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Winterblues und Weihnachtsfrust

Viele kennen ihn, den „Winterblues“ – die Müdigkeit, die Antriebslosigkeit, die schwankende Stimmung und den Heißhunger auf Süßes, wenn die Tage kürzer und dunkler werden. Doch nicht nur der jahreszeitliche Mangel an natürlichem Tageslicht kann auf die Psyche schlagen. Weihnachten und Silvester kommen auch noch dazu.

Münster – Nicht jeder Winterblues ist eine Depression und die allermeisten depressiven Erkrankungen treten ganzjährig auf. Eine Ausnahme bildet die „Saisonal Abhängige Depression“. Etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung leidet daran. Frauen erkranken häufiger als Männer, meistens im mittleren Alter. „Die Saisonal Abhängige Depression ist eine anerkannte depressive Erkrankung, die wiederkehrend, besonders in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. Sie kann Erwachsene ebenso wie Kinder und Jugendliche und seltener auch ältere Menschen treffen“, sagt Andreas Pelzer, Leitender Arzt der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Energie und Antrieb sind vermindert, die Stimmung ist gedrückt. Doch unter Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, was für Depressionen ansonsten typisch ist, leiden die betroffenen Menschen nicht. Im Gegenteil, ihr Schlafbedürfnis ist sogar erhöht und Heißhunger auf Süßes führt eher zu einer Gewichtszunahme. Vor allem der Mangel an natürlichem Tageslicht sowie die verminderte Lichtintensität werden für die saisonale Depression verantwortlich gemacht. Das Glückshormon Serotonin soll mit an ihrer Entstehung beteiligt sein. Dies würde auch den Heißhunger auf Kohlenhydrate erklären, über den der Körper den Serotonin-Mangel im Gehirn auszugleichen versucht.

„Regelmäßige Bewegung im Freien bei Tageslicht kann oft schon viel bewirken. Auch eine Lichttherapie kann bei dieser Depressionsform sehr hilfreich sein. Bei mittelgradigen und schweren Erkrankungen stehen jedoch krankheitsspezifische kognitiv-verhaltenstherapeutische und pharmakologische Therapien im Vordergrund“, erklärt Pelzer.

Einsamkeit, Stress und Familienzwist können Depressionen begünstigen

Doch nicht nur der Lichtmangel macht Menschen in dieser Jahreszeit zu schaffen. Auch die besinnliche und harmonische Weihnacht bleibt für viele ein herer Traum. Tatsächlich ist sie häufig von Stress, Familienstreitigkeiten und Einsamkeit gezeichnet. Gründe dafür gibt es viele. „An Weihnachten sind die Erwartungen oft enorm hoch. Alles soll schön sein. Alle sollen sich glücklich über tolle Geschenke freuen und, obwohl sie vielleicht nur einmal im Jahr zusammenkommen, bestens miteinander verstehen. Häufig artet die Vorbereitung in puren Stress aus, die Zeit ist meist knapp und beruflich steht nicht selten noch ein Jahresabschluss bevor. Andere fühlen sich zu dieser Zeit besonders einsam, weil sie an den Feiertagen alleine sind“, so der Münsteraner Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Er rät, die Erwartungen an Weihnachten grundsätzlich herunterzuschrauben und sich weder zu verausgaben noch aus Weihnachtsfrust zu Hause einzugraben. Denn beides könne eine depressive Erkrankung begünstigen. Ebenso wie Vergleiche mit anderen, denen es vermeintlich besser geht.

Nach Weihnachten und Silvester fallen viele Menschen in ein psychisches Loch

Nach den Feiertagen in ein psychisches Loch zu fallen, sei ebenfalls nicht ungewöhnlich, sagt Andreas Pelzer. Zum einen falle die Anspannung von einem ab, zum anderen habe man Zeit, nachzudenken und Bilanz zu ziehen. Die Erschöpfung wird spürbar und sichtbar. Doch auch, wenn alles gut verlaufen ist, kann es einem hinterher schlecht gehen. „Nach einer Zeit großer Anspannung muss sich der Hormonhaushalt erst wieder herunterregulieren. Manchmal kommt es vorübergehend zu einer sogenannten ‚Entlastungsdepression‘. Besonders anfällig sind Menschen, die zu Grübeleien und Stimmungsschwankungen neigen“, betont der leitende Arzt der Christoph-Dornier-Klinik. Diese werde aber nicht als Erkrankung eingestuft.

Psychologisches Infotelefon
Weitere Informationen zu Depressionen erhalten Interessierte unter www.christoph-dornier-klinik.de. Darüber hinaus bietet die Klinik mittwochs von 17 bis 20 Uhr ein Psychologisches Infotelefon an. Zu erreichen sind die Experten unter +49 (0)251 4810-148.

Depression: Die Last des Frühlings

Die Temperaturen steigen, die Natur lebt auf. Doch nicht alle genießen den Frühling. Menschen mit Depressionen geht es in dieser Jahreszeit oft besonders schlecht. Umso wichtiger ist jetzt eine professionelle Unterstützung

Münster – Nicht im Winter nehmen sich die meisten Menschen das Leben, sondern im Frühjahr. Eindeutig wissenschaftlich erklären lässt sich dieses Phänomen bisher nicht. Verschiedene Faktoren scheinen zusammenzukommen. 90 Prozent der Menschen, die einen Suizid begehen, sind psychisch erkrankt, meistens an einer Depression. „Nach der dunklen und kalten Jahreszeit steigert das vermehrte Sonnenlicht den Antrieb. Der stimmungsaufhellende Effekt tritt aber erst später ein, nach etwa zwei Wochen. Dadurch kann sich das Suizidrisiko erhöhen. Vor allem wenn das Gefühl der lebensermüdenden Hoffnungslosigkeit nicht therapeutisch aufgefangen wird“, erklärt YooJeong Lee, leitende Oberärztin der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Vergleiche rauben oft den letzten Funken Hoffnung

Der Blick auf die aufblühende Umwelt macht depressiv erkrankten Menschen zusätzlich schmerzlich bewusst, wie sehr sie selbst vom Leben abgeschnitten sind. Die Hoffnungslosigkeit steigt ebenso wie das Gefühl, völlig versagt zu haben. Wenn noch nicht einmal die Frühlingsboten es schaffen, den schwarzen Schleier zu durchdringen. Für Angehörige und Freunde ist es gerade in dieser Jahreszeit oft schwer nachzuvollziehen, dass gut gemeinte Ratschläge nicht helfen und eher noch weiteren Rückzug provozieren. Dennoch ist es wichtig, in Kontakt zu bleiben, Hoffnung zu vermitteln und zu einer Therapie zu motivieren. Denn die Behandlungsmöglichkeiten sind gut und Lebensmüdigkeit ist überwindbar.

Depressionen sind psychotherapeutisch und medikamentös gut zu behandeln

„Insbesondere bei schweren Depressionen kann eine medikamentöseMitbehandlung unabdingbar sein und wichtige Zugänge für die psychotherapeutische Arbeit schaffen“, erklärt die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie YooJeong Lee. Auch Patienten mit leichten und mittelgradigen Depressionen können, vor allem in Krisenzeiten, von einer medikamentösen Begleittherapie profitieren.„Entscheidend ist immer der Einzelfall. Und entscheidend ist auch, rechtzeitig eine Psychotherapie einzuleiten. Denn Probleme lösen können Medikamente nicht“, so die Oberärztin der Christoph-Dornier-Klinik.

80 Prozent der Deutschen glauben, dass Antidepressiva abhängig machen

Die Annahme, dass Antidepressiva abhängig machen, wird meistens mit Absetzphänomenen begründet, die insbesondere dann auftreten können, wenn die Dosis abrupt geändert wird. Um Nebenwirkungen, wie Stimmungsschwankungen, Schwindel, Unruhe oder Magen-Darm-Probleme möglichst gering zu halten, sollten Antidepressiva schrittweise aufdosiert und ausgeschlichen werden. „Der Organismus braucht Zeit, sich an die chemischen Veränderungen im Gehirn anzupassen. Ein Zeichen von Abhängigkeit im Sinne einer Suchterkrankung sind diese Symptome nicht“, sagt YooJeong Lee.

Aufklärung kann Leben retten

Die Sorgen der Menschen kann die Ärztin verstehen: „Die Gabe von Medikamenten ist immer ein sensibler Eingriff, der gut begründet sein muss und einer behutsamen und sorgfältigen Aufklärung bedarf. Wichtig ist, dass ein depressiv erkrankter Mensch über alle Behandlungsoptionen informiert ist, sich bewusst für oder gegen eine Behandlung entscheiden kann und dabei professionell begleitet wird.“ Aus ihrer Sicht sollte jede psychopharmakologische Behandlung mit einer Psychotherapie kombiniert werden. Denn auch das helfe, Vorurteile abzubauen und Leben zu retten – insbesondere in Zeiten, die besonders belastend sind.

Hintergrundinformationen zur Klinik
Die Christoph-Dornier-Klinik feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Mit ihrem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungskonzept leistete sie in Deutschland Pionierarbeit. Auf Basis aktueller Forschungsergebnisse und langjähriger Erfahrung wurde dieses um klärungsorientierte und schematherapeutische Anteile erweitert. Das Intensivkonzept der Klinik beinhaltet bis zu zehn Einzelpsychotherapiesitzungen à 50 Minuten pro Woche zuzüglich weiterer, auf den individuellen Bedarf abgestimmter Gruppentherapien. Bei Bedarf finden therapeutische Übungen auch im Lebensumfeld des Patienten statt. Das Behandlungsangebot richtet sich an Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren.

Wenn immer besser nie gut genug ist

Die Möglichkeiten, sich selbst zu optimieren, scheinen schier grenzenlos zu sein. Denn Defizite lauern überall – im Job, im Sport, in der Familie. Beim Streben nach dem Optimum bleibt das „Selbst“ oft auf der Strecke

Münster – Am 5. Februar eröffnet in München die Internationale Sportmesse. Effiziente Trainingsprogramme, Wearables und Apps sollen helfen, fitter, schlanker, leistungsfähiger zu sein: „Gesundheit wird zum Selbstdesign“. Sich selbst zu überwachen, zu analysieren und zu optimieren liegt weiterhin voll im Trend – beim Sport, im Job, in der Familie. „Etwas verbessern zu wollen, ist ein wichtiger Motor, um sich weiterzuentwickeln“, erklärt Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster. Den allgegenwärtigen Trend zur Selbstoptimierung sieht er dagegen kritisch. Denn dieser fördere ein defizitäres Selbstbild.

Nicht nur im Job, auch im privaten Umfeld kann das Gefühl, die eigene Leistung verbessert, Abläufe optimiert und Zeiten effizienter genutzt zu haben, enorm befriedigend sein. Der Wettbewerb mit sich selbst ist ein bewährtes Mittel, um Höchstleistungen zu erbringen und zu weiteren zu motivieren. Auf Dauer aber kostet er mehr Kraft als die Ergebnisse spenden. Dem Drang, sich selbst zu optimieren, liegen oft Minderwertigkeitsgefühle und ein defizitärer Blick auf sich selbst zugrunde. „Erfolge können kurzfristig zwar selbstwertstabilisierend wirken, den Hunger nach einem optimalen Selbst stillen sie aber nicht. Denn das was ist, ist niemals gut genug“, so der promovierte Psychologe.

Beim Streben nach dem Optimum bleibt das Selbst oft auf der Strecke. Solange bis „die Technik“ streikt, das Herz aussetzt, die Panik rast oder bleierne Erschöpfung jede Flamme erstickt. In der Therapie von Angststörungen und Depressionen (Burnout) sind Selbstwert und Leistungsanspruch geläufige Themen. Für Benedikt Klauke ist Selbstoptimierung letztlich nichts anderes als ein Vermeidungsziel. Häufig geht es eher darum, einen unerwünschten – als nicht genügend empfundenen – Zustand zu vermeiden und nicht darum, ein Ziel zu erreichen, da die Maßstäbe immer weiter nach oben verschoben werden.

Ein solcher Wettkampf gegen sich selbst lässt sich weder mit Sport noch mit gesunder Ernährung gewinnen. „Wichtig ist, positive Ziele zu formulieren, auf die man sich konkret zubewegen kann. In der Psychologie spricht man dann von einem Annäherungsziel. Das kann durchaus eine bessere Trainingszeit sein. Wenn das erzielte Ergebnis aber keine positiven Empfindungen (mehr) auslöst und nicht befriedigt, ist Vorsicht geboten. Dann lohnt sich die Frage nach der Motivation. Denn nach immer fitter und immer gesünder kommt in der Regel krank“, warnt der leitende Psychotherapeut der Münsteraner Klinik. So begännen auch Erkrankungen wie Sportanorexie oder Orthorexie oft mit dem Wunsch, leistungsstärker zu werden und sich gesünder zu ernähren.

Reinigungszwang: Wenn das Leben ohne Handschuh nicht mehr funktioniert

artikel-cdk_21112016Münster – Kalt ist es geworden. Christian D. ist erleichtert. Keiner starrt mehr auf seine Hände, die Handschuhe fallen nicht mehr auf. Im Sommer ist das anders. Rund 50 Paar Einmalhandschuhe verbraucht er am Tag. Sonst könnte er seine Wohnung nicht verlassen, kein Geländer anfassen, keine Tür, keinen Automaten. Alles, was von Menschen berührt wird, ist für ihn potentiell gefährlich.

Seit acht Jahren leidet Christian D. an einem Wasch- und Reinigungszwang. In der Kälte leuchten seine Hände krebsrot. Die Haut ist dünn wie Papier, rissig und wund gewaschen. Und noch anfälliger für Keime, vor denen er sich panisch fürchtet. Die Handschuhe beruhigen ihn, aber nur kurzfristig. Die Angst, sich mit HIV oder anderen schweren Krankheiten zu infizieren, holt ihn immer wieder ein. Egal wie oft und lange er seine Hände wäscht, egal wie viel Desinfektionsmittel er benutzt, egal wie gründlich er putzt. Irgendwann müssen es zwei Lagen Handschuhe sein.

Zwänge spielen sich oft im Verborgenen ab. In Deutschland geht man von mindestens 2,3 Millionen betroffenen Menschen aus. Am häufigsten sind Wasch- und Reinigungszwänge, verbunden mit der panischen Angst, sich oder auch andere durch Schmutz, Körperflüssigkeiten, Bakterien oder Viren zu gefährden. Deshalb wird ein direkter Kontakt möglichst vermieden. Doch schon der Gedanke daran kann Panik auslösen und stundenlange Wasch- und Reinigungsrituale nach sich ziehen.

Die meisten wissen, dass ihr Verhalten mindestens übertrieben ist, und schämen sich dafür. Häufig werden Partner, Eltern oder andere Familienangehörige in die Zwänge einbezogen. Auf Drängen der Betroffenen übernehmen sie Rituale, berühren zum Beispiel bestimmte Dinge nicht oder ziehen sich nach dem Betreten der Wohnung um, um diese nicht zu „verseuchen“, wodurch sich der Zwang weiter verfestigt.

„Oft werden Zwänge mit Ängsten oder Depressionen verwechselt. Bis eine Zwangserkrankung angemessen behandelt wird, vergehen durchschnittlich mehr als sieben Jahre, in denen sich die Menschen durch ihr Leben quälen, wertvolle soziale Kontakte verlieren und nicht selten auch ihren Job. Dabei sind die Behandlungsmöglichkeiten ausgesprochen gut“, sagt Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Als Faustregel gilt: Wer täglich mehr als eine Stunde mit Zwangsgedanken oder -handlungen verbringt und darunter leidet, sollte sich professionelle Hilfe suchen. Denn Zwänge verschwinden in der Regel nicht von alleine. Bei Christian D. hat das Leben schließlich nicht mehr funktioniert. Auch mit Handschuhen nicht. Nun lernt er Schritt für Schritt, sich seinen Ängsten zu stellen und weder in die Vermeidung noch in seine Rituale zu flüchten. Er beginnt zu verstehen, dass er Risiken und Gefahren unrealistisch hoch einschätzt und viel zu viel Verantwortung übernehmen möchte. Dass er mit dem Zwang Menschen auf Distanz hält und sich so vor dem Gefühl der Abhängigkeit schützt. Denn auch solche Funktionen kann eine Zwangserkrankung haben.

Um niederschwellig über Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, bietet die Christoph-Dornier-Klinik jeden Mittwoch eine kostenlose Telefonberatung an. Zu erreichen sind die Psychologen der Klinik zwischen 17 und 20 Uhr unter +49 (0)251 4810-148. Weitere Informationen erhalten Betroffene und Angehörige auch unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Studienkrise: die Angst zu scheitern

Artikel-CDK_09062016Rund 40 Prozent aller Studienanfänger brechen ihr Studium ab. Häufig sind Leistungsprobleme oder mangelnde Motivation der Grund. Manche haben beides. Sie schieben Aufgaben vor sich her und vermeiden Prüfungen, schaffen es aber nicht, sich aus der Situation zu lösen. Und werden darüber krank.

Oft beginnen die Probleme im Studium. Die Anforderungen steigen. Doch statt sich hoch konzentriert auf die Prüfungen vorzubereiten, ist an Lernen kaum mehr zu denken. Jede Ablenkung ist willkommen. Die Zeit verfliegt, vor allem im Internet. Doch das schlechte Gewissen bleibt. Versagensängste machen sich breit. So ging es auch Jonas Bärwald, der seinen wahren Namen für sich behalten möchte. Mit besten Voraussetzungen begann er Jura zu studieren. Er war es gewohnt Erfolg zu haben. Mit jedem Semester fiel es ihm schwerer, sich zu konzentrieren und zu motivieren. Immer häufiger fehlte er in Seminaren, meldete sich vor Klausuren krank, schob Hausarbeiten vor sich her, versäumte Fristen. Und bekam immer mehr Angst – vor Bewertungen, vor Prüfungen, vor seinen Eltern. Er vermied den Kontakt zu anderen Studenten, denn auf einmal schienen alle an ihm vorbeizuziehen. Er selbst steckte fest. Dann drohte ihm die Exmatrikulation.

„Versteckspiel“ verhindert konstruktive Lösung des Dilemmas

Als Jonas Bärwald in die Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie nach Münster kommt, bestimmen Angst und Depression sein Leben. Einsam hat er das Bild des erfolgreichen Jura-Studenten aufrechterhalten, vor allem gegenüber seinen Eltern, die er nicht enttäuschen möchte. „So ein ‚Versteckspiel‘ hat einen hohen Preis“, sagt Judith Müller, stellvertretende leitende Psychologische Psychotherapeutin der Klinik. „Es entfremdet einen noch weiter von den eigenen Bedürfnissen und verhindert eine konstruktive Lösung des Dilemmas. Menschen wie Jonas Bärwald orientieren sich auf der Suche nach Anerkennung in einem hohen Maß an den Erwartungen anderer, meist wichtiger Bezugspersonen. Sie neigen dazu, fremde Ziele als eigene zu übernehmen. Oft wissen sie gar nicht, was sie selber wollen, und trauen sich nicht zu, Dinge anzugehen, aus Angst zu scheitern. Weil ihnen aber die eigene, intrinsische, Motivation und das Vertrauen in sich selbst fehlen, müssen sie sich noch mehr anstrengen und fühlen sich bald überfordert. Das schürt Aversion und Vermeidung. Es entsteht eine ständige, oft unbewusste Furcht davor zu versagen.“

Betroffene sind in extremer Weise fremdbestimmt

In einem solchen Dilemma gefangen entwickeln die Studenten oft entschuldigende Strategien, erklären ihr „Scheitern“ mit Prüfungsängsten oder mangelnder Betreuung. Ihr Hauptproblem, in extremer Weise fremdbestimmt zu sein und sich davon nicht lösen zu können, ändert das nicht. Auch nicht ihre grundlegende Selbstunsicherheit. Stattdessen wächst die Diskrepanz zwischen Wirklichkeit und den häufig unrealistisch hohen Zielen weiter. Wer es nicht schafft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, bekommt meist noch weitere Probleme. Nicht selten wird das Internet zum Zufluchtsort. Soziale Beziehungen leiden, Ängste wachsen, häufig entwickelt sich zusätzlich eine Depression. Spätestens dann empfiehlt sich professionelle Hilfe.

Hilfsangebote lieber früher als später nutzen

Eine erste Anlaufstelle kann die Studienberatung sein, oder auch der Hausarzt. Beide bahnen bei Bedarf Kontakte zu psychotherapeutischen Praxen oder Kliniken. Im Internet informiert die Christoph-Dornier-Klinik ausführlich über Ängste, Depressionen, Internetabhängigkeit, Persönlichkeitsstörungen und deren Behandlungsmöglichkeiten. Wer sich telefonisch informieren möchte, kann sich jeden Mittwoch von 17 bis 20 Uhr unter 0251 48 10 148 von den Psychologen der Klinik kostenlos beraten lassen. Weitere Informationen unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Welttag der Suizidprävention: Das Leben zurück erobern

Der 10. September ist der Suizidprävention gewidmet und somit auch Menschen, die unter einem unverarbeiteten Trauma leiden. Bei ihnen ist das Risiko, lebensmüde Gedanken zu entwickeln, um ein Vielfaches erhöht

Artikel-CDK_01032016Münster – 1.296 Menschen haben sich vorletztes Jahr in Nordrhein-Westfalen das Leben genommen. Allein im Regierungsbezirk Münster waren es 275, in der Stadt Münster 39. Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 10.000 Menschen durch Suizid. Zehnmal so viele versuchen es. Jeder dritte von ihnen wird es wieder versuchen. Isolation, Schuldgefühle, Scham und Stigmatisierung können Auswege aus der Lebensmüdigkeit versperren. Das betrifft Menschen, die an den Folgen eines unverarbeiteten Traumas leiden, in besonderem Maße.

„Traumatische Erlebnisse sind eng mit dem Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit verbunden. Vor allem wenn sie ‚Mensch-gemacht‘ sind, wie bei Missbrauchserfahrungen. Diese tiefe Verletzung der Würde erschüttert auch das Selbstwertgefühl zutiefst. Die Gefahr, in der Opferrolle verhaftet zu bleiben, sich zurückzuziehen und eine negative Lebenseinstellung zu entwickeln, ist dann sehr groß. Menschen, die sich wieder handlungsfähig und selbstfürsorglich erleben können, sind am besten vor Depression und Suizidalität geschützt“, sagt Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Traumafolgestörungen, wie die Posttraumatische Belastungsstörung, können Monate bis Jahre nach einem traumatischen Erlebnis auftreten. Oft werden sie von Depressionen begleitet. Betroffene versuchen drei- bis fünfmal häufiger sich das Leben zu nehmen als depressiv erkrankte Menschen ohne Traumahintergrund. Immer wieder überrollen sie Erinnerungsbruchstücke, und häufig auch unkontrollierbar erlebte Gefühle. Das verunsichert weiter, lässt am Lebenswert zweifeln, vor allem wenn Scham und Schuldgefühle im Spiel sind. Wichtiger denn je: die soziale Unterstützung.

„Durch das massive Verschweigen und die Tabuisierung dieses Problems verstärken sich die Vorurteile, die Menschen mit Selbsttötungsabsicht entgegen gebracht werden. Hierdurch werden die Betroffenen in einer lebensbedrohlichen Situation allein gelassen“ weiß Petra Karallus, Leiterin der Krisenhilfe Münster e.V. Dort finden Menschen in suizidalen Krisen schnell und unbürokratisch Hilfe, innerhalb von 24 Stunden. Die Beratung ist vertraulich und kostenlos.

Der wichtigste Schutz vor Lebensmüdigkeit ist jedoch eine frühzeitige und qualifizierte Therapie. Dabei gilt es nicht nur das Traumagedächtnis „aufzuräumen“ und die traumatischen Erlebnisse als Teil der Vergangenheit einzuordnen, um ihnen an Macht im Hier und Jetzt zu nehmen. Auch der Umgang mit Gefühlen und Problemen muss geschult werden. Denn das ermöglicht den Betroffenen, traumatische Erlebnisse neu zu bewerten und sich von Scham und Schuldgefühlen zu befreien, so der Diplom-Psychologe Benedikt Klauke. Auf diese Weise gestärkt können sie sich Schritt für Schritt ihr Leben zurück erobern.

Krisenhotline der Krisenhilfe Münster e.V.

Montags bis freitags von 17.30 bis 19.30 Uhr sowie montags bis donnerstags von 9 bis 13 Uhr. Telefon: 0251 5190 05. Weitere Informationen unter: www.krisenhilfe-muenster.de

Beratungstelefon der Christoph-Dornier-Klinik

Jeden Mittwoch zwischen 17 und 20 Uhr können sich Betroffene und Angehörige kostenlos über die Behandlungsmöglichkeiten von Traumafolgestörungen und Depressionen informieren. Telefon: 0251 4810-148. Weitere Informationen unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Nur schlecht drauf oder depressiv?

Bei Jugendlichen können Reizbarkeit, Schlafstörungen und Lerndefizite auf eine Depression hinweisen. Ebenso ein erhöhter Drogenkonsum. Eltern können helfen ‒ indem sie zum Beispiel auf schnelle Lösungsvorschläge verzichten

Münster – Carla reagiert zunehmend genervt, auf ihre Eltern, die Schule, die Freunde – alles wird ihr zu viel, selbst das Training, zu dem sie früher gerne gegangen ist. Eigentlich will sie nur noch ihre Ruhe haben. Kiran schläft schlecht, hat Mühe sich zu konzentrieren und morgens häufig Kopfschmerzen. Meistens meldet er sich dann krank, was sich auch in seinen Noten widerspiegelt. Max hat das Gefühl, nichts hinzubekommen, sich auf niemanden verlassen zu können. Seine Zukunft sieht er düster. Die fetten Jahre sind vorbei. Immer häufiger ertränkt er seine Grübeleien in Alkohol. Carla, Kiran und Max zählen zu den fünf Prozent der Jugendlichen, die an einer Depression erkrankt sind.

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Verhaltensprobleme können klassische Symptome überlagern

Im Kindes- und Jugendalter überlagern oft Verhaltensprobleme, wie Aggression, Hyperaktivität und Lerndefizite, die klassischen Kriterien einer Depression. Das erschwert die Diagnose. Bis zur Pubertät sind Mädchen und Jungen etwa gleich häufig betroffen, danach nimmt der Anteil an Frauen zu. Eine depressive Episode kann sich aus einer akuten Belastungssituation heraus entwickeln, meistens liegen die Gründe aber tiefer. Negative Denk- und Bewertungsmuster, geringes Selbstvertrauen, mangelnde soziale Fertigkeiten, ein ungünstiger Umgang mit Emotionen und Problemen, familiäre Belastungen und Leistungsdruck in der Schule können die Entwicklung einer Depression begünstigen. Insbesondere in einer Zeit, in der die Jugendlichen zahlreiche Entwicklungsaufgaben zu meistern haben.

Aktivieren oder in Ruhe lassen?

Für Eltern ist es oft schwer zu ertragen, wenn ihre jugendlichen Kinder sich zurückziehen, Aufgaben schleifen lassen, Fehlzeiten anhäufen, ständig gereizt sind oder Drogen konsumieren. „Heute versuchen viele Eltern sehr schnell, Lösungen für ihre Kinder zu finden. Das setzt Jugendliche mit einer depressiven Erkrankung enorm unter Druck. Gerade für sie wäre es wichtig, dass ihre Eltern sie wahrnehmen und die wahrgenommene Stimmungsveränderung offen ansprechen, ohne gleich eine einfache, für den Jugendlichen aber unmögliche Lösung zu präsentieren. In der Therapie ist das ein großes Thema und für die Eltern oft ein Dilemma“, erklärt Vera Frühauf, Kinder- und Jugend- psychotherapeutin der Christoph-Dornier-Klinik in Münster, Leiterin des Bereichs Jugendliche und junge Erwachsene.

Motivation und Beziehungsaufbau, aber kein Druck

In der Behandlung der Depression spielt der Aufbau positiver Aktivitäten eine zentrale Rolle, auch bei jugendlichen Patienten. Dieser funktioniert aber nur über Motivation und Beziehung, nicht über Druck. Weshalb Eltern mit ihren (gut gemeinten) Aktivierungsversuchen oft scheitern. Außerdem müssen Hintergrundkonflikte bearbeitet, Kompetenzen entwickelt und Einstellungen verändert werden.

Depressiv erkrankte Jugendliche fühlen sich häufig als Versager, als „lahme Ente“, mit der man keinen Spaß haben kann. Handlungsunfähig, Blei in den Adern. Bei den meisten ist das Gefühl der Erschöpfung so groß, dass sie alles, was einmal Spaß gemacht hat, als unangenehm empfinden. Selbst soziale Netzwerke und Computerspiele. Sie schlafen oder grübeln. Viele vermissen jedoch die Freude und wünschen sich, wieder etwas Schönes erleben zu können, so die Erfahrung von Vera Frühauf. Der Leidensdruck ist enorm hoch und ein Grund, sich Hilfe zu suchen. Eltern können dabei eine große Stütze sein ‒ indem sie sich informieren, Kontakte bahnen und motivieren.

Anzeichen für eine depressive Erkrankung bei Jugendlichen

  • Traurigkeit, Wut oder Genervt-Sein (seit mindestens zwei Wochen)
  • Lustlosigkeit, Ess- oder Schlafprobleme
  • Bauch- oder Kopfschmerzen
  • Schule, Freizeit, Freunde – alles wird „zu viel“
  • Noten werden schlechter
  • häufiger Streit mit Freunden und/oder Eltern
  • Gedanken wie „ich kann nichts“, „ich bekomm nichts hin“, „es hat eh keinen Sinn“
  • Wesensveränderung
Beratungstelefon
Mittwochs zwischen 17 und 20 Uhr bietet die Christoph-Dornier-Klinik Angehörigen und Jugendlichen eine kostenlose telefonische Beratung an. Zu erreichen sind die Diplom-Psychologen unter +49 (0)251 4810-148. Weitere Informationen auch unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Infoabend: Burnout und Depressionen bewältigen

Merkmale, Ursachen und Wege aus Burnout und Depression stehen am 27. April im Fokus des Infoabends in der Christoph-Dornier-Klinik in Münster

Artikel-CDK_13042016Münster – Depressionen sind eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Experten zufolge erkrankt fast jeder Fünfte mindestens ein Mal in seinem Leben an einer depressiven Episode. Allein in Münster beträfe dies lebenszeitbezogen rund 54.000 Menschen. Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit und verschiedene körperliche Beschwerden, wie zum Beispiel Veränderungen des Schlafs oder des Appetits, sind die häufigsten Anzeichen.

Eine Depression kann sich aber ebenso in zunehmender Aggressivität, Aktionismus und verminderter Stresstoleranz äußern. Treten solche Symptome vor allem im beruflichen Kontext auf, spricht man oft eher von einem Burnout. Dieser kann jedoch sowohl Ursache als auch Folge einer depressiven Erkrankung sein.

Viele der Betroffenen wenden sich zunächst mit körperlichen Problemen, wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder Herzbeschwerden an ihren Arzt. Einige setzen alles  daran, dass ihre Umwelt nichts von ihrem Zustand bemerkt. „Bei depressiven Menschen  dominiert immer noch das Gefühl, dass sie für ihren Zustand selbst verantwortlich sind. Dabei  kann eine Depression jeden treffen, unabhängig vom Alter, Geschlecht oder sozialem Status“, sagt Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Datum: Mittwoch, 27.04.2016
Ort: Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie,
Tibusstraße 7 – 11, Münster
Uhrzeit: 17.00 – 19.00 Uhr
Zielgruppe: Betroffene, Angehörige und Interessierte
Referenten: u.a. Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut
der Christoph-Dornier-Klinik
Besonderheiten: Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten unter Tel. 0251/4810-102