte und damit seine Unkenntnis über die deutschen Dichter und Denker offenbarte, es folgte eine schallende Ohrfeige. Inzwischen ist Karl Lagerfeld nicht nur einer der bekanntesten Modedesigner sondern auch als profunder Kenner der Literatur und Lyrik bekannt. Seinen Vornamen verdankt Lagerfeld im Übrigen der Empfehlung des berühmten Patenonkels, den er trotz der körperlichen Zurechtweisung sehr geliebt habe, wie er später sagte.

Bild: Schwester Reginfrieda, Verena Katterbach und Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann (v.l.) neben der Büste von Prof. Dr. Conrad Ramstedt, zu dessen 150. Geburtstag der Konferenzraum der Raphaelsklinik in „Conrad Ramstedt Saal“ umbenannt wurde.

Die Zerstörung der Raphaelsklinik während des zweiten Weltkriegs aber vor allem der Tod seines Enkels Konrad Altenburg, der in seine Fußstapfen treten sollte, haben Ramstedt schwer zugesetzt. Dennoch war er bis zu seinem 80. Lebensjahr als Chefarzt der Innenstadtklinik aktiv. Am 29. Januar 1962 wurde ihm das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen, fast ein Jahr später, am 7. Februar 1963, verstirbt Ramstedt. „Er ist zu Hause sanft eigeschlafen“, wie seine Urenkelin berichtet.
Anlässlich des 150. Geburtstags des berühmten Chirurgen hat die Raphaelsklinik ihren Konferenzraum in „Conrad Ramstedt Saal“ umbenannt, eine Büste und eine Infotafel mit den Eckdaten seines Lebens erinnern an sein Leben.

Neues Verfahren zum Entdecken von Prostatakrebs

Münster – Mit dem zweiten sieht man besser, dies gilt nicht nur für das ZDF sondern auch für die Medizin. Das Prostatazentrum Münsterland an der Raphaelsklinik kombiniert zukünftig im Zweifelsfall die Bilder eines Magnetresonanztomographen (MRT) mit denen eines Ultraschallgerätes, um beim Verdacht auf Prostatakrebs zielgenau Proben entnehmen zu können.

Die Ultraschall-MRT-Fusionsbiopsie wird angewendet, wenn die üblichen Untersuchungsmethoden wie Tasten, Ultraschall und die fächerförmige Entnahme von Gewebeproben kein Ergebnis liefern, die weiteren Untersuchungen aber weiterhin auf einen Tumor in der Prostata hinweisen. Als MRT kommt ein Hochleistungs-3-Tesla-Gerät der Verbundabteilung für Radiologie am Standort Clemenshospital unter der Leitung von Prof. Dr. Johannes Weßling und Manfred Pützler zum Einsatz. Die hochaufgelösten Bilder der Prostata werden digital an die Belegabteilung für Urologie von Dr. Walter Otto, Dr. Eckart Gronau und Dr. Maximilian Cohausz in der Raphaelsklinik übermittelt. Dort werden die MRT-Bilder eines verdächtigen Befundes mit den ultraschallgesteuerten Aufnahmen in Echtzeit überlagert. Durch die Kombination beider Verfahren können somit auch kleine oder versteckt liegende Tumore zielgenau mit der Punktionsnadel für die Entnahme von Gewebeproben angegangen werden. Das Risiko, dass die Biopsienadel den Tumor möglicherweise verfehlt, ist somit deutlich geringer. Durch das neue Verfahren ist auch die Art der Gewebeveränderung besser zu erkennen, von der die weitere medizinische Behandlung abhängt. Das neue Verfahren der Ultraschall-MRT-Fusionsbiopsie erlaubt somit eine schonende und präzisere Diagnostik beim Prostatakarzinom und bietet sowohl dem betroffenen Mann als auch den behandelnden Ärzten mehr Sicherheit.

Bild: Urologen und Radiologen von Clemenshospital und Raphaelsklinik kombinieren zukünftig ihre Untersuchungsergebnisse beim Erkennen von Prostatatumoren.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung beim Mann, nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken jährlich rund 63.400 Männer an einem Tumor der Vorsteherdrüse. Die Ursachen sind noch nicht endgültig bekannt, jedoch scheinen eine familiäre Veranlagung sowie Ernährung und Umwelteinflüsse die Entstehung eines Prostatakrebses zu begünstigen. Der wichtigste Faktor ist das Alter, mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer Erkrankung deutlich an. Ab 45 wird die jährliche Vorsorgeuntersuchung von den Kassen bezahlt, bei familiärer Veranlagung ab 40. Wird der Tumor früh erkannt, besteht eine sehr gute Heilungschance.

Quelle: © Raphaelsklinik/Clemenshospital Münster

25 Jahre Stomapflege in der Raphaelsklinik

Lebensqualität mit künstlichem Darmausgang

Münster – Vor 25 Jahren riefen ein Chirurg und eine Krankenschwester in der Raphaelsklinik die Stomapflege ins Leben, die inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Stomatherapie im eigenen Darmkrebszentrum ist. Gisela Schwarberg-Roesmann erinnert sich gut an den Tag vor über 20 Jahren, als sie einen künstlichen Darmausgang bekam: „Das war schrecklich, ich dachte ich müsste sterben.“ Sie ist eine von über 100.000 Menschen in Deutschland, die mit einem Stoma leben (Quelle: Deutsche ILCO).

Thema: Stoma – Leben mit künstlichem Darmausgang
Datum: Samstag, 19.11.2016
Ort: Foyer der Raphaelsklinik
Uhrzeit: 10.00 – 13.00 Uhr
Zielgruppe: Schwangere und ihre Partner und/oder Angehörige
Referenten: Chefarzt und Leitende Hebamme
Besonderheiten: Anmeldung nicht erforderlich, kostenfrei

„Gründe dafür einen künstlichen Darmausgang anzulegen, können gutartige Erkrankungen, wie entzündliche Darmerkrankungen, bösartige Erkrankungen und funktionelle Störungen, wie Inkontinenz sein. Manchmal ist das Stoma nur vorübergehend und der natürliche Zustand wird wieder hergestellt“, erklärt Dr. Frank Fischer, leitender Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie und Koordinator des Darmkrebszentrums Raphaelsklinik Münster. Fischer und Olaf Hagedorn, Krankenpfleger mit Weiterbildung Pflegeexperte Stoma, Inkontinenz und Wunde, kennen die Angst der meisten Patienten vor einem künstlichen Darmausgang. „Ich erlebe es bei der Beratung vor der Operation leider immer wieder, dass die Patienten glauben, ein Stoma bedeutet das Ende. Es wird oft mit Tod und Sterben assoziiert“, berichtet Olaf Hagedorn. Dabei habe sich so vieles verändert. „Bei meiner Arbeit in der stomatherapeutischen Pflege schaue ich, wie die Bedürfnisse der Patienten sind, damit ich die Versorgung individuell für den Betroffenen anpassen kann. Ziel ist es, möglichst nah an die gewohnte Lebensqualität heranzukommen“, sagt Hagedorn und Gisela Schwarberg-Roesmann ergänzt: „Damit man nichts sieht und nichts riecht.“ Dafür gibt es über 200 Stoma-Systeme. Genug, um für jeden Patienten das individuell passende System zu finden. „Beim Stomatag in der Raphaelsklinik sind auch einige Vertreter der Industrie vor Ort, die diese Produkte anbieten. Neben den Vorträgen können interessierte Patienten von Stand zu Stand gehen und auch neue Produkte sehen“, merkt Fischer an. Bei der Auswahl des Stomas werden viele Dinge berücksichtigt, unter anderem die Beschaffenheit des Bauches und die Kleidungsgewohnheiten. Vor der Operation schauen die Experten des Zentrums, wo eine geeignete Stelle im Bauchbereich ist. „Es ist für mich als Stomaträgerin beispielsweise wichtig, dass ich den Gürtel nicht über dem Stoma trage. In den zertifizierten Darmzentren wird das immer gemacht. Es gibt auch Häuser, wo darauf nicht geachtet wird“, gibt Gisela Schwarberg-Roesmann zu bedenken. Dr. Frank Fischer ergänzt, dass zertifizierte Darmzentren bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen müssen. Dazu gehöre das Anzeichnen des Stomas vor der Operation, das als ein Qualitätskriterium nachgewiesen werden müsse.

Olaf Hagedorn arbeitet bereits seit 23 Jahre in der Stomatherapie der Raphaelsklinik, die dort vor 25 Jahren in die Behandlungsabläufe integriert wurde. „Ich helfe den Betroffenen, wo ich kann. Vor allem bei der Entscheidung vor der Operation, aber auch danach beim Umgang mit dem Stoma“, sagt der Stomatherapeut. Seit 2007 bestehe zusätzlich die Möglichkeit, dass die Patienten auch im nachstationären Bereich von ihm betreut werden. „Das heißt, dass ich vor Ort unter häuslichen Bedingungen, die ganz anders sind als in der Klinik, weiterhelfen kann.“ Das ist wichtig, weiß auch Gisela Schwarberg-Roesmann, „weil die meisten Probleme erst zuhause auftreten.“ Oder auf Reisen. „Stomaträger bekommen ein Reisezertifikat, weil man nur 100 Milliliter Flüssigkeit ins Flugzeug mitnehmen darf. Die kämen sonst gar nicht durch den Zoll mit so einem Beutel“, berichtet Olaf Hagedorn aus langjähriger Erfahrung. „Wenn die Betroffenen am Flughafen einchecken und abgetastet werden, glauben die Beamten, da ist Flüssigsprengstoff am Körper. Das sind kleine Problemchen im Alltag, für die wir beratend da sind.“

