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Moderne Hightech-Geräte unterstützen den Herzmuskel

Hilfe für das schwache Herz

Münster – Pro Tag schlägt das menschliche Herz rund hunderttausend Mal. So lange das Zentralorgan rund läuft und nicht ins Stolpern gerät, machen sich die meisten Menschen kaum Gedanken über diese beeindruckende Leistung. So war es früher auch bei Hans-Jürgen Liebig. Eines Tages bemerkte seine Ehefrau jedoch, dass ihrem Mann die Gartenarbeit zunehmend schwerer fiel und auch das Treppensteigen nicht ohne Schweißperlen auf der Stirn zu bewältigen war. Der Besuch beim Hausarzt brachte die Ursache schnell ans Licht, der heute 72-Jährige litt unter einer Herzschwäche. „In Deutschland sind rund zwei Millionen Menschen von einer Schwäche des Herzmuskels, einer sogenannten Herzinsuffizienz, betroffen“, erläutert der leitende Kardiologe der Raphaelsklinik, Dr. Frank Lieder.

Vortrag: „Das schwache Herz“

Datum: Samstag, 25.11.2017
Ort: Foyer der Raphaelsklinik, Loerstraße 23
Uhrzeit: 11.00 Uhr
Zielgruppe: für Interessierte und Betroffene
Besonderheiten: Anmeldung nicht erforderlich, kostenfrei

Die Beschwerden nahmen zu, im Jahr 2003 erlitt Hans-Jürgen Liebig dann einen Herzinfarkt, seine Herzkranzgefäße mussten notfallmäßig mit kleinen Röhren aus Metallgewebe, sogenannten Stents, wieder geöffnet werden. Vor rund einem Jahr war es dann soweit und Liebig musste in der Uniklinik Münster am Herzen operiert werden, ein Bypass wurde gelegt und eine neue Herzklappe implantiert. Die Ärzte empfahlen dem Saerbecker bereits nach dem Eingriff die Implantation eines Gerätes, das die Herzfunktion elektrisch unterstützt und im Fall eines Kammerflimmerns das Organ mit gezielten Stromstößen wieder in Gang bringt. „Das Aggregat, das wir Herrn Liebig eingesetzt haben, ist gewissermaßen der Rolls-Royce unter den Herzschrittmachern“, berichtet Lieder und tatsächlich ist das Gerät ein kleines technisches Wunderwerk. Während ein Sensor ständig die Herzfunktion überwacht, geben zwei Elektroden für die linke und rechte Herzkammer mit jedem Herzschlag einen schwachen Impuls ab, um den Herzmuskel zu unterstützen. Sollte tatsächlich das gefürchtete Kammerflimmern auftreten, wird ein gezielter Stromstoß abgegeben, damit das Herz wieder weiterschlägt. „Bei vielen Menschen tritt dieser Fall nie ein“, sagt Dr. Frank Lieder, fügt aber hinzu: „Das ist wie beim Airbag im Auto. Ich will auch nicht, dass der auslöst, bin in dem Fall aber froh, ihn zu haben!“

Begleitet wird die Veranstaltung von Angeboten zur Bestimmung der Risikofaktoren Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck. Es gibt Tipps zur herzgesunden Ernährung und Kontaktmöglichkeiten zu Selbsthilfegruppen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Bild: Dr. Frank Lieder (r.) zeigt dem Patienten Hans-Jürgen Liebig, wo die drei Elektroden des Herzschrittmachers am Herzmuskel befestigt sind.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Ehepartner erleiden innerhalb weniger Tage beide einen Herzinfarkt und feiern unfreiwillig ihre Goldene Hochzeit im Krankenhaus.

Ehepaar erleidet innerhalb weniger Tage Herzattacken / Goldene Hochzeit im Krankenhaus

Münster (ukm/mdr) – Gemischte Zimmer sind im Krankenhaus eher unüblich – für Ingrid und Klaus Schadwinkel aber ein Segen. Vier Bypässe haben beide im UKM (Universitätsklinikum Münster) nahezu gleichzeitig nach einem Herzinfarkt gelegt bekommen. Und damit nicht genug: All das geschah in den Tagen rund um ihre Goldene Hochzeit. „Dabei hatten wir mit Krankheiten eigentlich nie zu tun“, sagt Klaus Schadwinkel (80), der mit seiner Frau noch im Dezember eine Reise nach Amerika gemacht hat. Auch zuhause in Nordhorn sind beide aktiv: Ingrid Schadwinkel (74) fährt zum Beispiel täglich rund 20 Kilometer Fahrrad. Bis zum 9. Januar.

UKM_Herzchirurgie_Goldhochzeit

Bild: Das Ehepaar Ingrid und Klaus Schadwinkel mit einem Bild ihrer Hochzeit vor 50 Jahren und dem Team um Prof. Dr. Sven Martens (Mitte) mit Monika Stake, Dr. Farshad Ghezelbash, Dr. Heinz Deschka und Gudrun Gloeckner (v.l.).

„Bei mir ging plötzlich das Licht aus“, erinnert sich der Rentner an den Abend im heimischen Wohnzimmer. Erst im Krankenhaus sei er wieder zu sich gekommen. Von Nordhorn wurde er zu den Spezialisten ans UKM überwiesen, nachdem klar war, dass eine Bypass-Operation notwendig ist. Nur wenige Tage später meldet sich Ingrid Schadwinkel bei ihrer Tochter. „Ich hatte starke Kopfschmerzen und wusste sofort, da stimmt etwas nicht.“ Sie ließ sich ins Krankenhaus bringen – und handelte damit rückblickend absolut richtig. Ein leichter Schlaganfall hatte die Schmerzen ausgelöst und auch bei ihr gab es Engstellen rund ums Herz. „Das Prozedere kannten wir dann ja schon“, erzählt das Ehepaar heute lachend in Anspielung auf die Verlegung von Nordhorn nach Münster.

Nach einigen (zeitversetzten) Tagen auf der Intensivstation wurden beide auf die Herzchirurgie-Station verlegt. Erst Klaus Schadwinkel, dann seine Frau Ingrid. Seitdem teilen sie sich ein Zimmer. „Natürlich wünscht man niemandem solch ein Ereignis“, sagt Prof. Dr. Sven Martens, Direktor der Klinik für Herzchirurgie, der mit seinem Team beide Patienten operiert hat. „Aber Frau und Herr Schadwinkel gehen mit der Situation so positiv um und sind ein tolles Beispiel dafür, wieviel Kraft man sich gegenseitig geben kann.“

Da liegt es nahe, dass die beiden bereits nach vorne schauen. Nach der Rückverlegung nach Nordhorn soll es schnellstmöglich in die Reha gehen („Wir hoffen, dass auch das gemeinsam möglich ist!“), damit sie wieder zu alter Form finden. Denn die Pläne für den Sommer stehen schon fest: eine große Goldhochzeitsfeier.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster