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Infoveranstaltung zum Thema Herzschwäche lockte viele Besucher in die Raphaelsklinik

Die Informationsveranstaltung der Klinik für Innere Medizin I – Kardiologie „Das schwache Herz“ lockte am 25. November rund 160 Besucher ins Foyer der Raphaelsklinik.

Münster – Betroffene und Interessierte erfuhren, welche modernen Verfahren es gibt, um einer Herzschwäche vorzubeugen oder sie effektiv zu behandeln. „In den letzten Jahren sind große Fortschritte bei den Therapiemöglichkeiten erzielt worden“, sagte Prof. Dr. Claus Spieker, Chefarzt der Inneren Medizin. „Ein Problem ist aber, dass Patienten mit Herzschwäche die damit verbundenen Beschwerden, wie Leistungsabfall, Atemnot und geschwollene Beine, oft als altersbedingt hinnehmen.“ Es solle aber jeder, der unter Atemnot leidet, den Arzt aufsuchen, um zu klären, ob eine Herzschwäche die Ursache ist.

Neben weiteren Vorträgen über zeitgemäße kardiologische Rehabilitation bei Herzinsuffizienz und Neuerungen in der ambulanten Behandlung, standen den Besuchern verschiedene Informationsstände zur Verfügung. Nicht nur die Selbsthilfegruppe „Herz in Takt e.V.“, auch die Ernährungsberatung der Raphaelsklinik waren vor Ort. Hier informierten Mitarbeiter über Herzgesunde Kost und Interessierte konnten ihr individuelles Risiko für Herzkreislauferkrankungen bestimmen lassen. Nach den Vorträgen nutzten die Besucher zahlreich die Möglichkeit den Experten Fragen zu stellen, die diese gerne beantworteten. Viele Anwesende wollten beispielsweise wissen, welche Einschränkungen es im Alltag bei einer bekannten Herzinsuffizienz gibt. „Es spricht nichts dagegen in die Sauna zu gehen oder Sport zu treiben. Man sollte dabei aber auf sich hören und sich nicht verausgaben“, erklärte Dr. Frank Lieder, leitender Kardiologe der Chest Pain Unit (Brustschmerzzentrum).

Die Erkrankungshäufigkeit der Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist seit Jahren steigend. In Deutschland wird die Zahl der Patienten mit Herzschwäche auf zwei bis drei Millionen geschätzt. 300.000 kommen jedes Jahr neu hinzu, 50.000 sterben an dieser Erkrankung.

Bild: Zahlreiche Besucherinnen und Besucher informierten sich am Samstag in der Raphaelsklinik über das Thema Herzschwäche.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Moderne Hightech-Geräte unterstützen den Herzmuskel

Hilfe für das schwache Herz

Münster – Pro Tag schlägt das menschliche Herz rund hunderttausend Mal. So lange das Zentralorgan rund läuft und nicht ins Stolpern gerät, machen sich die meisten Menschen kaum Gedanken über diese beeindruckende Leistung. So war es früher auch bei Hans-Jürgen Liebig. Eines Tages bemerkte seine Ehefrau jedoch, dass ihrem Mann die Gartenarbeit zunehmend schwerer fiel und auch das Treppensteigen nicht ohne Schweißperlen auf der Stirn zu bewältigen war. Der Besuch beim Hausarzt brachte die Ursache schnell ans Licht, der heute 72-Jährige litt unter einer Herzschwäche. „In Deutschland sind rund zwei Millionen Menschen von einer Schwäche des Herzmuskels, einer sogenannten Herzinsuffizienz, betroffen“, erläutert der leitende Kardiologe der Raphaelsklinik, Dr. Frank Lieder.

Vortrag: „Das schwache Herz“

Datum: Samstag, 25.11.2017
Ort: Foyer der Raphaelsklinik, Loerstraße 23
Uhrzeit: 11.00 Uhr
Zielgruppe: für Interessierte und Betroffene
Besonderheiten: Anmeldung nicht erforderlich, kostenfrei

Die Beschwerden nahmen zu, im Jahr 2003 erlitt Hans-Jürgen Liebig dann einen Herzinfarkt, seine Herzkranzgefäße mussten notfallmäßig mit kleinen Röhren aus Metallgewebe, sogenannten Stents, wieder geöffnet werden. Vor rund einem Jahr war es dann soweit und Liebig musste in der Uniklinik Münster am Herzen operiert werden, ein Bypass wurde gelegt und eine neue Herzklappe implantiert. Die Ärzte empfahlen dem Saerbecker bereits nach dem Eingriff die Implantation eines Gerätes, das die Herzfunktion elektrisch unterstützt und im Fall eines Kammerflimmerns das Organ mit gezielten Stromstößen wieder in Gang bringt. „Das Aggregat, das wir Herrn Liebig eingesetzt haben, ist gewissermaßen der Rolls-Royce unter den Herzschrittmachern“, berichtet Lieder und tatsächlich ist das Gerät ein kleines technisches Wunderwerk. Während ein Sensor ständig die Herzfunktion überwacht, geben zwei Elektroden für die linke und rechte Herzkammer mit jedem Herzschlag einen schwachen Impuls ab, um den Herzmuskel zu unterstützen. Sollte tatsächlich das gefürchtete Kammerflimmern auftreten, wird ein gezielter Stromstoß abgegeben, damit das Herz wieder weiterschlägt. „Bei vielen Menschen tritt dieser Fall nie ein“, sagt Dr. Frank Lieder, fügt aber hinzu: „Das ist wie beim Airbag im Auto. Ich will auch nicht, dass der auslöst, bin in dem Fall aber froh, ihn zu haben!“

Begleitet wird die Veranstaltung von Angeboten zur Bestimmung der Risikofaktoren Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck. Es gibt Tipps zur herzgesunden Ernährung und Kontaktmöglichkeiten zu Selbsthilfegruppen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Bild: Dr. Frank Lieder (r.) zeigt dem Patienten Hans-Jürgen Liebig, wo die drei Elektroden des Herzschrittmachers am Herzmuskel befestigt sind.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Volles Haus beim Bauchspeicheldrüsentag in der Raphaelsklinik

Münster – Beim Bauchspeicheldrüsentag in der Raphaelsklinik Münster informierten Experten des Pankreaszentrums Münster mehr als 150 Besucher rund um das zentrale Bauchorgan. Ein vielseitiges Programm aus Vorträgen zu interessanten Themen rund um die Bauchspeicheldrüse lockte mehr als 150 Interessierte in die Raphaelsklinik. Ärzte, Ernährungsberater, Aromatherapeuten und andere Experten standen für Fragen zur Verfügung und das wurde rege genutzt. Neben der Selbsthilfegruppe der Pankreasoperierten waren auch Produktanbieter mit Informationsständen vor Ort.

Betroffene und Interessierte informierten sich bei Kurzvorträgen, an zahlreichen Informationsständen sowie bei Gesprächen mit den Experten. Von der Anatomie über Untersuchungsmöglichkeiten bis hin zur Frage der Ernährung nach Operationen an der Bauchspeicheldrüse, waren alle wichtigen Themen vertreten. Auch über die neuesten Behandlungsmöglichkeiten in der modernen Medizin erfuhren die Besucher mehr.

In der Raphaelsklinik Münster wurde für die Behandlung von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse eigens ein Zentrum aufgebaut, in dem modernste Methoden zur Diagnostik und Therapie eingesetzt werden. Kern der Arbeit ist die interdisziplinäre Tumorkonferenz, bei der Spezialisten aus den Bereichen Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gastroenterologie, Radiologie, Strahlentherapie, Onkologie und Endokrinologie eng zusammenarbeiten. Die beteiligten Ärzte treffen sich wöchentlich, um gemeinsam neue Fälle zu diskutieren.

Ausstattung und Leistungsfähigkeit des Pankreaszentrums der Raphaelsklinik werden jährlich durch die Deutsche Krebsgesellschaft geprüft. Das Pankreaszentrum Münster ist eines der ersten zertifizierten Pankreaszentren in Nordrhein-Westfalen.

Bild: Dr. Erik Allemeyer, Koordinator des Pankreaszentrums Münster erklärt den zahlreichen Besuchern des Bauchspeicheldrüsentages in der Raphaelsklinik zunächst den Aufbau und die Funktion der Bauchspeicheldrüse.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Aus Schülern werden Ersthelfer

Wilhelm-Hittorf-Gymnasium kooperiert mit Raphaelsklinik

Münster – „Das ist zwar anstrengend aber damit können wir ja Leben retten!“, Finn aus der Klasse 7d des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums bringt es auf den Punkt. Zusammen mit seinen Klassenkameraden übt er die Herzdruckmassage an kleinen Übungspuppen. Bis ein metallisches Knacken im künstlichen Brustkorb die erfolgreiche Druckausübung verkündet, müssen die Schülerinnen und Schüler allerdings einiges an Kraft aufbringen.

„Ihr könnt nichts falsch machen, es sei denn, ihr macht gar nichts“, erklärt Ralf Epping, Fachkrankenpfleger für Anästhesie- und Intensivpflege auf der Intensivstation der Raphaelsklinik. Zwischen dem Gymnasium und der Innenstadtklinik sorgt ein Kooperationsvertrag dafür, dass jedes Jahr die Schüler der siebten Klassen unter Anleitung eines Experten die Grundlagen der Wiederbelebung erlernen. Während der aktuellen „Woche der Wiederbelebung“ wurden so aus rund 120 Schülerinnen und Schülern junge Ersthelfer, die im Ernstfall genau wissen, was zu tun ist. Viele Schüler haben in den Medien den Bericht über einen 83-Jährigen verfolgt, der in einer Essener Bankfiliale gestorben ist, weil ihm niemand geholfen hat, als er bewusstlos am Boden lag. „Ihr hättet den Mann mit Herzdruckmassage bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vermutlich retten können“, erklärt Epping.

Erst schütteln und laut ansprechen, dann die 110 anrufen, möglichst weitere Personen dazu holen und mit der Wiederbeleben beginnen, die Schüler kennen jetzt die notwendigen Schritte, um Leben zu retten. Welche Informationen die Notrufzentrale am Telefon benötigt, kann Kleris seinen Klassenkameraden genau erklären, er hat bereits zweimal den Notruf gewählt. „In welchem Rhythmus soll man die Herzdruckmassage ausführen, da gibt es so ein Lied, an das man denken soll“, fragt Ralf Epping in die Runde und sofort singt einer der zukünftigen Ersthelfer „Staying alive“ von den Bee Gees. Der Krankenpfleger ist begeistert, stellt aber auch gleich klar, dass die Schüler einfach etwa hundertmal pro Minute drücken sollen, auch wenn sie das Lied nicht kennen.

Bild: Unter der Anleitung des Krankenpflegers Ralf Epping (m.) von der Raphaelsklinik üben die Schüler des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums die Herzdruckmassage.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Raphaelsklinik ehrt ehemaligen Krankenpfleger Josef Henneböhl als Widerstandskämpfer

Münster – Mit der Umbenennung eines Seminarraums in „Jupp Henneböhl Bibliothek“ hat die Betriebsleitung der Raphaelsklinik das Andenken an einen ihrer ehemaligen Krankenpfleger geehrt – Josef Henneböhl, der während des zweiten Weltkriegs in den Niederlanden durch seinen unerschrockenen Einsatz viele Menschen vor der Deportation durch die Nationalsozialisten bewahrt hat.

Der 1909 in Berge bei Lippstadt geborene Josef Henneböhl kam 1931 nach Münster, wo die Raphaelsklinik gerade durch die Eröffnung eines neuen Hochhauses aufwändige Erweiterungsmaßnahmen abgeschlossen hatte. Dort traf er auch auf den Chirurgen Professor Conrad Ramstedt, mit dem er ein Gespräch über die für Henneböhl noch unbekannten Nationalsozialisten führte. Ramstedt gab ihm den dringenden Rat, sich „diesen Kerlen“ zu widersetzen. Dies war vermutlich die Initialzündung für Henneböhls spätere Taten.

1938 ging Josef Henneböhl zunächst zur Reichsbahnpolizei, vier Jahre später wurde er als „Grüner Polizist“ nach Amsterdam abkommandiert. Die „Grüne Polizei“ stellte die verhasste deutsche Besatzungsmacht in den von den Deutschen besetzten Ländern dar und war an der Umsetzung zahlreicher Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligt. Schnell suchte er den Kontakt zum dortigen Widerstand und wurde für diesen zum wichtigen Informanten, der vor Razzien und anderen Polizeiaktionen warnte. Der wiederholten Bitte nach Waffen hat Henneböhl allerdings stets energisch widersprochen.

Henneböhl hat die Post niederländischer Familien an deportierte Angehörige über seine eigene Feldpostnummer versendet und gefälschte Genehmigungen ausgestellt, damit hunderte Amsterdammer ihre Fahrräder behalten konnten. Dies ermöglichte unter anderem den Widerstandsbewegungen, mobil zu bleiben. Zum Teil wurden seine Aktivitäten durch die SS aufgedeckt und es folgte 1943 eine rund dreimonatige Inhaftierung im niederländischen Scheveningen, der er vermutlich nur durch Glück lebend entkam.

Während großer Razzien unter anderem in Delft und Den Haag hat er hunderte bereits zusammengetriebener Niederländer unter Einsatz seines Lebens befreit, in Haarlem rettete er mit einer spektakulären Aktion über 20 Geistliche des Klosters Heemstede vor der Deportation. Sein selbstloses und mutiges Engagement wurde später von vielen Niederländern schriftlich bestätigt.

Nach dem Krieg heiratete Henneböhl die Niederländerin Franziska (Cissi) van Putten und führte mit ihr ein Tabakgeschäft in Amsterdam. Henneböhl erlangte 1962 die niederländische Staatsbürgerschaft, 1984 ehrten ihn die Niederlande mit der Verleihung des „Verzetsherdenkingskruis“ (Niederländisches Widerstands-Gedenkkreuz). 1950 erschien seine Autobiografie „Ik kon niet anders. Joep Henneböhl vertelt“ in niederländischer Sprache, 1974 wurde die deutschsprachige Version veröffentlicht. Henneböhl kehrte regelmäßig nach Münster zurück und besuchte dabei auch häufig die Clemensschwestern, denen er sich Zeit seines Lebens eng verbunden fühlte. Am 3. August 1990 starb Josef Henneböhl in Zundert (NL).

„Durch diese Ehrung ist Jupp Henneböhl gewissermaßen in die Raphaelsklinik zurückgekehrt“, wie der Leiter des Geschichtsortes „Villa ten Hompel“, Dr. Christoph Spieker, während einer kleinen Feierstunde betonte. Auch die direkte Nachbarschaft zum „Conrad Ramstedt Saal“, von dem die „Jupp Henneböhl Bibliothek“ nur durch eine flexible Wand getrennt ist, freute den Historiker mit Blick auf die enge Verbundenheit beider Persönlichkeiten.

Bild: An der Feierstunde nahmen Dr. Christoph Spieker (l.), daneben die Clemensschwester Reginfrieda, Verwaltungsdirektor Andreas Mönnig (r.) und Pflegedirektor Manfred Fehrenkötter (2.v.r.) sowie Schwestern und Pflegern der Raphaelsklinik teil.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Nacht der Museen und Galerien: Ausstellungsfinale mit Türmerin

Münster – Lange Nacht der Museen und Galerien, das ist auch immer eine besondere Nacht für die Raphaelsklinik, wenn die jeweilige Ausstellung bis Mitternacht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Diesmal konnten die zahlreichen Besucher mit dem Ende der Ausstellung „Zeit | Zeichen“ eine besondere Finissage mit Starbesetzung miterleben: Neben den Künstlern Hermann Willers und Hans Dieter Rieder waren noch der Schauspieler und Rezitator Bodo Primus, der Pianist Tobias Sudhoff und Münsters Türmerin Martje Salié mit von der Partie.

Primus und Rieder wechselten sich mit den tiefgründigen Texten von Hans Dieter Rieder ab, die zum Teil von Tobias Sudhoff am Flügel begleitet und kongenial interpretiert wurden, wie zum Beispiel der Text „Nebelwald“. Für Überraschung sorgte bei vielen Besuchern vermutlich die Erkenntnis, dass Münsters prominente Türmerin Martje Salié nicht nur von St. Lamberti weithin hörbar das Zeit-Zeichen in die Stadt hinaustuten kann, sondern auch eine virtuose Gitarristin und Sängerin ist. Begleitet von Tobias Sudhoff sorgte besonders ihre Interpretation von Édith Piafs „Milord“ inklusive deutscher Übersetzung beim Publikum für Begeisterung.