Als Gisela Schwarberg-Roesmann mit 30 Jahren einen künstlichen Darmausgang bekam, war an Reisen nicht zu denken. Sie hat sich lange zurückgezogen. „Bis ich in eine Selbsthilfegruppe ging, die Deutsche ILCO. Ich war überrascht, wie viele Leute ein Stoma hatten. Ich habe mich zum ersten Mal nicht mehr allein gefühlt oder geschämt“, erinnert sich die Mittfünfzigerin. Die Deutsche ILCO ist eine Selbsthilfeorganisation für Stomaträger und für Menschen mit Darmkrebs und besteht bereits seit 40 Jahren. Sie umfasst neben dem Bundesverband acht eingetragene Landesverbände und über 300 Gruppen. Die etwa 800 ehrenamtlichen Mitarbeiter unterstützen pro Jahr über 20.000 Stomaträger, Darmkrebsbetroffene und Angehörige.

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Bild: Gut betreut in der Raphaelsklinik: Betroffene Gisela Schwarberg-Roesmann (Mitte) mit (v.l.) Dr. Frank Fischer, leitender Oberarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie und Koordinator des Darmkrebszentrums, Raphaelsklinik Münster und Olaf Hagedorn, Krankenpfleger mit Weiterbildung Pflegeexperte Stoma, Inkontinenz und Wunde, Raphaelsklinik Münster.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Dr. Norbert Mertes ist neuer Chefarzt am Clemenshospital

artikel-rak_14102016Dr. Norbert Mertes ist Chefarzt der neuen gemeinsamen Abteilung für Anästhesie, operative Intensivmedizin, Schmerztherapie sowie Notfall- und Palliativmedizin von Clemenshospital und Raphaelsklinik in Münster. Im Clemenshospital folgt Mertes damit auf Prof. Dr. Ralf Scherer, der Ende September in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Der 1957 geborene Mertes hat an der belgischen Université Catholique de Louvain Medizin studiert. 1983 wurde er zunächst Assistenzarzt in der inneren Abteilung des Sankt Nikolaus Hospitals in Eupen, danach in der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Münster (UKM). Nach mehreren Hospitationen an Krankenhäusern in London, Glasgow und Bristol (Großbritannien) war Mertes am UKM über elf Jahre als Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin tätig. Dabei rotierte er durch alle operativen Fachdisziplinen sowie die der Klinik angeschlossenen operativen Intensivstationen und die Schmerzambulanz. 1999 folgte dann der Wechsel an die Raphaelsklinik, wo Mertes zum Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin ernannt wurde. Neben dem stetigen Ausbau der Anästhesie und Schmerztherapie gehörte unter anderem die Gründung der Palliativstation zu den Meilensteinen seiner 17-jährigen Tätigkeit als Chefarzt an der Innenstadtklinik.

„Mit dem Zusammenlegen der beiden Abteilungen von Clemenshospital und Raphaelsklinik gehen wir einen weiteren, wichtigen Schritt bei der Bündelung der Kompetenzen beider Standorte“, wie der Regionalgeschäftsführer der Alexianer Misericordia GmbH, Hartmut Hagmann, erklärt.

Clemenshospital und Raphaelsklinik sind Krankenhäuser der Alexianer Misericordia GmbH. Die Alexianer sind ein Unternehmen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, in dem bundesweit rund 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind. Mit 800-jähriger Tradition betreiben die Alexianer Krankenhäuser, Einrichtungen der Senioren-, Eingliederungs- und Jugendhilfe, Gesundheitsförderungs- und Rehabilitationseinrichtungen, ambulante Versorgungs- und Pflegeeinrichtungen sowie Werkstätten für behinderte Menschen und Integrationsfirmen. Träger der Unternehmensgruppe ist die Stiftung der Alexianerbrüder.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Selbsthilfegruppe „Deutsche ILCO“ besucht Münster

Artikel-RAK_30052016Münster – Die „Deutsche ILCO“, eine Selbsthilfevereinigung für Menschen mit einem künstlichen Darmausgang, einer künstlichen Harnableitung oder Darmkrebs, startete mit 44 Mitgliedern an einem sonnigen Tag gut gelaunt eine Tour durch Münster. Auf eine informative Fahrt mit dem Doppeldecker-Sightseeing-Bus folgte eine Ausfahrt mit dem Wasserbus über den Aasee. Einen Zwischenstopp gab es im Mühlenhof-Freilichtmuseum mit einer Führung und einem Mittagsimbiss. Den Abschluss dieser Fahrt bildete eine Kaffee-und Kuchenpause an den Aaseeterrassen.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden 2. Mittwoch im Monat um 15:30 Uhr in der Raphaelsklinik Münster, Loerstraße 23, Interessierte und Betroffene sind herzlich willkommen.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster