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Angeborene Fußfehlbildung: Auf offenen Füßen aus dem Irak nach Westfalen

Mustafa ist 17 und einer von gut 42.000 unbegleiteten minder-jährigen Flüchtlingen, die 2015 nach Deutschland kamen. In der Kinderorthopädie am UKM sorgen die Ärzte dafür, dass seine angeborenen Fußfehlbildungen behoben werden und ihm ein normales Leben möglich ist.

Münster (ukm/aw) – In seiner irakischen Heimat wäre Mustafa wie ein Aussätziger behandelt worden: Mit seinen mehrfach deformierten und fehlgebildeten Klumpfüßen hätte er niemals einen Beruf erlernt und seine Zukunft wäre vermutlich in jeder Hinsicht perspektivlos gewesen. Das Elternhaus in Bagdad sei durch den IS zerstört worden, sagt er. Das sei der Auslöser gewesen, sich auf einen langen Weg zu machen. Der Weg nach Deutschland, der ihm eine bessere Zukunft in Würde ermöglichen sollte. „Ich hatte gehört, dass die Ärzte hier meine Füße operieren könnten“, sagt Mustafa. Mit knapp 15 Jahren lief er los. Größtenteils zu Fuß ging die Reise zunächst nach Griechenland, später dann teils mit Bussen Richtung Dortmund und dann in den Kreis Warendorf. Seitdem ist er in der Abteilung für Kinderorthopädie am UKM (Universitätsklinikum Münster) in Behandlung. „Das Bild, das sich uns bot, als Mustafa sich hier zum ersten Mal vorgestellt hat, war einfach unbeschreiblich“, so der leitende Oberarzt, Dr. Björn Vogt: „Seine deformierten Füße waren offen bis auf den Knochen. Die tiefen Wunden waren infiziert und vereitert. Er ist den ganzen Weg über wegen der Fehlstellung auf dem Fußrücken gelaufen. Dass er es hierher geschafft hat, ist eigentlich unvorstellbar.“ Mit den ersten Operationen musste zunächst die schwere Entzündung zur Ausheilung gebracht werden – gerade am Anfang war das Risiko, dass der linke Fuß amputiert werden muss, extrem hoch. Nachdem das Team die Infektion im Griff hatte, machten sich die Kinderorthopäden daran, möglichst viel des lädierten Knochens zu erhalten. Allerdings musste zur Korrektur der massiv deformierten Füße auf beiden Seiten das Sprunggelenk versteift werden.

Inzwischen haben Chefarzt Prof. Robert Rödl und seine Mannschaft Mustafa insgesamt 16 Mal operiert: Er läuft – und zwar so, dass man auf den ersten Blick seine schwere Behinderung gar nicht mehr erkennt. Lediglich seine hohen orthopädischen Schuhe erinnern daran, dass Mustafa nicht mit seinen Mitschülern um die Wette rennen kann. „Mustafa ist natürlich ein extremer Fall“, sagt sein Arzt, Björn Vogt. „Aber dass er es überhaupt hierher geschafft hat, dass er trotz der vielen strapaziösen Operationen gut Deutsch gelernt hat und dass er voran kommen will, macht ihn auch zu einem einzigartigen Patienten. Sein Lebensmut und sein Lachen stecken einfach an.“

In diesem Monat steht bei Mustafa die vorerst letzte OP an, die noch sein verkürztes Bein um sechs bis sieben Zentimeter verlängern soll. Dazu wird ein Marknagel in den Unterschenkel implantiert, der den Knochen über Wochen durch einen äußerlich angewendeten Magneten Millimeter für Millimeter auseinanderzieht, bis der neue Knochen so lang ist, wie gewünscht. Prof. Rödl freut sich: „So besonders der Fall von Mustafa auch sein mag: Er steht exemplarisch für viele Flüchtlingskinder, denen wir hier helfen konnten. In ihren kriegs- und krisengeplagten Heimatländern dagegen, hätten die allermeisten von ihnen mit der meist mangelhaften medizinischen Versorgung keine Chance auf ein normales Leben gehabt.“

Bild: Prof. Robert Rödl und die beiden Oberärzte Dr. Jan Niklas Bröking und Dr. Björn Vogt haben durch viele Operationen Mustafa ein fast normales Leben geschenkt © Foto (UKM).

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Infoabend „Zurück ins Leben –
Depressionen und Burnout bewältigen“

Münster – Die Depression ist eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Etwa zehn Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer leiden unter depressiven Symptomen. Die meisten fühlen sich niedergeschlagen, antriebslos und müde, haben Kopf- oder Rückenschmerzen, keinen Appetit und schlafen schlecht. Doch die Depression hat viele Gesichter: Auch Gereiztheit und Überaktivität können ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Treten solche Symptome vor allem im beruflichen Kontext auf, spricht man oft eher von einer arbeitsstressbedingten Depression. Oder auch von einem „Burnout“, der sowohl die Folge als langfristig auch die Ursache psychischer und körperlicher Erkrankungen sein kann.

Datum: Mittwoch, 11.10.2017
Ort: Christoph-Dornier-Klinik in Münster, Tibusstraße 7 – 11
Uhrzeit: 18.00 – 20.00 Uhr
Zielgruppe: für Betroffene, Angehörige und Interessierte

Der Informationsabend „Zurück ins Leben – Depressionen & Burnout bewältigen“ gibt einen Überblick über die wichtigsten Merkmale von Depressionen, wie sie entstehen und wie sie erfolgreich behandelt werden können. Auch bietet er Raum für weitergehende Fragen. Ansprechpartner sind Dr. med. Andreas Pelzer, Leitender Arzt, und Dr. Dipl.-Psych. Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Klinik.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Betroffene gründen Selbsthilfegruppe Hautkrebs Münsterland

Auftakttagung soll Patienten miteinander in Kontakt bringen / Erstes umfassendes Selbsthilfe-Angebot in der Region

Münster (ukm/aw) – Es begann mit einem kleinen braunen Fleck auf der rechten Seite seiner Stirn: Karl-Heinz Kupfer ging zum Arzt. Dort teilte man ihm mit, dass es sich nur um einen unspezifischen Altersfleck handele. „Erst als auf dem Fleck etwas wuchs, das aussah wie eine rote Linse, ließ ich das Ganze nicht mehr auf sich beruhen“, so der Pensionär. „Als ich dann die Diagnose malignes Melanom, also „schwarzer Hautkrebs“ bekam, bin ich kurz in ein tiefes Loch gefallen“, bekennt der 72-Jährige. Doch weil Kupfer sich in seinem Leben an vielen Stellen engagiert und eingebracht hat, wollte er auch jetzt nicht resignieren. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es vielen Patienten mit Hautkrebs noch viel schlechter geht, als mir damals“, sagt er. „Dabei trägt sich ein Schicksal doch gemeinsam leichter. Deswegen hatte ich den Gedanken, dass man sich in irgendeiner Weise zusammentun müsste.“

Als dann auch noch Dr. Carsten Weishaupt, Oberarzt und Leiter der Dermatoonkologie und des Hauttumorzentrums am UKM (Universitätsklinikum Münster) mit der Idee auf ihn zukam, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, stand der gemeinsame Entschluss sofort fest. „Bisher gibt es in unserer Region kein solches Angebot für Patienten mit Melanomen“, stellt Weishaupt fest. „Ich bin fest überzeugt, dass eine solche Gruppe immer dann einspringen kann, wenn die Arbeit der Ärzte aus Kapazitätsgründen ihre Grenzen finden muss. Die Diagnose malignes Melanom ist lebensbedrohlich mit ungewissem Ausgang. Eine Selbsthilfegruppe kann seelisch unterstützen und im besten Fall sogar bei allen organisatorischen Dingen des Alltags helfen, insofern hat sie auf jeden Fall einen Mehrwert“, so der Mediziner. „Es wird künftig immer mehr Patienten geben, die dank der besseren Behandlungsmöglichkeiten mit bösartigen Hauttumoren länger leben. Es ist wichtig, dass sie in ihrem Leben ein Ziel vor Augen behalten.“

Die Selbsthilfegruppe Hautkrebs Münsterland soll unter dem Dach des Hautkrebs-Netzwerkes Deutschland e.V. organisiert sein und wäre deutschlandweit die neunte regionale Untergruppe. „Das zeigt, dass wir hier eine Lücke für die Patienten der Region schließen. Denn diese mussten bisher nach Minden fahren, um dort Anschluss zu finden“, sagt Weishaupt.
Für die Gründungsveranstaltung sucht Karl-Heinz Kupfer nun Mitstreiter und will ihnen schon jetzt Berührungsängste nehmen: „Wir wollen hier nicht etwa eine Art Trauer-Café sein. Ziel ist es, dass sich Menschen mit dieser ernsten Diagnose gegenseitig auffangen.“

» Weitere Informationen und Programm

Gründungstreffen Selbsthilfegruppe Hautkrebs Münsterland
Datum Freitag, 06. Oktober 2017 | Uhrzeit 18.00 – 19.30 Uhr
Veranstaltungsort: Hörsaal der Klinik für Hautkrankheiten | Von-Esmarch-Str. 58, 48149 Münster
Organisation und Kontakt:
Katharina Warnking | Telefon 0251.83-58659 | katharina.warnking(at)­ukmuenster(dot)­de

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Polizeieinsatz für Nierentransplantation

Foto: Copyright Julia MauschMünster (ukm/jug) – Von der Klinik den erlösenden Anruf zu erhalten, dass ein passendes Spenderorgan gefunden wurde, ist meist das Einzige, an das Wartende für Spenderorgane denken können. Über acht Jahre zwischen Hoffen und Bangen verbrachte auch Christiane Datzert, die auf eine Niere wartete. Doch als für die Lingerin endlich ein passendes Organ gefunden war, verpasste sie den wichtigen Anruf des UKM (Universitätsklinikum Münster) – und wurde erst von der hinzugerufenen Polizei über die glückliche Fügung informiert.

„Mein Handy funktionierte an diesem Tag nicht. Und als ich das Haustelefon kontrollierte, war es auf stumm gestellt. Mein Kater muss beim Spielen die Taste gedrückt haben, schließlich hatte ich bei jedem Anruf Hoffnung“, so die 49-Jährige. Nachdem das UKM die Patienten über die üblichen Wege nicht erreichen konnte, alarmierte es die Polizei. „Erst habe ich mich gewundert, was die denn hier machen. Als sie mir dann aber die Nachricht brachten, dass endlich ein passendes Organ für mich gefunden sei, bin ich in Tränen ausgebrochen und habe ich mich einfach nur noch wahnsinnig gefreut“.

Nach der Transplantation der Niere vergangenen Donnerstag scheint nun alles gut zu sein – überraschend gut: „Die neue Niere mag mich anscheinend. Die Ärzte sagen, dass meine Werte überdurchschnittlich seien“, freut sich die Lingenerin. Sie ermutigt die Bevölkerung, sich mit dem Thema Organspende bewusst auseinanderzusetzen: „Wie jetzt mir kann eine Organspende für viele Patienten die Chance auf ein zweites Leben bedeuten.“

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Clemenshospital informiert über Patientensicherheit

Keine Angst vor weißen Kitteln:
Infoveranstaltung am 22.09.2017 am Celemsnhospital

Münster – Wer als Patient ins Krankenhaus geht, braucht in erster Linie eines: Vertrauen. Vertrauen in die Fähigkeiten der Ärzte und Pflegenden und darin, dass hinter den Kulissen alles korrekt abläuft. Anlässlich des internationalen Tags der Patientensicherheit informierten Mitarbeiter des Risikomanagements des Clemenshospitals darüber, was im Krankenhaus bereits unternommen wird, um Risiken zu minimieren und gaben Tipps, was Patienten selber unternehmen können, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Unter dem Motto „Wenn Schweigen gefährlich ist“ stand in diesem Jahr das Thema Kommunikation im Fokus. „Die Patienten und deren Angehörige sollen unbedingt mit den behandelnden Ärzten sprechen, wenn sie glauben, dass zum Beispiel bei der Gabe der Tabletten etwas nicht stimmt“, rät Dr. Carolin Dame vom Risikomanagement, mit Blick auf den allgegenwärtigen Zeitdruck im Krankenhaus fügt die Medizinerin hinzu: „Die Zeit zum Reden muss sein!“

Bild: Informierten im Clemenshospital über das Thema Patientensicherheit (v.l.): Jens Lammers, Dr. Carolin Dame und Rudolf Noltensmeier.

Am Freitag, 22.09., informiert das Team des Risikomanagements der Raphaelsklinik mit einem Infostand im Klinikfoyer ebenfalls über das Thema Patientensicherheit. Interessierte sind herzlich willkommen.

Der Fachkrankenpfleger für Intensivpflege Rudolf Noltensmeier ist ebenfalls Mitglied im Team des Risikomanagements des Clemenshospitals und kennt die Zurückhaltung vieler Patienten, wenn es darum geht, Ärzte aktiv anzusprechen: „Patienten sollten nicht zu viel Respekt vor weißen Kitteln und akademischen Titeln haben und so lange fragen, bis sie alles verstanden haben“, empfiehlt er. Ein großes Thema im Krankenhaus ist die Hygiene. Die Angst vor schwer zu behandelnden Infektionen mit resistenten Keimen gehört zu den größten Sorgen vieler Patienten: „Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ärzte und Pfleger sich nicht häufig genug die Hände desinfizieren oder das Zimmer nicht gründlich genug gereinigt wird, dann äußern Sie diese Bedenken bitte“, sagt Dame. Überhaupt, da sind sich Dr. Carolin Dame, Rudolf Noltensmeier und der Leiter des Qualitätsmanagements, Jens Lammers einig, muss auf allen Ebenen viel miteinander gesprochen werden, um Fehler zu vermeiden.

Quelle: © Clemenshospital Münster

„Biowaffe“ Rizin entschlüsselt: UKM-Patient hätte „Regenschirmattentat“ überlebt

Einer von weltweit drei Menschen mit Rizin-Immunität wird am UKM behandelt / Erkenntnisse können perspektivisch zu einem Gegengift führen

Münster (ukm/aw) – London, 1978: Ein Reporter wartet im Stadtverkehr auf den Bus, als ein vorbeigehender Passant ihn anscheinend zufällig mit der Spitze seines Regenschirms am Bein berührt – vier Tage später ist der Mann tot. Die Obduktion ergibt, dass das Pflanzengift Rizin injiziert wurde, mittels einer millimetergroßen Platinkugel ins Bein – die Legende des Regenschirmattentats ist geboren. Obwohl Wissenschaftler bis heute kein wirksames Gegengift gefunden haben, gibt es drei Menschen auf der Welt, die das Attentat überlebt hätten: Sie alle haben einen genetisch bedingten Stoffwechsel-Defekt, können den Zucker Fucose nicht umsetzen. Forscher des Instituts für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (IMBA) identifizierten jetzt mit der Unterstützung des Universitätsklinikums Münster (UKM) zwei Gene, die Rizin tödlich machen. Eines davon ist bei den Patienten defekt, deshalb sind ihre Zellen gegen das Gift immun. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Cell Research veröffentlicht worden.

Einer der Menschen, die den Rizin-Angriff überlebt hätten, ist der 20-jährige Jakob* (Name der Redaktion bekannt), der seit seiner Geburt am UKM behandelt wird. Die Forschergruppe aus Wien griff bei ihren Untersuchungen auf Studienergebnisse zurück, die in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKM gewonnen wurden: „Vor fast 20 Jahren lernten wir hier Jakob kennen, der genau diese seltene Stoffwechselkrankheit hatte. Den Kollegen aus Wien stellten wir Hautproben zur Verfügung, mithilfe derer sie den Wirkungsmechanismus von Rizin entschlüsseln konnten“, erklärt Prof. Dr. Thorsten Marquardt, Leiter des Bereichs Angeborene Stoffwechselerkrankungen am UKM. Nach der Aufnahme von Jakob am UKM vor 20 Jahren war es dem UKM-Mediziner im Austausch mit Experten am münsterschen Max-Planck-Institut und aus Heidelberg nach zweijähriger Arbeit gelungen, den molekularen Defekt zu entschlüsseln und eine Therapie zu entwickeln. Die Fieberschübe, die den Jungen dazu zwangen, ein ganzes Jahr im Krankenhaus zu verbringen, waren dank der Medikation schnell vorüber.

„Die neu gewonnenen Erkenntnisse über die Entschlüsselung des Wirkmechanismus eines der tödlichsten Gifte überhaupt sind ein Paradebeispiel dafür, wie die Beschäftigung mit seltenen Erkrankungen nicht nur den betroffenen Patienten helfen kann, sondern auch fundamentale wissenschaftliche Ergebnisse liefert, die der Medizin insgesamt zugutekommen“, so Marquardt. Die Studie ist ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zum Gegengift: „Noch ist das Zukunftsmusik, aber wir sind ein Stück weitergekommen.“

Bild: Prof. Thorsten Marquardt und sein Patient Jakob*.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Einziges Level-II-Wirbelsäulenzentrum in Münster zertifiziert

Münster – Das Wirbelsäulenzentrum der Klinik für Neurochirurgie am Clemenshospital wurde von der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) zertifiziert. Unter der Leitung von Prof. Dr. Uta Schick erfüllt das Zentrum damit offiziell die strengen Kriterien der größten, fachgebundenen Wirbelsäulengesellschaft Europas.

Zu den Kriterien der DWG gehören unter anderem eine 24-Stunden-Versorgung an sieben Tagen in der Woche, spezielle diagnostische und therapeutische Einrichtungen sowie eine bestimmte Anzahl von Fachärzten und Wirbelsäulen-Operationen. Mit der Erfüllung dieser Kriterien ist es das einzige Level-II-Zentrum in Münster.

Das Behandlungsspektrum der Neurochirurgischen Klinik umfasst nicht nur komplexe Eingriffe an Kopf und Gehirn, sondern etwa zum gleichen Anteil auch die operative Versorgung von allen degenerativen und tumorösen Krankheitsbildern an Wirbelsäule und Rückenmark vom Kindesalter bis ins hohe Erwachsenenalter. Außerdem versorgt die Klinik als Partner des regionalen Traumazentrums am Clemenshospital Patienten mit unfallbedingten instabilen Verletzungen der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule mit oder ohne Rückenmarkbeteiligung.

Das Zentrum bietet eine überregionale Versorgung auf höchstem Niveau nach dem neuesten Standard an und fungiert unter anderem als Referenzklinik für die exakte Schraubenplatzierung an der Halswirbelsäule. Eine Besonderheit stellt die elektrophysiologische Überwachung der neurologischen Funktion während einer Operation dar, die ein hohes Maß an Patientensicherheit gewährleistet.

Die Deutsche Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie (DGW) ist die größte, fachgebundene Wirbelsäulengesellschaft Europas. Sie wurde am 4. Juni 1987 in Hamburg gegründet, als eine Vereinigung von Chirurgen, Unfallchirurgen, Orthopäden, Neurochirurgen sowie weiteren Personen, die auf dem Gebiet der Wirbelsäule in Klinik und Forschung tätig waren.

