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Hebammen überwinden Sprachbarrieren bei der Geburt

Sozialpreis des Katholischen Krankenhausverbandes verliehen: St. Franziskus-Hospital Münster unter den sechs besten Projekten

Münster – In Berlin wurde jetzt der Sozialpreis des Katholischen Krankenhausverbands Deutschlands (kkvd) verliehen. Unter den sechs nominierten Krankenhäusern war auch das St. Franziskus-Hospital Münster. Es hatte sich passend zum diesjährigen Caritas-Motto „Zusammen sind wir Heimat“ mit dem Projekt „Kultursensible Geburtshilfe“ beworben, das Sprachbarrieren überwinden hilft.

Die Idee dazu hatte Henrike Adam, Hebamme im St. Franziskus-Hospital. Das Haus verzeichnet jährlich rund 2500 Geburten; etwa 350 Mütter haben einen Migrationshintergrund. Fehlende Sprachkenntnisse können die Betreuung vor, während und nach der Entbindung erschweren. Im Rahmen einer Caritas-Weiterbildung zur Stationsleitung beschäftigte sich Henrike Adam mit Fragen der Verständigung. Ziel des Projektes „Kultursensible Geburtshilfe“ war es, bei den Patientinnen und Mitarbeitern Sprachbarrieren abzubauen, Empathie und Verständnis für kulturelle Unterschiede zu schaffen und Sicherheit zu vermitteln.

Im Juli 2016 wurde eine eigene Projektgruppe gegründet, welche aus drei Hebammen und zwei Gynäkologinnen des St. Franziskus-Hospitals bestand. Gemeinsam haben sie bebilderte Karten mit Begriffen in sechs Sprachen entwickelt. Sie ermöglichen die Verständigung rund um die Geburt auch ohne Deutsch- und Lesekenntnisse. Zudem wurden Anamnesebögen zum Ankreuzen in verschiedenen Sprachen erarbeitet. Für die Mitarbeiter wurde darüber hinaus eine Mappe mit Informationen über den Umgang mit traumatisierten Frauen erstellt. Die Arbeitsabläufe konnten damit vereinfacht und der Informationsfluss verbessert werden. „Ich finde es schön, dass mein Projekt so viel Zuspruch gefunden hat. Unter die Nominierten des kkvd-Sozialpreises zu gehören, hat mich sehr gefreut“, erzählt Henrike Adam.

Bild: Bei der Preisverleihung in Berlin (v.l.): kkvd-Vorsitzender Generalvikar Theo Paul, Iris Schulte-Bocholt, Henrike Adam, Monika Lottmann, Hebammen im St. Franziskus-Hospital Münster, Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des kkvd, und Dr. Klaus Goedereis, Vorstandsvorsitzender St. Franziskus-Stiftung Münster.

Quelle: © St.-Franziskus-Hospital Münster

Geburt ohne Kaiserschnitt

Münster – Jetzt, wo der kleine Lemmy satt und glücklich in den Armen seiner Mutter Simone Mückler schlummert, kann man kaum glauben, dass er bereits vor seiner Geburt bei seinen Eltern für einiges Kopfzerbrechen gesorgt hat. Normalerweise drehen sich die Kinder etwa in der 36. Schwangerschaftswoche in die Startposition mit dem Kopf voraus. Drei bis fünf Prozent machen es aber wie Lemmy und liegen mit dem Gesäß oder sogar mit den Füßchen in Richtung Ausgang, in der sogenannten Beckenendlage. „Als ich von meiner Gynäkologin erfahren habe, dass unser Kind in Beckenendlage liegt, war das für mich zunächst sehr schlimm“, berichtet Simone Mückler.

Von Anfang an war für die junge Mutter jedoch klar, dass ein Kaiserschnitt nur die allerletzte Lösung sein soll. „Die natürliche Geburt hat gegenüber dem Kaiserschnitt für Mutter und Kind viele Vorteile“, bestärkt Dr. Rüdiger Langenberg, Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals, die Entscheidung der Mutter. „Es handelt sich beim Kaiserschnitt schließlich um eine echte Operation und die Frauen haben nach dem Eingriff die gleichen Probleme wie andere Patienten nach einer OP. Nach der natürlichen Geburt hingegen sind die Frauen wesentlich schneller wieder fit, haben weniger Schmerzen und können das Mutterglück viel besser genießen, was auch dem Baby zugute kommt“, berichtet der Frauenarzt. Auch Simone Mücklers Gynäkologin, ihre Hebamme und ihr Mann Hanno Endres bestärkten die 37-Jährige in ihrer Entscheidung für eine natürliche Geburt. „Ich habe versucht, mit Akupunktur und Osteopathie sanft einzugreifen und eine Drehung in die Kopflage zu bewirken, allerdings ohne Erfolg“, erinnert sie sich. In der Region um Münster werden natürliche Entbindungen von Kindern in Beckenendlage nur von drei Kliniken durchgeführt, das Clemenshospital gehört dazu. „Das Team aus Hebammen und Ärzten muss über viel Erfahrung auf diesem Gebiet verfügen, in den letzten zehn Jahren ging in den meisten Kliniken jedoch der Trend zum Kaiserschnitt bei einer Beckenendlage“, erklärt Langenberg. Wenn sich zeigt, dass die natürliche Geburt mit einem Risiko für Mutter und Kind verbunden ist, wird auch im Clemenshospital per Kaiserschnitt entbunden, „es ist immer eine Frage des Abwägens“, wie der Chefarzt sagt. Lemmy war offenbar mit der Entscheidung seiner Eltern einverstanden und legte einen Traumstart hin, „die Entbindung ging ruck-zuck, nach insgesamt fünf Stunden war der Kleine auf der Welt!“, freuen sich die jungen Eltern.