Bild: Münsters Türmerin Martje Salié kann nicht nur pünktlich tuten sondern auch toll singen, vor allem zur Musik von Tobias Sudhoff am Flügel

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Raphaelsklinik ehrt den großen Chirurgen Prof. Dr. Conrad Ramstedt

150. Geburtstag von Prof. Dr. Conrad Ramstedt

Münster – Er gehört zu den bekanntesten Chirurgen des Landes, Prof. Dr. Conrad Ramstedt, der von 1909 bis 1947 Chefarzt an der Raphaelsklinik war. 1911 führte er erstmals ein von ihm entwickeltes Operationsverfahren durch, um bei einem Säugling die angeborene Verengung des Magenausgangs zu beheben, die nach ihm benannte Weber-Ramstedt-Operation. „Ramstedt hat diese OP-Technik, die bis heute angewendet wird, vollkommen neu entwickelt“, erläutert der heutige Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann. Dass ein Operationsverfahren über einen derart langen Zeitraum nahezu unverändert angewendet wird, ist nach Meinung des Chirurgen außergewöhnlich. Ebenso wie das Instrument, mit dem Ramstedt anfangs operierte, einem präparierten Silberlöffel aus dem Besteckkasten seiner Frau. Heute kommen bei diesem Eingriff moderne Endoskope zum Einsatz.

Prof. Conrad Ramstedt wurde am 1. Februar 1867 in Hamersleben im heutigen Sachsen-Anhalt geboren. Nach dem Medizinstudium in Heidelberg, Berlin und Halle und der anschließenden Fachausbildung an der chirurgischen Universitätsklinik Halle führte ihn der Wunsch nach einer militärischen Laufbahn 1901 zum westfälischen Kürassierregiment Nr. IV nach Münster, wo er wenig später zudem eine „Privatklinik für schwere Fälle“ gründete. 1909 wechselte Ramstedt an die damals nagelneue Raphaelsklinik, wo er zwei Jahre später die Operation durchführen sollte, die ihn weltberühmt machte.

„Professor Ramstedt wusste was er wollte und er sprach die Dinge aus wie sie waren“, erinnert sich Schwester Reginfrieda Rothfeld. Als junge Krankenschwester hat sie den berühmten Mediziner nach einem Schenkelhalsbruch mehrere Wochen gepflegt. Erst der Kaffee, dann die Zeitung, dann das Frühstück, in dieser Reihenfolge sollte das Morgenritual während seines Klinikaufenthaltes ablaufen und nicht anders. „Manche Menschen vergisst man aber eine solche Persönlichkeit nicht“, berichtet die Clemensschwester. Dabei gab der Chirurg zu Lebzeiten wenig auf seine Berühmtheit, berichtet seine Urenkelin Verena Katterbach. „Ihm lagen seine Patienten sehr am Herzen, er hat sich auch nach der Operation oft nach ihnen erkundigt“. Ein sehr würdevoller, ruhiger Mann sei er gewesen, der von seiner Wohnung in der Studtstraße aus gerne mit seinem Freund „Herrn Becker“ über die Promenade wanderte „und die Weltpolitik besprach“, wie die 68-Jährige schmunzelnd berichtet. Mindestens einmal muss es jedoch mit der Ruhe vorbei gewesen sein, als ihn sein zehnjähriges Patenkind Karl beim Spaziergang nach der Bedeutung des Straßennamens Freiligrathstraße fragte und damit seine Unkenntnis über die deutschen Dichter und Denker offenbarte, es folgte eine schallende Ohrfeige. Inzwischen ist Karl Lagerfeld nicht nur einer der bekanntesten Modedesigner sondern auch als profunder Kenner der Literatur und Lyrik bekannt. Seinen Vornamen verdankt Lagerfeld im Übrigen der Empfehlung des berühmten Patenonkels, den er trotz der körperlichen Zurechtweisung sehr geliebt habe, wie er später sagte.

Bild: Schwester Reginfrieda, Verena Katterbach und Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann (v.l.) neben der Büste von Prof. Dr. Conrad Ramstedt, zu dessen 150. Geburtstag der Konferenzraum der Raphaelsklinik in „Conrad Ramstedt Saal“ umbenannt wurde.

Die Zerstörung der Raphaelsklinik während des zweiten Weltkriegs aber vor allem der Tod seines Enkels Konrad Altenburg, der in seine Fußstapfen treten sollte, haben Ramstedt schwer zugesetzt. Dennoch war er bis zu seinem 80. Lebensjahr als Chefarzt der Innenstadtklinik aktiv. Am 29. Januar 1962 wurde ihm das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen, fast ein Jahr später, am 7. Februar 1963, verstirbt Ramstedt. „Er ist zu Hause sanft eigeschlafen“, wie seine Urenkelin berichtet.
Anlässlich des 150. Geburtstags des berühmten Chirurgen hat die Raphaelsklinik ihren Konferenzraum in „Conrad Ramstedt Saal“ umbenannt, eine Büste und eine Infotafel mit den Eckdaten seines Lebens erinnern an sein Leben.

Neues Verfahren zum Entdecken von Prostatakrebs

Münster – Mit dem zweiten sieht man besser, dies gilt nicht nur für das ZDF sondern auch für die Medizin. Das Prostatazentrum Münsterland an der Raphaelsklinik kombiniert zukünftig im Zweifelsfall die Bilder eines Magnetresonanztomographen (MRT) mit denen eines Ultraschallgerätes, um beim Verdacht auf Prostatakrebs zielgenau Proben entnehmen zu können.

Die Ultraschall-MRT-Fusionsbiopsie wird angewendet, wenn die üblichen Untersuchungsmethoden wie Tasten, Ultraschall und die fächerförmige Entnahme von Gewebeproben kein Ergebnis liefern, die weiteren Untersuchungen aber weiterhin auf einen Tumor in der Prostata hinweisen. Als MRT kommt ein Hochleistungs-3-Tesla-Gerät der Verbundabteilung für Radiologie am Standort Clemenshospital unter der Leitung von Prof. Dr. Johannes Weßling und Manfred Pützler zum Einsatz. Die hochaufgelösten Bilder der Prostata werden digital an die Belegabteilung für Urologie von Dr. Walter Otto, Dr. Eckart Gronau und Dr. Maximilian Cohausz in der Raphaelsklinik übermittelt. Dort werden die MRT-Bilder eines verdächtigen Befundes mit den ultraschallgesteuerten Aufnahmen in Echtzeit überlagert. Durch die Kombination beider Verfahren können somit auch kleine oder versteckt liegende Tumore zielgenau mit der Punktionsnadel für die Entnahme von Gewebeproben angegangen werden. Das Risiko, dass die Biopsienadel den Tumor möglicherweise verfehlt, ist somit deutlich geringer. Durch das neue Verfahren ist auch die Art der Gewebeveränderung besser zu erkennen, von der die weitere medizinische Behandlung abhängt. Das neue Verfahren der Ultraschall-MRT-Fusionsbiopsie erlaubt somit eine schonende und präzisere Diagnostik beim Prostatakarzinom und bietet sowohl dem betroffenen Mann als auch den behandelnden Ärzten mehr Sicherheit.

Bild: Urologen und Radiologen von Clemenshospital und Raphaelsklinik kombinieren zukünftig ihre Untersuchungsergebnisse beim Erkennen von Prostatatumoren.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung beim Mann, nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken jährlich rund 63.400 Männer an einem Tumor der Vorsteherdrüse. Die Ursachen sind noch nicht endgültig bekannt, jedoch scheinen eine familiäre Veranlagung sowie Ernährung und Umwelteinflüsse die Entstehung eines Prostatakrebses zu begünstigen. Der wichtigste Faktor ist das Alter, mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer Erkrankung deutlich an. Ab 45 wird die jährliche Vorsorgeuntersuchung von den Kassen bezahlt, bei familiärer Veranlagung ab 40. Wird der Tumor früh erkannt, besteht eine sehr gute Heilungschance.

Quelle: © Raphaelsklinik/Clemenshospital Münster