Schlagwort-Archive: Münster

Sodbrennen: Mit dem Roboter gegen den Reflux

Jeder Dritte kämpft zumindest zeitweilig mit Sodbrennen. Neben den Schmerzen leiden Betroffene unter mangelndem Schlaf und Appetitlosigkeit. Frank Fritzsche wurde mit einem robotergestützten, minimal-invasiven Eingriff von seinen Beschwerden befreit.

Münster (ukm/maz) – Viele beschreiben es als brennendes Gefühl oder einen Druckschmerz an Brust und Speiseröhre: Sodbrennen. Jeder Dritte kennt das saure Aufstoßen, Räuspern und Heiserkeit, der Markt an Medikamenten ist riesig. „Doch jüngste Veröffentlichungen zeigen bei jahrelanger, regelmäßiger Säureblocker-Einnahme einen unmittelbaren Zusammenhang mit Erkrankungen wie Demenz oder Osteoporose“, sagt Dr. Jens-Peter Hölzen, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster). „Tatsächlich empfiehlt sich für einen Teil der Patienten eher eine Anti-Reflux-Operation.“ So wie für Frank Fritzsche (53), der zeitweilig sogar sitzend im Bett geschlafen hat, damit ihm die Magensäure nicht im wahrsten Sinne bis zum Hals stand.
Sein Beispiel zeigt, dass Betroffene nichts unversucht lassen: Umstellung der Ernährung, keine kohlensäurehaltigen Getränke, tägliche Einnahme von Medikamenten. Und doch gibt es meist nur Linderung, keine Heilung. „Sogar mein Hobby Motorradfahren war durch die etwas nach vorn geneigte Position eine Qual“, erzählt Fritzsche, der sich nach längerer ärztlicher Behandlung, Magenspiegelung und Säuremessung eine Zweitmeinung am UKM einholte. „Grund für Sodbrennen ist in den meisten Fällen nicht zu viel Magensäure, wie viele annehmen, sondern dass die Säure am falschen Platz ist“, erklärt Privat-Dozent Dr. Mike Laukötter, Bereichsleiter Oberer Gastrointestinaltrakt. „Bei der Operation wird der Verschlussmechanismus des Übergangs der Speiseröhre in den Magen ausgebessert, damit die Magensäure nicht wieder zurück fließen kann.“

Die Ursachen für Sodbrennen können vielfältig sein, nicht immer sind sie zu ergründen. Bei dem Niedersachsen Fritzsche lag ein Zwerchfellbruch zugrunde. Nach der Beratung am UKM entschied er sich für den Eingriff mit dem robotergestützten System Da Vinci. Dem Operateur stehen dabei vier flexible Arme, die über eine Konsole gesteuert werden und viel beweglicher als das menschliche Handgelenk sind, und eine Hochleistungskamera zur Verfügung. „Das millimeter-genaue Operieren ist vor allem an schwer zugänglichen und engen Stellen wichtig, wie zum Beispiel im Bereich der Speiseröhre, wo viele empfindliche Strukturen wie Milz, Leber und Hauptschlagader nicht verletzt werden dürfen“, erklärt Robotik-Chirurg Hölzen. Mit welcher Operationsmethode eine Besserung der Symptome erreicht und ob ein Patient mit Hilfe des Roboters operiert wird, entscheiden die behandelnden Experten jeweils individuell.

Frank Fritzsche verlässt das UKM zwei Tage nach der 90-minütigen Operation positiv gestimmt: „Ich habe seit dem Erwachen nach der OP keine Anzeichen mehr von Sodbrennen.“ Nach Brei am ersten Tag konnte er langsam mit normaler Nahrung beginnen; in etwa sechs Wochen ist seine Speiseröhre dann wieder so trainiert, dass sie normal funktioniert.

Bild: Positiv gestimmt am Krankenbett: Patient Frank Fritzsche mit seinen Operateuren Dr. Jens-Peter Hölzen (l.) und Privat-Dozent Dr. Mike Laukötter.

Pedelec-Simulator: Mit dem Pedelec durchs Klinikfoyer

Münster – Es ist der Albtraum jedes Radfahrers: Gemütlich mit der Leeze auf Münsters Straßen unterwegs zu sein, mit den Gedanken vielleicht gerade ganz woanders und plötzlich öffnet sich die Tür eines Autos oder Kinder kommen zwischen parkenden Fahrzeugen hervorgelaufen. Solche und weitere kniffelige Verkehrssituationen haben sich im Foyer des Clemenshospitals abgespielt und sowohl Mitarbeiter als auch Besucher die Schweißperlen auf die Stirn getrieben.

Mit Westfalens einzigem Pedelec-Simulator konnten unterschiedliche Gefahrensituationen geprobt werden, ein Computerprogramm ermittelte danach die Reaktionsgeschwindigkeit des Fahrers und zeigte an, bei welcher Geschwindigkeit es unweigerlich zum Zusammenstoß gekommen wäre. „Viele Fahrer von E-Bikes müssen erst lernen, langsam zu fahren“, erklärte der Geschäftsführer der Verkehrswacht Münster, Christoph Becker und verwies darauf, dass in vielen Bereichen Münsters eine Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde einfach zu schnell sei. Eine Geschwindigkeit, die auch für ungeübte oder ältere Fahrer mit einem E-Bike problemlos erreicht werden kann.
„Wir finden es natürlich gut, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen und auf diese Weise etwas für ihre Gesundheit tun“, erklärte die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung des Clemenshospitals, Reinhild Everding und fuhr fort „allerdings möchten wir auch, dass sie unfallfrei unterwegs sind, da ist dieser Pedelec-Simulator eine tolle Sache!“. Für das erfolgreiche Absolvieren der simulierten Pedelec-Fahrten gab es für jeden Teilnehmer eine Sicherheitsweste. „Viele Mitarbeiter und Besucher der Klinik haben das Angebot genutzt“, freute sich Everding über den Erfolg der Aktion.

Bild: Christoph Becker und Alexander Barth (r.) von der Verkehrswacht Münster beobachten die Reaktionsgeschwindigkeit einer Klinikbesucherin auf dem Pedelec-Simulator (© Foto Clemenshospital

Urologen spenden für Palliativstation

Münster – Über eine Spende in Höhe von 5.000 Euro kann sich der „Förderverein Palliativmedizin Raphaelsklinik e.V.“ freuen. Übergeben wurde der Betrag von den Leitern der Urologischen Gemeinschaftspraxis Münster Dr. Walter Otto, Dr. Eckart Gronau und Dr. Maximilian Cohausz an die Vereinsvorsitzende Gaby Marbach. Es handelt sich um das mit der Verleihung des Alexander-von-Lichtenberg-Preises verbundene Preisgeld, das von der Deutschen Gesellschaft für Urologie vergeben wird. Ausgezeichnet wurde damit unter anderem die außergewöhnlich enge Verzahnung zwischen der ambulanten und stationären Versorgung der Patienten und die Erweiterung des Behandlungsspektrums um sogenannte komplementärmedizinische Angebote wie die traditionelle chinesische Medizin. Der Förderverein unterstützt die Palliativstation der Raphaelsklinik bei der Finanzierung von Leistungen, die von den Kassen nicht übernommen werden wie die Musiktherapie oder spezielle Rollstühle. „Diese großzügige Spende wird zu 100 Prozent den Patienten unserer Palliativstation zugute kommen!“, wie Marbach während der Spendenübergabe zusagte.

Bild: Die Vorsitzende des Fördervereins, Gaby Marbach (3.v.r.), nimmt die Spende von Dr. Maximilian Cohausz (3.v.l.) von der Urologischen Gemeinschaftspraxis entgegen.

Gute Platzierungen für UKM in Focus Klinikliste

Die neu veröffentlichte Klinikliste des Gesundheitsmagazins Focus bescheinigt dem UKM gute Noten. Neben Platz 3 in NRW und Platz 16 bundesweit werden 14 Fachdisziplinen besonders hervorgehoben.

Münster (ukm/maz) – Platz 3 in NRW und Platz 16 bundesweit – das Ergebnis des UKM (Universitätsklinikum Münster) in der Focus Klinikliste 2019, Deutschlands größtem Krankenhausvergleich, kann sich auch in diesem Jahr sehen lassen. Positiv sticht zudem die Patientenzufriedenheit hervor, die mit 83 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt von 79 Prozent liegt. „In NRW verzeichnen wir von den sechs Unikliniken damit sogar den besten Wert“, zeigt sich Univ.-Prof. Dr. Dr. Robert Nitsch, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM, zufrieden. „Das ist der guten Teamleistung aller, seien es Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte oder Beteiligte der Logistik und des Service zu verdanken.“

Neben der Befragung von 1.170 Krankenhäusern in Deutschland, von denen die Top 100 in die Liste aufgenommen werden, zeichnet der Focus auch noch spezielle Fachdisziplinen aus einem Pool von insgesamt 5.500 Fachkliniken aus. Wie in den Vorjahren verteidigt das UKM bei der Behandlung von Hirntumoren, Prostatakrebs, Multipler Sklerose, Depressionen, Angsterkrankungen und in der Strahlentherapie seinen Platz in der Spitzengruppe. Weitere ausgezeichnete Bereiche: Darmkrebs, Parkinson, Risikogeburten, Gefäßchirurgie, Herzchirurgie und Kardiologie. Erstmals den Sprung in die Liste schaffen es die Behandlung bei Leukämie und die Unfallchirurgie.

Für die Erstellung der Klinikliste beauftragt der Focus seit über 20 Jahren das unabhängige Recherche-Institut MINQ. Analysiert werden Fallzahlen, Behandlungserfolg bei Operationen, Komplikationsquoten, technische Ausstattung, Anzahl betreuender Ärzte, Qualifikation der Pfleger, Beteiligung an Qualitätsinitiativen sowie Patientenzufriedenheit und Hygienestandards. Zusätzlich werden tausende niedergelassene Haus- und Fachärzte als auch Klinik-Chefärzte sowie 398.000 Versicherte der Techniker-Krankenkasse nach ihrer Meinung gefragt. Die Befragung erfolgte von Mai bis Juni 2018.

Bild: Urkunden soweit das Auge reicht: Univ.-Prof. Dr. Dr. Robert Nitsch (vorne rechts), Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM, mit den Vertretern der ausgezeichneten Kliniken.

Die ausgezeichneten Kliniken des UKM im Überblick:

Angsterkrankungen
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med Volker Arolt

Darmkrebs
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Andreas Pascher
Leiter UKM Darmzentrum: Priv.-Doz. Dr. med. Emile Rijcken

Depressionen
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Volker Arolt
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Dr. theol. Gereon Heuft

Gefäßchirurgie
Klinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Alexander Oberhuber

Herzchirurgie
Klinik für Herzchirurgie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Sven Martens

Hirntumoren
Klinik für Neurochirurgie
Direktor: Univ.-Prof. Prof. h.c. Dr. med. Walter Stummer

Kardiologie
Klinik für Kardiologie I (Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Angiologie)
Direktor: Prof. Dr. med. Holger Reinecke
Klinik für Kardiologie II (Rhythmologie)
Direktor: Prof. Dr. med. Lars Eckardt
Klinik für Kardiologie III (Angeborene Herzfehler (EMAH) und Klappenerkrankungen)
Direktor: Univ.-Prof. Dr. Helmut Baumgartner

Leukämie
Medizinische Klinik A (Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Pneumologie)
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Georg Lenz

Multiple Sklerose
Klinik für Allgemeine Neurologie
Direktor: Univ.-Prof. Prof. h.c. Dr. med. Heinz Wiendl

Parkinson
Klinik für Allgemeine Neurologie
Direktor: Univ.-Prof. Prof. h.c. Dr. med. Heinz Wiendl

Prostatakrebs
Klinik für Urologie und Kinderurologie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Andres Jan Schrader
Leiter UKM Prostatazentrum: Prof. Dr. med. Axel Semjonow

Risikogeburten
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Ludwig Kiesel
Leiter UKM Geburtshilfe: Prof. Dr. med. Walter Klockenbusch und Priv.-Doz. Dr. med. Ralf Schmitz

Strahlentherapie
Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Hans Th. Eich

Unfallchirurgie
Klinik für Unfall-, Hand und Wiederherstellungschirurgie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Michael J. Raschke

Auszeichnung für Urologen

Münster – Die urologische Gemeinschaftspraxis Münster wurde mit dem renommierten Alexander-von-Lichtenberg-Preis 2018 ausgezeichnet. Diese wichtige Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Urologie ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro verbunden und würdigt herausragende Leistungen auf dem Gebiet der ganzheitlichen Versorgung von Krebspatienten. Dr. Walter Otto, Dr. Eckart Gronau und Dr. Maximilian Cohausz nahmen den Preis beim diesjährigen Jahreskongress in Dresden entgegen.