Bild: Freuen sich über die offizielle Bestätigung der guten Leistung (v. l.): Dr. Roland Hahn, Oberarzt in der Klinik für Neurochirurgie, Prof. Dr. Uta Schick, Chefärztin der Klinik für Neurochirurgie und Dr. Oliver Timm, Oberarzt in der Klinik der Neurochirurgie.

„Ein Stück Normalität zurückgewinnen“

Nach erfolgreicher Entfernung eines Tumors am Mageneingang geht es Uwe H. heute wieder gut / Viszeralonkologisches Zentrum des UKM erhält Zertifikat von der Deutschen Krebsgesellschaft

Münster (ukm/lie) – „Endlich kann ich wieder richtig essen!“ Uwe H. weiß zu schätzen, was den meisten Menschen völlig selbstverständlich erscheint. Der 51-Jährige litt an einem sogenannten Kardiakarzinom – einem bösartigen Tumor am Mageneingang. Nach erfolgreicher OP im Viszeralonkologischen Zentrum des UKM (Universitätsklinikum Münster) geht es ihm heute wieder gut.

Wegen anhaltender Schluckbeschwerden ging der Ahlener in seiner Heimatstadt zu verschiedenen Ärzten und ließ sich durchchecken. Ein Röntgenbild brachte den bedrohlichen Befund zutage: Eine Verengung am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen. Es wurden Proben entnommen, die den Verdacht bestätigten: Krebs. „Zum Glück habe ich mich vorher auf beides eingestellt: Es ist entweder nichts oder der Supergau“, blickt Uwe H. zurück. „Deswegen hat mir die Diagnose nicht den Boden unter den Füßen weggezogen.“

Nach einer Chemotherapie kam er zur OP nach Münster in das Viszeralonkologische Zentrum, das jetzt durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert worden ist. „Das Zentrum befasst sich mit Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes“, erklärt Zentrumskoordinator Priv.-Doz. Dr. Emile Rijcken. Es setzt sich aus dem Darm-, dem Pankreas-, dem Magen- und dem Leberkrebszentrum zusammen – damit verfügt das UKM als einziges Krankenhaus in der Region über vier zertifizierte Behandlungszentren für Tumore der Verdauungsorgane. „Das Zertifikat bescheinigt, dass das Zentrum die hohen Standards der DKG erfüllt“, freut sich Rijcken über den Qualitätsnachweis. „Wir möchten, dass sich die Patienten sicher und wohl bei uns fühlen.“

Das war auch für Uwe H. von besonderer Bedeutung: „Dadurch hielt sich meine Angst vor der OP in Grenzen.“ Mit Hilfe der sogenannten minimal-invasiven Hybrid-Technik konnten Prof. Daniel Palmes, Leiter des Magenkrebszentrums, und sein Team den Tumor vollständig entfernen. „Dabei haben wir so schonend wie möglich operiert – mit vier kleinen Bauchschnitten und nur einem etwas größeren Schnitt im Bereich des Brustkorbs“, erläutert der Chirurg das Vorgehen. Neben den befallenen Anteilen der unteren Speiseröhre und des oberen Magens mussten auch zahlreiche Lymphknoten entnommen werden. „Das ist wichtig für ein langfristig gutes Ergebnis“, so Palmes. Denn diese Art Tumor streut häufig in den Bauch- sowie in den Brustraum. Nach nur elf Tagen konnte Uwe H. das Krankenhaus wieder verlassen. Heute – wenige Monate nach der OP – geht es ihm so gut, dass er schon bald zur Wiedereingliederung an seinen Arbeitsplatz in der Druckerei der Westfälischen Nachrichten zurückkehren kann. „Die Erkrankung ging ganz schön an die Substanz“, so Uwe H. „Jetzt wünsche ich mir, einfach ein Stück Normalität zurückzugewinnen: gesund bleiben, arbeiten gehen, Urlaub machen und weiterhin gutes Essen genießen.“

Bild: Freuen sich über den Behandlungserfolg: Uwe H. (r.) und Prof. Daniel Palmes. (© Foto (UKM/Thomas)

Quelle: © Universitätsklinikum Münster