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Kleines Wunder: Mutter und Baby Mahdi gesund nach Lebertransplantation in der Schwangerschaft

Lebertransplantation bei weltweit einer der frühesten Schwangerschaften / Mutter und Kind der siebenköpfigen Flüchtlingsfamilie wohlauf

Münster (ukm/aw) – Es ist ein bewegtes Leben, das Familie Mohammad aus dem Irak in den letzten beiden Jahren geführt hat: Die Eltern und ihre fünf minderjährigen Kinder mussten monatelang die Strapazen einer dramatischen Flucht über die Türkei und Südosteuropa auf sich nehmen, bevor sie glücklich und wohlbehalten im niedersächsischen Lienen aufgenommen wurden. Dort stellten sie einen Asylantrag und integrierten sich gut. „Es könnte nicht besser sein“, ist das, was der inzwischen 19 Jahre alte Mohammad über die Lebensverhältnisse in seiner neuen Heimat sagt. Doch das kurze Glück währte nicht lange: Ende Oktober wurde seine Mutter Chnar Mustafa ganz plötzlich mit heftigen Oberbauchschmerzen und schlechten Leberwerten ans UKM (Universitätsklinikum Münster) überwiesen. Die Diagnose: akutes Leberversagen. Außerdem noch eine Überraschung: Chnar Mustafa war – ohne es zu wissen – schwanger in der neunten Woche! „Was eigentlich ein Grund zur Freude gewesen wäre, war nun doppelter Anlass zur Sorge“, so Dr. Christian Wilms, Oberarzt der Klinik für Transplantationsmedizin am UKM. „Die Patientin wurde am Freitag eingeliefert, Sonntag hatte sich ihr Zustand so sehr verschlechtert, dass sie am Folgetag mit höchster Dringlichkeitsstufe (high urgency) auf der Warteliste bei Eurotransplant angemeldet werden musste. Als dann schon am Dienstag mit viel Glück ein passendes Organangebot da war, mussten wir uns entschieden, ob wir tatsächlich operieren. Selten hatte ich so große Bedenken. Ich hatte eine fast schlaflose Nacht“, gibt er unumwunden zu. „Schließlich ging es bei dieser Operation um zwei Leben und nicht um eines“, ergänzt Prof. Daniel Palmes, Oberarzt in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. „Zwar war klar, dass das Leben der Mutter Vorrang haben musste, aber wir wollten natürlich auch ihrer Bitte, das Leben ihres Kindes zu schützen, gerecht werden.“

Einen Tag später operierte Palmes die 44-jährige Patientin. „Die Transplantation dauerte wegen des noch guten Allgemeinzustands von Frau Mustafa nur dreieinhalb Stunden. So plötzlich wie das fulminante Leberversagen kam, besserte sich mit dem neuen Organ sofort ihr Zustand. Und das Beste: Auch der Embryo überstand den Eingriff unbeschadet.“ Seit der Transplantation muss Chnar Mustafa Immunsuppressiva einnehmen – für das Kind in ihrem Bauch natürlich ein weiteres Risiko. Ein einzelner Versuch des Körpers, die Leber abzustoßen, konnte rechtzeitig durch eine gezielte Gabe der Medikamente verhindert werden. Ansonsten verlief die Schwangerschaft ohne Komplikationen. In der 34. Woche hatte der ungeborene Junge es dann doch eilig: Mahdi wurde per Kaiserschnitt geholt – bei einem Geburtsgewicht von nur rund 1.600 Gramm.

Weltweit sind bisher nur rund zwanzig Fälle von Lebertransplantationen bei Schwangeren beschrieben. Der kleine Mahdi dürfte das glückliche Ergebnis der jüngsten erhaltenen Schwangerschaft trotz dieser risikoreichen OP sein, glauben die Ärzte am UKM. Heute, mit sieben Wochen, ist er noch ein wenig in der Entwicklung zurück, aber gesund. Mit seinen Eltern und fünf Geschwistern lebt er in Lienen. „Der Zustand seiner Mutter muss nach der Transplantation natürlich regelmäßig in unserer Transplantationsambulanz kontrolliert werden. Aber wir sind hoffnungsfroh, dass sich Frau Mustafa viele Jahre guter Gesundheit erfreut und wir freuen uns, dass Mahdi bei uns ist“, so Wilms. Die Aussichten, dass Familie Mohammad in Deutschland bleiben kann, sind deshalb gut. „Es ist alles wie ein kleines Wunder“, sagt Mahdis Bruder Mohammad.

Bild: Dr. Christian Wilms (links) und Prof. Daniel Palmes (rechts) freuen sich mit Mutter Chnar Mustafa und Bruder Mohammad über das kleine Wunder Mahdi.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Organspende rettete Anna Siepert vor 20 Jahren das Leben

Patientin wurde im Januar 1995 transplantiert und ist heute fitter denn je / UKM verzeichnet 500. Lebertransplantation – und unterstützt Studien zu alternativen Therapien

Münster (ukm/mdr) – Zwei kleine Tabletten morgens, zwei kleine Tabletten abends – das ist alles, was Anna Siepert an ihre Lebertransplantation erinnert. Dabei war die Situation für sie vor 20 Jahren lebensbedrohlich: Zwar konnten starke Blutungen im Bauchraum nach einem Sturz zuerst gestoppt werden, führten aber wenige Tage später zu akutem Leberversagen. Im Januar 1995 erhielt die damals 50-Jährige am UKM (Universitätsklinikum Münster) ein neues Organ. Mittlerweile erhileten eine Vielzahl mehr an Patienten in Münster eine Organspende; erst vor wenigen Tagen erfolgte die 500. Lebertransplantation.

Bei Anna Siepert bestimmt dieser oft zitierte zweite Geburtstag aber längst nicht mehr ihr Leben. „Anfangs waren da schon Ängste, ob das gut geht und wie mein Körper mit einem fremden Organ umgeht, denn durchleben wollte ich diese Strapazen kein zweites Mal“, erzählt die 70 Jahre alte Rentnerin. „Aber mir ging es schnell wieder so gut, dass das Thema dann in den Hintergrund getreten ist.“ Kein einziges Mal gab es schlechte Werte bei den Kontrolluntersuchungen in Münster, die mittlerweile nur noch einmal im Jahr notwendig sind. Das alles spricht für zwei Indikatoren: Anna Siepert war damals, abgesehen von der Akutsituation, in einem guten gesundheitlichen Zustand und die Qualität des Spenderorgans – das sagen die Mediziner rückwirkend – stimmte.

Seitdem hat sich viel getan in der Medizin. „Wir sind gerade in einem Umbruch“, sagt Prof. Dr. Hartmut Schmidt, Direktor der Klinik für Transplantationsmedizin am UKM. Damit spricht er nicht nur die rückläufigen Spenderzahlen an, sondern vor allem die alternativen Therapien. „Wir können heute bereits einige Patienten – zum Beispiel mit Hepatitis C – medikamentös so gut versorgen, dass eine Transplantation nicht mehr notwendig ist.“ Der Mediziner ist optimistisch, dass solche Möglichkeiten mittelfristig auch für Patienten mit anderen Erkrankungen zur Verfügung stehen. „Dennoch werden nach wie vor dringend Organspenden für all jene benötigt, deren Leben von einer Transplantation abhängt“, so Schmidt, der mit Sorgenfalten auf die aktuellen Zahlen schaut: 29 Lebern wurden am UKM im vergangenen Jahr transplantiert, 2009 waren es noch 51. Allein in Münster warten aktuell 123 Patienten auf ein solches Organ, bundesweit sind es 1351 (Stichtag 31.12.2014).

Für Anna Siepert sind viele der Diskussionen nicht nachvollziehbar. „Mehr als tot sein geht nicht. Was soll das dann, darüber nachzudenken, nicht zu helfen.“ Überzeugungsarbeit musste sie weder bei der Familie noch bei ihren Freunden leisten. „Bei mir im Umfeld haben durch meine Geschichte alle einen Organspendeausweis. Und das ist auch gut so!“

Quelle: © Universitätsklinikum Münster