Besonders hervorgehoben hat die Fachjury das Engagement der Mediziner, die in der Raphaelsklinik die urologische Belegabteilung leiten, sowohl beim Aufbau des Prostatazentrums Münsterland als auch beim deutschlandweit ersten klinikübergreifenden Tumorzentrum „Münsteraner Allianz gegen Krebs (MAgKs)“. „Um Patienten mit einer Tumorerkrankung umfassend sowohl medizinisch als auch pflegerisch, therapeutisch und psychologisch betreuen zu können, ist ein tragfähiges Netzwerk vieler unterschiedlicher Experten notwendig“, betonen die Preisempfänger. Die Zentren werden regelmäßig von unabhängigen, externen Gutachtergremien überprüft und zertifiziert. Im Prostatazentrum Münsterland werden sowohl Patienten mit bösartigen als auch mit gutartigen Erkrankungen untersucht und behandelt.

Erkrankungen der Vorsteherdrüse (Prostata) sind sehr verbreitet, bei den über 50-Jährigen leidet bereits jeder zweite, ab 75 fast jeder Mann unter einer gutartigen Vergrößerung der Drüse. Neben den gutartigen Erkrankungen treten deutschlandweit außerdem rund 60.000 Fälle von Prostatakrebs jährlich neu auf, damit ist diese Form der Krebserkrankung die häufigste bei Männern hierzulande.

Bild: Dr. Maximilian Cohausz (2.v.l.) während der Preisübergabe durch Alida Cardinal, Dr. Axel Schroeder und Prof. Dr. Maurice Stephan Michel (v.l.)

Neue Therapiemöglichkeiten bei Hautkrebs (z.B. Merkelzellkarzinom)

Nach der Diagnose „Merkelzellkarzinom“ ließ sich Lothar Becherer im UKM-Hauttumorzentrum behandeln. Dank innovativer Immuntherapie hat er endlich wieder Hoffnung.

Münster (ukm/lie) – Beim Rasieren fiel Lothar B. die kleine Hautveränderung an der rechten Wange auf. „Ich habe mir erstmal nichts dabei gedacht“, erzählt der 79-Jährige. Eine Woche später ging er in seiner Heimatstadt Bergkamen dann doch zum Hautarzt, um die Stelle sicherheitshalber kontrollieren zu lassen. Es wurden Proben entnommen und untersucht. Das beängstigende Ergebnis: Verdacht auf ein sogenanntes Merkelzellkarzinom, eine besonders aggressive Form von Hautkrebs.

Zur weiteren Behandlung ging Lothar B. ins UKM-Hauttumorzentrum, das zum Zentrum für Krebsmedizin des UKM (Universitätsklinikum Münster) gehört. Der Verdacht bestätigte sich. „Ich war völlig aufgelöst“, erinnert sich der Rentner. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.“

Das war im September 2016. Dass Lothar B. heute wieder nach vorne blicken kann, verdankt er zu großen Teilen einer Immuntherapie mit einem neu zugelassenen Wirkstoff – dem PD-L1-Antikörper Avelumab. „Mechanismen, mit denen die Krebszellen sich vor dem Immunsystem verstecken, werden durch den Antikörper blockiert“, erklärt Dr. Carsten Weishaupt, Leiter des UKM-Hauttumorzentrums. „Zudem aktiviert der Wirkstoff spezifische Immunzellen und ermöglicht somit eine gezielte Attacke des körpereigenen Abwehrsystems auf das bösartige Gewebe.“

Immuntherapien gelten als großer Hoffnungsträger in vielen Bereichen der Krebsmedizin. Beeindruckend sind bisher vor allem die Erfolge beim schwarzen Hautkrebs (Melanom) und beim fortgeschrittenen Lungenkrebs. Seit September 2017 ist nun der neue Antikörper Avelumab für die Therapie des metastasierten Merkelzellkarzinoms zugelassen. Mit deutschlandweit weniger als 400 Neuerkrankungen pro Jahr zählt es zu den seltenen Erkrankungen. Bei den meisten Patienten kann der auffällige violett-blaue und kugelige Tumor erfolgreich chirurgisch entfernt werden. Bei der Hälfte der Betroffenen kommt es jedoch trotz OP und Strahlentherapie zu einem Rezidiv, und bei einem Drittel entwickeln sich Metastasen. Auch bei Becherer brachten die bisherigen Standardtherapien zunächst nicht den gewünschten Erfolg. Der Tumor war so aggressiv, dass sich bereits kurze Zeit nach der chirurgischen Entfernung und noch während der anschließenden Strahlentherapie immer wieder neue Absiedlungen direkt unterhalb des rechten Auges und am Hals bildeten. „Ich habe die Hoffnung trotzdem nie aufgegeben“, blickt B. auf diese schwierige und für die gesamte Familie sehr belastende Zeit zurück.

Im November 2017 entschlossen sich Weishaupt und seine Kollegen in der interdisziplinären Hauttumorkonferenz, neue Wege bei der Behandlung zu gehen. „Die Wirkung der Immuntherapie ist beeindruckend“, berichtet der Dermatologe. Bereits nach den ersten drei Infusionen bildete sich der Tumor am Hals deutlich zurück. Inzwischen sind bei den regelmäßigen Kontrollen in den MRT-Bildern keine Metastasen mehr sichtbar. „Ich habe auch kaum Nebenwirkungen“, freut sich Lothar B., der nur ab und zu ein wenig unter Müdigkeit leidet. „Endlich erweitern sich die Behandlungsmöglichkeiten bei Hautkrebs“, so Dr. Weishaupt. „Auch wenn wir nicht immer von Heilung sprechen können, führen die neuen Substanzen doch zu deutlich verbesserten Therapieerfolgen bei oft guter Lebensqualität.“

Bild: Freuen sich über den Therapieerfolg: Dr. Carsten Weishaupt und Lothar B. (v.l.) – © Foto (UKM/Marschalkowski).

Raphaelsklinik eröffnet die Ausstellung „Genesis“ von Marita Mues

Münster – Am Donnerstag, 20.09., wird im Foyer der Raphaelsklinik, Loerstraße 23, die Ausstellung „Genesis“ der Warsteiner Künstlerin Marita Mues eröffnet. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig. Die Gastrede hält Bernhard Enste, erster Vorsitzender des Museums Kupferhammer (Warstein). Literarisch begleiten lyrische Texte von Yosh Malzon Jessen die Werke. Musikalisch wird die Eröffnung durch Dilek Gecer (Gesang) und Anna-Sophie Sczepanek (Flügel) bereichert.

Alles beginnt mit dem Licht! Die Genesis der Bibel hat viele elementare Aspekte: Himmel und Erde, Mensch und Tier… allen aber liegt das Kreative, Gestaltende zugrunde. Der Wille, dem, was sein soll, eine Gestalt zu geben. Der Mensch ist seit Anbeginn nicht nur Teil der Schöpfung, sondern selbst schöpferisch – in vielfältigstem Ausdruck. Marita Mues stellt sich ihrer eigenen schöpferischen Kraft, in der Malerei mit Demut vor dem, was ihren Möglichkeiten dazu mit auf den Weg gegeben wurde.

Bild: Bild von Marita Mues im Rahmen der Ausstellung „Genesis“ (© Marita Mues)

Sonne aus, Turm an: Eigens zur „Langen Nacht“ leuchtet Münsters Wahrzeichen erstmals nach 35 Jahren in Blau und Grün

Münster (mfm-ukm/tb) – Im Programmheft taucht sie gar nicht auf – und ist trotzdem das, was die Besucher zuerst sehen werden, jedenfalls nach Sonnenuntergang: die Illumination an den UKM-Türmen anlässlich der „Langen Nacht der Universitätsmedizin Münster“. Bei einem Ortstermin drückten die Ausrichter der Veranstaltung jetzt auf den Startknopf – und waren selbst erstaunt ob des beeindruckenden Anblicks. Fast auf den Tag genau 35 Jahre nach dem Einzug der ersten Patienten leuchtet der Westturm nicht wie gewohnt in Weiß, sondern in Blau und Grün – den jeweiligen Hausfarben des UKM (Universitätsklinikum Münster) und der Medizinischen Fakultät der Universität Münster. Bis einschließlich Freitag [07.09.] ist das ungewöhnliche „Lichtspieltheater“ jeden Abend einige Stunden lang zu sehen – bei der „Langen Nacht“ selbst sogar bis zwei Uhr morgens.

Dabei war die Realisierung der Idee lange nicht klar: „Aufgrund der Fassaden-Restarbeiten am Ostturm sind wir letztlich auf seinen Zwilling im Westen ausgewichen“, erläutert Prof. Robert Nitsch, der Ärztliche Direktor des UKM. Durch die Anordnung der Türme – von der Stadtmitte aus gesehen: „hintereinander“ – und die Position der angestrahlten Front werden nun bevorzugt Münsteraner im Süden und Südwesten das ungewohnte Bild sehen. Was am Freitag rund um die Doppeltürme – und in deren Sockelgeschossen – stattfinden wird, ist eine Veranstaltung der Superlative: Mehr als 500 Mitarbeiterinnen von Uni und Uniklinik werden bei der „Langen Nacht“ im Einsatz sein, um den Besuchern bei über 170 Programmpunkten Einblicke in das zu vermitteln, was der Öffentlichkeit sonst meist verborgen bleibt.
Die angebotenen Themen reichen von A wie Apotheke über B wie Bäckerei und C wie Chemotherapie bis Z wie Zellbiologie. „Die Grundidee der ‚Langen Nacht‘ ist, dass wir die Universitätsmedizin als Ganzes zeigen wollen. Dazu gehört neben dem Medizinischen eben auch der große ‚Apparat‘ dahinter, der die Krankenversorgung überhaupt erst ermöglicht. Und dazu gehören ebenso die Forschung, die den wissenschaftlichen Fortschritt vorantreibt, sowie die Ausbildung kommender Ärztinnen und Ärzte durch gute Lehre“, erläutert Prof. Mathias Herrmann, Dekan der Medizinischen Fakultät das Konzept. Selbst kontroverse Themen wie die tierexperimentelle Forschung erhielten Platz im Programm.

Bild: Auf dem Flachdach am Ostturm machten sich der UKM-Vorstand und das Dekanat der Medizinischen Fakultät ein Bild von der Fassaden-Illumination zur „Langen Nacht“. Dekan Prof. Mathias Herrmann, ÄD Prof. Robert Nitsch und KD Dr. Christoph Hoppenheit (Mitte, v.r.) drückten nach bestandenem Techniktest den Buzzer (Foto: FZ/Erk Wibberg)

Ein Highlight ist beispielweise die Demonstration des neuen Zentrums für Roboter-assistierte Chirurgie. Mehrere Hightech-Geräte der neuesten Generation können angeschaut – und sogar selbst ausprobiert – werden. Gesamtwert der im Hörsaal der chirurgischen Klinik demonstrierten Technik: mehr als 2,6 Millionen Euro. An einem Da-Vinci-Xi-System mit Doppel-Konsole wird es Live-Übertragungen von (unblutigen) Operationen geben. Experten zeigen, wie eine Weintraube oder eine Tomate geschält und anschließend wieder zusammengenäht werden. Besucher können die Joysticks auch selbst einmal bedienen. Die Klinikdirektoren der Allgemeinchirurgie und der Urologie sowie sämtliche Robotik-Chirurgen sind im Nacht-Einsatz.

Auch andere Attraktionen, wie vier begehbare Organmodelle, das größte davon acht Meter lang, dürften auf großes Interesse bei den Besuchern der „Langen Nacht“ stoßen. Allein mehr als 40 Programmpunkte richten sich ganz oder überwiegend an Kinder. „Die ‚Lange Nacht‘ soll ein Event für die ganze Familie sein“, betont Dekan Herrmann, der die Anregung zur „Langen Nacht“ gab und in der Führungsriege der münsterschen Universitätsmedizin schnell überzeugte Mitstreiter fand. „Nach der Premiere werden wir ausführlich Bilanz ziehen. Bei gutem Zuspruch können wir uns eine Wiederholung gut vorstellen, blickt Dr. Christoph Hoppenheit, der kaufmännische Direktor des UKM, bereits nach vorn.

Nähere Infos zum Programm der „Langen Nacht“ gibt es auf der Website www.lange-nacht-muenster.de. An den Eingängen zum Medizin-Campus werden am 7. September zudem Programmhefte verteilt. Die Veranstalter rufen dazu auf, das Auto stehen zu lassen und stattdessen zu Fuß, mit dem Rad oder per Bus zu kommen.