Bild: Dr. Rüdiger Langenberg (m.) freut sich mit den Eltern Simone Mückler und Hanno Endres über die natürliche Geburt des kleinen Lemmy

Quelle: © Clemenshospital Münster

Kleines Wunder: Mutter und Baby Mahdi gesund nach Lebertransplantation in der Schwangerschaft

Lebertransplantation bei weltweit einer der frühesten Schwangerschaften / Mutter und Kind der siebenköpfigen Flüchtlingsfamilie wohlauf

Münster (ukm/aw) – Es ist ein bewegtes Leben, das Familie Mohammad aus dem Irak in den letzten beiden Jahren geführt hat: Die Eltern und ihre fünf minderjährigen Kinder mussten monatelang die Strapazen einer dramatischen Flucht über die Türkei und Südosteuropa auf sich nehmen, bevor sie glücklich und wohlbehalten im niedersächsischen Lienen aufgenommen wurden. Dort stellten sie einen Asylantrag und integrierten sich gut. „Es könnte nicht besser sein“, ist das, was der inzwischen 19 Jahre alte Mohammad über die Lebensverhältnisse in seiner neuen Heimat sagt. Doch das kurze Glück währte nicht lange: Ende Oktober wurde seine Mutter Chnar Mustafa ganz plötzlich mit heftigen Oberbauchschmerzen und schlechten Leberwerten ans UKM (Universitätsklinikum Münster) überwiesen. Die Diagnose: akutes Leberversagen. Außerdem noch eine Überraschung: Chnar Mustafa war – ohne es zu wissen – schwanger in der neunten Woche! „Was eigentlich ein Grund zur Freude gewesen wäre, war nun doppelter Anlass zur Sorge“, so Dr. Christian Wilms, Oberarzt der Klinik für Transplantationsmedizin am UKM. „Die Patientin wurde am Freitag eingeliefert, Sonntag hatte sich ihr Zustand so sehr verschlechtert, dass sie am Folgetag mit höchster Dringlichkeitsstufe (high urgency) auf der Warteliste bei Eurotransplant angemeldet werden musste. Als dann schon am Dienstag mit viel Glück ein passendes Organangebot da war, mussten wir uns entschieden, ob wir tatsächlich operieren. Selten hatte ich so große Bedenken. Ich hatte eine fast schlaflose Nacht“, gibt er unumwunden zu. „Schließlich ging es bei dieser Operation um zwei Leben und nicht um eines“, ergänzt Prof. Daniel Palmes, Oberarzt in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. „Zwar war klar, dass das Leben der Mutter Vorrang haben musste, aber wir wollten natürlich auch ihrer Bitte, das Leben ihres Kindes zu schützen, gerecht werden.“

Einen Tag später operierte Palmes die 44-jährige Patientin. „Die Transplantation dauerte wegen des noch guten Allgemeinzustands von Frau Mustafa nur dreieinhalb Stunden. So plötzlich wie das fulminante Leberversagen kam, besserte sich mit dem neuen Organ sofort ihr Zustand. Und das Beste: Auch der Embryo überstand den Eingriff unbeschadet.“ Seit der Transplantation muss Chnar Mustafa Immunsuppressiva einnehmen – für das Kind in ihrem Bauch natürlich ein weiteres Risiko. Ein einzelner Versuch des Körpers, die Leber abzustoßen, konnte rechtzeitig durch eine gezielte Gabe der Medikamente verhindert werden. Ansonsten verlief die Schwangerschaft ohne Komplikationen. In der 34. Woche hatte der ungeborene Junge es dann doch eilig: Mahdi wurde per Kaiserschnitt geholt – bei einem Geburtsgewicht von nur rund 1.600 Gramm.

Weltweit sind bisher nur rund zwanzig Fälle von Lebertransplantationen bei Schwangeren beschrieben. Der kleine Mahdi dürfte das glückliche Ergebnis der jüngsten erhaltenen Schwangerschaft trotz dieser risikoreichen OP sein, glauben die Ärzte am UKM. Heute, mit sieben Wochen, ist er noch ein wenig in der Entwicklung zurück, aber gesund. Mit seinen Eltern und fünf Geschwistern lebt er in Lienen. „Der Zustand seiner Mutter muss nach der Transplantation natürlich regelmäßig in unserer Transplantationsambulanz kontrolliert werden. Aber wir sind hoffnungsfroh, dass sich Frau Mustafa viele Jahre guter Gesundheit erfreut und wir freuen uns, dass Mahdi bei uns ist“, so Wilms. Die Aussichten, dass Familie Mohammad in Deutschland bleiben kann, sind deshalb gut. „Es ist alles wie ein kleines Wunder“, sagt Mahdis Bruder Mohammad.

Bild: Dr. Christian Wilms (links) und Prof. Daniel Palmes (rechts) freuen sich mit Mutter Chnar Mustafa und Bruder Mohammad über das kleine Wunder Mahdi.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster